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19. Juni 2019

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Zum ersten. Zum zweiten. Und zum dritten.

Zum ersten. Zum zweiten. Und zum dritten.© Bilderbox.com

Ökonomische Energie über Auktionen oder der grünste Strom für wenig Geld. Die Energieökonomin Marijke Welisch forscht im Bereich von Auktionen für Alternativenergie-Förderungen und erhält nun den Hannspeter-Winter-Preis der TU-Wien.

Im Allgemeinen herrscht Einigkeit, dass Strom auf umweltfreundliche Weise erzeugt werden soll. Diskutiert wird in diesem Kontext, wie öffentliches Geld so eingesetzt werden kann, dass gesellschaftlich sinnvolle Ziele am besten erreicht werden. Viele Ländern wählen hier das Instrument der Alternativenergie-Auktionen. Dabei vergibt der Staat finanzielle Förderungen an private Energie-Anbieter, die dafür die günstigsten Angebote legen.
Wie solche Energie-Auktionen funktionieren und wie sie sich steuern lassen, um ein optimales Ergebnis zu bekommen, erforschte Marijke Welisch in ihrer Dissertation in der Energy Economics Group der TU Wien. Sie entwickelte dafür agentenbasierte Modelle, mit denen man die Energieauktionen am Computer unter unterschiedlichen Bedingungen simulieren kann und dafür wird Marijke Welisch nun mit dem Hannspeter-Winter-Preis der TU Wien ausgezeichnet.

Staatliche Regularien
Der Bau großer Kohle- oder Kernkraftwerke kann staatlich beschlossen, geplant und finanziert werden. Im Bereich der Alternativenergie wird der Markt oft nicht von wenigen großen Anbietern, sondern von zahlreichen Kleinanlagen bestimmt. Man braucht daher entsprechende neue Methoden der staatlichen Förderungen.
„Die einfachste Variante einer Auktion wäre, dass der Staat einfach festlegt, wie viele Kilowattstunden an Alternativenergie pro Jahr gewünscht werden und wie viel Fördergeld man ausgeben möchte“, erklärt Marijke Welisch. „Dann sortiert man einfach die Angebote – und wer bereit ist, für einen geringeren Betrag pro Kilowattstunde Strom ins Netz einzuspeisen, bekommt die Förderung.“

Konkurrenz und Pönalzahlungen
Das muss aber nicht die beste Strategie sein. Schließlich geht es nicht nur um die Energiemenge pro Fördergeld, auch andere Faktoren sollen beeinflusst werden. „Entscheidend ist zum Beispiel die Frage, ob der Anbieter es dann tatsächlich schafft, die versprochene Energie einzuspeisen“, so Welisch. „Man kann Pönalzahlungen vereinbaren, falls das nicht gelingt, oder man bevorzugt mithilfe des Auktionsdesigns Anbieter mit einer höheren Realisierungswahrscheinlichkeit.“
Wichtig sei zudem, dass für ausreichende Konkurrenz gesorgt ist und dass Absprachen vermieden werden. Gleichzeitig sollen sich die geförderten Anlagen gut ins bestehende System einfügen. Für eine erfolgreiche Energieauktion muss primär die Politik festlegen, welche Ziele sie verfolgen will. „Die Auktionsrunden finden in unterschiedlichen Ländern in unterschiedlichen zeitlichen Abständen statt. Man darf sie nicht einzeln betrachten, sondern muss bedenken, dass das Ergebnis einer Runde Auswirkungen auf die nächsten Runden hat“, betont Welisch.
„Das Ziel ist Kontinuität, und ein Ausbau der erneuerbaren Energie, der dem Gesamtsystem dient“, so das Resümee der Forscherin. Mit den Modellen von Welisch wurden etwa Energieauktionen in England, Dänemark und Deutschland simuliert. Zielsetzung ist ein besseres Verständnis der Abläufe und die Überprüfung bestimmter Regularien und Auswirkungen bei den Auktionen.

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 18.01.2019