Emissionsfreier Schwerverkehr

Pilotprojekt von AIT und Gruber Logistics und IVECO testet neuen batterieelektrischen Prototypen im Praxiseinsatz. Zielsetzung sind neue Erkenntnisse für eine breite Einführung emissionsfreier Nutzfahrzeuge in der internationalen Logistik.
Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts EMPOWER als Teil des EU-Programms Horizon wird in Zusammenarbeit von Austrian Institute of Technology (AIT), Gruber Logistics und dem Nutzfahrzeugunternehmen IVECO ein neuer batterieelektrischer Prototyp für schwere Logistik im Verteiler- und Fernverkehr unter realen Bedingungen getestet. Der Praxiseinsatz startet Mitte Juni und soll über eine sechsmonatige Testphase wichtige Erkenntnisse für die breite Einführung emissionsfreier Nutzfahrzeuge in der internationalen Logistik liefern.
Human-Machine Interface (HMI) für besonders nachhaltige Streckenplanung
Der Prototyp wird In Zusammenarbeit mit Gruber Logistics auf Basis des IVECO S‑eWay Serienfahrgestells vom Standort des Unternehmens in Nordostitalien aus eingesetzt. Der Testbetrieb erfolgt innerhalb der LTL-Sparte von Gruber Logistics (Less Than Truckload) und umfasst Sammelgut- sowie Teilladungstransporte. Mit einer Reichweite von bis zu 400 Kilometern wird das Fahrzeug bis Ende 2026 auf Mittel- und Langstrecken getestet. Zuvor wurden bereits erste Testfahrten auf dem privaten IVECO Testgelände in Ulm erfolgreich abgeschlossen.
Der Lkw integriert mehrere innovative Lösungen, die im Rahmen des von der Europäischen Kommission über das Programm Horizon Europe geförderten EMPOWER-Projekts entwickelt wurden. Dazu zählen unter anderem eine zusätzliche Fahrerhausisolierung sowie Funktionen der Human-Machine Interface (HMI), mit denen besonders nachhaltige Routen geplant und der Energieverbrauch optimiert werden können. Darüber hinaus wurde das Fahrzeug gezielt für den Einsatz im Sammelgutverkehr angepasst. Dazu gehören ein maßgeschneiderter Hilfsrahmen sowie zusätzliche Heckkameras, die den Logistikbetrieb erleichtern.
Validierung neuer Technologie im logistischen Realbetrieb
Das EMPOWER-Projekt steht für Eco-operated, Modular, highly efficient, and flexible multi-POWERtrain for long-haul heavy-duty vehicles. Ziel des Projekts ist es, einen wichtigen Beitrag zur skalierbaren Einführung emissionsfreier Gütertransporte in Europa zu leisten.
Durch die Erprobung batterieelektrischer Schwerlastfahrzeuge im logistischen Realbetrieb soll die Lücke zwischen technologischer Entwicklung und breiter Markteinführung geschlossen werden. Die während der Testphase gesammelten Daten werden dazu beitragen, künftige elektrische Lkw-Plattformen weiter zu optimieren und den Einsatz batterieelektrischer Fahrzeuge im regionalen Verkehr ebenso wie im Fernverkehr voranzutreiben.
Spezielle Entwicklung für Transporte auf längeren Strecken mit Wechselaufbauten
Eine Besonderheit des Prototyps ist, dass er speziell für emissionsfreie Transporte auf längeren Strecken mit Wechselaufbauten entwickelt wurde – und nicht für den klassischen Einsatz mit Sattelaufliegern. Dafür wurde der Rahmen des Fahrzeugs verlängert und an die gemeinsam mit Gruber Logistics definierten operativen Anforderungen angepasst. Auch das Fahrerhaus wurde in Zusammenarbeit mit mehreren EMPOWER-Projektpartnern weiterentwickelt, um die notwendigen Betriebs- und Steuerungsstrategien umzusetzen.
„Bei IVECO setzen wir uns konsequent für die Entwicklung emissionsfreier Lösungen ein. EMPOWER bietet den idealen Rahmen, um gemeinsam mit Partnern aus dem gesamten Ökosystem an konkreten und anspruchsvollen Transportanwendungen zu arbeiten. Unser Fokus liegt nicht nur darauf, Technologien weiterzuentwickeln, sondern sie auch unter realen Bedingungen zu validieren“, erklärt Pierpaolo Biffali, Head of Innovation & Advanced Engineering der Iveco Group.
Ambitionierte Klimaziele im Logistiksektor
„Wir verbinden Innovation mit praktischer Anwendung, ermöglichen frühe Tests, Kundenfeedback und ein tieferes Verständnis der Systemintegration – und stellen zugleich höchste Qualitäts- und Zuverlässigkeitsstandards in jeder Entwicklungsphase sicher“, so Biffali von der Iveco Group.„Der erfolgreiche Einsatz des batterieelektrischen IVECO-Demonstrators mit Gruber Logistics im Rahmen von EMPOWER ist ein wichtiger Schritt hin zu skalierbarem, emissionsfreiem Güterverkehr in Europa“, unterstreicht Michele De Gennaro, Head of Competence Unit Electric Vehicle Technologies am AIT.
„Um die ambitionierten Klimaziele im Logistiksektor zu erreichen, sind solche innovativen Projekte für den emissionsfreien Straßengüterverkehr unverzichtbar“, betont auch Martin Gruber, CEO von Gruber Logistics. „Durch den Einsatz des Fahrzeugs auf unterschiedlichen Strecken und für verschiedene Warengruppen im Sammelgut- und Teilladungssegment können wir wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung emissionsfreier schwerer Nutzfahrzeuge gewinnen“, so Gruber.
Datenerhebung und weiterer Fahrplan
Für die Testphase ist der Lkw mit einem sogenannten Datenlogger ausgestattet, der umfangreiche Informationen zum Fahrzeugbetrieb sammelt. Erfasst werden unter anderem der Stromverbrauch, die Effizienz der fünf Batterien sowie das Ladeverhalten. Die Batterien verfügen gemeinsam über eine Kapazität von 300 kWh und werden von einer elektrischen Antriebsachse (FPT eAxle) mit 480 kW unterstützt, die Motor, Getriebe und Leistungselektronik in einem System bündelt. Die Daten werden am Standort von Gruber Logistics in Bologna, Italien, verwaltet. Dort wird das Testfahrzeug über eine mobile Ladeeinheit geladen. Von diesem Standort aus koordiniert die Disposition auch den Einsatz des batterieelektrischen Lkw innerhalb des Kundennetzwerks von Gruber Logistics.
Der heurige Schwerpunkt des EMPOWER-Projekts liegt auf der Testphase des batterieelektrischen Fahrzeugs. Für 2027 ist dann die Erprobung eines wasserstoffbetriebenen Lkw mit Brennstoffzellentechnologie geplant. IVECO, Gruber Logistics und AIT wollen ihre Zusammenarbeit entsprechend fortsetzen. Ziel ist es, die Entwicklung von einzelnen Demonstrationsfahrzeugen hin zu umfangreichen, grenzüberschreitenden Praxistests zu beschleunigen. Basis dafür sind die technologischen und operativen Grundlagen, die im Rahmen von EMPOWER geschaffen wurden, so das Austrian Institute of Technology (AIT) in einer Aussendung.
Immer weniger Öl und Gas

In Österreich sind 2025 die Fördermengen an Erdöl und Erdgas neuerlich zurückgegangen. Das betrifft die Räume in Wiener Becken und Weinviertel sowie auch die österreichweiten Gesamtfördermengen.
Bohrtürme holen immer weniger Erdöl und Erdgas aus dem Boden. Wie in den letzten Jahren ist auch 2025 die Menge an Erdöl und Erdgas zurückgegangen, die im Marchfeld sowie im angrenzenden Weinviertel und im Wiener Becken südlich der Donau gewonnen wird. Der NÖ Wirtschaftspressediensthat aktuelle Daten einer Erhebung der GeoSphere Austria analysiert und dabei zeigt sich, dass im Vorjahr in Österreich auch die Gesamtfördermenge an Erdöl und Natural Gas Liquids (NLG) gesunken ist.
Gesamtfördermenge mit einem Volumen von 464.830 Tonnen
Natural Gas Liqids (NLG) sind das Kondensat und die flüssigen Anteile aus der Erdgasproduktion. Die Gesamtfördermenge ist Angaben zufolge um 2,4 Prozent auf 464.830 Tonnen gesunken. Davon haben die OMV rund 88 Prozent, die RAG Austria AG als Tochterunternehmen des NÖ Landesenergieversorgers EVN das Volumen von knapp über neun Prozent und der australische Energiekonzern ADX Energy drei Prozent aus dem Boden geholt.
Weiter zurückgegangen ist im Vorjahr auch die Erdgasförderung. Wie die GeoSphere Austria in ihrem Bericht feststellt, ist die Naturgasförderung inklusive Erdölgasproduktion im Inland gegenüber 2024 um 8,5 Prozent auf nur noch rund 491 Millionen Kubikmeter gesunken. Von dieser Fördermenge entfielen 89,2 Prozent auf die OMV, 10,5 auf die RAG und 0,3 Prozent auf ADX Energy. (NOe-Wirtschaftspressedienst/red/cc)
Finanzierung und Planung aus einer Hand

