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26. Mai 2024

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Veränderungen bei Start-Up-Investments von Family Offices

Veränderungen bei Start-Up-Investments von Family Offices© pexels/rdne stock project

Fast minus fünfzig Prozent bei globalen Investitionen von Eigentümerfamilien in Start-Ups und Verlagerung auf Later-Stage-Start-Ups. Gegen Trend verdoppeln sich heimische Investments, so Studie von PwC und Family Capital.

(red/mich/cc) Nach dem Rekordjahr 2021 sind die von Family Offices, vulgo Eigentümerfamilien, getätigten Investitionen in Start-Ups im Jahr 2022 weltweit massiv gesunken. Der Gesamtwert fiel um knapp 45 Prozent auf rd. 162 Milliarden Dollar (2021: 295 Milliarden Dollar). Die Anzahl der Investments sank um 22 Prozent auf 4.736 (2021: 6.092). Grund für den ersten Rückgang seit elf Jahren ist eine risikoaverse Investment-Strategie in Hinblick auf die unsichere Wirtschaftslage.

Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie „Family Office Deals“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und Family Capital. Die Studie basiert Angaben zufolge auf einer Analyse von weltweit 6.530 Family Offices und gäbe „Einblick in die diskrete Welt der Vermögensverwaltung von Eigentümerfamilien“, so PwC in einer Aussendung.

USA, Indien, Großbritannien, Deutschland und Frankreich als wichtigste Zielmärkte
„Durch die jüngsten geopolitischen Turbulenzen sind die Investments bei Start-Ups gesunken. Parallel legen Family Offices ihren Fokus auf mittelgroße Deals und schließen sich mit anderen Investoren zu Club Deals zusammen", so Georg Erdélyi, Partner bei PwC Österreich. „Trotz des Rückgangs haben sich Family Offices zu einer wichtigen Investorengruppe für Start-Ups etabliert. Fast ein Drittel des weltweit investierten Startkapitals stammte 2022 von Family Offices“, ergänzt Erdélyi.

Besonders beliebt bei Family-Investments waren im vergangenen Jahr Start-Ups in den Bereichen Software as a Service („SaaS“) sowie Tech, Medien und Telekommunikation. Lösungen für Finanztechnologie („FinTechs“) standen an dritter Stelle. Gemessen an der Anzahl der Deals zählen 2022 vor allem die USA, Indien, Großbritannien, Deutschland und Frankreich zu den wichtigsten Zielmärkten. Das mit Abstand meiste Kapital ging an Start-Ups mit Sitz in den USA.

Langzeit Trends und Investitionen Österreichischer Family Offices
Bis 2018 investierten Family Offices überwiegend in sogenannte Early-Stage-Start-Ups. Ab 2018 konzentrierten sie sich dann primär auf Later-Stage-Start-ups. Dies deute darauf hin, dass „Family Offices risikoaverser geworden sind und eine Vorliebe für zuverlässigere und etabliertere Geschäftsmodelle zeigen.“ Zuletzt kam es immer öfter zu sogenannten Club Deals, wo sich Family Offices mit anderen Investoren zusammenschließen. 2021 machten diese 92 Prozent der Investitionen aus, 2022 fielen sie leicht auf 89 Prozent zurück.

Österreichische Family Offices hingegen kontern den globalen Trend und investierten 2022 mehr als doppelt so viel Kapital in Start-Ups als im Vorjahr. Während sie 2021 elf Investitionen im Gesamtwert von 64 Millionen tätigten, stieg 2022 die Investitionssumme im Rahmen von 16 Deals auf 145 Millionen Dollar an. „Zu den stärksten Industrien für heimische Family Office Transaktionen zählten 2022 etwa „Software as a Service gemeinsam mit Mobile, KI, FinTech und Medizin-Technologie", so PwC-Experte Erdélyi.

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red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 13.06.2023