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20. August 2019

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Rekordvolumen für Crowdfunding als Finanzierungsform

Rekordvolumen für Crowdfunding als Finanzierungsform© Bilderbox.com

Österreichische Crowdfunding-Plattformen konnten im Vorjahr mit über 38 Millionen Euro ein neues Rekordvolumen finanzieren. Im Jahresvergleich betrug das Wachstum über zwanzig Prozent. Insgesamt wurden mehr als 300 Projekte abgewickelt, der Schwerpunkt liegt bei Rendite-fokussierten Projekten, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie von CrowdCircus.

Vom Luxus- Appartement in der Innenstadt über das Trainings-Equipment für das österreichische Ruder-Nationalteam bis hin zu Wasabi aus burgenländischen Indoor-Farmen. Auch 2018 hat Crowdfunding in Österreich als Finanzierungsalternative weiter an Bedeutung zugelegt und dabei unterschiedlichste Projekte möglich gemacht.
Laut aktuellen Daten des Vergleichsportals CrowdCircus konnten österreichische Crowdfunding-Plattformen 2018 ein aggregiertes Projektvolumen von rund 38 Millionen Euro über den „Schwarm“ finanzieren. Im Vergleich zu 2017 (rund 32 Millionen) entspricht das einem Marktwachstum von rund 20 Prozent. 2014 waren es noch knapp über 4 Millionen Euro und damit rund ein Zehntel des aktuellen Jahresvolumens.

Rendite und Risiko
Während Crowdfunding international vor allem aufgrund von großen Spendenprojekten oder der Finanzierung von innovativen Produktideen Bekanntheit erlangt hat, ist das starke Wachstum des österreichischen Marktes nahezu ausschließlich auf Crowdinvesting-Projekte mit Rendite-starken Parametern zurückzuführen. Nicht zuletzt aufgrund des Nullzinsumfeldes hat sich dieser Trend im vergangenen Jahr nochmals verstärkt: 37 Millionen Euro oder rund 97 Prozent des Gesamtmarktvolumens sind diesem Rendite-fokussierten Crowdinvesting-Segment zuzuordnen.
Dass Investments in derartige Projekte durchaus auch mit Risiken verbunden sein können, zeigt ein Blick auf die jüngsten Insolvenzen: Mit 9Weine, Nixe Bier und Megasus Horserunners hat es im 2018 gleich drei prominente Ausfälle von beliebten Start-Up Crowdinvesting-Kampagnen aus den Vorjahren gegeben.

Top-25 Crowdfunding-Projekte 2018
Generell wird der heimische Crowdfunding-Markt von einer kleineren Anzahl an Großprojekten dominiert. Von insgesamt mehr als 300 im vergangenen Jahr abgewickelten Kampagnen waren allein die 25 größten Projekte mit knapp 16 Millionen Euro für mehr als 41% des gesamten Marktvolumens verantwortlich. Sämtliche Top-25 Projekte entfielen 2018 auf den Crowdinvesting-Bereich, welcher sich zunehmend auf Immobilien-Crowdinvestments fokussiert.
22 der Top-25 Kampagnen waren entsprechend dem „Betongold“-Bereich zurechenbar und dazu gehören auch die Top-3 Projekte mit den Titeln „No10-Renngasse in 1010 Wien“ (Volumen 1,5 Millionen Euro), „Portfolio Wien West“ (1,25 Mio.) und „Arsenal 3 Wien“ (0,95 Mio.). Diese Projekte wurden über die Crowd-Plattformen Rendity und Home-Rocket abgewickelt.

Marktführer „dagobertinvest“ und „Rocket“
Laut den CrowdCircus-Daten waren 2018 insgesamt 19 unterschiedliche österreichische Crowdfunding-Plattformen aktiv mit Projekten am Markt vertreten. Rund 32 Millionen Euro oder knapp 84 Prozent des Gesamtmarktvolumens wurden dabei von den Top-5 Plattformen dagobertinvest (Platz 1), Home Rocket (Platz 2), Rendity (Platz 3), Green Rocket (Platz 4) und Immofunding (Platz 5) abgewickelt.
Mit Ausnahme von Green Rocket handelt es sich bei den Top-5 Anbietern ausschließlich um spezialisierte Immobilien-Crowdinvesting-Plattformen. Bei Einzelplattformbetrachtung geht im Jahr 2018 dagobertinvest mit einem Marktanteil von 31 Prozent als Marktführer hervor. Bei einer zusammengefassten Wertung der drei Crowdfunding-Plattformen aus dem Hause „Rocket“ (Home Rocket, Green Rocket und Lion Rocket) wäre 2018 wiederum der in Graz beheimatete Schwarmfinanzierungsanbieter mit 37% Marktanteil Branchenprimus.

Die Analyse
Im Rahmen der aktuellen Analyse von CrowdCircus wurden die in den Kalenderjahren 2012-2018 von österreichischen Crowdfunding-Plattformen generierten Zuflüsse gemessen. Projekte, die über einen Jahreswechsel durchgeführt wurden, sind zur Gänze dem Startjahr zugerechnet worden. Die Plattformen „Firstcap“ sowie „Finnest“ wurden aufgrund „abweichender Geschäftsmodelle“ und „nicht entsprechender Kommunikation“ (laut Aussendung CrowdCircus) nicht berücksichtigt. Abweichungen zu vorherigen Statistiken ergeben sich aus einer umfangreicheren und transparenteren Datenbasis, die von Plattformbetreibern nachträglich zur Verfügung gestellt wurden, so CrowdCircus in einer Aussendung.

CrowdCircus.com
Was sich bei der Suche nach Flügen oder Hotels bereits seit Jahren erfolgreich etablieren konnte, wendet das in Österreich gegründete Start-Up „CrowdCircus" seit Juni 2017 auch bei Crowdfunding-Projekten an. CrowdCircus durchsucht europaweit Crowdfunding-Plattformen hinsichtlich neuer Projekte und stellt diese anschließend in einem vergleichbaren Format kostenlos zur Verfügung.
Crowdfunding-Interessenten sollen dadurch den Überblick behalten und mittels individualisierbarer Suchfilter rasch und einfach die passenden Projekte finden. Die Nutzer können sich zudem individuell über Suchagenten per E-Mail über neue Projekte informieren lassen. Als Vergleichs- und Rechercheplattform vergibt CrowdCircus auch ein eigenes Transparenz-Siegel an Crowdfunding-Plattformen. Kriterien dafür sind Transparenz, Kommunikationsmanagement und Informationsbereitschaft. CrowdCircus bietet selbst keine Crowdfunding-Projekte an.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 18.01.2019