Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

18. April 2021

Search form

Search form

Die automatisierte Findung aussichtsreicher Start-Ups

Die automatisierte Findung aussichtsreicher Start-Ups © Pexels.com/Pixabay256894

Das Software Competence Center Hagenberg entwickelt eine erklärende Künstliche Intelligenz Anwendung. Der neue Ansatz erhält auf Anhieb eine internationale Prämierung und unterstützt nun den Risikokapitalgeber Speedinvest bei der Auswahl von Start-Ups.

(red/czaak) Der Computer "Deep Blue" und seine Künstliche Intelligenz (KI) konnte menschliche Schachweltmeister bezwingen. Spannend und lehrreich wäre nun auch Strategie und Spielzüge aufgeschlüsselt zu bekommen und dieses Forschungsthema hat nun das Software Competence Center Hagenberg (SCCH; Oberösterreich) in umgesetzt und eine erklärende Künstliche Intelligenz entwickelt. Der im Projekt "interpretable AI correction (in Alco)" entwickelte Ansatz unterstützt nun bereits das Tochterunternehmen Speedinvest Heroes Consulting des gleichnamigen Risikokapitalgebers, die aussichtsreichsten Start-Ups zu identifizieren.

Die Erklärbarkeit sichert das nötige Vertrauen in Entscheidungen
KI-basierte Systeme gelten als wichtige Treiber der Digitalisierung, entsprechende KI-Modelle müssen dabei nachvollziehbar und interpretierbar sein. "Explainable Artificial Intelligence" (XAI), also erklärbare KI bzw. AI, beschäftigt sich daher mit der zentralen Frage, ob Lernalgorithmen für Künstliche Intelligenz nicht nur die Genauigkeit von Prognosen verbessern, sondern zugleich auch Interpretationen zum besseren Verständnis liefern können, etwa bei nötigen Korrekturen.

Eine Erklärbarkeit sichert das nötige Vertrauen in Entscheidungen. Anwenden lässt sich das Prinzip XAI überall dort, wo solides Basiswissen über das zu lösende Problem vorhanden ist. „Man verwendet einen konventionellen, erklärbaren Algorithmus und gibt nur so viel KI dazu, als für eine verbesserte Prognose notwendig ist. Die Voraussagen werden damit nicht besser, aber qualitativ erklärt“, erläutert Florian Sobieczky, Projektleiter und Senior Researcher Data Science am SCCH.

Investments in Start-Ups absichern
Das Unternehmen Speedinvest Heroes Consulting suchte nach einer Möglichkeit, durch Vorhersage der Erfolgswahrscheinlichkeit von Start-Up-Unternehmen unter Berücksichtigung psychologischer Profile die Entscheidung für das zielführendste Investment abzusichern. Im Projekt „inAIco“ wurde sodann der neue Ansatz auf diese Fragestellung angewendet, um bestmögliche Empfehlungen abgeben zu können.

Eine Voraussetzung ist ein gut aufgestelltes Geschäftsmodell, dann kognitive Fähigkeiten für die Verarbeitung von Informationen und die Entscheidungsfindung. Aber auch persönliche Charakteristika der Gründer haben Einfluss auf den Erfolg. Studien zeigen, dass Unternehmer trotz finanzieller Unterstützung, einer überzeugenden Idee und bester Qualifikation scheitern, wenn die notwendigen Persönlichkeitsmerkmale nicht da sind. In der ersten Studie wurden nun diese Gemeinsamkeiten bzw. Erfolgsfaktoren in Form von Mustern gesammelt.

Europaweite Ausrollung der Studie
Die Ergebnisse sind auf der Website von Speedinvest Heroes publiziert (Anm. siehe Link). „All diese Daten sind die Basis, um Gründer besser zu begleiten und die richtigen Founder mit den richtigen Start-Ups zum richtigen Zeitpunkt zu matchen. Als nächstes wollen wir diese Studie europaweit ausrollen", erklärt Lukas Rippitsch, Geschäftsführer von Speedinvest Heroes Consulting.

„Das ist eine hervorragende Anwendung für unseren Ansatz und ein wichtiger Schritt für den Brückenschlag zwischen den Modellen für wirtschaftspsychologische und marktwirtschaftliche Daten. Dieser Grundstein wurde in enger Zusammenarbeit mit Speedinvest Heroes Consulting zu einem belastbaren Vorhersagemodell verdichtet", unterstreicht Markus Manz, CEO des Software Competence Center Hagenberg.

Förderung junger ForscherInnen und eine internationale Auszeichnung
Das Projekt „inAIco“ wurde mit Mitteln aus der Programmlinie "FFG BRIDGE Young Scientists" gefördert. Diese Linie ermöglicht auch die Einbindung von Dissertanten und PostDocs sowie interdisziplinäre Forschungsansätze. Beteiligt sind etwa auch Salma Mahmoud, eine Absolventin der Linzer Johannes Kepler Uni, die das Projekt mit ihrer Expertise in der Handhabe von Neuronalen Netzen unterstützt oder Anna Christina Glock, Absolventin der FH Hagenberg und Expertin im Bereich Data Science und Engineering bzw. Deep Learing.

Bei der „International Conference on Industry 4.0 and Smart Manufacturing (ISM)“ wurde das Projekt Ende 2020 mit dem „Best Service Innovation“ Paper Award ausgezeichnet. Diese renommierte Auszeichnung wird von der International Society of Service Innovation Professionals (ISSIP) in Zusammenarbeit mit IBM an das beste Paper vergeben, das sich mit der Förderung von Serviceinnovationen in der Industrie und generell beschäftigt.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 09.02.2021