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01. Dezember 2021

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Reform entlastet Geringverdienende ohne Mehrkosten für Budget

Reform entlastet Geringverdienende ohne Mehrkosten für Budget© Pexels.com/Michael Burrows

In Deutschland könnten die unteren 40 Prozent der Einkommen entlastet werden, wenn aus Minijobs eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung werden und parallel das Ehegattensplitting reformiert wird, so eine aktuelle ifo-Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

(red/czaak) Eine Umwandlung von Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ließe sich durch langsam steigende Sozialabgaben aufkommensneutral erreichen. Sozialabgaben wären dann ab dem ersten Euro fällig, allerdings mit einem anfangs sehr geringen Beitragssatz. In der Reformvariante würden 124.000 Personen mehr eine Stelle aufnehmen, so Berechnungen des deutschen ifo-Instituts im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung (Anm. gesamte Studie siehe Link).

Bei einer kombinierten Reform von Realsplitting mit Minijob-Reform bei regulären Beitragssätzen wären zudem auch Steuersenkungen möglich. Insgesamt würden die gearbeiteten Stunden um 141.000 Vollzeitstellen ansteigen und ein Plus von 59.000 Beschäftigten bringen, so die Studien. „Beide Reformelemente erhöhen die Anreize zur verstärkten Arbeitsaufnahme von Zweitverdienern – typischerweise immer noch Frauen – und damit die Effizienz des Steuersystems“, erklärt ifo-Forscher Maximilian Blömer.

Nachteilige Kombination aus abgabefreien 450-Euro-Minijobs
Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen ergänzt: „Eine kombinierte Reform von Minijobs und Ehegattensplitting würde auch die Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt verringern, indem sie Fehlanreize für die Erwerbstätigkeit von Frauen abbaut.“ Grund hierfür sei eine nachteilige Kombination aus steuer- und abgabefreien 450-Euro-Minijobs und dem Ehegattensplitting. Bereits ab einem Verdienst von 451 Euro im Monat greife der gemeinsame Steuersatz. Daher sei es nachteilig für den Zweitverdiener, ein höheres Einkommen zu erzielen. Und das seien meistens Frauen.

Die Berechnungen ergänzen den breiter angelegten Reformvorschlag zur Steuerpolitik, den das ifo-Institut zuletzt veröffentlich hat. Demnach würde eine umfassendere Reform des Steuer- und Sozialsystems zu einem noch höheren Zuwachs bis zu 400.000 Vollzeitstellen führen. Gleichzeitig würde die Reform höhere Einkommensgruppen nur mäßig belasten. „Insgesamt entstünden keine zusätzlichen Kosten für den Staatshaushalt“, unterstreichen die ifo-Experten.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 14.10.2021