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22. November 2019

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Anstieg von Internetbetrug

Anstieg von Internetbetrug© Piqs.de/ Zeppelin

Jeder vierte Österreicher ist von Internetbetrug betroffen und auch jedes vierte Unternehmen war bereits Opfer eines Online-Betrugs, so eine aktuelle Erhebung des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens.

(red/czaak) Internet-Betrug ist nicht nur für Konsumenten gefährlich, auch Unternehmen werden immer häufiger Opfer von Internetbetrug und sehen den Kampf dagegen als relevante Herausforderung. Das Österreichische E-Commerce-Gütezeichen hat 1.000 österreichische Konsumenten und 229 Online-Anbieter aus Österreich zum Thema Betrug im Internet befragt.

„Betrügerische Aktivitäten gibt es online wie offline. Uns geht es nicht darum, Panik vor Online-Handel zu machen, sondern das Bewusstsein hierfür zu schärfen und sich mit möglichen Gefahren auseinanderzusetzen“, erklärt Thorsten Behrens, Geschäftsführer des Österreichischen E-Commerce Gütezeichens und Projektleiter der Watchlist Internet.

Bereits jeder vierte Österreicher betroffen
Laut Studie wurden 22 Prozent der befragten Online-Einkäufer schon einmal Opfer eines Internetbetrugs. Die Top 3 Betrugsarten sind gefälschte Zahlungsaufforderungen sowie Schadsoftware wie Viren oder Trojaner und Abo-Fallen. Auch mit vermeintlichen Gratis-Angeboten und nicht gelieferten Bestellungen waren die Befragten bereits konfrontiert.

Ein besonders häufiger Beschwerdegrund sind die Abo-Fallen. Darunter fallen unseriöse Geschäftspraktiken von Online-Anbietern, bei denen Verbraucher kostenlose Angebote eingehen, für die sie nach einiger Zeit überraschend eine Abo-Rechnung erhalten.

Falsche Identitäten
Nicht nur Konsumenten kämpfen mit betrügerischen Aktivitäten, auch Unternehmen: Mehr als ein Viertel der befragten Online-Anbieter (rund 27 Prozent) wurde bereits Opfer eines Bestellbetrugs. Die Fälle von Online-Betrug steigen in den letzten Jahren.

Zu den häufigsten Betrugsarten zählen die Angabe falscher Namens- oder Adressdaten und Identitätsmissbrauch. Hier bestellen Kunden mit einer erfundenen oder gestohlenen Identität. Zahlungsunfähigkeit von Kunden, das Abstreiten des Warenerhalts und die Angabe falscher Zahlungsdaten sind weitere Betrugsfallen für Unternehmen.

Aufmerksamkeit und Hausverstand
Um sich gegen Bestellbetrug zu schützen, ergreifen 83 Prozent der befragten Online-Anbieter Maßnahmen: So bieten sie nur sichere Zahlungsarten an oder prüfen verdächtige Bestellungen manuell. Auch Bonitätsanalysen und Sperrlisten betrügerischer Kunden werden eingesetzt. Die Studie zeigt zudem, dass auch auf Konsumentenseite das Bewusstsein für unseriöse Angebote gestiegen ist.

Bei unseriös erscheinenden Shops, kaufen 61 Prozent dort nicht ein und jeder Zweite recherchiert über den Anbieter und sucht nach Kundenbewertungen. Ein Drittel verifiziert das Impressum des Anbieters und ein Viertel überprüft ob der Anbieter ein Gütezeichen hat. „Zusätzlich zu diesen Kriterien empfehlen wir auch, sich nicht von extrem günstigen Angeboten in die Irre führen zu lassen und auf den Hausverstand zu hören“, so Behrens.

Kleine Online-Anbieter punkten mit Vertrauen
Konsumenten achten beim Kauf oder bei der Buchung eines Online-Angebots besonders auf sichere Zahlungsmittel (64 Prozent), gute Bewertungen anderer Kunden (55), den Preis (51), die Bekanntheit des Anbieters (47), Storno- und Retourenbedingungen (40) und ob der Anbieter ein Gütezeichen hat (32 Prozent).

Für Unternehmen besonders wichtig sind vertrauensbildende Maßnahmen wie gut auffindbare und vollständige Kontaktdaten, ausreichende Beschreibung der Produkte/Dienstleistungen, vollständiges Impressum, Einhaltung der Datenschutzanforderungen, Preistransparenz und professionelle Produktfotos. Auch ein professionelles und nutzerfreundliches Shop-Design ist den Betrieben wichtig.

Wichtiger Ratgeber für Konsumenten
„Die Betrugsmaschen werden immer ausgereifter und können für Konsumenten wie für Unternehmer teils einen erheblichen finanziellen Schaden bedeuten. Deshalb sind Vorsicht und Bewusstsein für unseriöse Angebote unerlässlich. Wer darauf achtet, hat beim Einkauf im Internet nichts zu befürchten“, unterstreicht Behrens.

„Und Unternehmen können sich mit Bekanntheit oder einer überprüfbaren Zertifizierung wie etwa dem Österreichischen E-Commerce-Gütezeichen, positiv abheben“, ergänzt Experte Torsten Behrens. Auf der Website www.watchlist-internet.at finden Konsumenten aktuelle Online-Fallen und Tipps, wie man solche erkennt.

Über die Studien
Die Konsumentenbefragung passierte in Form einer repräsentativen Studie des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens unter 1.000 ÖsterreicherInnen zwischen 14 und 65 Jahren mittels Online-Befragung und wurde von meinungsraum.at im November 2018 durchgeführt.

Die Händlerbefragung erfolgte in Form einer Online-Befragung von 229 Unternehmen, die Waren oder Dienstleistungen über das Internet verkaufen und wurde von MarketAgent im Dezember 2018 durchgeführt.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 06.06.2019