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20. Mai 2022

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Der warnende Monitor unter der Haut

Der warnende Monitor unter der Haut© Pexels.com/Isabella Mariana

Ein kleiner implantierbarer Herzmonitor sagt bedrohliche Komplikationen nach Herzinfarkten voraus. Med-Uni Innsbruck leitet umfangreiche internationale Studie, die nun Verbesserung gegenüber herkömmlicher Nachsorge belegt.

(red/mich/cc) Nach überstandenen Herzinfarkten erleidet eine große Anzahl von PatientInnen oftmals gröbere Komplikationen, die ohne jegliche Vorwarnung auftreten können und mitunter tödlich sind. Da die Herzleistung der meisten dieser PatientInnen noch relativ gut ist, können gewöhnliche Nachsorgeuntersuchungen Komplikationen wie akute Herzschwäche, neuerliche Infarkte, Rhythmusstörungen oder Schlaganfälle oft nicht rechtzeitig erkennen. Ein innovatives telemedizinisches Verfahren, wo ein winziger Herzmonitor unter die Haut eingesetzt wird, kann nun bei der frühzeitigen Vorhersage derartiger Komplikationen helfen.

Die Vorboten schwerer klinischer Ereignisse
Im Jahr 2016 initiierte Axel Bauer, Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin III an der Medizinischen Uniklinik in Innsbruck, im Forschungsverbund des Deutschen Zentrums für Herzkreislaufforschung (DZHK) die neue Studie (Anm. SMART-MI-DZHK9) mit dem implantierbaren Monitor. Innerhalb von 21 Monaten spürte dieser bei 60 von 201 PatientInnen schwere, meist jedoch asymptomatische Rhythmusereignisse auf. In der Kontrollgruppe mit 199 Herzinfarkt-PatientInnen ohne Telemonitoring konnten im Rahmen der üblichen Nachsorge im selben Zeitraum lediglich zwölf derartiger Ereignisse entdeckt werden (20 Prozent).

"Der sehr empfindliche Monitor detektiert gefährliche, jedoch asymptomatische Rhythmusereignisse, die wiederum Vorboten schwerer klinischer Ereignisse sind. Gröbere Probleme können somit weitaus früherer erkannt und Hochrisikopatienten besser behandelt werden“, sagt Axel Bauer. Der unter die Haut implantierte Herzmonitor ist so klein wie ein Fingernagel. Es handelt sich um ein passives Gerät, das die gefährlichen Rhythmusstörungen automatisch erkennt und telemetrisch an ein Zentrum übermittelt. Die Information des Herzens können zudem kontinuierlich über mehrere Jahre aufzeichnet werden.

Renommiertes Fachjournal „Lancet Digital Health“ publiziert Studie
An der vielbeachteten Studie nahmen 32 Herzzentren in Deutschland teil und die Uniklinik für Innere Medizin III in Innsbruck als einziges österreichisches Zentrum. Die Ergebnisse wurden erstmals im August dieses Jahres auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie präsentiert und aktuell nun auch vom renommierten Fachjournal „Lancet Digital Health“ publiziert. „Zukünftige Studien müssen nun klären, inwieweit sich durch diese telemedizinische Strategie auch langfristig die Prognose der PatientInnen verbessern lässt“, so die Med-Uni Innsbruck in einer Aussendung.

Axel Bauer ist seit 2019 Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin III (Kardiologie und Angiologie) an der Medizinischen Uniklinik in Innsbruck. Ein Schwerpunkt seiner Forschungen liegt in computerbasierten Verfahren in der Kardiologie sowie dem plötzlichen Herztod. Bevor der auch international renommierte Herzexperte an die Medizinische Universität Innsbruck berufen wurde, war Bauer ärztlicher Leiter der Abteilung für Kardiologie des Innenstadtklinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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red/mich/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 31.01.2022