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27. Mai 2019

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Ausgezeichnete chemische und biologische Reaktionen

Ausgezeichnete chemische und biologische Reaktionen© OeAW_Nuno Maulide

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften prämiert den Chemiker Nuno Maulide mit dem 36.000 Dollar schweren Lieben-Preis und die Mikrobiologin Hanna Worliczek mit dem 18.000 Dollar schweren Bader-Preis.

Für herausragende Forschungsleistungen bei der Entwicklung neuer Reaktionsmechanismen in der organisch-synthetischen Chemie erhält der Chemiker Nuno Maulide den Ignaz L. Lieben-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Der Forscher an der Universität Wien sowie am CeMM (Anm. Forschungszentrum für Molekulare Medizin) wird mit dem ältesten und mit 36.000 Dollar (rd. 32.000 Euro) am höchsten dotierten Preis der Akademie ausgezeichnet. Der diesjährige Bader-Preis mit 18.000 Dollar (rd. 16.000 Euro) für besondere Leistungen zur Geschichte der Naturwissenschaften geht an die Mikrobiologin Hanna Worliczek von der Universität Wien.

Auf der Suche nach ressourcenschonender Chemie
Nuno Maulide, zuletzt vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten Österreichs zum „Wissenschaftler des Jahres“ gewählt, arbeitet an der Entdeckung und Entwicklung neuer chemischer Reaktionen. Der aus Portugal stammende Chemiker sucht nach bisher unbekannten Bindungsmöglichkeiten zwischen Atomen und eröffnet damit neue Wege, um die organische Synthese effizienter und ressourcenschonender zu gestalten. Beispielsweise ist es ihm aktuell gelungen, den Naturstoff Chinin, einen wichtigen Antimalariawirkstoff, auf dem kürzesten Wege zu synthetisieren.
Maulide machte nach dem Grundstudium in Lissabon an der Katholischen Universität Löwen (Belgien) und der Ecole Polytechnique Paris seinen Master in Chemie und schloss 2007 in Löwen sein PhD-Studium ab. 2009 wurde er Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung im deutschen Mühlheim an der Ruhr und 2011 erhielt er einen Starting Grant des Europäischen Forschungsrats ERC. 2013 wechselte er als Professor für Organische Chemie an die Universität Wien.
Am CeMM forscht er seit Herbst 2018 als sogenannter Adjunct Principal Investigator auch an der stereoselektiven Synthese von organischen Verbindungen und der Entwicklung von neuen Synthesemethoden und ist in dieser Funktion an den Schnittstellen zwischen Chemie, Medizin und Biologie tätig.

Die Wissenschaftsgeschichte der Zellbiologie
Hanna Lucia Worliczek, die mit dem diesjährigen Bader-Preis für die Geschichte der Naturwissenschaften ausgezeichnet wird, ist promovierte Mikrobiologin und war bis 2013 Gruppenleiterin an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Seit 2014 widmet sie sich als Stipendiatin des Wissenschaftsfonds FWF am Institut für Geschichte der Universität Wien sowie als Gastforscherin in Cape Cod in Massachusetts sowie in Berlin und Cambridge der Wissenschaftsgeschichte.
Den Bader-Preis erhält sie für ein Pilotprojekt, das die Geschichte beschreibender Forschung in der Zellbiologie nach 1950 untersucht. Diese Art der Forschung erlitt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf Kosten einer zunehmend mechanistischen Herangehensweise zur Erklärung zellulärer Prozesse einen Reputationsverlust. Heute allerdings wird dem deskriptiven Zugang in der zellbiologischen Wissensproduktion neue Bedeutung beigemessen. Hanna Lucia Worliczek will mit „‘Merely Descriptive‘ and Therefore Dismissed? A History of Descriptive Research and the Imperative of Mechanistic Explanation in Cell Biology“ eine bislang bestehende Forschungslücke in der Wissenschaftsgeschichte schließen.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 01.02.2019