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22. November 2017

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Frauen unter dem Totenkopf

Frauen unter dem TotenkopfPhotos.com

Nicht nur harte Männer waren auf Piratenschiffen zugange, sondern auch Frauen. Die berüchtigsten unter ihnen waren Anne Bonny und Mary Read, die Chinesin Cheng I Sao und de Irin Grace O’Malley.

Frauenemanzipation einmal anders: Das Zeitalter der Piraterie war zwar durchwegs männlich geprägt, jedoch gab es auch Frauen als Freibeuter, und sie standen ihren männlichen Berufskollegen in nichts nach.
Die Zeit vom frühen 16. Jahrhundetr bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts war hart auf See. Auf allen Weltmeeren wüteten Piraten, vom Mittelmeer zur Nordsee bis zur Karibik, dem Chinesichen Meer, dem Indischen Ozean und sogar im Polarmeer. Die Piraterie war stark mit dem Seehandel verknüpft, und so tauchten immer dort die meisten Piraten auf, wo es etwas zu holen gab.
Neben namhaften männlichen Piraten wie Klaus Störtebeker, Bartholomew Roberts, Samuel Bellamy, Edward Low, Jack Rackham und Blackbeard gab es ein paar Frauen, die in die Geschichte der Piraterie eingingen.
Die wohl berühmtesten waren Anne Bonny und Mary Read, die teils einzeln, teils gemeinsam auf Beutefahrt gingen. Anne Bonny, geboren 1690 in Irland, trieb ihr Unwesen in der Karibik. Sie war ein Einwandererkind in den USA und geriet dort ins Matrosenmilieu. Sie übersiedelte auf die Bahamas, dem damaligen bevorzugten Aufenthaltsort der Piratenbanden. Bald fuhr sie auf Piratenschiffen mit, gekleidet als Mann, da Frauen an Bord normalerweise nicht geduldet wurden. Das änderte sich bald, als sie sich mit Kaltschnäuzigkeit und Brutalität gegenüber den männlichen Piraten durchsetzte. Eines Tages gesellte sich eine zweite Frau auf Bonny’s Piratenschiff zur Mannschaft, Mary Read. Die gebürtige Londonerin, etwa gleich alt wie Bonny, kam über die britische Marine zur Piraterie. Als ein Schiff, mit dem sie über den Atlantik segelte, von Piraten gekapert wurde, schloss sie sich ihnen an.
Bonny und Read machten gemeinsam mit Jack Rackham (Calico Jack) die Karibik unsicher und plünderten ein Handelsschiff nach dem anderen, bis sie bei Jamaika von einem britischen Kriegsschiff aufgerieben wurden. Zwar zum Tode verurteilt, wurde die Hinrichtung nicht vollstreckt. Read starb an einer Tropenkrankheit, über Bonnys weiteres Leben und Ende ist nichts bekannt.
Grace O’Malley war eine irische Freiheitskämpferin gegen England und als solche auch eine berüchtigte Piratin in der irischen See. Ihre Raubzüge im 16. Jahrhundert machten den Clan der O’Malley zu einem der reichsten ihrer Zeit. Sie galt als Gegenspielerin der Königin Elizabeth I. von England. 1603 starb die Piratin eines natürlichen Todes.
Eine weitere Gallionsfigur des weiblichen Piratenwesens ist Cheng I Sao, eine ehemalige Prostituierte aus Kanton, China. 1801 heiratete sie den Piratenkapitän Cheng I, der eine große Flotte befehligte. Als Cheng starb, kommandierte sie als „Chengs Witwe“ zu ihrem Hohepunkt eine Flotte von bis zu 1000 Schiffen und 80.000 Mann Besatzung. Die Schiffe fuhren plündernd durchs südchinesische Meer, bis sich die damalige Regierung zu einer Amnestie für die Piraten gezwungen sah, wenn sie ihre Raubzüge aufgeben. Cheng I Sao ließ sich in Kanton nieder und lebte fortan vom Opiumhandel. Sie starb 69jährig.

Economy Ausgabe 999999, 05.11.2010