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21. September 2021

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Coronakrise beschleunigt digitale und kulturelle Transformation der Unternehmen

Coronakrise beschleunigt digitale und kulturelle Transformation der Unternehmen© Pexels.com/Field Engineer 442150

Knapp siebzig Prozent der CEOs investieren in moderne Technologie. Sechzig Prozent setzen auf Transformation der Betriebskultur. Divergenz zwischen Gewinnern und Verlierern steigt, so neue globale Studie von Ernst & Young.

(red/czaak) Die globalen Trends in den Unternehmen im Zuge der globalen Corona-Pandemie haben sich weiter manifestiert und die Führungskräfte haben nahezu keine andere Wahl, als das Tempo des organisatorischen Wandels mitzutragen. Es gilt etwa das Momentum nicht nur Marktführer zu sein, sondern auch Marktvorreiter zu werden.

Jedes dritte Unternehmen profitierte bereits vor dem Ausbruch der Pandemie von einer Phase des finanziellen Wachstums und wird auch in den nächsten drei Jahren seinen Mitbewerb übertreffen. Umgekehrt berichtet ebenfalls ein Drittel von stagnierenden Umsätzen im Vorjahr und erwartet auch in der näheren Zukunft keine Veränderung dieser Situation.

Kluft zwischen Wachstum und Überleben
Das letzte Drittel der globalen Führungskräfte berichtet, dass ihre Unternehmen vor der Pandemie einen Umsatzrückgang erlebten und erwarten das auch künftig oder bestenfalls ein Einpendlen. Die Entscheidungsträger dieser Gruppe werden ihre Transformationsagenda verlangsamen.

„Diese zunehmende Kluft zwischen Wachstum und Überleben unterstreicht die Dringlichkeit, sich im entscheidenden Moment zu transformieren. Während einige CEOs die gegenwärtige Chance bereits nutzen, müssen andere sofort handeln, damit sie nicht noch weiter zurückfallen“ kommentiert Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich, die Ergebnisse der dritten CEO Imperative Study von EYQ (Anm. globaler Think Tank von EY) mit Befragung von über 300 Chief Executives.

Investitionen in Technologie und Human Ressources
Knapp siebzig Prozent der befragten CEOs geben auch an, dass sie umfangreich in Daten und Technologie investieren werden, fast ebenso viele geben aktuell mehr Geld als in der Vergangenheit aus, um ihre Transformationen zu beschleunigen. 61 Prozent möchten innerhalb des nächsten Jahres eine größere Transformationsinitiative durchführen, 42 Prozent planen, innerhalb von drei Jahren Anpassungen an den Risikomanagementprozessen ihres Unternehmens vorzunehmen.

Die CEOs erkennen auch zunehmend die Bedeutung menschlicher Faktoren für den Erfolg ihrer Transformationsprojekte, so die EY-Experten. 68 Prozent der CEOs geben mindestens eine Transformationspriorität an, die sich auf die Bedeutung von Menschen, die Pflege zukünftiger Talente und die Organisationskultur bezieht. Während knapp jedes fünfte erfolgreiche Unternehmen die Mitarbeiterzahl erhöhen möchte, sind es bei anderen Betrieben bloß drei Prozent. Einige planen auch Stellenstreichungen.

Vertrauensverlust in Datensicherheit bremst
Während Datensicherheit und Datenschutzbestimmungen in den Vordergrund des öffentlichen Diskurses rücken, bleibt eine große Vertrauenslücke zwischen dem, was intelligente Technologien können und dem, was die Menschen bereit sind zuzulassen. Nur jeder zweite CEO bestätigt, dass es im eigenen Unternehmen möglich ist, zeitnah datengestützte Erkenntnisse zu liefern. Vierzig Prozent geben an, dass sie in der Lage sind, maschinelle und menschliche Daten effektiv zu kombinieren, um Entscheidungen zu treffen. Eine große Lücke findet sich aber im Zusammenhang mit Daten und Vertrauen: Nur jeder dritte CEO sagt, dass die Kunden dem Unternehmen ihre Daten anvertrauen.

