Pyjama oder Krawatte

Gekommen, um zu bleiben war und ist die Heimarbeit spätestens seit der Corona-Pandemie. Chefs und Mitarbeitende debattieren seither, ob die Arbeit zu Hause genauso gut und vor allem dauergleich passiert wie im Büro. Meinungsforscher von Integral haben dazu nun im Auftrag von Immobilienrendite AG eine umfassende Studie erstellt.
Im Home-Office kann genauso gut und auch von der gleichen Dauer her gearbeitet werden wie am Firmensitz des jeweiligen Arbeitgebers. Seit Jahren diskutieren Arbeitgebende und Angestellte darüber, ob das zutrifft – oder eben nicht. Das Unternehmen Immobilienrendite wollte das genauer wissen und hat das Meinungsforschungsinstitut Integral mit einer entsprechenden Erhebung beauftragt. Letzten Februar wurden Angaben zufolge 639 heimische Berufstätige zwischen 16 und 75 befragt.
Bürojobs stehen für den läutenden Wecker, wenn es draußen noch dunkel ist oder für gut gefüllte öffentliche Verkehrsmittel und verlässliche Stauabschnitte am Fahrtweg. Danach lockt dafür dann spannender Kaffee-Klatsch mit Kolleginnen und Kollegen in der Büro-Lounge. Heimarbeiter:innen hingegen schlafen entspannt aus und rollen, sofern kein Online-Meeting ansteht, unfrisiert im Jogginganzug vor den Computer. Soweit das Klischee. Alle Jobs eignen sich allerdings nicht für dieArbeitin den eigenen vier Wänden.
Problemlösung funktioniert im Büro völlig anders als im Home-Office
Die Möglichkeit, zumindest zeitweise daheim zu arbeiten, hat laut der repräsentativen Integral-Umfrage im Schnitt jeder zweite Befragte. Je jünger, desto eher. Bei den 16- bis 29jährigen werken 60 Prozent zum Teil in der eigenen Wohnung. Oberösterreich und Salzburg haben bei der Digitalisierung die Nase vorn.
Hier genießen sogar 61 Prozent einen Job mit Home-Office-Anschluss. Unterschiede gibt es auch in punkto Ausbildung : Während 67 Prozent der Befragten mit Matura oder Uniabschluss „remote“ arbeiten können (Anm. primär leitende Beamte) können das 64 Prozent der Menschen in Fach- oder Hilfsarbeit mit Pflichtschule bzw. Lehre nicht.
Auf Anfragen den Job betreffend können alle reagieren. Integral fragte dann auch ab, wie Menschen ein Problem im (Home-) Office lösen. „Die Lösung eines Problems im beruflichen Kontext funktioniert im Büro völlig anders als im Home-Office“, so Petra Starecek, Studienleiterin bei Integral. Trotz aller Bequemlichkeit des Heim-Büros hat das echte einen Startvorteil.
Häufigkeit der Kommunikation nimmt mit Entfernung ab
Treten im Büro Probleme auf, ist die Lösung nie weit entfernt. 57 Prozent finden Hilfebei in der Nähe befindlichen Kollegen oder Vorgesetzten.Nur jede/r Fünfte bewältigt das Problem hingegen allein. Und nur 17 Prozent via Zoom- oder Teams-Meeting. Bei einer Krise ist Anwesenheit eindeutig von Vorteil. Obwohl TelefonoderE-Mail auch im Büro zum Greifen nah sind, sehen hier 45 Prozent keine adäquate Lösungsstrategie.
Thomas J. Allen, Professor am Massachusetts Institute of Technology, entdeckte schon in den 1970er Jahren, dass die Häufigkeit der Kommunikation zwischen Ingenieuren exponentiell abnimmt, je weiter sie physisch voneinander entfernt sind. Seine Forschung wurde als „Allen Curve“ berühmt und bestätigt den Wert physischer Nähe.
Kreativere Lösungen entstehen im persönlichen Kontakt
„Wie auch die Integral-Umfrage zeigt, macht es einen Unterschied, wie weit jemand gehen muss. um eine/n Problemlöser:in zu finden“, sagt Mathias Mühlhofer, Vorstand Immobilienrendite. 43 Prozent fragen hier ihre direkten Sitznachbarn um Rat (und bekommen ihn). 49 Prozent sind bereit, für Hilfe ein paar Zimmer weiter zu gehen. Aber nur acht Prozent konsultieren Kollegen oder Vorgesetzte, die einige Gehminuten entfernt sitzen.
