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27. Februar 2021

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Stabile Immunität nach Corona-Infektion

Stabile Immunität nach Corona-Infektion© Pexels.com/Anete Lusina

Med Uni Innsbruck testet im Tiroler Ischgl in umfangreicher Studie Immunverhalten nach Covid-19 Infektion. Antikörper blieben bei knapp 90 Prozent der vormals seropositiv Getesteten erhalten und korrelieren zudem mit Krankheitssymptomen.

(red/czaak) Im April des vergangenen Jahres passierte die erste Antikörper-Studie der Medizinischen Universität Innsbruck in der Gemeinde Ischgl und letzten November wurde die Immunantwort im Rahmen einer Folgestudie erneut getestet. Bei knapp 90 Prozent jener StudienteilnehmerInnen, die schon im April einen positiven Antikörpernachweis hatten, konnten auch acht Monate nach den ersten Infektionen Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen werden.

Vergleichsweise umfangreiche und lange Antikörperstudie
Für diese vergleichsweise umfangreiche und mit acht Monaten Nachbeobachtungszeit auch sehr lange Antikörperstudie, stellten sich knapp über 900 Personen aus der Gemeinde Ischgl zur Verfügung. „Davon hatten 801 Personen zwischen 18 und 89 Jahren bereits an der ersten Studie teilgenommen. Mit deren Blutproben wurde nun mit serologischen Antikörpertests und spezifischen Messungen der zellulären Abwehr der Immunverlauf analysiert“, erläutert Wegene Borena, Studienleiterin vom Institut für Virologie an der Med Uni Innsbruck.

Die Basisstudie vom April 2020, hier auch mit Probanden unter 18 Jahren, wies eine Seroprävalenz von 42,4 Prozent aus. Für die 801 Probanden der Folgestudie wurde im April 2020 eine Seroprävalenz von 51,4 Prozent nachgewiesen und im November 2020 lag diese noch immer bei 45,4 Prozent. „Trotz leichtem Rückgang der Antikörperkonzentration können wir von einer relativ stabilen Immunität sprechen. Bei knapp 90 Prozent von den im April 2020 seropositiv Getesteten konnten auch im November Antikörper detektiert werden“, so Dorothee von Laer, Leiterin des Instituts für Virologie an der Innsbrucker Med Uni.

Antikörper und T-Zellen belegen stabile Immunität
Der Nachweis SARS-CoV-2-spezifischer Antikörper erfolgte wie bei der Basisstudie mit unterschiedlichen Antikörpertests, wobei in der Folgestudie ein zusätzlicher Antikörpertest hinzugezogen wurde. Ein Teil der Proben wurde in einem sogenannten Neutralisationstest auch auf neutralisierende Antikörper hin untersucht, um die (Anm. kommerziellen) Antikörpertests zu überprüfen. „Der Neutralisationstest bestätigte bei einem Großteil der serologisch differierenden Ergebnisse das Vorhandensein spezifischer Antikörper gegen SARS-CoV-2“, so Borena.

Das Virus bekämpfen können aber nicht nur virusspezifische Antikörper, sondern auch spezifische Immunzellen. Zum Nachweis dieser T-Zellen wurde daher in der aktuellen Studie bei 93 Proben eine zusätzliche Untersuchung vorgenommen. Eine Untergruppe dieser T-Zellen (Anm. auch „Killerzellen“ genannt) kann virusinfizierte Zellen erkennen und „abräumen“ (Anm. Zelluläre Immunität). Um nun SARS-CoV-2-spezifische T-Zellimmunität nachweisen zu können, haben die Innsbrucker Spezialisten in zwei aufwendigen Testverfahren Blutzellen von ProbandInnen isoliert und mit verschiedenen Bestandteilen des Virus zusammen kultiviert. Sind T-Zellen vorhanden, die das Virus erkennen können, werden diese stimuliert und produzieren bestimmte Zytokine (Anm. Botenstoffe).

Entscheidender Beitrag zur Dauer einer Immunität nach Corona-Infektion
Der Nachweis dieser Zytokin produzierende T-Zellen bestätigt schließlich eine vorliegende T-Zellimmunität. „Eine T-Zellimmunantwort ließ sich auch in Proben mit kaum oder nicht mehr nachweisbarem Antikörpertiter belegen, was die Rolle der zellulären Immunität nach COVID-19 untermauert“, ergänzt von Laer. Und: „Es ist folglich nicht ausgeschlossen, dass eine Immunität auch dann besteht, wenn keine Antikörper mehr in den verwendeten Tests nachweisbar sind“, so die Virologin. Die Studie zeigt zudem auch eine aufschlussreiche Korrelation: je schwerer die Symptome, desto mehr neutralisierende Antikörper auch nach acht Monaten noch.

„Von Herdenimmunität könne in Ischgl zwar nicht ausgegangen werden, doch die hohe Seroprävalenz könnte in Kombination mit flankierenden Maßnahmen, wie Maske und Abstand, eine zweite Welle letzten Herbst verhindert haben. Die Neuinfektionsrate lag hier in Ischgl bei unter einem Prozent“, so von Laer. Diese Entwicklung wird auch in einer begleitenden Studie der Paris Lodron Universität Salzburg dargestellt. „Mit dieser Folgestudie war es erstmals möglich den Verlauf der Neuinfektionsrate vergleichend zu beobachten“, resümiert von Laer. „Die Medizinische Universität Innsbruck kann damit einen entscheidenden Beitrag zur Frage leisten, wie lange eine Immunität nach einer SARS-CoV-2 Infektion anhält", ergänzt Rektor Wolfgang Fleischhacker.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 23.02.2021