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04. August 2020

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Gegen die Sanierung der Sanierung

Gegen die Sanierung der Sanierung© TU Wien

TU-Wien entwickelt zwei neue Messverfahren für Farbentest und Rissvermeidung beim Ausmalen. Patent bezieht sich primär auf Dehnfähigkeit von Wandfarben und eignet sich für zahlreiche Anwendungen und Branchen.

(red/czaak) Das Problem ist vom Renovieren oder generellen Baumaßnahmen bekannt: Gebäude sind keine starren Körper, insbesondere Wände und Decken können sich im Lauf der Zeit minimal bewegen und dann kommt es oft zu Rissen in der Wandfarbe. Bisher gab es keine zuverlässige Testmethode zur Messung der Dehnfähigkeit einer Wandfarbe bzw. um entsprechend Risse dauerhaft zu verdecken. Die TU-Wien entwickelte nun zwei verschiedene Verfahren zur Hilfestellung und beide wurden nun patentiert.

Renoviert und gleich wieder sanierungsbedürftig
„Sollen Risse in der Wand vermieden werden, braucht es die richtigen Materialien und das erstreckt sich von der Spachtelmasse bis zur Innenwandfarbe. Bisher musste man sich hier in erster Linie auf Erfahrungswerte verlassen und das führte oftmals zu Rissen sogar in neu renovierten Gebäuden bzw. zur Notwendigkeit einer neuerlichen Sanierung“, erläutert Aleksandar Radoevski vom Institut für Hochbau, Baudynamik und Gebäudetechnik der TU-Wien.

Radoevski entwickelte nun Methoden, das Dehnverhalten von Innenraumbeschichtungen und Beschichtungssystemen zuverlässig zu charakterisieren - um genau vorhersagen zu können, mit welchen Beschichtungen sich Risse so gut wie möglich vermeiden lassen. Seine Arbeit, die er am Institut für Hochbau, Baudynamik und Gebäudetechnik der TU Wien durchführte, wurde u.a. von der Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien finanziert und bereits 2018 mit einem Christiana-Hörbiger-Preis ausgezeichnet.

Schnelltest oder ausführlicher Test
Bei Radoevskis „Biegebalken-Dehnmessverfahren“ wird die Wandfarbe zunächst auf genau definierte Weise auf einen Balken aufgetragen. Dann wird die beschichtete Seite des Balkens innerhalb von fünf bis fünfzehn Minuten langsam gedehnt. Eine Kamera nimmt von dieser Balkenseite jede Sekunde zwei hochauflösende Bilder auf und so lässt sich danach präzise auswerten, bei welcher Dehnung Risse auftreten. Entscheidend ist, wann eine Rissbreite von 0,2 mm erreicht wird – das ist nach einschlägiger DIN-Norm die Grenze, ab der ein Riss als Mangel gilt.

„Diese Testmethode ist einfach und rasch durchführbar und das ist wiederum perfekt für die Qualitätskontrolle in der Serienproduktion – wenn man etwa als Farbenhersteller überprüfen möchte, ob die Farbe nach wie vor die geplante Dehnfähigkeit aufweist“, so Radoevski. „Nachteil ist, dass der Balken, auf den die Farbe aufgetragen wird, aus einem bestimmten Trägermaterial bestehen muss und hier verwendet man idealerweise ein Material, das der auszumalenden Wand möglichst ähnlich ist“, ergänzt der TU-Experte.

Geringere Sanierungskosten
Manchmal soll aber die Farbe selbst untersucht werden, ganz unabhängig vom Trägermaterial und auch dafür haben die TU-Forscher nun eine Lösung gefunden. „Wir haben untersucht, wie man aus der Farbe alleine einen Probekörper herstellen kann, den man dann in einem Dehnversuch untersucht – ganz ohne Trägermaterial“, berichtet Aleksandar Radoevski. „Diese Methode ist etwas aufwändiger und dauert länger, aber dafür ist sie auch genauer.“

Beide Verfahren wurden nun aktuell mit Unterstützung des Forschungs- und Transfersupports der TU-Wien zum Patent angemeldet. „Durch diese Verfahren ist es nun möglich, für einen bestimmten Einsatzzweck die genau passende, ausreichend dehnfähige Wandbeschichtung zu finden“, unterstreicht Radoevski. „Damit wird die Sanierung von Rissen in Bauwerken sowohl qualitativ hochwertiger wie auch kosteneffizienter.Beide Verfahren bringen etwa für Farbhersteller und auch für Prüfinstitute große Vorteile“, resümiert Aleksandar Radoevski vom Institut für Hochbau, Baudynamik und Gebäudetechnik der TU-Wien.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 07.02.2020