Experten des Österreichischen Fiskalrats veröffentlichen ein Reformpaket für das Österreichische Gesundheitswesen. Optimierungen bei Planung und Einkauf und Nutzung medizinischer Geräte über Digitalisierung bis verpflichtende Generika als Beispiele für die Hebung von Sparpotentialen.
Das österreichische Gesundheitssystem steht angesichts stark steigender öffentlicher Gesundheitsausgaben unter erheblichem Reformdruck. Im Jahr 2025 lagen die öffentlichen Gesundheitsausgaben bereits bei rund 50,5 Mrd. Euro. Ohne Reformen ist bis 2070 mit einem weiteren Anstieg der Gesundheitsausgaben um rund 2,6 Prozent des BIP zu rechnen. Dadurch würde das Gesundheitssystem einen immer größeren Teil der öffentlichen Mittel binden und die Finanzierung anderer staatlicher Aufgaben zunehmend erschweren.
Vor diesem Hintergrund haben Florian Bachner von der Gesundheit Österreich GmbH und Johannes Holler vom Fiskalratsbüro ein Papier zu Reformen im österreichischen Gesundheitssystem verfasst. Das umfangreiche Dokument ist auf der Website des Fiskalrates verfügbar (siehe Link) und zeigt sowohl kurzfristig budgetwirksame Optionen als auch mittel- bis langfristig angelegte Strukturreformen auf.
Gemeinsamer Einkauf von medizinischen Geräten und Arzneimitteln und effizientere Nutzung von Großgeräten
Die Experten sehen dabei dringenden Handlungsbedarf : Bereits kurzfristig können Reformmaßnahmen dazu beitragen, Kostenentwicklungen zu dämpfen und bestehende Ressourcen effizienter zu nutzen. Zu den Reformoptionen zählen unter anderem ein gemeinsamer Einkauf von medizinischen Geräten, Verbrauchsgütern und Arzneimitteln oder eine effizientere Nutzung von Großgeräten.
Auch die Reduktion von Low-Value-Care (Anm. medizinische Behandlungen oder Medikationen, die für Patienten keinen oder nur minimalen Nutzen haben) sowie eine verpflichtende Generika- und Biosimilar-Nutzung (Anm. kostengünstigere Nachahmerprodukte) zeigen relevantes Sparpotential. Ebenso das Thema Digitalisierung, wo etwa allein schon der verpflichtende digitale Austausch von Bilddaten und Befunden helfen kann, Doppeluntersuchungen zu vermeiden und Abläufe im System zu verbessern.
Finanzierung und Planung aus einer Hand und eine überregionale und bedarfsorientierte Versorgungsplanung
Darüber hinaus brauche es auch strukturelle Reformen, um das Gesundheitssystem langfristig qualitativ hochwertig, effizient und finanzierbar zu halten. Dazu zählen insbesondere eine Finanzierung und Planung aus einer Hand, eine überregionale und bedarfsorientierte Versorgungsplanung, mehr ambulante Behandlungsformen und eine Redimensionierung der stationären Versorgung. Weitere Ansatzpunkte sind die Effizienzsteigerung der Krankenanstalten, eine Reform der Honorararchitektur im niedergelassenen Bereich, die Harmonisierung von Leistungs- und Honorarkatalogen der Krankenversicherungsträger sowie eine stärkere Prävention und Gesundheitsförderung.
Mit der aktuell laufenden Reformpartnerschaft Gesundheit besteht ein wichtiger politischer Rahmen, um konkrete Ergebnisse zu erarbeiten. Das vorliegende Papier soll einen fachlichen Impuls für diese Diskussionen setzen und aufzeigen, welche Maßnahmen geeignet sind, die langfristige Finanzierbarkeit und Leistungsfähigkeit des österreichischen Gesundheitssystems zu sichern, so die Experten des Fiskalrats. (red/czaak)
„Wir brauchen Reform beim Datenschutz“

Datenschutz immer aufwendiger. Nach Start europäischer Datenschutz-Grundverordnung 2016 klagten 25 Prozent der deutschen Betriebe über kompliziertere Geschäftsprozesse. 2025 sagen das 81 Prozent. Nächste Herausforderung ist Neuausrichtung auf KI-Zeitalter, so umfassende Studie des deutschen Digitalverbandes Bitkom.
Zehn Jahre nach dem Start der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) ist der Datenschutz in den Unternehmen grundsätzlich einmal verankert. Allerdings werden Aufwand, Komplexität und Rechtsunsicherheit von Jahr zu Jahr größer. Während Anfang 2018 (Anm. kurz vor Anwendbarkeit der DS-GVO), erst sieben Prozent der Unternehmen die Vorgaben vollständig oder größtenteils umgesetzt hatten, sind es 2024 bereits 71 Prozent.
Im gleichen Zeitraum hat sich die belastende Wahrnehmung der DS-GVO jedoch dramatisch verstärkt : 2016 sagte ein Viertel der Unternehmen, die DS-GVO mache ihre Geschäftsprozesse komplizierter, 2025 sind es schon 81 Prozent und 97 (!) Prozent bewerten den Aufwand als hoch. 72 Prozent meinen zudem, dass Deutschland es mit dem Datenschutz übertreibt. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Langzeitbefragung des Digitalverbands Bitkom seit 2016 bei Unternehmen aus allen Branchen.
Künstliche Intelligenz als neue Bewährungsprobe
„Datenschutz ist eine zentrale Säule der digitalen Welt. Die Erwartungen an die DS-GVO wie einheitlichere Wettbewerbsbedingungen in Europa, mehr Rechtssicherheit und weniger Bürokratie nach der Umstellungsphase haben sich allerdings nicht erfüllt“, sagt Ralf Wintergerst, Präsident des Bitkom-Verbandes. „Mit der Neuausrichtung des Datenschutzes auf das KI-Zeitalter steht jetzt die nächste Herausforderung ins Haus“, so Wintergerst.
Beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) sehen sechs von zehn Unternehmen den europäischen Datenschutz im internationalen Vergleich zwar grundsätzlich als Vorteil für die KI-Entwicklung in Deutschland und Europa, in der Praxis erleben sie jedoch das Gegenteil. Zwei Drittel oder 70 Prozent sagen 2025, der Datenschutz erschwere es, KI-Modelle mit genügend Daten zu trainieren.
Stark bei Risiken für Menschen und Entlastung für Unternehmen
63 Prozent der Betriebe sind überzeugt, dass der Datenschutz Unternehmen, die KI entwickeln, aus der EU vertreibt. Auch beim Aufbau von Datenpools, der Grundlage vieler KI- und Analyseanwendungen, berichten knapp 60 Prozent der Unternehmen, dass entsprechende Projekte aufgrund von Datenschutzvorgaben gescheitert sind oder gar nicht erst in Angriff genommen wurden.
„KI wird wegen unserer Datenschutzpraxis nicht in Europa entwickelt, die Modelle werden aber trotzdem hier eingesetzt. Für den Schutz der Daten europäischer Bürger ist damit nichts gewonnen, für den Wirtschaftsstandort Europa aber viel verloren“, unterstreicht Ralf Wintergerst. „Wir brauchen eine Reform, die Datenschutz dort stark macht, wo echte Risiken für Menschen entstehen, und Unternehmen dort entlastet, wo formale Pflichten keinen zusätzlichen Schutz bringen“, so der Bitkom-Boss weiter.
Internationale Datentransfers weiter ungelöst
Konkret fordert der Bitkom-Verband eine konsequente Risikoorientierung der DS-GVO und ein einheitliches Verständnis, dass Training und Betrieb von KI-Systemen auch in Europa möglich sein müssen. „Der Digitalomnibus auf europäischer Ebene ist die Chance dafür – sie muss genutzt werden“, betont Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbandes Bitkom.
Im Rahmen der Langzeitstudie wurden noch weitere relevante Ergebnisse erhoben. Ungelöst zeigt sich etwa das Thema Internationale Datentransfers. 61 Prozent der Unternehmen übermitteln 2025 personenbezogene Daten in die USA, die damit das mit Abstand wichtigste Drittland für Datentransfers außerhalb der EU sind. 71 Prozent wünschen sich von der Politik tragfähige Lösungen für den internationalen Datentransfer.
Rechtsunsicherheit und Fachkräftemangel und fehlende Unterstützung bei Behörden
Ein zentraler Punkt ist auch das Thema Rechtsunsicherheit. Dies wird als Dauerproblem angesehen. 82 Prozent der Unternehmen nennen 2025 die Unsicherheit über die genauen Datenschutzvorgaben als eine der größten Herausforderungen und 86 Prozent der Unternehmen sagen, dass die Umsetzung der DS-GVO nie vollständig abgeschlossen ist, weil kontinuierlich auf technische und rechtliche Entwicklungen reagiert werden muss.
Ebenso aufgepoppt im Rahmen von Befragungen und Studie ist der Fachkräftemangel im Kontext mit Datenschutz. 38 Prozent der Unternehmen beklagen 2025 einen Mangel an qualifiziertem Personal für den Datenschutz. Beklagt wird auch die mangelnde Unterstützung von zuständigen Behörden oder Institutionen. Von den 86 Prozent der Unternehmen die Hilfestellungen von Behörden genutzt oder angefragt haben, waren laut repräsentativer Bitkom-Studie nur 36 Prozent mit dem Ergebnis zufrieden. (red/czaak)
Kostendruck und Fehlentscheidungen

Laufende Kostensteigerungen, Finanzierungsschwierigkeiten sowie Fehlentscheidungen und Fahrlässigkeiten als Hauptgründe bei den Unternehmensinsolvenzen im Jahre 2025.
Die hohen wirtschaftlichen Belastungen der vergangenen Jahre aber auch Gründerfehler dominieren die Ursachenstatistik bei den Unternehmensinsolvenzen 2025, so eine aktuelle Erhebung des KSV1870. Der anhaltend hohe Kostendruck erwies sich im Vorjahr als massiver Belastungsfaktor für Österreichs Betriebe. Bereits 47 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025 sind auf „operative Ursachen“ zurückzuführen (+ 5 gegenüber 2024). In der aktuellen Krisenphase ist das ein historischer Höchstwert. Insbesondere Finanzierungsschwierigkeiten, Liquiditätsengpässe und Absatzschwächen spielen eine wesentliche Rolle.
6.800 Insolvenzen im Jahre 2025
Weiterhin allgegenwärtig sind auch Gründungsfehler mit 18 Prozent. Strategische Fehlentscheidungen (11) sowie persönliches Verschulden bzw. Fahrlässigkeit auf Führungsebene (9 Prozent) kommen vor, sind aber gegenüber dem Jahr 2024 vergleichsweise weniger häufig die Gründe für Insolvenzen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle KSV1870 Analyse von rund 3.800 eröffneten Firmenpleiten im Jahr 2025. Die Geschäftslage ist in Österreich seit einiger Zeit schwach. In Zusammenspiel mit der hohen Kostenbelastung führte das zu einer gefährlichen Kombination, die für viele Unternehmen zur unüberwindbaren Hürde wurde.
Im Jahr 2025 mussten etwas mehr als 6.800 Betriebe Insolvenz anmelden. „Zwar weisen laut unser jüngsten Austrian-Business-Check-Umfrage in Österreich knapp 70 Prozent der Unternehmen nach wie vor eine solide Finanzstruktur auf, dennoch ist für viele das Ende der Fahnenstange erreicht“, analysiert Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz. „Sie können den Kostenberg nicht mehr bewältigen und müssen Insolvenz anmelden“, so Götze.
Operative Ursachen steigen seit Jahren konstant
Bei fast jeder zweiten Unternehmensinsolvenz des Vorjahres sind operative Mängel der Hauptgrund. Dazu zählen Finanzierungsschwächen und eine mangelnde Forderungsbetreibung aber auch Absatzschwächen, eine schlechte Kostenstruktur und ein mangelhaftes Controlling. Mit Blick auf die vergangenen Krisenjahre zeigt sich, dass operative Ursachen zuletzt deutlich häufiger in Erscheinung getreten sind als noch vor einigen Jahren. „Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass viele Betriebe aufgrund des anhaltenden Krisenmodus ihre Basisarbeit im Tagesgeschäft vernachlässigen“, erläutert Götze.
Gründungsfehler waren auch im Vorjahr für beinahe jede fünfte Unternehmensinsolvenz ursächlich, wenngleich es gegenüber dem Jahr 2024 einen kleinen Rückgang zu verzeichnen gab. Insbesondere fehlendes branchenspezifisches Know-how oder mangelhafte betriebswirtschaftliche Kenntnisse stehen in dieser Kategorie an erster Stelle. Darüber hinaus ist mitunter zu wenig Eigenkapital bei der Gründung vorhanden oder es fehlt dem Gründer schlichtweg die Fähigkeit, ein Unternehmen zu gründen.
Strategische Fehler und persönliche Umstände
„Die aktuelle Marktlage verzeiht keine Wissenslücken rund um eine Gründung. Wer aktuell plant, einen Betrieb aus der Taufe zu heben, sollte über viel Know-how verfügen“, betont Götze. Laut vorliegender Analyse sind 11 Prozent aller Firmenpleiten des Vorjahres auf strategische Ursachen, insbesondere auf eine mangelhafte Antwort auf Marktveränderungen, zurückzuführen. Und weitere neun Prozent der Pleiten wurden durch die Vernachlässigung von klassischen Geschäftsführungsaufgaben sowie strafbare Handlungen herbeigeführt.
In den vergangenen Jahren waren dann noch „unbeherrschbare Umstände“ für mehr als 20 Prozent der Insolvenzen verantwortlich (Höchststand 28 Prozent im Zuge der Corona-Krise 2022). Diese Entwicklung zeigt auch 2025 bereits das dritte Jahr in Folge nach unten. Im Vorjahr waren österreichweit nur noch sieben Prozent aller Firmenpleiten auf „unbeherrschbare Umstände“ zurückzuführen. Auffallend ist dabei, dass Krankheiten oder Unglücksfälle erstmals seit 2019 häufiger als Insolvenzursache genannt wurden als Naturkatastrophen, Kriegshandlungen oder Pandemien. (red/cc)
„Eine Phase der fragilen Stabilisierung“

