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21. Februar 2024

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Erleichterungen bei Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Erleichterungen bei Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen© pexels/karolina grabowska

Ein Projekt der Med Uni Innsbruck berechnet erstmals Referenzwerte für sogenannte Pulswellengeschwindigkeit und verbessert damit Vorhersage und Therapie bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

(red/czaak) Das Risiko für Schlaganfall sowie Herz- und Nierenerkrankungen erhöht sich mit zunehmender Steifigkeit der Gefäße. Die Pulswellengeschwindigkeit (Anm. Pulse Wave Velocity, PWV) hat sich dabei als Marker für die Gefäßsteifigkeit etabliert, doch bislang fehlten Vergleichsdaten zur richtigen Einordnung der Messwerte. Eine neue Metaanalyse aus Innsbruck liefert nun erstmals globale Referenzwerte für die Pulswellengeschwindigkeit und damit die Grundlage für eine gezielte Risikoabschätzung bei Beschwerden und Erkrankungen.

Grundsätzlich lässt die Elastizität unserer Gefäße im Lauf des Lebens nach. Verschiedenste Parameter tragen dazu bei, neben Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck oder Bewegungsmangel auch Gefäßverkalkung und der natürliche Alterungsprozess. „Werden die Gefäße steifer, dann steigt auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der vom Herzschlag ausgelösten Welle entlang Aorta und Arterien an. Diese Pulswellengeschwindigkeit ist also ein direkter Indikator für die Gesundheit unseres Gefäßsystems“, erläutert Stefan Kiechl, Direktor der Uni Klinik Neurologie an der Med Uni Innsbruck und wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums VASCage.

Gezieltere Risikovorhersage
Dem großen Nutzen der PWV als Marker für das Risiko von Gefäßerkrankungen stand bislang jedoch das Fehlen geeigneter Referenzwerte gegenüber. „Die PWV kann sehr unterschiedlich sein und wird nicht nur durch Alter und Geschlecht, sondern auch durch geografische Faktoren, sozio-ökonomischen Hintergrund und Genetik bestimmt“, ergänzt Raimund Pechlaner, Innsbrucker Neurologe. Um die Variabilität der PWV darstellen und valide Referenzwerte berechnen zu können, führten die Innsbrucker Neurologen gemeinsam mit Sophia Kiechl vom Forschungszentrum VASCage sowie Kollegen in London und Changsha (China) eine Metaanalyse durch.

Dafür wurden weltweit alle verfügbaren PWV-Messungen kombiniert, insgesamt 167 Studien aus 34 Ländern mit gemeinsam über 500.000 TeilnehmerInnen und darunter auch eigene spezifische Studien des VASCage (Anm. EVA und EVA4You).

Regionale Besonderheiten
„Unsere Daten belegen etwa, dass in China und anderen Ländern des asiatischen Raums höhere Pulswellengeschwindigkeiten gemessen werden. Das könnte das dortige gehäufte Auftreten von Kleingefäß-Schlaganfällen und Hirnblutungen erklären“, so Kiechl. Der Neuwert der nun berechneten Schwellenwerte liegt in der verbesserten Vorhersage des individuellen kardiovaskulären Risikos.

„Damit lassen sich in der Folge gezieltere Therapieentscheidungen treffen, zumal die Gefäßsteifigkeit durch die Änderung des Lebensstils beeinflussbar ist. Schon kurze Zeit nach einem Rauchstopp etwa werden Gefäße wieder elastischer“, unterstreicht Kiechl. Nachdem die Messung der PWV eine gut reproduzierbare Methode zur Bestimmung der Gefäßsteifigkeit darstellt und nun erstmals weltweite Referenzwerte vorliegen, wollen Stefan Kiechl und Raimund Pechlaner untersuchen, ob sich die PWV auch für Hochrisikopatienten als standardisierter Vorhersagewert eignet.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 02.06.2023