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17. Juli 2019

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Innovationsvorreiter im Finanzbereich

Innovationsvorreiter im Finanzbereich© Bilderbox.com

Erste-Bankengruppe setzt neue Open-Banking-Richtlinie PSD2 um. Entwicklerportal der Ersten dient als zentrale Zugangsplattform in der kompletten Region Mittel- und Osteuropa. Parallel öffnet sich auch bestehendes Kunden-Portal „George“ neuen Partnerschaften.

(red/czaak) Seit vielen Jahren ist „George“ für Kunden der Ersten-Bankengruppe ein Begriff für eines der umfassendsten digitalen Kunden-Portale im Bankenbereich. Im Vorjahr hat die Erste-Gruppe als europaweit erste Bank eine Kapitalmarkt-Emission (Anm. Asfinag Schuldscheindarlehen über 20 Mio. Euro) mittels Blockchain komplett digital durchgeführt und dabei auch mehrere institutionelle Investoren wie etwa Wiener Städtische, Donau Versicherung oder Hypo Vorarlberg miteingebunden (economy berichtete).

Und aktuell setzt die Erste Bankengruppe nun auch die neue PSD2-Zahlungsdienste-Richtline der EU im praktischen Einsatz um. Vereinfacht ausgedrückt müssen dabei Banken den Zugang zu ihren Kunden nun auch Drittanbietern ermöglichen und seit 15. März dieses Jahres muss dafür zumindest eine Testumgebung (Anm. Sandbox) existieren. Operativ technologisch passiert die Anbindung bzw. Verknüpfung zwischen Hausbank und Kunden und Drittanbieter über internetbasierende Open-Banking-Portale mittels standardisierter Schnittstellen (Applikation-Programme-Interfaces/APIs).

Erste Developer Portal als zentrale Zugangsplattform
Die Erste Bankengruppe führt nun einen bzw. diesen einheitlichen Zugang zu den digitalen Schnittstellen (APIs) ihrer Tochterbanken in der gesamten Region Mittel- und Osteuropa (CEE) ein. Das Angebot der Erste Group startet mit APIs für die im PSD2-Regelwerk festgelegten Dienste und Rollen und das eigene Erste Developer Portal dient dabei als zentrale Zugangsplattform für die APIs der Erste Group.

Es stellt für externe Drittanbieter Dokumentationen, API-Zugang wie auch die Testumgebung zur Verfügung. Bis Mitte Mai 2019 haben sich nun bereits mehr als 120 Organisationen auf dem Erste Developer Portal registriert, und auf Grundlage der von der Plattform angebotenen Daten und Services sind Angaben zufolge 25 API-Lösungen in Produktion gegangen.

Strukturierter Zugang für 16 Millionen CEE-Kunden
Um ihren mehr als 16 Millionen Kunden in der CEE-Region die Vorteile von PSD2 und Open Banking zu bringen, will die Erste Group ihr Angebot auf dem Erste Developer Portal nun auch auf sogenannte „Premium-APIs“ ausweiten. Über den Zugang zu den Erste Group-APIs können dabei nicht nur externe Anbieter von Diensten, sondern auch die Kunden der Erste Group über einen konzernweit einheitlich strukturierten Zugang auf alle ihre Bankdaten zugreifen.
 
Die Česká spořitelna als tschechische Tochterbank der Erste Group, begann als erstes Institut der Gruppe bereits Anfang 2018 den Live-API-Zugang anzubieten. Die bestehenden API-Angebote der Erste Group sind von externen Dienstleistern und Partnern sehr gut aufgenommen worden und haben dazu beigetragen, dass die Erste Group in der von Innopay veröffentlichten Studie Open Banking Monitor als „Meister in Offenheit“ gelobt wurde.
 
PSD2 bringt mehr Optionen für Bankkunden
Die PSD2-Richtlinie bringt nun generell mehr Wettbewerb im Zahlungsverkehr, etwa indem auch externe Zahlungsdienstleister auf Zahlungskontodaten zugreifen können. Hierfür und generell bei allen Anboten Dritter muss der Kunde seine ausdrückliche Genehmigung erteilen. Die grundsätzlichen Zielsetzungen der Richtlinie beinhalten das Angebot an Dienstleistungen für die Bankkunden auszuweiten, Innovationen zu fördern und parallel auch den Konsumentenschutz auszubauen. Gleichzeitig müssen die Bankkunden mehr als bisher ihre Bankdaten aktiv verwalten.
 