Im heimischen Mittelstand hat sich die Stimmung etwas erholt. Eine nachhaltige konjunkturelle Trendwende bleibt vorab weiter aus. Nahostkonflikt und steigende Energiepreise und generelle Inflationsängste begründen die Unsicherheit, so eine aktuelle Umfrage von Creditreform.
Das Geschäftsklima der heimischen KMU bessert sich, bleibt aber weiter negativ, insgesamt bleibt die Stimmung verhalten. Jedes fünfte Unternehmen rechnet mit Rückgängen bei den Aufträgen. Eine schlechte Ertragslage führt zu sinkenden Eigenkapitalquoten und immer weniger Investitionen. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Umfrage von Creditreform unter rund 1.400 mittelständischen Unternehmen in Österreich.
Situation bei Aufträgen und Umsätzen
„Die österreichische Wirtschaft befindet sich in einer Phase der fragilen Stabilisierung. Zwar sind erste Erholungszeichen erkennbar, doch dominiert weiterhin die Unsicherheit – insbesondere aufgrund des Nahostkonflikts und steigender Energiepreise“, sagt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer vom Österreichischen Verband Creditreform. „Die erhoffte konjunkturelle Trendwende lässt weiter auf sich warten, die aktuelle Geschäftslage wird weiterhin überwiegend negativ beurteilt“, so Weinhofer.
Ein relevanter Faktor für Betriebe ist die Auftragslage und diese war in den vergangenen Monaten erneut von Rückgängen geprägt. Über 35 Prozent der befragten Unternehmen verzeichneten sinkende Auftragsbestände und lediglich 14 Prozent meldeten Zuwächse. Auch die Umsatzentwicklung leidet weiterhin unter den Folgen der Rezession. Nur 15 Prozent der Unternehmen berichteten von steigenden Umsätzen, ein historisch niedriger Wert. Und parallel verzeichnen über 36 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge.
Die Entwicklung der Preise
Bei den Preisen soll die Dynamik in den kommenden Monaten zunehmen. 22 Prozent der mittelständischen Unternehmen planen Erhöhungen, etwas über neun Prozent planen hingegen Preissenkungen. Die Inflationsrate dürfte laut Creditreform aufgrund gestiegener Rohstoffkosten erneut über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von rund zwei Prozent liegen.
Steigende Preise zeichnen sich vor allem im Bauwesen ab. Knapp 30 Prozent der befragten Bauunternehmen planen Preiserhöhungen – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch im Handel werden Preiserhöhungen erwartet. Hier beabsichtigen über 27 Prozent der befragten Unternehmen ihre Preise anzuheben. Weniger stark steigen dürften die Angebotspreise im Verarbeitenden Gewerbe.
Weiter große Zurückhaltung bei Neueinstellungen
Eine ambivalente Situation zeigt sich bei den Personalplanungen. Über 13 Prozent der Unternehmen planen einen Personalaufbau, gleichzeitig beabsichtigen über 16 Prozent einen Stellenabbau. Knapp über 29 Prozent der Unternehmen meldeten einen Rückgang der Beschäftigtenzahl, während nur rund jedes zehnte Unternehmen zusätzliche Stellen schuf. „Die verhaltenen Konjunkturaussichten bleiben ein wesentliches Hemmnis für eine stärkere Personalnachfrage. Viele Unternehmen agieren bei Neueinstellungen weiter sehr zurückhaltend“, so Gerhard Weinhofer von Creditreform.
Beim Thema Investitionen verhalten sich die Betriebe angesichts unsicherer Rahmenbedingungen und erschwerter Finanzierungsbedingungen abwartend. Nur knapp 31 Prozent der befragten Betriebe planen Investitionen – deutlich weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und der zweitschlechteste Wert seit 1996. Zwei Drittel davon planen aber nur Ersatzinvestitionen. Besonders im Bauwesen seien die Investitionsabsichten stark zurückgegangen.
Das relevante Thema Eigenkapital
Eine wichtige Größe in und für Unternehmen ist die Eigenkapitalsituation und diese hat sich im Mittelstand zuletzt weiter verschlechtert. Schwache Erträge bremsen den Kapitalaufbau, während Verluste teilweise durch Eigenkapital gedeckt werden müssen. Der Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen ist dadurch gestiegen : Über 20 Prozent verfügen über eine Eigenkapitalquote von höchstens 10 Prozent. Gleichzeitig weisen nur noch knapp 41 Prozent der Unternehmen eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent auf.
„Sinkende Eigenkapitalquoten schwächen die wirtschaftliche Substanz der Unternehmen und Liquiditätsengpässe müssen zunehmend über Fremdfinanzierung ausgeglichen werden“, erläutert Weinhofer. Bei standortpolitischen Maßnahmen nennen fast 80 Prozent der Betriebe den Bürokratieabbau. Dahinter folgen mit über 64 Prozent die Energiekosten und für fast 60 Prozent der Fachkräftemangel. Auch die Bedeutung der Inflation hat zugenommen : fast 57 Prozent der Unternehmen sehen sie als zentrales Problem und fordern mehr Engagement der Wirtschaftspolitik. (red/czaak)
Fehlendes Bewusstsein für NIS-Gesetz

In vielen Unternehmen ist das Bewusstsein für wirtschaftliche Folgen möglicher Cyberangriffe noch nicht ausreichend vorhanden. NIS-Gesetz nach Ende Übergangsfrist ab Oktober gültig. 17 Prozent der österreichischen Betriebe betroffen. Risiko für Umsatzeinbußen.
17 Prozent der österreichischen Unternehmen sind vom NISG 2026, das nach Ende der Übergangsfrist ab 1. Oktober 2026 in Österreich Realität wird, betroffen. Rund ein Drittel der betroffenen Betriebe wird die Vorgaben jedoch nicht rechtzeitig erfüllen. Damit riskieren die Betriebe Umsatzeinbußen und unter Umständen ihre wirtschaftliche Stabilität.
Umgekehrt verfügen 75 Prozent dieser betroffenen Unternehmen über einen konkreten Maßnahmenplan zur Implementierung notwendiger Sicherheitsvorkehrungen. Diese Zahlen zeigt die aktuelle Austrian-Business-Check-Umfrage des Kreditschutzverbandes KSV1870. Der Verband unterstützt bei der Umsetzung erforderlicher gesetzlicher Vorgaben mit einem eigenen CyberRisk Rating.
Deutliche Zunahme der Cyberangriffe in Österreich
Die Zahl der Cyberangriffe hat in den vergangenen Jahren in Österreich deutlich zugenommen. Allein im Vorjahr wurden über 63.000 Fälle von Internetkriminalität registriert. Davon entfielen laut kriminalpolizeilicher Statistik rund 22.000 Fälle auf Cybercrime. Infolge dieser Entwicklung sehen sich zunehmend mehr Unternehmen mit wirtschaftlichen Schäden konfrontiert. Doch an dieser Stelle spielt nicht nur der finanzielle Aspekt eine Rolle, sondern auch die Handlungsfähigkeit der Betriebe.
„Mit der EU-weiten Harmonisierung soll Europas digitale Resilienz gestärkt werden. Nachdem in Österreich der erste Versuch, die EU-Richtlinie in Form eines eigenen Gesetzes umzusetzen, 2024 gescheitert ist, erfolgt jetzt ein wesentlicher Schritt für mehr Cybersicherheit“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG. Ziel des neuen Gesetzes ist es, für ein höheres Sicherheitsniveau von Netz- und Informationssystemen zu sorgen sowie die Resilienz und die Reaktion auf Sicherheitsvorfälle deutlich zu verbessern.
Umsetzung bleibt häufig die größte Hürde
Ab dem 1. Oktober 2026 müssen sowohl Betriebe kritischer Sektoren als auch deren Lieferanten einen Nachweis über entsprechende Cybersicherheitsmaßnahmen im Unternehmen vorlegen. Liegt dieser Nachweis nicht vor, wird es künftig deutlich schwieriger, Umsätze zu erzielen, da der gesetzliche Rahmen für Geschäftsbeziehungen zwischen diesen beiden Partnern ab diesem Zeitpunkt nicht mehr vollständig erfüllt ist. „Von dieser Regulatorik sind in Österreich laut Umfrage 17 Prozent der Unternehmen betroffen“, so die KSV-Experten. Doch obwohl das Zeitfenster für Vorkehrungen bis Anfang Oktober immer knapper wird, scheint das Bewusstsein für die wirtschaftlichen Folgen eines Cyberangriffs noch nicht überall angekommen zu sein.
Zwar liegt in drei von vier Betrieben ein konkreter Maßnahmenkatalog zur Senkung von Cyberrisiken vor, gleichzeitig scheitert rund ein Drittel an der fristgerechten Umsetzung. „Zwischen theoretischer Erkenntnis und praktischer Umsetzung klafft nach wie vor eine Lücke. Angesichts der zahlreichen aktuellen Risiken ist es unverständlich, dass viele Betriebe an der Umsetzung scheitern und damit ihre wirtschaftliche Stabilität aufs Spiel setzen“, erklärt Vybiral. „Gerade dort, wo es die Unternehmen selbst in der Hand haben, Risiken zu senken, sollten sie anpacken und nicht zögern“, betont Vybiral.
CyberRisk Rating erkennt Schwachstellen und reduziert Cyberrisiko
„In Anbetracht der steigenden Cybergefahr braucht es praktikable Lösungen zur Risikominimierung. Hier unterstützt der KSV1870 seit einigen Jahren mit dem CyberRisk Rating“, erklärt Robert Staubmann, Geschäftsführer der KSV1870 Nimbusec GmbH. Das Rating bewertet Cyberrisiken von Dienstleistern, Lieferanten und Dritten. Dahinter steht ein standardisiertes, mehrstufiges Verfahren, das auf dem Cyber-Risk-Schema des KSÖ (Kompetenzzentrum Sicheres Österreich) basiert.
„Technologisch wird es jährlich aktualisiert und ermöglicht eine schnelle, kosteneffiziente und gesetzeskonforme Bewertung von Lieferantenrisiken“, so Staubmann. Im Rahmen des Austrian Business Checks befragt der KSV1870 zweimal pro Jahr Unternehmen in Österreich zu ihrer wirtschaftlichen Situation. An der aktuellen Umfrage, die gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent durchgeführt wurde, haben Angaben zufolge im März 2026 rund 1.100 Unternehmen teilgenommen. (red/czaak)
„Diese Krise ist strukturell“

