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21. Juli 2019

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Ganzheitlich als Alleinstellungsmerkmal

Ganzheitlich als Alleinstellungsmerkmal© economy

Ein Rundgang bei der Hannover Messe belegt die Vielfalt betrieblicher Digitallösungen von Deutsche Telekom und T-Systems gegenüber anderen IT-Anbietern mit ihren nahezu monothematischen Strategien. Aus Sicht des Marktes mit der fortschreitenden und branchenübergreifenden Verschränkung unternehmerischer Abläufe ist ein ganzheitlicher Anbieter vergleichsweise im Vorteil.

(Ein Kommentar von Christian Czaak). Die verschiedenen Auftritte der großen IT-Dienstleister auf der kürzlich zu Ende gegangenen Industriemesse in Hannover und die gezeigten Referenzbeispiele in und von den Unternehmen als Kunden erlauben entsprechende Rückschlüsse auf Strategie und mögliche Erfolgsaussichten dieser IT-Anbieter.


IoT und Cloud und IoT und Cloud und IoT und Cloud
IBM konzentrierte sich in Hannover auf Internet-of-Things-Anwendungen (IoT) und Produktions-Automatisation (SCM), Microsoft konzentrierte sich auf IoT und Cloud, Amazon konzentrierte sich auf IoT und Cloud, SAP konzentrierte sich auf Software-Anwendungen mit Schwerpunkt IoT und Echtzeit (Anm. SAP-Hana), Siemens konzentrierte sich auf IoT (verbunden mit AI), Atos konzentrierte sich auf IoT, A1-Digital konzentrierte sich auf IoT und Cloud, Samsung konzentrierte sich auf IoT und auf 5G.

Alle anderen IT-Hersteller aus Asien bzw. Korea und China konzentrieren sich mehrheitlich ebenso primär auf IoT und 5G. Und diese Hersteller aus Asien bzw. insbesondere China entern gemeinsam mit den US-Konzernen Europa – oder zumindest die Hannover-Messe. Auf dem kleinstadtgroßen Messeareal mit rund 20 riesigen Hallen sind sie in nahezu jeder Halle umfangreich präsent, in einzelnen Bereichen wie etwa der themenaktuellen 5G-Halle nehmen sie rund 80 Prozent der Standfläche ein.

Technologische Konzentration versus ganzheitlicher Ansatz
Inhaltlich fokussieren also alle diese großen IT-Hersteller und -Dienstleister im Wesentlichen auf IoT sowie Cloud-Services und dieser Trend zur Konzentration auf einzelne Segmente im Bereich betrieblicher Digitalisierung bei den verschiedenen IT-Anbietern ließe sich noch fortsetzen - beispielsweise bei den Themen Security, Artificial- und Data-Intelligence oder Blockchain-Technologien.

Im Vergleich dazu demonstrieren Deutsche Telekom (DT) und T-Systems eine weitaus breitere Vielfalt bei Anwendungen und bei den daraus folgenden Einsatzgebieten, die branchenübergreifend alle Bereiche eines Unternehmens adressieren. Und bei besonders relevanten oder technologisch herausfordernden Themen mit branchenweiten Auswirkungen bzw. Nutzungsmöglichkeiten passieren Kooperationen mit spezialisierten Technologie-Dienstleistern, etwa beim mit Continental und deren israelischer Tochter „Argus Cyber Security“ neu entwickelten „Security-Operation-Center“ speziell für die Automobilbranche (siehe auch economy-Bericht „Zwischen Monotonie und Vielfalt“).

Die Landkarte der Digitalisierung
Eine auf der Hannover Messe gezeigte Art „Landkarte“ der verschiedenen Themengebiete verdeutlicht dieses vergleichsweise breite Lösungsportfolio einer T-Systems. Erwähnenswert sind dabei auch Verzahnung und Vernetzung der einzelnen Bereiche. Ausgehend von den vier zentralen Schwerpunkten Connectivity, Security, Cloud und Digital Solutions, erstreckt sich das weitere Spektrum von IoT und intelligente Sensorik über Smart Production, Smart Clothing, Smart Building und Smart Automation (auch mit AI & KI) bis hin zu Predictive Maintenance (vorausschauende Steuerung und Wartung).

