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26. Mai 2024

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Die Ambivalenz zwischen Empfang und Masten

Die Ambivalenz zwischen Empfang und Masten© pexels/iqbal farooz

Alle Nutzer:innen von Mobilfunkgeräten wollen einen guten Empfang und eine entsprechend große Netzabdeckung. Beim Thema Infrastruktur und Mobilfunkmasten ergibt sich dann aber ein differenziertes Bild, so eine Studie des deutschen Bitkom-Verbandes.

(red/czaak) Nachfolgend nun der dritte Teil der kleinen Serie zum Thema „Mobilfunk“ nach einer umfassenden Studie (1.007 Menschen in Deutschland ab 16 Jahren) des deutschen Digitalverbandes Bitkom anlässlich des aktuellen internationalen Branchentreffs in Barcelona. Nach den bereits erschienen Teilen zum Thema Wirtschaftsfaktor/Marktvolumina sowie Nutzungsverhalten (inkl. Demografie, Apps u.w.) wird nunmehr das Thema Infrastruktur erörtert.

Bei der Wahl ihres Mobilfunkanbieters legen praktisch alle Nutzer:innen eines Mobiltelefons Wert auf einen guten Empfang am Wohnort (97 Prozent). Ebenso vielen ist eine möglichst große Netzabdeckung (97 Prozent) wichtig und 87 Prozent eine möglichst hohe Surfgeschwindigkeit. Die Preise sollen für 81 Prozent möglichst niedrig sein und drei Viertel (75 Prozent) wollen flexible Kündigungsmöglichkeiten.

97 Prozent wollen guten Empfang und 87 Prozent gute Bandbreiten zum Surfen
Ein guter Kundenservice (69 Prozent) und die Nachhaltigkeit des Mobilfunkunternehmens (69 Prozent) ist ebenfalls für viele Kunden wichtig. Zunehmend beliebt sind Angebote, bei denen ein Mobilfunkvertrag mit einem anderen Service kombiniert wird: 51 Prozent legen Wert auf einen Mobilfunkvertrag, bei dem es das Smartphone dazu gibt, 36 Prozent ist die Kombination mit Streamingdiensten wichtig und 31 Prozent mit Festnetz- und TV-Anschluss.

So eindeutig das Bild bei dem Wunsch nach gutem Empfang und einer guten Netzabdeckung ist, so geteilt ist es bei der Frage, ob neue Funkmasten für den Ausbau des Mobilfunknetzes errichtet werden sollten. 56 Prozent der Bevölkerung sind insgesamt dafür – und 41 Prozent dagegen. Doch auch unter jenen Smartphone-Nutzern, die sich einen guten Empfang am Wohnort wünschen, wollen viele keine neuen Masten: 37 Prozent sind hier dagegen. „Die Verbraucher:innen wünschen sich zu Recht die schnellsten und sichersten Netze. Aber: Ohne Mobilfunkmasten kein flächendeckender Empfang“, sagt Markus Haas vom Präsidium des Bitkom-Verbandes.

56 Prozent der Bevölkerung für neue Funkmasten und 41 Prozent dagegen
Dennoch gibt es in der Bevölkerung Vorbehalte: 58 Prozent wollen nicht in einem Haus wohnen, auf dem eine Funkantenne installiert ist. 33 Prozent befürworten zwar insgesamt den Mobilfunkausbau, wollen aber keinen Funkmast in der Nähe ihrer Wohnung. Zugleich geben 46 Prozent an, von Bürgerprotesten genervt zu sein, die den Bau von Funkmasten verhindern.

Gleichwohl haben die Netzbetreiber in den vergangenen Jahren ein hohes Tempo beim Ausbau vorgelegt. „Trotz hochbelasteter Lieferketten und steigender Bau- und Energiepreise wurden große Fortschritte erzielt“, so Haas. So ist laut aktuellem Gigabit-Grundbuch der Bundesnetzagentur (Anm. in Deutschland) aktuell für mindestens 97 Prozent der Haushalte das superschnelle 5G verfügbar.

Verfahren beschleunigen und Bürokratie entschlacken
Schon zwischen 2018 und 2022 hat sich Deutschland bei der digitalen Infrastruktur im EU-Vergleich von Rang 16 auf Rang 4 nach vorne gearbeitet. „Die jüngsten Zuwächse schreiben diese Erfolgsgeschichte fort. Wenn Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen, können wir auch in Deutschland in kurzer Zeit richtig viel bewegen“, unterstreicht Markus Hass vom Bitkom-Verband.

Von entscheidender Bedeutung ist aus Sicht des Bitkom-Verbandes, dass Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Mobilfunkausbau weiter vereinfacht und beschleunigt werden. Insbesondere der Pakt für Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung sei ein Meilenstein für den Mobilfunkausbau in Deutschland. „Er kann das Tempo beim Netzausbau weiter beschleunigen – und muss deshalb schnell umgesetzt werden“, betont Haas.

Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen vereinfacht und beschleunigt werden
Mit Blick auf das TK-Netzausbaubeschleunigungsgesetz fordert der Bitkom-Verband von der Bundesregierung mehr Engagement. Der Ausbau der Telekommunikationsnetze sollte als „überragendes öffentliches Interesse“ eingestuft werden, wie beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Dies würde die Erteilung von Baugenehmigungen beschleunigen. Auch die Kommunen könnten den Mobilfunkausbau vor Ort unterstützen, indem sie für neue Standorte werben und etwaige Zweifel in der Bevölkerung ausräumen, so der Bitkom-Verband.

Wichtig sei außerdem, dass bei der kommenden Vergabe von Mobilfunkfrequenzen ein Verfahren gewählt werde, das dem Markt keine Investitionsmittel entzieht. „Der Ausbau digitaler Infrastrukturen ist für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands von immenser Bedeutung. Die Politik hat es in der Hand, mit einigen klugen Entscheidungen die Grundlagen für einen beschleunigten Ausbau zu schaffen. Die Netzbetreiber wollen kein Geld, sie wollen weniger Bürokratie und mehr unternehmerische Freiheit“, so Markus Haas vom Bitkom-Verband.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 04.03.2024