Westeuropa mit höchster Zahl an Unternehmensinsolvenzen seit über 20 Jahren. Österreich im Mittelfeld. Gewerbe, Dienstleistung, Handel besonders betroffen. Geopolitische Krisen und Energiepreise und generelle Kostensteigerungen und fehlender Konsum als Hauptursachen.
Westeuropa verzeichnete im Jahr 2025 die höchste Zahl an Unternehmensinsolvenzen seit mehr als 20 Jahren. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Creditreform Wirtschaftsforschung. Mit insgesamt 197.610 Insolvenzen liegen die Fallzahlen um rund fünf Prozent über dem bereits ebenso erhöhten Vorjahresniveau (188.623 Fälle). Ein schwacher Welthandel und geopolitische Risiken setzen Europas Unternehmen zu. Gleichzeitig lähmen hohe Energiepreise und Bürokratie die eigene Wettbewerbsfähigkeit.
Am stärksten fiel der Zuwachs bei den Insolvenzen in der Schweiz aus (plus 35 Prozent), gefolgt von Griechenland (plus 24 Prozent), Finnland (plus 12 Prozent) und Deutschland (plus neun Prozent). Auch in Österreich stiegen die Fallzahlen laut Creditreform mit plus 4,3 Prozent, sie liegen damit im europäischen Mittelfeld. Der Kreditschutzverband KSV1870 wies in Österreich für 2025 eine Zahl von plus 3,4 Prozent aus. Sechs Länder verzeichneten 2025 einen Rückgang der Insolvenzen, darunter die Niederlande, Irland und Norwegen.
Starker Anstieg im Handel und im Dienstleistungssektor
„Europa driftet auseinander. Große Industrieländer wie Deutschland, Frankreich und Italien litten 2025 unter einer Konjunkturschwäche. Hier lag das Wirtschaftswachstum unter dem europäischen Durchschnitt. Die Krise in diesen ‘Ankerländern’ treibt die Insolvenzzahlen in ganz Westeuropa“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. „Die Krise ist nicht nur konjunkturell, sie ist strukturell“, unterstreicht Hantzsch.
Runtergebrochen auf einzelne Branchen verzeichnet insbesondere das Verarbeitende Gewerbe erneut steigende Insolvenzzahlen – sie nahmen um fast vier Prozent zu. Bei den Dienstleistern wurde ein Plus von knapp neun Prozent registriert. Im Handel (einschließlich Gastgewerbe) erhöhten sich die Fallzahlen um drei Prozent. Im Baugewerbe blieben die Fallzahlen nahezu unverändert, nachdem es im Vorjahr noch zu einem deutlichen Anstieg um 15 Prozent gekommen war.
Insolvenzniveau mittlerweile höher als nach Finanzkrise 2008/2009
„Die schwache Konjunktur und anhaltende Preissteigerungen belasteten im vergangenen Jahr die Verbraucherstimmung. In Westeuropa ist das Insolvenzniveau mittlerweile höher als nach der schweren Finanzkrise 2008/2009“, ergänzt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform Österreich. „Für 2026 ist der Trend noch sehr ungewiss, ein weiterer Anstieg ist aber wahrscheinlich“, so Weinhofer.
Anders als in Westeuropa war in den osteuropäischen Ländern ein Rückgang der Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen. Die Gesamtzahl verringerte sich um sieben Prozent auf 36.939 Fälle (2024 : 39.746). Damit liegen die Zahlen etwa auf dem Niveau von 2020. In acht der zwölf untersuchten Länder wurden 2025 weniger Insolvenzverfahren registriert. Die Spannweite des Rückgangs reichte von minus 19 Prozent in Kroatien bis minus 0,6 Prozent in Polen.
Osteuropa und die Vereinigten Staaten
In vier Ländern – Bulgarien, Rumänien, Slowenien und Tschechien – wurde hingegen ein Anstieg der Fallzahlen beobachtet. Die Türkei verzeichnete einen Anstieg der Insolvenzen um sechs Prozent. Insgesamt wurden dort 34.546 Unternehmensauflösungen gemeldet. „Der rückläufige Trend in vielen osteuropäischen Ländern darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Insolvenzzahlen in den meisten Wirtschaftsbereichen weiterhin auf einem hohen Niveau liegen“, so Weinhofer
In den Vereinigten Staaten erreichte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen den höchsten Stand seit fünf Jahren. Insgesamt wurden hier 31.810 Insolvenzfälle registriert. Damit liegt der Wert um über fünf Prozent über dem des Vorjahres (2024 : 30.201 Fälle). „Hohe Zinsen und eine restriktivere Kreditvergabe erschwerten offenbar Sanierungen und die Fortführung angeschlagener Unternehmen“, so die Einschätzung der Experten von Creditreform. (red/czaak)
Nur teilweise Weitergabe der Tankrabatte

In Deutschland geben die Ölkonzerne die Tankrabatte bisher nur teilweise weiter. Ifo-Institut entwickelt eigenen Tankrabatt-Tracker für Überprüfung und Analyse.
Der seit Anfang Mai geltende Tankrabatt der deutschen Bundesregierung kommt nur teilweise an den Zapfsäulen an. Das zeigen aktuelle Berechnungen des ifo-Instituts, das für genaue Analysen einen sogenannten Tankrabatt-Tracker entwickelt hat. „Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten drei Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 4 Cent weitergegeben. Beim Superbenzin waren es durchschnittlich 12 Cent von den 17 Cent Steuersenkung“, sagt Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Finanzwissenschaft.
Die geringe Weitergabe beim Diesel könnte laut ifo-Institut damit zusammenhängen, dass Deutschland Diesel importiert. Was am Wochenende getankt wurde, unterlag vermutlich noch der vollen Steuer. „Auch wenn die Politik kurzfristig einen günstigeren Benzinpreis an den Zapfsäulen erzielt hat, werden hiermit die falschen Anreize gesetzt“, kritisiert ifo-Experte Neumeier. Angesichts der aktuellen Verknappung des Angebots trägt diese Maßnahme nicht dazu bei, weniger Diesel und Benzin zu verbrauchen. Der Rabatt sei zudem wenig zielgenau, da Menschen mit höherem Einkommen tendenziell höhere Spritausgaben haben und daher stärker profitieren.
Transparenz über tägliche Aktualisierung und dazu Vergleiche mit anderen Ländern
„Mit dem Tankrabatt-Tracker wollen wir Transparenz schaffen und die Öffentlichkeit darüber informieren, ob das von der Politik definierte Ziel, die Bürger finanziell zu entlasten, tatsächlich eingehalten wird“, sagt David Gstrein. Er hat den Tankrabatt-Tracker zusammen mit Christian Gréus, Florian Neumeier, Ramona Schmid und Stefan Smutny entwickelt. Ob die Ölkonzerne die Steuersenkung langfristig an die Konsumenten weitergeben, wird die Preisentwicklung in den kommenden Wochen zeigen. Der Tankrabatt-Tracker vergleicht die Kraftstoffpreise in Deutschland mit denen in Frankreich vor und nach dem 1. Mai auf Basis eines wissenschaftlichen Ansatzes.Durch diese Berechnungen soll sich zeigen, ob und in welchem Umfang der Tankrabatt an die Autofahrer*innen weitergeben wird. Die Ergebnisse werden an jedem Werktag auf Basis der Spritpreise vom Vortrag aktualisiert. „Damit kann jeder interessierte Bürger Tag für Tag nachvollziehen, ob der Tankrabatt die versprochene Wirkung entfaltet und die Spritpreise senkt“, so das ifo-Institut. Auf der ifo-Webseite finden sich auch Informationen zu den verwendeten Daten und zu den Methoden, die die Wissenschaftler für ihre Auswertung nutzen. (red/cc)
Abwanderungstendenzen

