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20. September 2019

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„Die Digitalisierung stellt Banken vor eine existentielle Frage“

„Die Digitalisierung stellt Banken vor eine existentielle Frage“© NDGIT-Next Digital Banking

Mit der neuen PSD2-Richtlinie der EU müssen Finanzdienstleister nun Drittanbietern den Zugang zu ihren Kunden ermöglichen. Economy sprach mit Oliver Dlugosch, CEO von NDGIT über Open-Banking als Herausforderung für altehrwürdige Finanzinstitutionen und den kommenden 14. September als finalen Starttermin der PSD2-Regularien.

Economy: NDGIT steht für Next Digital Banking. Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Oliver Dlugosch: Banken weltweit befinden sich bereits mitten in der digitalen Transformation, die Prozesse für Kunden deutlich komfortabler gestaltet. Um mit den Branchenentwicklungen mithalten zu können und den Finanzmarkt nicht vollends an FinTechs zu verlieren, müssen sich Banken und auch Versicherungen neu aufstellen. Speziell dafür hat NDGIT eine Plattform entwickelt, die als technologisches Rückgrat für vernetztes Banking und Versichern den Finanzmarkt digitalisiert: Next Digital Banking eben.

Economy: Wie läuft das in der Praxis?

Oliver Dlugosch: Mit unserer Middleware können unsere Kunden neue Anwendungsfälle in kürzerer Zeit und mit größerer Nutzeroptimierung umzusetzen – von Banking- oder Insurance-as-a-Service, über die Anbindung von FinTechs bis zum Aufbau von eigenen „App-Stores“ für ihre Kunden. Mit uns erhalten sie die nötige Infrastruktur, um eigene und Fremd-APIs (Anm. Applikation Programm Interface) effizient einzubinden und zu managen. Dabei sehen wir Banken und Versicherungen in der Regel als Kunden und FinTechs oder andere digitale Unternehmen als Partner und damit Zulieferer der hochgradig optimierten und meist spezialisierten APIs.

Economy: Was müssen Finanzdienstleister tun, um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu sein?

Oliver Dlugosch: PSD2 ist ein wichtiger Katalysator für europäische Banken, um sich auf die Zukunft mit vernetztem Banking vorzubereiten. Die digitale Transformation stellt Banken vor die existenzielle Frage, wie ihr zukunftsträchtiges Geschäftsmodell aussehen soll. Dass diese Veränderungen radikal sein können, haben wir zuvor im Handel oder auch der Medienbranche beobachtet.

Economy: Wie definieren Sie in diesem Kontext Digitalisierung?

Oliver Dlugosch: Aus unserer Sicht bedeutet Digitalisierung vor allem Vernetzung. Die Bank sollte zukünftig überall dort präsent sein, wo das digitale Geschäft stattfindet. Als digitale Kundenbank sollte sie der Anlaufpunkt für alle Arten von Finanz-Services bzw. -Bedürfnisse sein, auch über das eigene klassische Finanzprodukt hinaus. Damit ergeben sich zwei wesentliche Optionen: Starker Produkt- und Serviceanbieter für digitale Partner an der Kundenschnittstelle oder Navigator in einem Ecosystem von Finanz-Services.

Economy: Wo liegen hier die größten Herausforderungen für Banken?

Oliver Dlugosch: Die digitale Transformation hat viele Facetten von der Kultur bis hin zu den geeigneten Zukunftstechnologien. Durch eine ganze Reihe von Gründen, fällt es Banken deutlich schwerer als z.B. kleinen agilen FinTechs, digital zu werden und sich für Open Banking zu öffnen. Wir unterstützen Banken dabei, die Use Cases zu implementieren mit denen sie auf die Innovationen von FinTechs zugreifen und echte Mehrwerte für ihre Kunden schaffen. Ein paar Beispiele für unsere PSD2 Expertise waren bereits in der Presse wie die Zusammenarbeit mit der BNI in Portugal, der UBS in der Schweiz oder der BAWAG in Österreich.

Economy: Wie kann man sich die IT-Architektur einer größeren Bank vorstellen und welche grundsätzlichen Kriterien gilt es hier zu beachten?