„Das zeigt, wie wichtig es für Führungskräfte ist, die Prozesse rund um Datennutzung zu hinterfragen und parallel die Transparenz gegenüber Kunden und Partnern zu erhöhen. Wenn dieses Problem nicht angegangen wird, könnte es das Wachstum einschränken sowie Innovationen und Transformationsbemühungen verlangsamen“, so Reimoser. Knapp neunzig Prozent unterstreichen jedoch, dass die Nutzung von Data Science zur Erfüllung individueller Kundenbedürfnisse in den nächsten fünf Jahren priorisiert wird; fast ebenso viele meinen, dass die Bereitstellung datengesteuerter Erlebnisse Wettbewerbsvorteile bringen wird. Rund vierzig Prozent sagen, dass künstliche Intelligenz (KI) und Data Science in den nächsten zwölf Monaten eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordert.

Starke Unterschiede in den Branchen
Während die digitale Innovation insgesamt der Treiber für Transformation und Wachstum ist, gibt es wichtige Unterscheidungen zwischen den verschiedenen Branchen. Am auffälligsten ist dies im Energiesektor, wo weniger als ein Drittel der digitalen Transformation Aufmerksamkeit einräumt. Die Befragten konzentrieren sich hier verstärkt auf den Klimawandel (87 Prozent) und geopolitische Risiken (64).

Im Finanzsektor fokussiert sich etwas mehr als die Hälfte auf digitale Transformation, während knapp siebzig Prozent auf Cybersicherheit achten. Zu den deutlichsten Unterschieden gehört der Bereich der langfristigen Wertschöpfung: Siebzig Prozent im Fertigungssektor sind der Meinung, dass ihr Fokus auf diesem Bereich liegen sollte, im Technologiesektor sind es nur 17 Prozent.

Defizite in der Unternehmenskultur
Agilität, Innovation und Vielfalt sind zwar ein fruchtbarer Boden für erfolgreiches Wachstum, bleiben doch oftmals im Hintergrund: Nur eine knappe Mehrheit der CEOs sagt, dass ihre Organisationen in der Lage sind, Entscheidungen agil zu treffen. In nur jedem dritten Unternehmen arbeitet die Führungsebene an einem gemeinsamen Ziel mit einer gemeinsamen Vision.

Nicht einmal jeder zehnte CEO vermerkt, dass mehr Diversität in der Zusammenstellung die wichtigste nötige Veränderung ist. Nur sieben Prozent empfinden das Einbringen von Talenten von außerhalb des Unternehmens als Priorität. Über achtzig Prozent sagen, ihre aktuelle C-Suite verfügt in hohem oder sehr hohem Maße über die optimale Struktur, Erfahrung und Fähigkeiten.

DNA des zukünftigen Unternehmens
Einig sind sich die CEOs, dass eine menschenzentrierte Führung für den Erfolg des zukünftigen Unternehmens entscheidend sein wird – 80 Prozent stimmen zu, dass der Mensch in den Mittelpunkt der Entscheidungsfindung gestellt wird, während drei Viertel sagen, dass Empathie und Soft Skills als wichtige Managementfähigkeiten in den Vordergrund rücken werden. Auch bei den wichtigsten Charakteristika effektiver Führungskräfte sind sich die Befragten einig: Der Fokus liegt auf Führung mit Empathie, beispielhafter Experimentierfreude und Risikobereitschaft (je 44) sowie dem Antrieb einer transformativen Denkweise (42 Prozent) im gesamten Unternehmen.

„Der Wunsch, den Mensch in den Mittelpunkt aller Aktivitäten des Unternehmens zu stellen, um die Agilität zu erhöhen und auf veränderte Markt- und Kundenanforderungen zu reagieren, ist stark ausgeprägt. Auf der anderen Seite gelten Technologien und rasche Implementierungen als grundlegend. Innovation in großem Maß, Zusammenarbeit zwischen Organisationen in einem immer größer werdenden Ökosystem, um neue Märkte zu erschließen, wird ebenfalls immer wichtiger“, so Reimoser. „Jedoch zeigt sich eine Lücke zwischen Absicht und Ausführung – Führungskräfte müssen ihren öffentlichen Zusagen Taten folgen lassen, um die mutigen Schritte zu unternehmen, die für langfristigen Wert und Wandel nötig sind.“

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 08.06.2021