Stagnierende Geschäftslagen, weiter hohe Kosten bei Energie, Löhnen oder Material sowie ausgeprägte Konsumflaute prägen aktuelle Wirtschaftssituation. Rund 17 Prozent der Betriebe überlegen Standort oder Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern. Kritik an Maßnahmen der Bundesregierung bei Industriestrategie.
Die aktuelle Geschäftslage der heimischen Unternehmen ist weiterhin überaus schwierig, auch eine Veränderung in Richtung Aufschwung wird nicht erwartet. Nur 48 Prozent der Betriebe bewerten ihre gegenwärtige wirtschaftliche Situation mit „sehr gut“ oder „gut“. Jedes sechste Unternehmen (17 Prozent) darüber nun nach, zumindest einzelne Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern. Und mit der „Industriestrategie Österreich 2035“ der Bundesregierung sind nur sechs Prozent zufrieden.
„Es droht die Gefahr, mehr und mehr ins Mittelfeld abzurutschen“
Das geht aus der aktuellen Austrian-Business-Check-Umfrage des KSV1870 hervor. Als größte Herausforderungen nennen die Befragten das hohe Kostenniveau, die geringe Nachfrage und den Fachkräftemangel. „Österreichs Wirtschaft ist seit einigen Jahren von einer Erosion geprägt. Ein Aufschwung wird von den Unternehmen für unser Hochpreisland kaum erwartet, denn eine Krise jagt die nächste und es scheint kein Ende in Sicht“, so Ricardo-José Vybiral, CEO KSV1870 Holding AG.
„Aktuell befeuert die Perspektivlosigkeit seitens der Betriebe Exitszenarien und es droht die Gefahr, mehr und mehr ins Mittelfeld abzurutschen“, betont Vybiral. Laut aktueller KSV1870 Umfrage sind lediglich 48 Prozent der Unternehmen mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Nur jeder fünfte Betrieb (20 Prozent) erwartet für heuer eine entscheidende Verbesserung. Während 85 Prozent der Finanz- und Versicherungsdienstleister die Situation positiv bewerten, sind es im Bereich Gastronomie/Beherbergung nur 35 Prozent.
Insbesondere Industrieproduktion sowie Bau/Immobilien und Telekom/IT diskutieren Verlagerung ins Ausland
Die vergangenen Jahre sind zu einer Belastungsprobe für viele heimische Unternehmen geworden. Vor allem die hohen Kosten, die bestehende Konsumflaute und die schwierige Personalsuche machen den Betrieben zu schaffen. Gelingt es den politischen Entscheidungsträgern nicht, die Unternehmen wesentlich zu entlasten, besteht in naher Zukunft die Gefahr einer Abwanderungsbewegung und der Verlust von Arbeitsplätzen.
„Angesichts der schon jetzt hohen Zahl an arbeitssuchenden Menschen, sollte dieses Schreckgespenst besser in der Kiste bleiben“, so Vybiral. Insbesondere in der Industrie bzw. in der Warenproduktion sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen und im Bereich Telekommunikation/IT gibt es überdurchschnittlich viele Unternehmen, die über einen solchen Schritt nachdenken.
Erzielte Umsätze verfehlen Wirkung und Kosten fressen etwaige Gewinne
Die Umsatzentwicklung hat sich laut Austrian Business Check im Vorjahr sehr unterschiedlich dargestellt. Während 33 Prozent der Betriebe von einer rückläufigen Entwicklung sprechen und weitere 23 Prozent eine maximal gleichbleibende Umsatzentwicklung vorweisen können, haben sich bei 44 Prozent die Umsätze erhöht – u.a. bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern und im Gesundheits- und Sozialwesen.
Doch selbst Letztere mussten angesichts des enormen Kostendrucks im Vergleich zu früher Gewinneinbußen hinnehmen, weshalb das Umsatzplus zum Teil auch wieder verpufft ist. „Getrieben von einem hohen Kostenniveau wird es immer schwieriger, Gewinne zu erzielen und ein Geschäftsjahr positiv abzuschließen“, so Vybiral. Zudem fällt die Prognose für das Jahr 2026 ernüchternd aus : Lediglich 27 Prozent der Betriebe erwarten, dass sich ihre Umsätze gegenüber dem Vorjahr verbessern werden.
Betreffend Auftragslage 2025 spricht nur ein Drittel von Anstieg
Im Vergleich zum Jahr 2024 hat sich auch die Zahl der Aufträge im Vorjahr sehr unterschiedlich entwickelt. Während 36 Prozent von einem Anstieg sprechen, verzeichnen 31 Prozent ein gleichbleibendes Ergebnis. Bei weiteren 33 Prozent hat sich die Auftragslage rückläufig entwickelt. Erfreulich ist, dass neben den Finanz- und Versicherungsdienstleistern (66 Prozent) auch Betriebe der Warenproduktion (48) einen Anstieg verzeichnet haben – eine Branche, die in den vergangenen Jahren häufig mit einer schwierigen Auftragslage zu kämpfen hatte.
Dem gegenüber steht etwa der Handel, in dem 40 Prozent der Unternehmen von einer rückläufigen Entwicklung sprechen. Hier scheint die Konsumflaute anhaltende Spuren zu hinterlassen. Etwas besser als im Vorjahr präsentiert sich die Auftragslage seit Jahresbeginn in Österreich : Immerhin 43 Prozent der Betriebe sind im Moment zufrieden – dabei sticht Oberösterreich (54 Prozent) hervor. Gänzlich anders ist die Lage in Kärnten, wo 36 Prozent von einer rückläufigen Entwicklung sprechen. Das Bundesland ist damit Schlusslicht.
Industriestrategie Österreich 2035 durchgefallen
Im Rahmen der Umfrage wurden die Industrieunternehmen auch gefragt, wie sie die Anfang des Jahres seitens der Bundesregierung vorgestellte Industriestrategie einstufen. Das Ergebnis : Nur sechs Prozent sind mit ihr zufrieden, während jeweils 47 Prozent mit „mittelmäßig“ bzw. „unzufrieden“ geantwortet haben. Am häufigsten fehlen den Unternehmen ein konkreter Plan zur Kostensenkung und nachhaltige Maßnahmen zur Entbürokratisierung.
„Für Österreichs Industrieunternehmen ist der vorgelegte Plan zu unkonkret. Er enthält keine ausreichenden Maßnahmen, wie es gelingen soll, die Industrie langfristig auf die Überholspur zu bringen“, so Vybiral. Tendenziell positiver werden hingegen die kürzlich abgeschlossenen Freihandelsabkommen, wie etwa das EU-Mercosur-Abkommen oder das EU-Indien-Abkommen gesehen. Immerhin 36 Prozent sehen in diesem Zusammenhang einen positiven Einfluss auf die zukünftige Wirtschaftsentwicklung im Land. (red/czaak)
Materialknappheit in Industrie steigt rasant

Konflikt im Nahen Osten und Einschränkungen im Schiffsverkehr in Straße von Hormus beeinträchtigen zunehmend Lieferketten sowie Versorgung mit Vorprodukten und Endproduktionen. Materialmangel geht quer durch alle Branchen.
Die Versorgung mit Vorprodukten in der Industrie hat sich deutlich verschlechtert. Im April berichteten 14 Prozent der Unternehmen in der Industrie von Engpässen bei der Beschaffung von Materialien, nach rund sechs Prozent im Januar. Das ergab eine aktuelle Umfrage des ifo Instituts. „Die Lieferketten geraten spürbar unter Druck. Der Konflikt im Nahen Osten und die Einschränkungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wirken sich zunehmend auf die Versorgung mit Vorprodukten aus“, erläutert Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen.
Chemische Industrie und Kunststoffwaren und Maschinenbau besonders stark betroffen
Die Zunahme der Engpässe zeigt sich vor allem in Branchen, die stark von ölbasierten und energieintensiven Vorprodukten abhängig sind. In der chemischen Industrie berichteten 31 (!) Prozent der Unternehmen von Materialmangel. Auch bei den Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren ist der Anteil auf 23 Prozent deutlich gestiegen. Weitere wichtige Industriezweige sind ebenfalls betroffen : Im Maschinenbau stieg der Anteil auf 15 Prozent und bei den Herstellern elektrischer Ausrüstungen auf 17 Prozent.Auch die Automobilindustrie meldet wieder häufiger Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten. „Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie stark die Industrie von globalen Rohstoff- und Energielieferungen abhängt“, so Wohlrabe. Rund ein Fünftel des globalen Ölangebots wird über die Straße von Hormus abgewickelt. Gerade bei petrochemischen Vorprodukten können sich Störungen sehr schnell in der gesamten Wertschöpfungskette bemerkbar machen, so die ifo-Experten. (red/cc)
Geringere Anzahl und mehr Volumen

In Europa und USA deutlich weniger Börsengänge durch Nahost-Krieg. In China steigen die IPOs. Verteidigungsindustrie, Infrastruktur und KI besonders gefragt. Weltweit größter Börsengang in Amsterdam. Wiener Börse entwickelt sich sehr gut.
Nach einem vielversprechenden Start ins Jahr 2026 führen neue geopolitische Spannungen und der weltweite Anstieg der Energiepreise zu einem deutlichen Rückgang auf dem IPO-Markt : Die Zahl der Börsengänge schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent und lag mit 230 auf dem niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Zuletzt waren im zweiten Quartal des COVID-Jahres 2020 mit 195 IPOs weniger Börsengänge registriert worden als im abgelaufenen Quartal.
Obwohl deutlich weniger Unternehmen den Sprung aufs Parkett wagten, stieg das Emissionsvolumen um 36 Prozent auf knapp 41 Milliarden US-Dollar deutlich. Während die Zahl der Börsengänge mit einem Emissionsvolumen oberhalb von 500 Millionen US-Dollar von 14 auf 22 stieg, gab es deutlich weniger kleinere IPOs : Die Zahl der Börsengänge mit einem Wert von weniger als 100 Millionen US-Dollar sank von 237 auf 146, so Ergebnisse des aktuellen IPO-Barometers der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY.Weltweit größter Börsengang in Amsterdam
Der weltweit größte Börsengang des ersten Quartals fand in Europa an der Amsterdamer Börse statt. Der tschechische Munitionshersteller CSG erzielte bei seiner Erstnotiz an der Amsterdamer Euronext ein Platzierungsvolumen von 4,5 Milliarden US-Dollar. Getrieben durch das deutlich gestiegene Investoreninteresse, prägten auch in Deutschland Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie, das IPO-Geschehen.Von den drei Betrieben, die in Deutschland im ersten Quartal an die Börse gingen, lassen sich zwei dem Rüstungssektor zuordnen. Es sind Vincorion mit einem Volumen von 345 Millionen Euro sowie Gabler mit 134 Millionen Euro. Zusätzlich absolvierte der österreichische Kupfer-Spezialist ASTA Energy den Börsengang an der Frankfurter Börse (Anm. Emissionsvolumen von 198 Millionen Euro) und die Hamburger Arenit Industrie SE ist im Rahmen einer Privatplatzierung an den schwedischen Nasdaq First North Premier Growth Market gegangen.
Geopolitisches Umfeld belastet den Markt und die Investoren bleiben selektiv„Die erneute Eskalation im Nahen Osten hat die weltweiten IPO-Märkte spürbar unter Druck gesetzt und die Zahl der Börsengänge auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren gedrückt. Wir sehen kräftig steigende Energiepreise, erhöhte Schwankungen an den Kapitalmärkten und zwischenzeitlich deutliche Kursrückgänge“, erläutert Martina Geisler, Partnerin und Leiterin IPO bei EY Österreich. Die Expertin sieht parallel auch handelspolitische Unsicherheiten wieder in den Vordergrund rücken.
„Wir erleben eine klare Fokussierung der Investor:innen auf bestimmte Sektoren und auf Unternehmen, die bereits vor dem Börsengang eine relevante Größe, stabile Geschäftsmodelle und eine überzeugende Historie vorweisen können“, so Geisler. Aus der Sicht von Geisler sind die globalen IPO-Märkte insgesamt bemerkenswert widerstandsfähig. „Branchen wie Verteidigung, Luftfahrt und Infrastruktur profitieren stark vom geopolitischen Umfeld – hier kann man fast schon von einer IPO-Hochphase sprechen“, ergänzt die EY-Expertin.
Rekordhandel und starkes internationales Wachstum an der Wiener BörseAn der Wiener Börse sorgte die volatile Marktlage für die höchsten Quartals-Aktienumsätze seit 15 Jahren. Gleichzeitig wurde das Angebot im internationalen Segment global market weiter ausgebaut. Neben der Aufnahme zahlreicher neuer internationaler Titel – darunter mehr als 30 Unternehmen aus dem STOXX Europe 600 – wurden auch aktuelle Börsengänge wie jener des österreichischen Unternehmens ASTA Energy Solutions in den Handel in Wien einbezogen. Der global market umfasst aktuell rund 900 internationale Wertpapiere aus 28 Ländern.
Auch im Anleihenbereich verzeichnete die Wiener Börse breiten internationalen Zuwachs. Im ersten Quartal nutzten globale Banken, internationale Konzerne und führende Asset Manager:innen aus Europa, den USA und Asien die Wiener Börse für ihre Anleihenlistings. Über 9.800 Primärlistings in den ersten drei Monaten bedeuten ein Rekordniveau. Ein starkes Signal für den Finanzplatz setzte hier auch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) mit der Ankündigung, neue Bundesanleihen künftig nur an der Wiener Börse zu listen.
Weniger Breite und mehr Tiefe im IPO-Markt„In einem Umfeld erhöhter Unsicherheit bevorzugen Investor:innen Emittenten mit klarer Profitabilität, starker Positionierung und nachvollziehbaren Wachstumsperspektiven. Die Kluft zwischen sehr gut IPO-fähigen Unternehmen und solchen mit schwächerem Profil wird daher größer“, sagt Martina Geisler von EY. Für Europa erwartet sie weitere IPOs aus dem Verteidigungs- und Infrastrukturbereich.
Die verstärkten NATO-Anstrengungen, ihre Verteidigungsausgaben in Richtung des 5 Prozent Ziels des BIP zu erhöhen würden dafür gute Voraussetzungen schaffen. Neben Aerospace & Defense bleibe auch KI ein wichtiger Treiber des Marktes. „Allerdings verschiebt sich der Fokus zunehmend weg von visionären Zukunftsbildern hin zu konkreten, skalierbaren KI-Anwendungen, vor allem in den Bereichen Infrastruktur, Rechenzentren, Halbleiter und industrielle Nutzung“, analysiert Geisler.
Die internationalen Märkte und Branchen im direkten VergleichEin Blick auf die einzelnen Märkte offenbart dann die teilweise deutlichen Unterschiede. In China (einschließlich Hongkong) wurden 68 Neuemissionen (Vorjahr : 50) gezählt mit einem Gesamtwert von fast 17 Mrd. US-Dollar. Beim Volumen ergibt das ein Plus von 181 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der größte Anstieg unter allen relevanten Börsenplätzen.
Der US-Markt lag bei der Zahl der Deals im Minus (27 Deals ergeben minus 55 Prozent). Das Emissionsvolumen lag mit knapp über 10 Milliarden US-Dollar um 13 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. In Europa gingen zwar weniger Unternehmen an die Börse als im ersten Quartal 2025 (28 ergeben minus 18 Prozent). Dank des Mega-IPOs von CSG stieg aber das Platzierungsvolumen deutlich : um 48 Prozent auf 6,4 Milliarden US-Dollar.
Beim Blick auf die Branchen dominierten Advanced Manufacturing (42 IPOs mit 11,3 Milliarden US-Dollar) und Technology (38 IPOs mit 8,8 Milliarden US-Dollar). Und im Ranking der größten Börsengänge des ersten Quartals folgen auf CSG das US-Energieinfrastrukturunternehmen Forgent Power Solutions mit einem Emissionsvolumen von 1,7 Milliarden US-Dollar und dahinter der chinesische Fleischproduzent Muyuan Foods mit 1,4 Milliarden US-Dollar. (red/czaak)
Österreich muss weitere 4,4 Milliarden Euro einsparen

