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20. Mai 2022

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Unterschiedliche Entwicklungen von Frauen in Führungspositionen

Unterschiedliche Entwicklungen von Frauen in Führungspositionen© Pexels.com/Sarah Chai

In der deutschen Wirtschaft stagniert die Gleichstellung von Frauen. In Österreich sehen Personalvermittler wie Seher und Partner eine differenzierte Entwicklung und in einigen Branchen eine deutliche Trendumkehr.

(red/czaak) Deutschland hat in den letzten Jahren kaum Fortschritte in der Gleichstellung von Frauen im Wirtschaftsleben gemacht. Dies zeigt eine neue Auswertung des Münchner ifo-Instituts anlässlich des Weltfrauentags. „Da Frauen in anderen Ländern stärker aufgeholt haben, ist Deutschland beim Thema Gleichstellung im internationalen Vergleich sogar zurückgefallen“, sagt ifo-Forscherin Britta Rude. Dies liege „vor allem an der hohen Lohnungleichheit und dem geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen.“ 

Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt nach wie vor weniger als Männer. Der Lohnunterschied bei Vollzeitbeschäftigten lag 2019 bei fast 14 Prozent. Die Lücke ist damit in den letzten 20 Jahren zwar kleiner geworden, sie liegt jedoch noch immer über dem Durschnitt der Industrieländer mit 12,5 Prozent. „Noch höher ist die Lücke unter den Selbstständigen, hier verdienen Frauen im Schnitt ein Viertel weniger als Männer“, so die ifo-Experten.

Schlusslicht im internationalen Vergleich
Unter den Führungspositionen stagniert der Frauenanteil seit 2008 auf etwa einem Viertel. In der zweiten Führungsebene ist der Frauenanteil leicht gestiegen, von rund einem Drittel (33 Prozent) im Jahr 2008 auf aktuell 40 Prozent. Mit knapp einem Drittel ist der Anteil von Frauen auch bei den Unternehmensgründungen gering, ein Wert, der seit 2007 stagniert. Auch bei weiblichen Erfindern ist Deutschland eines der Schlusslichter im Vergleich der Industrieländer. 2017 waren gerade einmal 7 Prozent aller ErfinderInnen weiblich.

Die generelle Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt ist von 49 Prozent im Jahr 1999 auf knapp 57 Prozent 2020 gestiegen. Der Durchschnitt der Industrieländer liegt bei 51 Prozent. „Knapp 6 von 10 Frauen arbeiten in Deutschland Teilzeit, die höchste Quote weltweit. Bei Männern sind es 3 von 10“, sagt Rude. Dieser Wert hat sich nur wenig verändert. 2010 arbeiteten exakt 55,5 Prozent der Frauen in Teilzeit. In globalen Reports liegt Deutschland 2021 auf Rang 11 von insgesamt 156 Ländern. 2006 lag Deutschland noch auf Platz 6. Beim Aspekt „Wirtschaftliche Entwicklung und Chancen“ belegt Deutschland Platz 62, nach Platz 32 im Jahr 2006.

Österreich ist anders
Für Österreich hat der Personalvermittler Seher + Partner nun eine differenzierte Entwicklung ausgemacht. Den Angaben zufolge war von 2016 bis 2019 die Geschlechterverteilung bei der Besetzung von Führungspositionen fast ausgeglichen, mit einem Wert von 54,5 Prozent gab es einen leichten Männerüberschuss. Im Jahr 2020 wurden dann erstmals mehr Frauen (53 Prozent) als Männer vermittelt (47) und 2021 konnte sogar ein Rekordwert von 79 Prozent weiblicher Besetzungen erreicht werden, so die Erhebungen von Seher + Partner.

Der Personal-Dienstleister ist spezialisiert auf die Vermittlung von Führungs- und Spezialistenpositionen in den Branchen Konsumgüterindustrie und Handel sowie Hotellerie, Gastronomie und Tourismus. „Wir können nicht für alle Branchen sprechen, aber die Entwicklung in unseren Bereichen ist eindeutig und ermutigend“, so Susanne Seher, Geschäftsführende Gesellschafterin von Seher + Partner. Seher ortet zunehmend auch Chancen und bewertet die Pandemie „als regelrechten Turbo für Frauen in Führungspositionen.“

Die Pandemie als Karriereturbo für Frauen
Gründe für diesen Trend liegen in der Sensibilisierung für flexible Arbeitszeitmodelle, für Homeoffice und für Online-Meetings, da parallel auch Geschäftsreisen deutlich gesunken sind. All das mache es für viele Frauen einfacher in Management-Positionen zu arbeiten. Zusätzlich werden von Führungskräften immer öfter weiblich dominierte Attribute verlangt und dazu gehören Loyalität, Teamfähigkeit sowie Empathie gegenüber Kollegen und Kunden. „Das Stärken des WIR-Gefühls wird relevanter und das zunehmend nötige operative Anpacken, was man Frauen eher zutraue", ergänzt Seher.

Frauen in Führungspositionen haben auch eine wichtige Vorzeigerolle. Durch die erhöhte Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit werden Rollenzuschreibungen verändert und das ermutigt nicht nur andere Frauen in der Bewerbung, sondern beeinflusst auch das gesamte Gesellschaftsbild. „Es ist wichtig, dass Frauen als Vorbilder wahrgenommen werden, das wird dazu beitragen auch in anderen Bereichen den Anteil von Frauen im Management zu erhöhen“, betonen Susanne Seher und Geschäftspartnerin Helga Töpfl abschließend.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 08.03.2022