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21. September 2021

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Wirtschaftliche Krisenfolgen treffen Städte stärker als Landregionen

Wirtschaftliche Krisenfolgen treffen Städte stärker als Landregionen© Pexels.com/Andrea Piacquadio

Neue ifo-Studie untersucht wirtschaftspolitische Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland. In Städten mehr Arbeitslosigkeit und schlechtere Geschäftslage als in ländlichen Gebieten. Privater Konsum und Industrie spielen relevante Rolle.

(red/cc) Die Städte sind von der Coronakrise wirtschaftlich am stärksten betroffen. Die Arbeitslosigkeit stieg dort deutlicher und die Geschäftslage der Unternehmen verschlechterte sich mehr als in den übrigen Regionen Deutschlands. Beim Anstieg der Kurzarbeit trifft es den industriestarken Südwesten am härtesten. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie des Münchner ifo Instituts.

„Der soziale Konsum spielt in den Städten eine größere Rolle. Hier wirken sich die Auswirkungen der Pandemie besonders aus. Weil in Städten weniger Industrie angesiedelt ist, haben sie zudem weniger von der Erholung des verarbeitenden Sektors in der zweiten Jahreshälfte 2020 profitiert“, erläutert Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen das Ergebnis.

Vier Regionencluster als Basis für Untersuchung
Die Forscher untersuchten vier Regionencluster, die jeweils ähnliche demografische strukturelle und infektionsbezogene Merkmale aufweisen. Am deutlichsten zeigt sich die Wirkung der Pandemie bei der Entwicklung der Arbeitslosenquote: Zwischen Januar 2020 und August 2020 ist sie im Städtecluster um knapp 1,5 Prozentpunkte gestiegen. Bei den anderen Clustern lag dieser Anstieg bei moderaten 0,3 bis 0,8 Prozentpunkten.

Diese Entwicklung verschärft regionale Ungleichheiten, denn die absolute Zahl der Arbeitslosenquote ist in Städten mit 8,2 Prozent im August 2020 ebenfalls am höchsten (Norddeutschland: 5,9 Prozent, Süd-Westdeutschland: 4,3 Prozent, Ostdeutschland: 6,6 Prozent). Auch bei der Geschäftslage sieht man ab Frühjahr 2020 einen um etwa 5 bis 10 Prozentpunkte größeren Einbruch bei den Unternehmen im Städtecluster. Zudem ist auffällig, dass die Geschäftslage der Unternehmen im ostdeutschen Cluster (insbesondere Sachsen und Thüringen) seit Herbst 2020 stärker gefallen ist als in den anderen Regionen.

Die Frage der Nachholeffekte
Die ifo-Wissenschaftler vermuten, dass diese Entwicklung mit dem dort sehr hohen Infektionsgeschehen in der zweiten Welle zusammenhängt. Bei der Kurzarbeit weist das wirtschaftlich starke süd-westdeutsche Cluster den größten Anteil auf: rund 15 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Dies hänge wohl mit „der hohen Bedeutung von Industrieunternehmen in diesem Cluster zusammen, welche vom Instrument Kurzarbeit stärker Gebrauch machen“, so die ifo-Experten.

„Ob diese Effekte nachhaltig sind, ist derzeit schwer zu beurteilen. Städte könnten von Nachholeffekten nach der Krise überdurchschnittlich profitieren. Andererseits ist es möglich, dass Homeoffice und Digitalisierung ländliche Regionen langfristig begünstigen,“ ergänzt Andreas Peichl, vom ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 21.04.2021