Im Kontext mit dem überschuldeten Staatshaushalt orten die Experten des Österreichischen Fiskalrats in aktueller Analyse eine Wirkung der bisherigen Sparmaßnahmen. In Richtung des Defizitzieles 2027 ist noch ein Konsolidierungsvolumen von 4,4 Mrd. Euro nötig.
Die bisherigen Konsolidierungsschritte der Österreichischen Bundesregierung zeigen Wirkung : das Budgetdefizit 2025 sinkt auf 4,2 Prozent des Brutto-Inlands-Produktes (BIP). Dieser Wert bleibt damit aber weiterhin deutlich über der maximalen Obergrenze von drei (3) Prozent. Die Experten des Österreichischen Fiskalrats halten daher weitere Rückführungsschritte für unumgänglich. Die (nahezu unveränderte) Defizitprognose für 2026 beträgt vier (4) Prozent des BIP und für 2027 werden 4,1 Prozent des BIP genannt.
„Das macht ein rasches und ambitioniertes Vorgehen nötig“, so der Fiskalrat. Da das Ausgabenwachstum weiterhin hoch bleibt, bestehe bereits 2027 eine Lücke zu den Budgetzielen der Bundesregierung (3,5 Prozent des BIP) im Umfang von 4,4 Mrd Euro. „Es braucht rasche Konsolidierungsschritte“, unterstreichen die Ökonomen. Bei der Staatsschuldenquote erwartet das Fiskalratsbüro eine Fortsetzung des rasanten Anstiegs der Quote. Diese war mit Beginn der multiplen Krisen (An. 2019/2020 Corona) von 71 auf 85 Prozent des BIP bis 2027 gestiegen.
Niedrigere Gehaltsabschlüsse im öffentlichen Dienst und weitere Rücknahme von Förderungen
Für 2026 und 2027 werden als gesamtstaatliche Budgetdefizite die Werte von 4,0 bzw. 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwartet. Damit bleibt die Einschätzung gegenüber der Herbstprognose des Fiskalrats nahezu unverändert. Ausschlaggebend dafür sind gegenläufige Entwicklungen bei Konjunktur, Inflation und Konsolidierungsmaßnahmen, die sich weitgehend ausgleichen.
Die niedrigeren Gehaltsabschlüsse für den öffentlichen Dienst und die weitere Rücknahme von Förderungen tragen zwar zur leichten Verbesserung des Budgetsaldos gegenüber 2025 bei, sind aber nicht in der Lage, die hohe Ausgabendynamik aufgrund erhöhter Inflation, dem dynamischen Anstieg der Gesundheitsausgaben und der deutlichen Erhöhung der Transfers an die EU zu durchbrechen. Eine nachhaltige und ausreichende Rückführung der Defizitquote bleibt aus.
Hohes Wachstum der Sozial- und Gesundheitsausgaben und EU-Transferzahlungen verhindern stärkeren Defizitrückgang
Bis 2027 nähert sich die Schuldenquote mit 85 Prozent des BIP ihrem historischen Höchststand, der im Zuge der Verstaatlichung von Geschäftsbanken im Rahmen des Bankenpakets erreicht wurde. Im Gegensatz zu damals ist der Anstieg der Verschuldung aber großteils nicht mit dem Erwerb von Vermögenswerten verbunden. Eine automatische Rückführung der Verschuldung ist damit ausgeschlossen. Eine Stabilisierung der Schuldenquote – dafür wären bis 2027 Defizite unter 2,5 Prozent des BIP nötig – ist derzeit außer Reichweite.
Der moderate Anstieg der Staatsausgaben im Jahr 2025 um 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024 : + 9,3 Prozent) spiegelt den Rückgang der Inflation und die bisherige gesamtstaatliche Konsolidierungsanstrengung wider, die u. a. die Streichung des Klimabonus, einen deutlichen Rückgang der Subventionen, aber auch geringere Investitionen in die Schieneninfrastruktur umfasste. Das strukturell zugrundeliegende Ausgabenwachstum blieb hingegen weiterhin hoch. Hierfür waren vor allem die starke Ausgabendynamik bei sozialen Sachleistungen im Gesundheitsbereich (v. a. Ausgaben für niedergelassene Ärzte und Medikamente) und bei Pensionsausgaben verantwortlich.
Steigende Arbeitslosenzahlungen versus deutlicher Anstieg bei Sozialversicherungsbeiträgen durch hohe Lohnabschlüsse
Konjunkturbedingt stiegen auch die Arbeitslosenzahlungen deutlich an. Der Zuwachs der Staatseinnahmen schwächte sich zwar mit 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr etwas ab (2024 : +5,3 Prozent), blieb aber trotz einiger Einnahmenverzichte der Vergangenheit (z. B. ökosoziale Steuerreform) dennoch klar über dem Ausgabenzuwachs und dem BIP-Wachstum.
Die Konjunkturerholung, der deutliche Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge u. a. aufgrund der weiterhin hohen Lohn- und Gehaltsabschlüsse und die Rücknahme von Steuererleichterungen aus den Vorjahren im Zusammenhang mit der Energiekrise waren für den deutlichen Einnahmenzuwachs verantwortlich. Das Budgetdefizit ging 2025 ausgehend von 4,6 im Jahre 2024 auf 4,2 Prozent des BIP zurück. Die Schuldenquote erhöhte sich um 1,5 Prozentpunkte auf 81,5 Prozent des BIP.
Makroökonomische Entwicklung unterliegt hoher geopolitischer Unsicherheit
Die sich noch Anfang 2026 abzeichnende Erholung der Konjunktur und die damit einhergehenden positiven Effekte für den Staatshaushalt durch höhere Abgabeneinnahmen und geringere Leistungen für Arbeitslosigkeit schwächen sich aufgrund der angespannten geopolitischen Lage und der jüngsten Kriegshandlungen in Nahost ab. Das Risiko einer drastischen konjunkturellen Eintrübung und damit Verschlechterung des Budgetsaldos steigt mit Fortdauer des Krieges im Iran. Als „Faustregel“ gilt : Sinkt das reale BIP um ein (1) Prozent, verschlechtert sich der Budgetsaldo um 0,5 Prozent des BIP.
Das Büro des Fiskalrates geht von Defiziten in Höhe von vier ( 4) Prozent des BIP (2026) und 4,1 Prozent des BIP (2027) aus. Daraus resultiert eine Lücke in Höhe von 0,6 Prozent des BIP zum geplanten Budgetdefizit der Bundesregierung (Anm. 3,5 Prozent des BIP) im Jahr 2027. Um diese Lücke schließen zu können, ergibt sich unter der Berücksichtigung der negativen makroökonomischen Auswirkungen einer Konsolidierung auf die Volkswirtschaft Österreichs ein Konsolidierungsbedarf in Höhe von 4,4 Mrd. Euro. Um das laufende Defizitverfahren gegen Österreich wie geplant zu beenden, ist bis 2028 darüberhinausgehend zusätzlich zu konsolidieren.
Strukturelles Ausgabenwachstum bleibt weiterhin hoch
Trotz der Wirkung bzw. dem zusätzlichen Einsetzen von langfristig wirkenden Maßnahmen des ersten Konsolidierungspakets der Bundesregierung in den Jahren 2026 und 2027 – wie moderate Gehaltsabschlüsse im öffentlichen Dienst und Einsparungen bei Verwaltungspersonal – bleibt die zugrundeliegende Dynamik der Ausgaben hoch.
Die voranschreitende Alterung der Gesellschaft, die u. a. für die steigenden Gesundheits- und Pflegeausgaben verantwortlich ist, der über die nächsten Jahre anhaltende Anstieg der Finanzierungskosten durch die Zinsnormalisierung und den laufenden Anstieg des Schuldenstandes, aber auch die deutliche Erhöhung des österreichischen EU-Beitrags im Rahmen des neuen EU-Budgetrahmens bedingen auch mittelfristig ein hohes Wachstum der Staatsausgaben.
Infrastrukturinvestitionen oder Anpassungen bei Korridorpension verschieben Konsolidierungslast in Zukunft
Zudem verschieben einige kurzfristig wirksame Maßnahmen (Aufschub von Infrastrukturinvestitionen, Anpassungen im Bereich der Korridorpension) die tatsächliche, permanent wirksame Konsolidierungslast nur in die Zukunft. Vor diesem Hintergrund ist ohne zusätzliche Konsolidierungsanstrengungen auch mittelfristig keine Rückführung der hohen Budgetdefizite zu erwarten.
Die anhaltend hohen Primärdefizite (Maastricht-Defizit ohne Zinsausgaben) und die steigenden Zinsausgaben infolge höherer Verschuldung führen trotz eines weiterhin negativen Zins-Wachstumsdifferentials zu einem laufenden Anstieg der Staatsschuldenquote. Ausgehend von 81,5 Prozent im Jahr 2025 nähert sich die Schuldenquote 2027 mit 85 Prozent des BIP ihrem historischen Höchststand aus dem Jahr 2015 (85,6 Prozent des BIP) an. „Das Wirtschaftswachstum ist zu schwach, um diesen Trend zu stoppen“, so der abschließende Befund aus der (gewohnt fundierten) Analyse der Experten des Österreichischen Fiskalrats. (red/czaak)
Ambivalente Lage in Österreichs Industrie

