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18. November 2019

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Intelligente Plattformen für industrielle Fertigungsketten

Intelligente Plattformen für industrielle Fertigungsketten© Bilderbox.com

Bedarfsgerecht nutzbare Cloud-Dienste sind oft fixer Bestandteil betrieblicher Digitalisierungsprojekte. Neue Entwicklungen beim Thema Big Data erlauben den parallelen Einsatz mehrerer projektspezifisch abgestimmter Anwendungen.

(Christian Czaak) Externe Cloud-Services reichen von einfachen Speicherplätzen für verschiedene Datensätze (Storage) über Applikationen bis hin zu Verknüpfungen dieser Bereiche für definierte Einsatzgebiete. Programmapplikationen sind zumeist klar vorgegeben, aufwändiger sind Sicherheit und Verfügbarkeit der benötigten Daten sowie Auswertung und kombinierte Nutzung neu entstehender Datensätze.

Betriebe kombinieren dann, unternehmenskritische Daten kommen in die sogenannte Private-Cloud, andere in die Public-Cloud bekannter US-Anbieter und über hybride Architekturen passieren dann variable Anwendungsszenarien. Experten zufolge können Cloud-Systeme bei umfangreichen und kritischen Datenmengen jedoch an Grenzen stoßen.

Flaschenhals Rechenzentrum
„Große Informationsmengen generieren Wartezeiten bis Daten wieder verfügbar sind, zentrale Rechenzentren fungieren dann als eine Art Flaschenhals für den Transfer“, sagt Jakob Eichmann, Head of Solution Design bei Kapsch BusinessCom. Mittels neuer Entwicklungen wie Edge Computing werden Daten nun wieder näher dorthin geholt, wo sie gebraucht werden und damit verringern sich Datenvolumen und Übertragungsstrecke.

Reduzierte Wartezeiten ergeben zudem geringere Kosten und verbesserte Servicequalität. Mit dieser Datenverarbeitung an Ort und Stelle steigt zudem die Sicherheit, da verschlüsselte Dateien näher am Netzwerkkern verarbeitet werden und zumeist im Land bleiben. „Die Wahl von Cloud-Services mit standortübergreifendem Datenmanagement oder Innovationen wie Edge Computing sollte immer dem Anwendungsfall folgen“, so Eichmann.

Testumgebungen und Realeinsatz
Ein betriebliches Beispiel für die Nutzung gleich mehrerer Cloud-Plattformen und -Dienste betrifft das Automobilunternehmen SEAT. Zugehörig zum Volkswagen-Konzern, ist das Unternehmen in 75 Ländern vertreten und beherrscht eigenen Angaben zufolge als einziger Autohersteller in Spanien den gesamten Produktionsprozess vom Design über Entwicklung bis zu Fertigung und Vermarktung des Autos. Vernetzung (Connectivity) ist für SEAT ein Schlüsselfaktor und das betrifft die Herstellungsprozesse wie das Automobil selbst.

Zur Überarbeitung bestehender Produktionsketten und zur Entwicklung neuer Kundenservices und Geschäftsmodelle arbeitet SEAT international seit vielen Jahren mit T-Systems zusammen. Zielsetzung ist ein mobiles Ökosystem über dynamisch vernetzte Produktionsbereiche auf Basis von zwei von T-Systems betriebenen Cloud-Plattformen.

Disruption verlangt rasche und flexible Anpassung der IT
Einmal passiert damit die flexible Steuerung der eigenen Server, Netzwerke und Security-Anwendungen des SEAT-Entwicklungsteams und dazu werden dann auch projektspezifische Testumgebungen geschaffen, die jeweils flexibel vernetzt und kombiniert werden können. Ein wichtiger Bestandteil sind dabei virtuelle Darstellungs- und Publikationsfunktionen und das inkludiert einzelne Autoteile, Datenmodellierungen bis hin zu kompletten Produktionsstraßen.

„Die disruptive Digitalisierung von Geschäftsprozessen verlangt von den Unternehmen branchenübergreifend eine rasche Anpassung ihrer IT. Bedingt durch den Innovationsdruck gilt das besonders für die Automobilindustrie“, so Michael Böhm von T-Systems Austria zur generellen Marktentwicklung.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 24.09.2019