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07. Dezember 2022

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„Schwer zu schützen“

„Schwer zu schützen“Im Labor der TU Graz ist der ferngesteuerte LKW schon Realität. (c) TU-Graz Baustaedter

An das Internet der Dinge werden hohe sicherheitstechnische Anforderungen gestellt. Davon ist man heute aber noch weit entfernt.

In nicht allzu ferner Zukunft wird es in unserem Alltag von intelligenten, sich selbst steuernden Objekten wimmeln. Milliarden von miniaturisierten Computern, die drahtlos miteinander kommunizieren und in alle möglichen Gegenstände integriert sind. Zusammen ergeben sie das Internet der Dinge (IoT).
Kay Römer, Leiter des Instituts für Technische Informatik der TU Graz, kennt die Risiken: „Solche Systeme sind teilweise sehr widrigen Bedingungen ausgesetzt. Sensoren, die in Straßen, Fahrzeugen oder Fassaden integriert sind, müssen unterschiedlichen Witterungen und Belastungen standhalten. Eine Cyberattacke auf das Energie- oder Wassernetz hätte gewaltige Folgen. Insgesamt ist das Internet der Dinge schwer zu schützen, weil es aus unzähligen einzelner Geräten besteht – und jedes einzelne das Gesamtsystem verwundbar macht.“
Eine interdisziplinäre Gruppe von zehn Forschern der Fakultäten für Informatik und Biomedizinische Technik sowie Elektrotechnik und Informationstechnik erarbeitet nun an der TU Graz das nötige Know-how, mit dem sich die Risiken dieses neuen Meganetzes minimieren lassen.
Bis 2020, so schätzen Experten, sind mehr als 50 Milliarden mit Kleinstcomputern ausgestattete Gegenstände in das Internet der Dinge integriert. Viele dieser Anwendungen im Bereich Gesundheit, Verkehr und Produktion müssen selbst dann zuverlässig arbeiten, wenn sie Störeinflüssen und gezielten Attacken ausgesetzt sind.

Aufholbedarf
Heute existierende erste Ansätze werden dieser Anforderung nicht gerecht. Das wissenschaftliche Ziel des Grazer Projektes ist daher die Entwicklung von Konzepten für den systematischen Entwurf eines Internets der Dinge, das auch unter den schwierigsten Bedingungen absolut zuverlässig arbeitet.
Projektleiter Römer erklärt die Herangehensweise: „Zunächst müssen wir ein Verständnis der Umgebungseinflüsse erarbeiten. Wir entwickeln dann lernende Modelle der Realität, die auch gefährliche Situationen antizipieren können und ‚lehren‘ die Geräte so, Bedrohungen zu erkennen und sich selbständig anzupassen oder im Extremfall vom Netz abzukoppeln.“
So werden im Labor verschiedene Störszenarien an kommunizierenden Lastkraftwagen durchgespielt. Das Projekt widmet sich der verlässlichen Drahtloskommunikation, der verlässlichen Softwareausführung, der verlässlichen Komposition von mehreren smarten Dingen zu einem Gesamtsystem sowie der Verlässlichkeit vernetzter Steuerungssysteme.

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red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 26.02.2016