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06. April 2020

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Kleinstkinder und digitale Medien

Kleinstkinder und digitale Medien© Pexels.com/Bruce Mars

72 Prozent der bis 6-Jährigen nutzen bereits das Internet. Studie von SaferInternet belegt immer niedrigeres Einstiegsalter und entsprechende Herausforderungen für Familien. Aktuell sind etwa 37 Millionen Bilder und Videos von österreichischen Kindern im Netz.

(red/mich) Anlässlich des 17. internationalen Safer Internet Day am 11. Februar präsentiert die Initiative SaferInternet eine aktuelle Studie zum Thema „Die Allerjüngsten und digitale Medien“. Fast Dreiviertel der befragten Eltern von 0- bis 6-Jährigen geben hier an, ihr Kind nutze internetfähige Geräte zumindest gelegentlich. Das durchschnittliche Einstiegsalter liegt bereits bei 12 Monaten. Eltern sind entsprechend bei der Medienerziehung stark gefordert, sie können sich dabei nicht an Erfahrungen aus der eigenen Kindheit orientieren. 

„Morgens beim Frühstück checken Eltern rasch ihre Mails am Smartphone, nachmittags spielt der große Bruder seine neueste Online-Challenge am Laptop und abends gibt’s noch eine Zeichentrickserie am Tablet, bevor Alexa das Licht ausmacht: Internetfähige Geräte sind mittlerweile praktisch von Geburt an im Alltag von Kindern präsent“, so die Initiative SaferInternet in einer Aussendung zur aktuellen Studie „Die Allerjüngsten und digitale Medien“, die vom Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und von der ISPA - Internet Service Providers Austria beauftragt wurde.

Sehr früher Erstkontakt 
In Haushalten mit Kindern unter 6 Jahren gibt es heute durchschnittlich 4 bis 5 internetfähige Geräte. Bereits 72 Prozent der Kinder zwischen 0 und 6 Jahren bzw. 81 Prozent der 3- bis 6- Jährigen nutzen diese zumindest gelegentlich selbst. Im Vergleich zu 2013 (41 Prozent) ist damit in der Altersgruppe der 3- bis 6-Jährigen eine Verdoppelung festzustellen. Die Kinder kommen im Durchschnitt im Alter von einem Jahr erstmals mit digitalen Medien in Kontakt. 72 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind sogar jünger war, als es zum ersten Mal ein internetfähiges Gerät verwendet hat.

Bei den Geräten (engl. Devices) steht das Tablet mit 32 Prozent an erster Stelle, gefolgt vom Smartphone (30) und dem internetfähigen Fernseher (21 Prozent). Computer und Laptop spielen mit 4 Prozent mittlerweile nur mehr eine geringe Rolle. Das Ranking der Inhalte führen Videos (73 Prozent) an, vor Fotos und Musik (je 61) sowie Spiele spielen mit 51 Prozent. Die Hälfte der Kinder nutzt dazu das Gerät ihrer Eltern, 28 Prozent ein Familien-Gerät. 22 Prozent der Kinder unter 6 Jahren haben bereits ein eigenes Gerät.

Deutliche Steigerung bei Nutzungszeit 
33 Prozent der Kinder beschäftigen sich mittlerweile täglich mit einem internetfähigen Gerät und 46 Prozent mehrmals pro Woche. Im Vergleich zu 2013 (15 Prozent täglich und 30 mehrmals pro Woche) ist hier eine deutliche Steigerung in der Nutzungshäufigkeit zu beobachten. „Eltern stehen hier vor einer großen wie wichtigen Aufgabe. Geräte als ‚digitalen Schnuller‘ zu missbrauchen oder der Kontakt mit ungeeigneten Inhalten sind typische Risiken in dieser Altersgruppe“, so Matthias Jax, Projektleiter bei SaferInternet.

Beim Thema Medienerziehung können sich Eltern kaum an Erfahrungen aus der eigenen Kindheit orientieren. Rund drei Viertel sind sich jedoch ihrer Vorbildwirkung bewusst und 9 von 10 Eltern treffen auch Vorkehrungen für ihre Kinder - etwa zeitliche Beschränkungen (44 Prozent), nur bestimmte Apps/Seiten (42) oder Kinderschutz-Apps (39). 57 Prozent sind immer dabei, wenn ihr Kind das Gerät nutzt. „Die heutige Elterngeneration macht sich erfreulicherweise zunehmend Gedanken über den Umgang von Kindern mit digitalen Medien und ist interessiert, sie dabei zu begleiten“, kommentiert Maximilian Schubert, Generalsekretär der ISPA. 

Digitale Mediennutzung als familiäres Konfliktpotential
Im familiären Alltag ist der Umgang mit digitalen Medien ein permanenter Aushandlungsprozess. 23 Prozent der Väter und Mütter berichten von Meinungsunterschieden untereinander. 18 Prozent der Eltern haben Konflikte mit ihren Kindern, weil sie nicht mit der Gerätenutzung aufhören wollen. Umgekehrt beschweren sich ebenso viele Kinder (17 Prozent), dass ihre Eltern oder andere Erwachsene in ihrem Umfeld zu viel Zeit mit digitalen Geräten verbringen. 

14 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind in bestimmten Situationen die Beschäftigung mit digitalen Geräten wie ein Ritual braucht. 11 Prozent sagen, es falle ihrem Kind schwer, sich ohne digitale Geräte selbst zu beschäftigen. Parallel meint aber knapp die Hälfte der Eltern, dass sich Kinder in dieser Altersgruppe generell zu lange mit digitalen Geräten beschäftigen. Jeder fünfte Elternteil (20) hat zudem ein schlechtes Gewissen, dass sie ihr Kind zu häufig mit dem Internet still beschäftigen.

37 Millionen Bilder österreichischer Kinder und heuriger Safer-Internet-Day
Zum heutigen Alltag von Kleinkindern gehören auch von ihnen gemachte Fotos, die online geteilt werden. 48 Prozent der Eltern machen dies zumindest wöchentlich und 10 Prozent sogar täglich. Auf ein Jahr hochgerechnet sind das ungefähr 37 Millionen Fotos von Kleinkindern in Österreich. Dazu geben immerhin 30 Prozent der Eltern an, bereits vor der Geburt ein Ultraschall-Bild verschickt haben. „Auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre und gerade Fotos können im Internet auch Schaden anrichten“, wünscht sich Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von SaferInternet, mehr Bewusstsein und Sensibilisierung bei diesem Thema.

SaferInternet unterstützt Eltern wie Pädagogen mit zahlreichen Angeboten beim Umgang mit digitalen Medien. Am 11. Februar findet auch heuer wieder der internationale Safer Internet Day statt und in Kooperation mit dem Bildungsministerium ist der gesamte Februar wiederum der Safer Internet-Aktions-Monat. Rund 200 Schulen sind dem Aufruf gefolgt und haben unterschiedliche Projekte rund um die Themen Internetsicherheit und Medienkompetenz gestartet. Zudem beteiligen sich Initiativen und Einrichtungen am Safer Internet Day 2020 mit Workshops, Vorträgen, Beratungen und neuen Informationsangeboten.

Links

red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 10.02.2020