„Im Kern geht es bei PSD2 darum, sicherzustellen, dass Bankdaten und Entscheidungen über deren Nutzung fest in den Händen des Kunden liegen. Bei der Erste wird der Fokus auf die Selbstbestimmung des Kunden durch unsere Rolle als Bewahrerin der Finanzdaten des Kunden ergänzt“, so Peter Bosek, Chief Retail Officer der Erste Group. „Wir werden die Daten unserer Kunden auch in Zukunft schützen und für Datensicherheit in der Bank sorgen, gleichzeitig aber auch unsere Kunden dabei unterstützen, wohlüberlegte Entscheidungen über die Weitergabe ihrer Daten zu treffen“, betont Bosek.

Begleitende technische Regulierungsstandards
Gemäß PSD2 und den begleitenden technischen Regulierungsstandards (Regulatory Technical Standards/RTS) müssen alle Banken der Erste Group (Anm. ausgenommen Tochterbank in Serbien, das nicht zur EU gehört) einen direkten Zugang an Zahlungsdienstleister (Banken oder regulierte Drittanbieter) gewähren. Dazu gehört etwa auf ausdrückliches Verlangen des Kunden dessen Konteninformationen abzurufen und Zahlungen von seinem Konto auszulösen.
 
„Wir sorgen dafür, dass Kundendaten nur auf ausdrückliches Verlangen und mit Zustimmung des Kunden weitergegeben werden. Gleichzeitig sind wir begeistert von den neuen Möglichkeiten, die PSD2 eröffnet und das primär für unsere Kunden“, so Milos Toman, Head of Group Product and Business Management der Erste-Group Unit Corporates and Markets. „Neben Angeboten für Retail-Kunden wollen wir nun auch die ersten speziell für unsere Firmenkunden maßgeschneiderten API-Lösungen anbieten, mit denen sie zentral auf Daten und Dienste für die ganze Gruppe zugreifen können“, unterstreicht Toman.

Auch „George“ öffnet sich für Partnerschaften
Parallel mit den PSD2-Aktivitäten öffnet sich auch die eingangs angeführte Kunden-Plattform „George“ in Richtung externer Partner. Angaben zufolge mit fast fünf Millionen Kunden europaweit größte Banking-Plattform sollen nun auch hier neue externe Partner sinnvolle Ergänzungen für innovative George-Services anbieten können. 

Operativ ermöglichen soll das die offene und modulare Architektur des George-Systems, wo Partner mit ihren Lösungen direkt an der Plattform andocken können. Bislang wurden die meisten Funktionen von „George“ in den hauseigenen George Labs entwickelt und nun soll mittels „einer bequem nutzbaren Integration mit Partnern das nächste Level von „George“ erreicht werden“, so die Erste in einer Aussendung.

Win-win-win-Situation
„Wir verfolgen mit dem Aufbau dieses Ökosystems das Ziel, dass potenzielle Partnerschaften eine Win-win-win-Situation hervorbringen, bei der unsere Kunden von noch innovativeren Leistungen profitieren, die Partner ihre Lösungen einer breiteren Gruppe von Usern anbieten können und unsere Plattform durch neue Dienste weiter wächst“, erklärt Maja Gostovic, Product Owner bei George Labs.
 
Das internationale Finanzmagazin „Euromoney“ hat die Banking-Plattform „George“ als die „vielleicht umwälzendste Entwicklung der letzten Jahre in der CEE-Region“ bezeichnet. Bei der aktuellen Einladung an potenzielle Partner, neue Vorschläge zu unterbreiten, wird der Fokus vor allem auf smarten Zahlungsdiensten, der Integration von Kundentreueprogrammen und Verbesserungen im Bereich Investment, Sparen oder Spenden liegen - aber auch alle anderen Ideen, die für die Kunden leichtere Bedienbarkeit und stärker individualisierte Systemleistungen versprechen, sind willkommen.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 10.06.2019