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02. Juli 2022

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Oberösterreich vor Steiermark und Wien

Oberösterreich vor Steiermark und Wien© Pexels.com/pixabay

Österreichisches Patentamt veröffentlicht Zahlen zum Jahr 2021. Großbetriebe mit Patentrekorden, KMU mit Rückgängen. Maschinenbau, Kunststoffe, Elektrotechnik und Green Tec im Fokus.

(red/mich/cc) Die Nachfrage nach Marken, Beratungen und Neuanmeldungen von Patenten ist weiterhin stark. 2.480 Erfindungen wurden letztes Jahr beim Österreichischen Patentamt neu angemeldet. Das trotz eines Rückgangs immer noch führende Bundesland ist Oberösterreich mit 561 angemeldeten Erfindungen (Vorjahr: 638). Platz zwei und drei belegen die Steiermark mit 490 (2020: 522) und Wien mit 372 (2020: 436) Erfindungen. Auf Platz eins in Relation zur Einwohneranzahl liegt Vorarlberg. Bei den Unternehmen ist AVL List (Steiermark) mit 205 angemeldeten Erfindungen der Primus, gefolgt von Julius Blum (Vorarlberg) mit 70 und Zumtobel (Vorarlberg) mit 34.

„Zuletzt wurden weltweit 11.031 Patente „Made in Austria“ angemeldet und damit sind wir in der EU auf Platz 5 und weltweit auf Platz 10 vorgerückt. Bei grünen Gebäudetechnologien sind wir sogar Europameister und weltweit Zweiter“, freut sich Leonore Gewessler als Klimaschutzministerin. „Große Unternehmen als Patentprofis haben weiter zugelegt, bei KMU gab es Einbrüche. Dass Patentieren in Zeiten von Produktionsproblemen auf der Strecke bleibt, ist zwar verständlich, aber auf lange Sicht problematisch. Ohne Schutz der Ideen kann der Wettbewerbsvorteil schnell dahin sein“, so Mariana Karepova, Präsidentin des Österreichischen Patentamts.

Großer Optimismus bei Start-Ups
Gemeinsam mit dem Joanneum Research hat das Patentamt 500 KundInnen, Unternehmen und Forschende zu ihren Strategien in der Krise und danach befragt. Patent-Profis haben nach einem Corona-Knick 2020 wieder aufgeholt und teilweise sogar eine Steigerung an Patenten erzielt. Neben AVL List, mit einem Rekord in 2021, haben sich viele der Top-Anmelder, wie Siemens Mobility, Engel, MIBA, Plasser & Theurer und Trumpf Maschinen patentmäßig weiter verbessert. Die KMU hatten hingegen mehrheitlich Probleme, trotzdem die Firmen aktiv waren.

„Beim Absichern der Innovationen mit einem Patent liegt der unmittelbare Nutzen noch in der Zukunft und das wird in Krisenzeiten als nicht dringend empfunden“, so die Einschätzung der Patentexperten. Für 61 Prozent der Befragten ist die Pandemie aber auch ein Treiber für die Erschließung neuer Märkte und für neue Patente auf Innovationen im Softwarebereich und mehr Marken für digitale Geschäftsmodelle. Am optimistischsten sehen Start-Ups die Zukunft: 70 Prozent rechnen mit einem Anstieg ihrer Marken- und Patentanmeldungen.

Breite Unterstützungsprogramme und reduzierte Kosten
In Patentzahlen wurden die EU-Innovation Leader überholt: Im Bereich der Kunststoffe mit Borealis, Lenzing oder der TU Wien. Im Bereich Halbleiter (Infineon, AMS), im Bereich Elektrotechnik (Zumtobel, AVL List) bei Möbel (Blum), Maschinenbau, Werkzeuge und Spezialmaschinen (Trumpf Maschinen, Fronius), Mikro- und Nanotechnologie (AMS und EV Group) sowie bei Werkstoffen und Metallurgie (Primetals Technologies). Auch bei klimaschonenden Gebäue- und Verkehrstechnologien sowie bei Abwasserklärung und -recycling liegt Österreich bei den Patentanmeldungen über dem internationalen Schnitt.

Gemeinsam mit EU und EUIPO, dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum startet das Österreichische Patentamt nun eine Offensive in Richtung KMU. „KMU und Start-Ups sparen bis zu 50 Prozent bei nationalen Patenten und bis zu 75 Prozent bei Marken – die Förderaktion gilt das ganze Jahr“, so Karepova. Angaben zufolge kostet ein österreichisches Patent aktuell 275 Euro, eine österreichische Marke 71 Euro. Gezielte Unterstützungen und Förderprogramme gibt es in den Bereichen Patente, Marken, Designs, Künstliche Intelligenz, Software, Maschinenbau, Pharmazie oder Elektrotechnik, darunter auch Patent-Schecks sowie Workshops in der IP-Academy für IP-Profis und Einsteiger.

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red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 26.04.2022