Das Thema automatisierte Steuerung und Wartung von Maschinen und ganzen Produktionsprozessen geht bis hin zur Supply Chain als (nunmehr komplett durchdigitalisierte) Wertschöpfungskette von der Kundenanfrage über die Warenproduktion bis hin zu Lieferung und Bezahlung (Anm. DT bzw. T-Mobile ist beim Thema Bezahlung erst kürzlich neue Partnerschaft mit Payment-Dienstleister Ingenico eingegangen).

Weitere Bereiche sind Digital Shopping, Near Field Communications (NFC) und 5G. Das Thema Daten mit Generierung bzw. Erfassung sowie intelligente Auswertung und einsatzbezogene punktgenaue Nutzung der durch die Vernetzung immer größer werdenden Dateninformationen (Big Data) ist in der T-Systems-Range überall inkludiert, ebenso das Thema Sicherheit. Klassische Hosting- und Housing-Dienste über die zahlreichen T-Systems-Rechenzentren (auf europäischer Rechtsgrundlage) seien hier auch angeführt.

Alle Branchen und Unternehmensgrößen und der öffentliche Bereich
Runtergebrochen auf die parallel in Hannover gezeigten oder in Deutschland und Österreich bekannten Referenzen betrifft dieses Portfolio Unternehmen, Branchen und Segmente wie die gesamte produzierende Industrie, den Automobilbereich mit Herstellern und Zulieferbetrieben, die Logistik, die Pharmabranche oder auch Handel und Dienstleister. Dazu kommt der (umfangreiche) öffentliche Bereich und auch hier erstrecken sich Themen und Einsatzgebiete von Verkehr, Mobilität und Parkraumbewirtschaftung über infrastrukturkritische Versorger (Anm. Energiebereich) bis hin zu Gesundheit und Pflege.

Es gibt also zu nahezu allen Anwendungsbereichen branchen- und themenübergreifende Innovationen und Referenzen – und damit bereits praxisrelevante betriebliche Erfahrung wie auch Expertise in der technischen und organisatorischen Umsetzung. Die meisten anderen Anbieter beginnen oder verlautbaren erst vergleichbare Projekte und das betrifft dann aber mehrheitlich nur einzelne Segmente wie die erwähnten Themen IoT oder Cloud. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass es hier auch branchenübergreifende Einsatzgebiete gibt.

Der Kunde als Anwender entscheidet
Geht man nun primär von den Referenzen aus und damit von der Entscheidung eines Unternehmens als Anwender, dann punktet ein ganzheitlicher Anbieter allein schon mit dem Thema Erfahrung und technische Expertise - und einem daraus wahrscheinlich resultierenden Kostenvorteil durch geringere Implementierungszeiten und schnellerem Markteinsatz.

Weiteres Argument und möglicherweise grundsätzliche Basis für einen vergleichenden Markterfolg einer Deutschen Telekom und T-Systems ist zudem die jahrzehntelange Forschungs- und Entwicklungsarbeit dieser europäischen Institution in all den Bereichen der Telekommunikation (insbesondere Netz bzw. Netzwerk) und Informationstechnologien. Diese langjährig aufgebaute breite Expertise hat aktuell kein zweites IKT-Unternehmen mehr. Der Markt wird zeigen ob sie siegreich bleiben „im Kampf“ gegen die neuen amerikanischen und asiatischen Imperialisten - Facebook, Google und die chinesische Alibaba einbezogen.

Und der (österreichische) Markt wird auch zeigen, ob eine Telekom Austria, vulgo A1 und A1-Digital, hier zumindest ansatzweise wieder einmal anschließen kann. Die langjährige Erfahrung im Bereich Telekommunikation, Netzwerk und Informationstechnologie wäre vergleichbar und mit der Datakom Austria gab es vor 20 Jahren auch noch bzw. schon eine richtige Business-IT-Tochter mit über 50.000 Unternehmen als Kunden. Und Cloud-Computing hieß damals noch ASP oder Applikation Service Providing.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 08.04.2019