Nach zwei Jahren Rezession leichte Erholungstendenzen im vierten Quartal 2025. Umsatz und Exporte legen zu. Europa und Asien treiben Wachstum, US-Markt bricht ein. Aktuelle Krisen werden positiven Trend wieder gefährden, so aktuelle Erhebung von EY.
Nach zwei Jahren Rezession zeigte die österreichische Industrie im vierten Quartal 2025 erstmals wieder leichte Erholungstendenzen. Getragen von Unternehmen des produzierenden Bereichs wurde ein Umsatz von rund 104 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem Anstieg von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit wurde eine Serie von zehn Quartalen mit Umsatzrückgängen beendet.
Elektronik und Maschinenbau legen zu und Papierbranche verliert
„Das jüngste Umsatzplus ist ein wichtiges Signal, dass sich die industrielle Konjunktur stabilisieren könnte. Allerdings bewegen wir uns weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau – von einer nachhaltigen Trendwende kann noch keine Rede sein“, sagt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich. „Wir erwarten zudem, dass der Konflikt mit Iran spürbare Auswirkungen auf die österreichische Industrie haben wird, insbesondere über Energiepreise, Lieferketten und das Investitionsklima. Die geopolitischen Folgen des Iran-Konflikts sind in diesen Zahlen noch nicht abgebildet“, so Preiss.
Während die Gesamtentwicklung lange Zeit rückläufig war, zeigten einzelne Branchen zuletzt deutliche Wachstumsimpulse. Besonders stark entwickelte sich im vierten Quartal die Automobilindustrie mit einem Umsatzplus von knapp 16 Prozent. Auch die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sowie der Maschinenbau konnten deutlich zulegen. Demgegenüber verzeichnete die Papier- und Pappeindustrie erneut einen Rückgang von sieben Prozent.
Beschäftigung weiter rückläufig und struktureller Anpassungsdruck bleibt hoch
Beim Thema Beschäftigung setzt sich der negative Abwärtstrend trotz der leichten Umsatzbelebung fort : Zum Ende des vierten Quartals 2025 waren im produzierenden Bereich rund eine Millionen Menschen beschäftigt. Das ist ein Rückgang von 2,2 Prozent bzw. rund 23.400 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark betroffen ist erneut die Automobilindustrie. Hier ging die Beschäftigung innerhalb eines Jahres um fast sieben Prozent zurück, was einem Abbau von mehr als 2.200 Stellen entspricht. Nur wenige Branchen konnten Arbeitsplätze aufbauen, darunter Maschinenbau (+1,2 Prozent) sowie die Chemie- und Pharmabranche (+0,4 Prozent).Langfristig zeigt sich hier aus Sicht der EY-Experten ein differenziertes Bild : Während die technologiegetriebenen Industrien seit 2019 deutliche Beschäftigungszuwächse verzeichnen konnten – etwa Elektrotechnik/Elektronik (+13 Prozent) oder Chemie/Pharma (+14) – stehen klassische Industrien wie die Automobilbranche weiterhin unter einem erheblichen Transformationsdruck.
Starke Dynamik nach oben und unten in Europa, Asien und den USA
Eine Trendwende zeigt im vierten Quartal auch die Exportentwicklung : Die Ausfuhren beweglicher Güter inklusive elektrischem Strom stiegen um knapp drei Prozent auf rund 49 Milliarden Euro. Damit wurde eine Serie von sieben Quartalen mit rückläufigen Exporten beendet. Treiber dieser Entwicklung waren vor allem steigende Exporte in die Eurozone (+3,6 Prozent) sowie in asiatische Märkte (+9,8). Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine zunehmende geopolitische Fragmentierung : Die Exporte in die USA – immerhin der zweitwichtigste Exportmarkt – gingen um 19 Prozent zurück, was einem Rückgang von rund 800 Millionen Euro entspricht.Bemerkenswert ist, dass sich die Exporte in 14 der 15 wichtigsten Absatzmärkte positiv entwickelten. Besonders starke Zuwächse gab es in die Schweiz, nach Italien und Deutschland. Innerhalb der Branchen zeigte sich ein breites Wachstum : Sieben von acht Industriezweigen steigerten ihre Exporte. Die Automobilindustrie sowie die Elektrotechnik- und Elektronikbranche waren die stärksten Wachstumstreiber.
Hohe Kosten, Nachfrageschwäche und globale Wettbewerbsverschiebungen
Rückläufig blieb einzig die Papierindustrie. „Die Exportzahlen zeigen, dass die internationale Nachfrage grundsätzlich vorhanden ist. Gleichzeitig verdeutlicht der massive Rückgang im US-Geschäft, wie stark geopolitische Entwicklungen und Handelsbeziehungen die österreichische Industrie beeinflussen“, so Preiss. Generell betrachtet zeigen die aktuellen Zahlen ein ambivalentes Bild.
Während Umsatz und Exporte erstmals seit längerer Zeit wieder wachsen, bleibt der Beschäftigungsabbau ein klares Warnsignal. Technologiegetriebene und innovationsstarke Industrien profitieren zunehmend von strukturellen Trends wie Digitalisierung, Energieeffizienz und nachhaltigen Produktionsprozessen. Klassische, energieintensive Branchen hingegen stehen weiterhin unter erheblichem Druck durch hohe Kosten, Nachfrageschwäche und globale Wettbewerbsverschiebungen.
Investitionen in Innovation und die Transformation bestehender Geschäftsmodelle
„Die entscheidende Frage ist, ob die aktuellen positiven Signale in eine nachhaltige Erholung münden, gerade auch im Hinblick auf die aktuelle geopolitische Lage. Dafür braucht es aber auch gezielte Investitionen in Innovation, neue Technologien und die Transformation bestehender Geschäftsmodelle. Nur so kann die österreichische Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern“, unterstreicht Axel Preiss von EY.
Die Analyse basiert auf den Konjunkturdaten der EU-harmonisierten Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich, hier im speziellen auf den monatlichen Unternehmensdaten (Primärerhebung plus modellbasierte Datenergänzung). Die Analyse der Exportentwicklung insgesamt und nach Ländern basiert auf der Außenhandelsstatistik (ITGS – International Trade in Goods Statistics) und erfasst Importe und Exporte beweglicher Güter inkl. elektrischem Strom, erläutert EY. (red/czaak)
Milliardengrab Elektroautos

