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21. Februar 2024

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Deutsche Konjunktur hat Talsohle überwunden

Deutsche Konjunktur hat Talsohle überwunden© pexels/rodolfo quiros

Die Konjunktur in Deutschland hat im Sommer ihre Talsohle erreicht. Ab nun soll es wieder aufwärts gehen, inklusive Wirtschaftswachstum, so die aktuelle Analyse des deutschen ifo-Instituts.

(red/czaak) „Die Konjunktur in Deutschland hat im Sommer die Talsohle erreicht. Ab Herbst dürfte es langsam wieder aufwärts gehen“, sagt Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Münchner ifo-Instituts. Er bezieht sich dabei auch auf Meldungen des Statistischen Bundesamts für Deutschland zur gesamtdeutschen Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2023.
„Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Oktober zum ersten Mal seit April gestiegen. Vor allem der Ausblick auf die kommenden Monate hat sich aufgehellt, aber auch die gegenwärtige Lage schätzen die Unternehmen besser ein“, fügt Wollmershäuser. „Nach unseren Schätzungen dürfte die Wirtschaftsleistung im laufenden vierten Quartal um 0,1 Prozent zulegen.“

Wiedererstarken der gesamtwirtschaftlichen Kaufkraft
Die positive Aussicht und Erholung dürfte durch das Wiedererstarken der gesamtwirtschaftlichen Kaufkraft eingeleitet werden. Bis zum Ende des laufenden Jahres dürften die Handelskontrakte sogar wieder das Niveau von vor Ausbruch der Coronakrise erreichen. Zum einen sind die Preise der meisten Importgüter, allen voran Energie, kräftig gesunken. Zum anderen konnten die Exporteure die gestiegenen Produktionskosten weitergeben.

Diese sogenannten Terms-of-Trade-Gewinne erhöhen den Verteilungsspielraum und ermöglichen bei gegebener Produktivitätsentwicklung höhere Nominallohnzuwächse, ohne den heimischen Preisauftrieb zusätzlich zu befeuern. Daher steigen die Einkommen der privaten Haushalte stärker als die Preise – und damit ist dann auch mit einem Kaufkraftplus und Anstieg des privaten Konsums zu rechnen. Parallel wird die Inflationsrate ihren Abwärtstrend fortsetzen. Viele Verbraucherpreise steigen bereits jetzt im Verlauf nur noch wenig, manche sinken bereits.

Industrie und Baubranche
Auch die Industrie wird von den Terms-of-Trade-Gewinnen und dem Aufleben der Konsumkonjunktur profitieren. Die Nachfrage nach deutschen Waren dürfte wieder zulegen, auch weil der globale Zinszyklus seinen Höhepunkt erreicht hat. Die Konjunktur im Wohnungsbau wird ihre Abkühlung hingegen fortsetzen.

Zwar ist der kräftige Anstieg der Preise für den Neubau von Wohngebäuden nun fast gestoppt und die Marktpreise für neuerstellte Wohnimmobilien (also Gebäude inklusive Grundstücke) sinken seit einem Jahr. Aus Sicht der Bauherren reicht diese Entlastung aber noch nicht als Kompensation der gestiegenen Finanzierungskosten. Darauf deuten zumindest die anhaltenden Auftragsrückgänge und Stornierungen bei den Bauunternehmen hin.

Der Konflikt im Nahen Osten als mögliches Risiko
Ein Risiko für die konjunkturelle Entwicklung ist eine weitere Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Das zumindest zeigt die Erfahrung aus dem Jahr 1973, als die arabischen Ölförderstaaten als Reaktion auf den Jom-Kippur-Krieg ein Ölembargo verhängten. In der Folge verfünffachte sich der durchschnittliche Erdölpreis binnen weniger Monate.
Und das hat in den damaligen Industrieländern schwere Rezessionen und kräftige Inflationsanstiege ausgelöst. Bislang seien Erdölpreise seit Ausbruch des Konflikts nur um etwa 6 Prozent gestiegen. Aber die weitere Entwicklung ist unsicher und hänge auch vom Verhalten der arabischen Ölförderstaaten in der Region ab, so die ifo-Experten.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 31.10.2023