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20. Mai 2022

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Wenn der Filter eine Blase erzeugt

Wenn der Filter eine Blase erzeugt© Pexels.com/pixabay

Automatisierte Empfehlungen schlagen Produkte vor, die eigenen Präferenzen entsprechen. Christian Doppler-Labor an TU Wien untersucht mit Falter Verlag und YMK Software, wie diese Systeme diverser und fairer gemacht werden können. 

(red/mich/cc) Wer sich im Internet bewegt, hinterlässt Spuren und daraus resultieren personalisierte Vorschläge an die NutzerInnen, beim Online-Shopping ebenso wie beim digitalen Nachrichtenkonsum. Wie sogenannte „Recommender Systems“ funktionieren und wie sie das Nutzungsverhalten beeinflussen, damit beschäftigt sich Julia Neidhardt vom TU Wien-Institut für Information System Engineering.

Im Rahmen des Christian Doppler Labors „Weiterentwicklung des State-of-the-Art von Recommender-Systemen in mehreren Domänen“ forscht Neidhardt gemeinsam mit den Firmenpartnern Falter Verlag und YKMB Software, wie sich verschiedene Anwendungsbereiche auf die Bedürfnisse der Nutzer hinsichtlich Diversität sowie auf die „Fairness“ des Systems als Ganzes auswirken. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Digitalisierung (jetzt BM für Arbeit und Wirtschaft) unterstützt.

Kulturevents, Bücher oder Nachrichtenbeiträge
Recommender Systems liefern den Nutzern oft ähnliche, in einfacher Form auf das Individuum zugeschnittene Vorschläge – was schnell langweilig werden kann. „Ein gutes System sollte daher nicht nur genau sein, es sollte auch abweichende Vorschläge unterbreiten und ein Überraschungsmoment liefern. Außerdem sollte es fair sein, also für alle Nutzergruppen Ergebnisse gleicher Qualität liefern“, sagt Julia Neidhardt.

Wie sich die drei Faktoren „Genauigkeit“, „Diversität“ und „Fairness“ zueinander verhalten, soll im Rahmen des Christian Doppler Labors untersucht werden. Was nun zur Nebensache wird, sind die Daten der einzelnen Nutzer, denn diese sollen einer Gruppe zugeordnet werden und entsprechende Empfehlungen erhalten. Was jedoch – um die Vorhersagegenauigkeit zu erhalten – stärker profiliert wird, sind zum Beispiel die auf der Plattform des Falter Verlages angebotenen Kulturevents, Bücher oder Nachrichtenbeiträge.

Soziale Kontakte im Online-Modehandel
Ein weiterer Aspekt im Kontext mit YKMB Software, ist die Integration sozialer Kontakte in den Online-Modehandel. „Die Idee ist, dass eine Auswahl an Kleidungsstücken mit persönlichen Kontakten geteilt wird. Diese können dann eine Empfehlung aussprechen. Gesammelt und nach Abwägung kann der Algorithmus dann die Kleidungsstücke zum Kauf empfehlen, die die höchste Zustimmung erhalten haben“, so Neidhardt zum Prozess. 

In Christian Doppler Labors wird anwendungsorientierte Grundlagenforschung betrieben und WissenschafterInnen kooperieren dabei mit Unternehmen. In Bezug auf Projekte und Ergebnisse gilt die Christian Doppler Forschungsgesellschaft international als Best-Practice-Beispiel. Die Doppler Labors werden von der öffentlichen Hand und den beteiligten Unternehmen gemeinsam finanziert. Wichtigster öffentlicher Fördergeber ist das BM für Wirtschaft und Digitalisierung.

Links

red/mich/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 13.05.2022