Gewinn der größten Autokonzerne sinkt 2025 um fast 60 Prozent. Nur ein von 19 Unternehmen mit Gewinnwachstum. Durchschnittsmarge halbiert sich auf unter drei Prozent. Zusätzliche Belastungen von fast 60 Milliarden Euro durch Strategiefehler.
Was als Zukunftswette begann, wird für viele Autokonzerne zunehmend zur milliardenschweren Belastung. Führende Hersteller korrigieren derzeit reihenweise ihre Elektrostrategien, mit erheblichen Folgen für ihre Bilanzen. Abschreibungen auf Batteriefabriken, Entwicklungsprojekte und Modellreihen summieren sich bei Herstellern in Europa und den USA inzwischen auf fast 60 Milliarden Euro.
Als Folge bricht im vergangenen Jahr der Gesamtgewinn der 19 führenden Autokonzerne weltweit um 59 Prozent ein – von 143 auf 59 Milliarden Euro. Nur das Unternehmen Geely schafft mit plus zwölf Prozent als einziger Autobetrieb ein Gewinnwachstum, vier Unternehmen rutschten sogar in die roten Zahlen. Und für das heurige Jahr zeichnen sich schon weitere Belastungen ab.
Chinesen BYD, Geely und Great Wall Motors steigern Umsatz und Absatz deutlich
Stabil entwickelte sich einzig der Umsatz der Unternehmen mit einem durchschnittlichen Plus von 0,6 Prozent. Die deutschen Autokonzerne schnitten mit einem Umsatzrückgang von 4,1 Prozent allerdings schlechter ab als die meisten Wettbewerber. Auch beim Neuwagenabsatz verzeichneten die deutschen Konzerne mit einem Rückgang von zwei Prozent eine schwächere Entwicklung als die Mehrheit der anderen Hersteller. Dies war primär einem überdurchschnittlich starken Absatzrückgang in China geschuldet.
Die drei chinesischen Unternehmen im Ranking – BYD, Geely und Great Wall Motors – konnten ihren Umsatz und Absatz mit Wachstumsraten von 9,3 beziehungsweise 16 Prozent deutlich steigern. Allerdings mussten auch die chinesischen Hersteller Einbußen bei der Profitabilität hinnehmen : ihr Gesamtgewinn sank um knapp 13 Prozent.
Bei Profitabilität Suzuki und Toyota vor Kia und BMW
Im Ranking der profitabelsten Autokonzerne der Welt lagen im vergangenen Jahr mit Suzuki und Toyota zwei japanische Unternehmen mit Margen von zehn bzw. neun Prozent vorn. Es folgen Kia (8) und BMW (7,6 Prozent). Die Durchschnittsmarge der analysierten Unternehmen schrumpfte von sieben auf drei Prozent und erreichte damit einen neuen Tiefstand. Selbst im Pandemie-Jahr 2020 lag sie mit knapp vier Prozent höher.
Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 19 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsorganisation EY quartalsweise erstellt. „Die Autobranche befindet sich derzeit in einer äußerst angespannten Lage, vereinzelt mit existenziellen Risiken. In den vergangenen Jahren wurden Investitionsentscheidungen vielfach auf optimistische Annahmen zu Marktwachstum und Elektromobilität gestützt“, erklärt Axel Preiss, Leiter Industrials bei EY Österreich.
Umfangreiche Abschreibungen auf Batteriebeteiligungen, Produktionsprojekte und Modellreihen
„Tatsächlich bleibt die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen – insbesondere in EU und USA – aber deutlich hinter den Erwartungen. In Folge passen viele Unternehmen ihre Strategien an, was zu umfangreichen Abschreibungen auf Batteriebeteiligungen, Produktionsprojekte und Modellreihen führt. Das Ergebnis ist ein massiver Rückgang der Gewinne“, so Preiss.
Fast 60 Milliarden Euro haben die analysierten Konzerne aktuell (Anm. 2025 und laufend) an Abschreibungen und Wertberichtigungen verkündet. Ford (US) rechnet aufgrund stark reduzierter Elektroauto-Pläne mit einer Belastung von 19,5 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro), bei General Motors liegt die Belastung bei knapp acht Milliarden US-Dollar (7 Milliarden Euro).
Notwendige Anpassung unrealistischer Annahmen
Stellantis bezifferte den Abschreibungsbedarf mit 22 Milliarden Euro, wobei rund 15 Milliarden Euro auf die Wende weg von Elektroautos im US-Markt entfallen. Zuletzt kündigte auch Honda eine Abschreibung von etwa 14,5 Milliarden Euro an – das Unternehmen zieht seine Elektroauto-Plänen teilweise zurück. Auch deutsche Autokonzerne sind betroffen : Porsche beziffert die Aufwendungen für das Geschäftsjahr 2025 aufgrund der strategischen Neuausrichtung mit über drei Milliarden Euro.
„Die aktuell angekündigten Abschreibungen sind nicht als Abkehr von der Elektromobilität zu verstehen, sondern vielmehr als notwendige Anpassung unrealistischer Annahmen. Es geht um eine nüchternere Bewertung von Geschwindigkeit und Umfang der Elektrifizierungsstrategien – nicht um einen grundsätzlichen Richtungswechsel“, so Preiss.
US-Zollpolitik, geopolitische Risiken und fragile Lieferketten ergeben weitere Belastungen in Milliardenhöhe
Zusätzliche Belastungen in Milliardenhöhe resultierten auch aus der US-Zollpolitik. Neben der strategischen Neuausrichtung belasten auch geopolitische Risiken und fragile Lieferketten die Branche erheblich. Das nun erfolgende umfassende bilanzielle Bereinigen kann jedoch eine Grundlage dafür schaffen, ab dem Geschäftsjahr 2026 wieder stabilere Margen zu erzielen. „Gleichzeitig werden laufende Kostensenkungsprogramme erst zeitverzögert ihre volle Wirkung entfalten“, so EY-Experte Preiss.
Belastungen und Handlungsdruck steigen auch für den Industriestandort Österreich spürbar. Hohe Kosten, zunehmende Regulierung und internationale Wettbewerber mit deutlich niedrigeren Produktionskosten stellen viele Unternehmen vor große Herausforderungen. „Um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig abzusichern, braucht es gezielte strukturelle Anpassungen und verlässliche industrielle Rahmenbedingungen“, ergänzt Axel Preiss von EY. (red/czaak)
Nachhaltige Entlastung für Wettbewerbsfähigkeit

Richtige Richtung bei Treibstoff-Preisbremse — aber viel zu gering in Relation zu den bisherigen Mehreinnahmen. Frächter fordern von Bundesregierung weitere Maßnahmen gegen exorbitante Steigerung bei Kosten für Benzin und Diesel.
Österreichs Frächter rufen laut nach einer Art Gewerbediesel. Die jüngst von der Bundesregierung beschlossene Treibstoff-Preisbremse wird von der heimischen Transportwirtschaft als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet, greift aber viel zu kurz — sie genüge nicht, um die massiv steigenden Kosten im Güterbeförderungsgewerbe auch nur annähernd abzufedern, so ein Bericht des NÖ-Wirtschaftspressedienstes.
„Treibstoff ist für uns der zentrale Kostenfaktor“
„Treibstoff ist für uns der zentrale Kostenfaktor und die bisher gesetzten staatlichen Maßnahmen reichen nicht aus, um Unternehmen nachhaltig zu entlasten oder ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, appelliert Markus Fischer, Transportunternehmer aus Neunkirchen. „Daher fordert der Fachverband zusätzlich die Einführung eines Gewerbediesels durch Aussetzung des CO2-Preises auf Diesel“, ergänzt Fischer auch als Fachverbandsobmann für das Güterbeförderungsgewerbe in der Wirtschaftskammer Österreich. „Diese Maßnahme ist effizient, treffsicher und wäre rasch wirksam“.
Die Experten im heimischen Fachverband rechnen vor, dass allein 2024 und 2025 die Mehreinnahmen aus dem Dieselverbrauch bei über 1,6 Milliarden Euro lagen. Werden auch noch die Einnahmen aus Benzin hinzugerechnet, ergibt sich ein Betrag von mehr als 2,1 Milliarden Euro, und zwar netto. Und : zu diesen Beträgen hinzu kämen noch die Einnahmen aus der Umsatzsteuer.
Steigende Transportkosten erhöhen Warenpreise und final die Inflation
Beim CO2-Preis handelt es sich um eine im Jahr 2022 neu eingeführte Steuer und somit um zusätzliche Einnahmen für das Budget. „Nun ist es an der Zeit, dass ein Teil dieser Mittel wieder an jene zurückfließt, die sie erwirtschaften“, unterstreicht Markus Fischer insbesondere als Wirtschaftsvertreter.
Ein Gewerbediesel hätte aus seiner Sicht mehrfache Wirkung : „Die Transportbranche und die Wirtschaft würden gezielt entlastet, die Versorgungskette stabilisiert und Inflation verhindert, da steigende Transportkosten sich direkt auf Warenpreise auswirken“, betont er. Der Gewerbediesel sei keine Subvention, sondern „eine sachliche Rückführung von Mehreinnahmen!“ (NOe-Wirtschaftspressedienst/red/cc)
Energiepreisschock belastet Konjunktur

Deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten durch Iran-Konflikt Reduktion der zuvor prognostizierten Erholung der Konjunktur. Bruttoinlandsprodukt soll heuer nur moderat steigen. Stärker steigen soll die Inflation in Deutschland.
Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute sehen die dortige Konjunktur nach einem mehrjährigen Abschwung zwar in einer Erholungsphase, erwarten aber für 2026 nur mehr eine moderate Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die aktuelle Vorhersage geht für heuer von 0,6 Prozent aus und für 2027 von 0,9 Prozent.
Expansive deutsche Finanzpolitik soll ausgleichend für Impulse sorgen
„Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart, gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen“, sagt Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Münchner ifo Instituts. Die Inflationsrate wird nach Einschätzung der Institute im Jahr 2026 auf durchschnittlich 2,8 Prozent ansteigen, im Jahr 2027 auf 2,9 Prozent.
Während die gestiegene Inflation den privaten Konsum dämpft, soll die expansive deutsche Finanzpolitik für Impulse sorgen. Die kräftige Ausweitung der Neuverschuldung für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz stützt insbesondere Unternehmen der Verteidigungsindustrie und des Tiefbaus. Insgesamt entwickelt sich die Industrie dennoch wenig dynamisch, da deren Auslandsgeschäfte angesichts weiter abnehmender Wettbewerbsfähigkeit, hoher geopolitischer Unsicherheit und fortbestehender handelspolitischer Belastungen kaum zunehmen.Mehr Arbeitsleistung von älteren Arbeitnehmern mit unterdurchschnittlicher Wochenarbeitszeit
Mittelfristig rechnen die Institute damit, dass das Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland von derzeit 0,2 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig zum Erliegen kommt. Neben dem demografiebedingten Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, trägt dazu nach Einschätzung der Institute die sinkende Arbeitszeit je Erwerbstätigen bei. Dies liege vor allem daran, dass die Arbeitsleistung mehr und mehr von älteren Arbeitnehmern erbracht wird, die eine unterdurchschnittliche Wochenarbeitszeit haben.Diese strukturellen Veränderungen werden am Arbeitsmarkt durch konjunkturelle Faktoren überlagert. Die Institute erwarten einen leichten Rückgang der Erwerbstätigkeit im Jahr 2026 um rund 100.000 Personen, gefolgt von einem Anstieg im Jahr 2027 um etwa 42.000 Personen. Die Arbeitslosenquote steigt im Jahr 2026 auf 6,4 Prozent, bevor sie im Folgejahr auf 6,2 Prozent zurückgeht.
Gestärkte Arbeitsanreize und bessere Bedingungen für Investitionen und Innovationen
Die massive Neuverschuldung in Deutschland erhöht den Instituten zufolge das Defizit der öffentlichen Haushalte auf 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2026 und auf 4,2 Prozent im Jahr 2027. Damit steigt der Bruttoschuldenstand auf 67,2 Prozent des BIP. Die Institute bewerten diesen fiskalischen Schub als wichtigen Konjunkturtreiber. Sie weisen jedoch auf die langfristigen Risiken für die Stabilität der Staatsfinanzen und die erheblichen Konsolidierungserfordernisse zum Ende des Jahrzehnts hin.
Im weiteren Kontext mit dem Thema staatliche (Gegen)Steuerungsmaßnahmen angesichts gestiegener Energiekosten sprechen sich die Wirtschaftsforschungsinstitute gegen staatliche Eingriffe aus, die kurzfristig die Energiepreise senken. „Damit würden wichtige Marktsignale außer Kraft gesetzt werden“, so das ifo-Institut in einer Aussendung. Die Ökonomen plädieren stattdessen für zielgerichtete soziale Ausgleichsmaßnahmen. Nach Ansicht der Institute ist eine Wachstumspolitik nötig, die regulatorisch bedingte Bremsen für private ökonomische Aktivität löst, um Potenzialreserven zu heben. „Hierzu sollten sowohl die Arbeitsanreize gestärkt wie auch die Bedingungen für Investitionen und Innovationen verbessert werden.“ (red/czaak)