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24. October 2020

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Vernetzte Plattformen für industrielle Produktion

Vernetzte Plattformen für industrielle Produktion© Pexels.com/pixabay

Automation. Die Fertigung der Zukunft läuft in der intelligenten Fabrik. Neue 5G-Übertragsungstechnologien ermöglichen dabei die verschränkte Interaktion von Mensch, IT-System und autonomer Maschine.

(Christian Czaak) Umsichtig biegt „Eftes“ um die Ecke. Das richtige Regal anpeilen, dort zwei schwere Spulen aufnehmen und sie den Weg erkennend in die Nachbarhalle befördern ist für den kleinen Transportroboter „beruflicher“ Alltag. Eftes steht für einen hüfthohen Roboter mit dem beim Leuchtenhersteller Osram ein „Fahrerloses Transport-System“ eingesetzt wird.

Aktuell absolviert er noch seine Probezeit in einem von Deutsche Telekom und T-Systems gemeinsam mit Osram entwickelten Campus-Netzwerk. Für die automatisierte Steuerung von Produktionsprozessen und Logistikketten wird hier ein öffentliches und ein privates Netzwerk zu einer individuell zugeschnittenen Infrastruktur für ein Betriebsgelände kombiniert.

Campus-Netze
Osram kann diese Netzkapazitäten flexibel den nötigen Ressourcenanforderungen anpassen und unabhängig von anderen Nutzern exklusiv verwenden. Die Kommunikation mit externen Zulieferbetrieben passiert über die Anbindung des Betriebsnetzes an das öffentliche Mobilfunknetz. „Mit der Campus-Lösung haben wir in unserem Werk Schwabmünchen eine Infrastruktur geschaffen, die uns die effiziente und flexible Umsetzung von Fertigungsaufgaben erlaubt“, sagt Stefan Fritz, Vice President digitale Fabrik bei Osram.

Primär für die Bereiche Industrie 4.0 und sensorbasierte IoT-Anwendungen gedacht, sind derartige Netzwerk-Architekturen zunehmend Basis für moderne Produktionsumgebungen mit digitalisierten Wertschöpfungsketten über Abteilungen und Unternehmensgrenzen hinaus.

Verfügbarkeit und Sicherheit
„Das inkludiert schnelle Datenübertragungen mit niedrigen Latenzzeiten durch die garantierte Verfügbarkeit von hohen Bandbreiten, eine extrem hohe Datensicherheit und in Summe eine maximale Zuverlässigkeit mit wenig Energiebedarf“, erklärt Peter Lenz, Managing Director von T-Systems Alpine Austria und Schweiz.

Zentral für Campus-Netzwerke ist die Übertragungsgeschwindigkeit mit den Reaktions- bzw. Latenzzeiten. Der aktuelle (vierte) Mobilfunkstandard LTE ermöglicht hohe Datenübertragungen, aber mit rund 30 Millisekunden ist die Latenzzeit für industrielle Echtzeitanwendungen hoch. Abhilfe schafft hier der neue 5G-Standard mit einer Reduktion auf eine einzige Millisekunde.

Agile Fertigung
Auch für T-Systems und Osram ist 5G der wesentliche Schlüssel zum weiteren Ausbau von Industrie 4.0-Konzepten. Autonome Logistiksysteme, mobile Werkzeuge, Roboter oder die Interaktion von Mensch und Maschine über Virtual-Reality-Anwendungen lassen sich nur mit einer hochleistungsfähigen Funktechnologie umsetzen.

„Die fahrerlosen Transportsysteme fahren bis jetzt auf festgelegten Routen entlang von Magnetstreifen im Boden und das passt für eine schrittweise Linienfertigung. In der intelligenten Fabrik der Zukunft gehen wir jedoch über in eine agile, modulare Fertigung, also weg von der Linie zum Zellkonzept“, so Fritz. „Hier wird alles vernetzt: Manufacturing IT, Lean, Maschinenbau und Produktionskonzepte in einer Organisationseinheit.“ Und „Eftes“ wird dann ein fest angestellter Kollege sein.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 09.06.2020