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08. Mai 2021

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Prüfung der Rehamethoden bei Schlaganfällen

Prüfung der Rehamethoden bei Schlaganfällen© Bilderbox.com

Austrian Institute for Health Technology Assessment analysiert Nutzen neuer Methoden zur Ergänzung von Standardtherapien. Im Fokus stand die technologische Unterstützung durch Roboter und funktionelle Elektrostimulation.

(red/czaak) Jährlich erleiden allein in Österreich 25.000 Personen einen Schlaganfall - und zahlreiche von ihnen haben anschließend Lähmungen der unteren oder oberen Extremitäten. Zeitnahe Rehabilitationsmaßnahmen helfen oftmals die Beweglichkeit zurückzuerlangen, wobei Gehen und Alltagsaktivitäten primäre Ziele sind. Gute Rehabilitationsprogramme sind ressourcenintensiv und große Hoffnung wird daher auch in deren Ergänzung durch Roboter oder durch die funktionelle Elektrostimulationen der Muskeln gesetzt.

Inwieweit diese Maßnahmen aber einen wirklichen klinischen Zusatznutzen erzielen, hat nun das Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) gemeinsam mit der Arbeitsgruppe ReMoS (Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall) der deutschen Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften untersucht. Basis der umfassenden evidenzbasierenden AIHTA-Studie waren in Summe 53 (!) randomisierte klinische Studien und ein Cochrane Review.

Nur teilweise erfüllte Erwartungen
Alle diese Studien untersuchten den konkreten Einsatz roboterassistierter Rehabilitation (RAR) sowie funktioneller Elektrostimulation (FES) in verschiedenen Therapiesituationen. „Roboter können als Ergänzung einer Standardtherapie einen klinischen Zusatznutzen schaffen. Für die funktionelle elektrische Stimulation einzelner Muskeln oder Muskelgruppen als andere Methode, kann ein solcher Zusatznutzen nicht nachgewiesen werden“, so das Ergebnis des AIHTA – mit der Empfehlung „nun in jedem Fall eine gesundheitsökonomische Evaluation vor dem Einsatz dieser Therapieergänzungen zu tätigen.“

„Die Bandbreite der zur Verfügung stehenden Geräte ist sowohl für die RAR als auch die FES ausgesprochen groß“, sagt Claudia Wild, Direktorin des AIHTA. „Entsprechend groß sind auch die Erwartungen, die aber leider nur teilweise erfüllt werden. In unserer Studie konnten wir zwar für manche Interventionen der RAR in Kombination mit einer Standardtherapie einen Zusatznutzen im Vergleich zur Standardtherapie ohne RAR feststellen, für die FES aber nicht“, so Wild.

Die roboterassistierte Rehabilitation (RAR)
Tatsächlich können manche Arten der RAR den Therapieverlauf, insbesondere beim Einsatz der RAR bei der Armrehabilitation von Schlaganfallpatienten im subakuten Stadium, begünstigen. Der Nachweis eines Zusatznutzens der RAR als Unterstützung zum Gangtraining ist jedoch schwächer. Ursächlich für diese Verbesserungen vermutet man ein intensiveres und häufigeres Training der Patienten, das dabei ohne zusätzlichen Aufwand für Physiotherapeuten erreicht wird.

„Der Einsatz der RAR kann durchaus sinnvoll sein“, erläutert Wild. „Er kann die Therapieergebnisse verbessern und womöglich sogar dazu beitragen, PhysiotherapeutInnen zeitlich und körperlich zu entlasten. Doch empfehlen wir, den Einsatz gesundheitsökonomisch zu evaluieren, weil der Zusatznutzen nicht für alle Roboter nachgewiesen werden konnte und eine gewisse Heterogenität der Produkte zu verzeichnen ist. Bei dieser Analyse sollte zusätzlich der Schweregrad des Schlaganfalls sowie die therapeutischen Rahmenbedingungen mit in die Evaluierung einfließen“, ergänzt die Expertin.

Die funktionelle Elektrostimulation (FES)
Die FES hingegen enttäuschte die Erwartungen an einen zusätzlichen Nutzen. Diese Erwartungen betreffen vor allem eine Stärkung der von Lähmungen betroffenen Muskeln mittels externer elektrischer Stimulation sowie eine verbesserte Durchblutung bzw. einen besseren Blutfluss. Für die Untersuchung des Nutzens der FES wurden vom AIHTA und den deutschen Kollegen insgesamt 26 klinische Studien ausgewertet.

Dabei zeigte sich, dass die Begleitung einer Standardtherapie mit Elektrostimulation kaum zusätzlichen Nutzen ergab. Es gibt jedoch eine naheliegende Evidenz, dass eine Subintervention der FES (FES mit Oberflächenelektroden beim Gehen) einer herkömmlichen Fußgelenksorthese nicht unterlegen ist. „Eine gesundheitsökonomische Evaluierung könnte auch in diesem Fall sinnvoll sein“, resümiert Claudia Wild, Direktorin des Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA).

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 15.04.2021