Oliver Dlugosch: Für Banken zählen ihre tradierten Bestandssysteme, so genannte „Legacysysteme“ sowie eine Landschaft von Monolithen sicher zu den größten Bremsern für die schnelle Entwicklung von neuen, digitalen Prozessen. API-Technologien und Micro-Service Architekturen fördern durch die Verknüpfung mit Partnern die Innovationskraft von Banken massiv. Mit unserer Plattform binden Banken und Versicherungen unterschiedlichste Drittpartner einfach an die gesicherte Infrastruktur an und lassen sie auf die standardisierten Schnittstellen zugreifen. Unsere zertifizierten Gateways sorgen dabei mittels Zugriffs- und Rollenmanagement für die höchste Sicherheitsstufe gemäß Bankenstandards.

Economy: Stichwort Daten und Sicherheit. Welche Herausforderungen gilt es hier zu beachten und welche Rolle spielt dabei die DSGVO?

Oliver Dlugosch: Sowohl die DSGVO als auch die PSD2 stärken massiv den Nutzer, da sie die erhobenen Daten nicht mehr als Eigentum der Bank, sondern des Nutzers ansehen. Das ist ein Paradigmenwechsel, der nicht bei allen Beteiligten auf Euphorie stößt, da sie einen langjährigen Wettbewerbsvorteil zunichtemachen. Euphorie hin oder her, Pflicht ist Pflicht und so stellen die europäischen Banken ihre Prozesse um. Bis 14. September dieses Jahres muss, nach erfolgreicher Strong Customer Authentication (SCA) und Autorisierung durch den Kunden, Drittanbietern Zugriff auf Kontodaten des Kunden gewährt und Zahlungsauslösungen gestattet werden.

Economy: Können Sie Beispiele für diese Anwendungen nennen?

Oliver Dlugosch: Unsere API-Plattform ermöglicht den flexiblen Zugriff auf Innovationen von FinTechs, wie beispielsweise Kontoaggregation, Finanzmanagement oder automatisierte Empfehlungen. Innovative FinTech-Services wie Datenanreicherung und -interpretation, Neu-Deutsch „Data Insights“, heben die Personalisierung ohne Mehraufwand auf Seite der Bank auf die nächste Evolutionsstufe. Wussten Banken bislang zwar wann, wo, wie und wieviel ihre Kunden bezahlt haben, fügen innovative APIs nun die Dimensionen wofür und auch das warum hinzu. Auf dieser Basis kann Nutzerverhalten vorausberechnet und eine sehr viel passgenauere Empfehlung ausgesprochen werden.

Economy: In welche Richtung?

Oliver Dlugosch: Mit unserer Plattform können Banken noch einen Schritt weiter gehen und Ecosysteme für ihre Kunden entwickeln. Der Kunde startet dann aus einem zentralen Cockpit der Bank heraus die gewünschten Services an. Er wählt dann aus dem für ihn geeigneten Spektrum an Partneranwendungen, etwa eine ETF-basierte Vermögensverwaltung oder einen Robo-Advisor aus und nutzt den Service ohne erneute Authentication.

Economy: Kritisches Thema Schnittstellen für eine etwaig aufwändige Integration neuer Software (SW) oder Applikationen. Was antworten Sie einem dahingehend ängstlichen CTO einer großen Bank mit vielen unterschiedlichen IT-Systemen und SW-Applikationen?

Oliver Dlugosch: Dass unsere Technologie für die verschiedensten Bankensysteme funktioniert, demonstriert unser internationaler Kundenkreis unserer Meinung nach sehr eindrucksvoll. Sie ist gleichermaßen für große wie kleine Institute und auch für verschiedene Innovationsgrade geeignet. API-Plattformen, wie die von NDGIT sind nicht umsonst derzeit die gängigste Option für Systemarchitekten von Banken, um mehr Flexibilität in die IT-Systeme zu bringen. Mit ihr kann eine breite Palette von manchmal über Tausend kleiner und hochspezialisierter Services für die Nutzung von vielen Entwicklern gleichzeitig bereitgestellt und so effizient in ihre Infrastruktur eingebunden werden. Mit Plattformen, wie der unseren, entkoppeln sich Banken von den Grenzen ihrer Backend-Systeme und öffnen sich für Partnerschaften mit Dritten.

(Anm. der Redaktion: Der zweite Teil des Interviews mit Oliver Dlugosch erscheint kommenden Dienstag, den 2. Juli; Thema sind hier die Erfahrungen der bereits mit zahlreichen Banken umgesetzten Plattform-Projekte wie auch die eigenen Erfahrungen als erst 2016 gegründetes und rasch wachsendes Start-Up im FinTech-Segment.)

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 28.06.2019