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28. Februar 2020

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Neues Leben für alte Leintücher

Neues Leben für alte Leintücher© vishnudeep dixit von Pexels

Allein in Europa fallen jährlich fünf Millionen Tonnen Textilabfälle an. TU-Wien, Boku-Wien und Montanuni Leoben entwickeln gemeinsam neue biochemische Methoden für effizientes Recyceln von Mischtextilien.

(red/mich) Alte Textilien sind oftmals viel zu schade für den Abfall. Umgekehrt ist es oft nicht einfach sie zu neuen, hochwertigen Produkten weiterzuverarbeiten und das gilt vor allem dann, wenn es sich um Mischfasern handelt, die etwa aus Baumwolle und Polyester bestehen. In einem großen Forschungsprojekt, an dem neben der TU Wien, der Universität für Bodenkultur Wien und der Montanuni Leoben auch verschiedene Industriepartner beteiligt waren, wurde nun eine Methode entwickelt, textile Abfälle aus Mischfasern chemisch aufzutrennen. Die Baumwolle wird dabei in Zucker umgewandelt, der Polyesteranteil wird aufbereitet und wiederverwendet. Am Ende entstehen neue Textilien mit derselben Qualität wie die alten.

5 Millionen Tonnen Textilabfälle
In Europa fallen pro Jahr etwa 5 Millionen Tonnen Textilabfälle an. Ein großer Teil davon wird verbrannt oder deponiert. Nun schreibt eine neue EU-Richtlinie vor, dass Alttextilien ab 2025 getrennt gesammelt werden müssen. „Ganz besonders viele Alttextilien fallen in Hotels oder in Krankenhäusern an“, sagt Andreas Bartl vom Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik und technische Biowissenschaften der TU Wien. „Nach ungefähr 100 Waschgängen sind die Textilien kaputt. Durch das wiederholte Waschen und Trocknen brechen die Fasern, das Material löst sich auf und bekommt Löcher“, so Bartl weiter.

Das Forscherteam arbeitete mit Leintüchern, die aus 60 Prozent Baumwolle und 40 Prozent Polyester bestehen. Zunächst passierte die Zerteilung in feine Flocken, dann wurde die Baumwolle mit Hilfe von Enzymen vom Polyester getrennt und in Glucose umgewandelt. „Dieser Schritt ist entscheidend, man braucht dafür ganz spezifische Enzyme und außerdem muss man Wege finden, den Prozess auf großen, industriellen Maßstab zu skalieren“, erläutert Bartl.

Nach der enzymatischen Trennung entstehen Polyesterfasern und Zuckerlösung. Die Fasern werden getrocknet und gereinigt, in speziellen Recyclinganlagen aufgeschmolzen und zu Granulat aufbereitet. Dieses Granulat wird dann zu einem Garn versponnen, der dann beispielsweise durch Zugabe von neuer Baumwolle weiterverarbeitet werden kann. So entsteht am Ende wieder eine Materialmischung, die dem Ausgangsstoff entspricht und dieselbe Qualität hat. 

Weniger CO2 und Auszeichnung für Projekt
Bisher wird Polyester aus fossilen Rohstoffen gewonnen. Recycling von Textilien ist daher ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der CO2-Bilanz. „Wir wollen mit unserem Projekt die Grundlage für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft schaffen“, unterstreicht TU-Forscher Andreas Bartl. Dieser enzymatische Prozess wurde an der Universität für Bodenkultur entwickelt, an der TU Wien wurde das Verfahren auf großen Maßstab skaliert und an der Montanuniversität Leoben wurden die Eigenschaften des Kunststoffs genau analysiert, um eine möglichst gute Qualität zu gewährleisten.

Im Rahmen des Projekts konnten die Universitäten in enger Zusammenarbeit mit den Firmenpartnern die Machbarkeit des Prozesses demonstrieren. Das Projekt wurde im November 2019 mit dem „Clusterland Award 2019“ ausgezeichnet, einem mit 5.000 Euro dotierten Preis, der von der Raiffeisen-Landesbank Niederösterreich-Wien als Generalsponsor und ecoplus, der Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich, vergeben wird. Aktuell arbeiten die Projektpartner bereits an einem Nachfolgeprojekt, um einen optimierten, KMU-tauglichen Prozess für ein qualitätsgesichertes stoffliches Recycling zu entwickeln.

Links

red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 16.12.2019