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25. Mai 2019

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Erhöhte Überlebenschance bei Krebs

Erhöhte Überlebenschance bei Krebs© Med Uni Innsbruck

Teilnahme an klinischen Studien erhöht Überlebensmöglichkeit bei Krebserkrankung. Patienten erhalten frühzeitig letztaktuelle Spitzenmedizin. Immuntherapie zunehmend Säule der modernen Krebsmedizin, so Innsbrucker Spitzenmediziner anlässlich des kommenden Weltkrebstages.

Auch wenn eine vollständige Heilung von Krebs bei vielen Patienten noch immer Zukunftsmusik ist, zeigen sich große Fortschritte der Krebsmedizin in verbesserten Überlebensraten. In vielen Fällen ist ein langes Überleben trotz bestehender Tumorerkrankung möglich. „Neue Wege in der Krebstherapie beginnen im Labor. Der Erfolg und die Treffsicherheit innovativer Medikamente lassen sich aber nur in klinischen Studien überprüfen und etablieren“, erklärt Christian Marth, Sprecher des Comprehensive Cancer Center Innsbruck und Direktor der Innsbrucker UniKlinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Allein am dort angesiedelten BrustGesundheitZentrum Tirol sind zwei Drittel aller Brustkrebspatientinnen in Klinische Studien eingebunden – ein Qualitätskriterium, mit dem das interdisziplinäre Brustzentrum an erster Stelle in Österreich steht.

Frühzeitiger Zugang zu innovativen Therapien
Aktuell sind an den Universitätskliniken Innsbruck in über 100 laufenden klinischen Studien mehrere Tausend Patienten eingeschlossen. „Der Vorteil einer Studienteilnahme liegt für Krebspatienten darin, dass sie frühzeitig Zugang zu innovativen Therapien erhalten. Dabei handelt es sich um Medikamente, die eigentlich noch nicht am Markt sind, aber großes Potential haben. Studienteilnehmer werden zudem besonders intensiv und engmaschig betreut und überwacht“, betont Marth.
„Die Immuntherapie ist in Kombination mit oder auch anstelle der klassischen Chemotherapie eine neue, selektiv hochwirksame Therapie-Säule“, ergänzt Dominik Wolf, Innsbrucker Klinikdirektor und Tumorimmunologe. Gemeint sind neue Immuntherapien, wie sogenannte Checkpoint-Inhibitoren (Anm. blockierende Antikörper), mit denen das körpereigene Immunsystem wieder gegen die Tumorzellen mobilisiert und aktiviert werden kann.

Kombination aus Immuntherapien plus Standardtherapieformen
Allerdings sprechen nur rund 20 bis 30 Prozent der Krebspatienten längerfristig auf die Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren an. Was bislang fehlt und Gegenstand intensiver Forschung ist, sind geeignete Vorhersagemodelle, mit denen die Treffsicherheit erhöht oder auch schwere Nebenwirkungen verhindert werden könnten. Auch über die Kombination von Immuntherapien mit Standardtherapieformen verspricht sich die Wissenschaft bessere Erfolgsraten.
Für eine zusätzliche Optimierung der Immuntherapie hat man in Innsbruck aber auch die Umgebung des Tumors im Visier. „Wir wissen, dass die Immunzellen über die Gefäße in den Tumor gelangen. Mithilfe der sogenannten Antiangiogenese (Anm. Eindämmung der Gefäßneubildung über Medikamente), könnte es gelingen, das Wachstum von Tumoren noch besser zu unterbinden und Synergien zu schaffen“, unterstreicht Dominik Wolf.

Fallbeispiel mit Tumor unter Kontrolle
Dass die Immuntherapie Anlass zu berechtigter Hoffnung gibt, zeigt die Geschichte von Herrn Prem. Bei dem 74-jährigen Schwazer wurde 2013 ein nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom diagnostiziert. Die Behandlung dieses äußerst aggressiven Lungentumors erfolgte mit vielen verfügbaren Chemotherapien und auch einer Tablettentherapie. Der langfristige Erfolg blieb jedoch aus, zwei Jahre nach der Erstdiagnose galt Herr Prem daher als austherapiert.
„Die Ärzte gaben mir noch wenige Monate zu leben“, beschreibt der Krebspatient seine damals scheinbar ausweglose Situation. Die Teilnahme an einer klinischen Studie mit dem Wirkstoff Nivolumab brachte dann 2015 eine entscheidende Wende. „Trotz vorübergehender milder Nebenwirkungen ist das Karzinom bis heute unter Kontrolle“, bestätigt Dominik Wolf als sein behandelnder Arzt. „Herr Prem geht heute sogar wieder seinen Hobbies Skifahren und Segeln nach.“

Zahlen aus dem Tiroler Tumorregister
Basierend auf den aktuellen Angaben des Tiroler Tumorregisters erkrankten im Jahr 2016 1.874 Frauen und 2.097 Männer an einem invasiven Karzinom, mit Ende 2016 lebten rund 20.200 Frauen und 20.000 Männer mit einer Krebserkrankung in Tirol. Mit einer Fünfjahresüberlebensrate von ca. 65 Prozent liegt Tirol fast gleichauf mit den Vergleichsraten aus den USA. Die Raten für Neuerkrankungen und Sterbefälle liegen für Männer besonders beim Lungenkarzinom und für Frauen beim Gebärmutterhalskrebs unter dem EU-Durchschnitt.
Trotz entsprechender Erkrankungshäufigkeiten liegen die Sterberaten in Tirol beim Mammakarzinom (Brustkrebs), Prostatakarzinom und Nierenkarzinom unter dem EU-Schnitt. Die häufigste Tumorneuerkrankung in Tirol ist im Jahr 2016 bei Frauen das Mammakarzinom (28 Prozent), gefolgt vom Melanom (10). Bei Männern ist es das Prostatakarzinom (26 Prozent) und das Lungenkarzinom (12). Die häufigste Krebstodesursache ist sowohl bei Männern als auch Frauen der Lungenkrebs.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 01.02.2019