„Amazon, Google & Co. haben bewusst die Rückkehr ins Büro eingeläutet. Die großen Tech-Firmen stellten bereits fest, dass Angestellte daheim berufliche Probleme weniger effizient lösen als in einer Büro-Gemeinschaft“, erklärt Mühlhofer. „Dasselbe sehen wir bei der Zusammenarbeit in unserem Team, denn bei Projekten denken wir gerne um die Ecke. Die kreativeren Lösungen entstehen im persönlichen Kontakt und nicht einsam auf dem Sofa daheim“, so Mühlhofer.
Steigende Anfragen nach Büros belegen Trend
Was aber tun im Heim-Büro, wenn der Gang zum Nachbar-Schreibtisch keine Option ist ? Laut Umfrage wählen sie die im Vergleich zum Büro nur zweitbeste Strategie zur Problemlösung. 76 Prozent rufen Kollegen oder Vorgesetzten an oder schreiben ihnen eine Nachricht. 43 Prozent suchen Hilfe in Suchmaschinen, vor allem Männer (53) und Selbständige (66 Prozent). 22 Prozent verschieben die Krisen-Bewältigung auf einen Tag im Büro und 20 Prozent versuchen es über Künstliche Intelligenz (KI).
Immerhin fünf Prozent konsultieren sogenannte Experten in den Social-Media-Communities von X, Bluesky & Co.. „Auch unsere steigenden Anfragen nach Büros zeigen deutlich, dass das Office zu einem kräftigen Comeback ansetzt“, unterstreicht Markus Augenhammer, ebenso Vorstand des Unternehmens Immobilienrendite AG. „Unsere Mieterinnen und Mieter wissen, dass Gemeinschaft nicht zu schlagen ist, wenn Kreativität und Lösungskompetenz gefragt sind.“ (red/czaak)
Das selbstverständlich anerkannte Potential

Frauen beweisen täglich ihre Kompetenz in Management und Führung von Unternehmen und Institutionen. Die Agentur Himmelhoch hat anlässlich des Weltfrauentages mehrere weibliche Stimmen aus unterschiedlichen Branchen gesammelt und sie um ihre Sichtweise zu Gleichberechtigung, Rollenverständnis und Arbeitsleben gebeten.
Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März geben Frauen aus verschiedenen wirtschaftlichen und institutionellen Bereichen Einblicke in ihre Erfahrungen rund um Gleichberechtigung, Rollenbilder und strukturellen Wandel im Arbeitsleben. „Ihre Statements zeigen, wo wir stehen, was sich bereits bewegt hat – und wo es noch Veränderung braucht“, so Angelika Deuretzbacher von der Kommunikationsagentur Himmelhoch in Wien.
Duale Führungskonzepte und familienfreundliche Führung
Für das Thema Technologie, Innovation und damit verbundene Dienstleistungen steht das Unternehmen Wien IT und Maria-Stephanie Banke, Bereichsleiterin Künstliche Intelligenz, Business Intelligence und Data : „Um wirkliche Gleichberechtigung zu erreichen, ist eine Führungskultur, die auf Partnerschaftlichkeit und Gleichberechtigung setzt, unabdingbar. Sie fördert die Akzeptanz und Unterstützung von Elternzeit und Familienpflichten für beide Geschlechter“.
Banke weiter : „Insbesondere teilzeitarbeitende Personen können durch duale Führungskonzepte und familienfreundliche Führung eher Führungspositionen übernehmen, ohne die Vereinbarkeit von Karriere und Familie zu gefährden. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten und geteilte Führungsverantwortung — so wie wir es in der WienIT vorleben.“ WienIT ist Tochterunternehmen und zentraler IT & Business Partner der Wiener Stadtwerke-Gruppe. Mehr als 900 Mitarbeiter:innen beraten, entwickeln und betreiben konzernweit die IT-Infrastruktur für die Wiener Linien, Wiener Lokalbahnen, Wiener Netze, Wien Energie, Bestattung & Friedhöfe, immOH!, GSWG und WIPARK.
Strukturelle Hürden überwinden und Leistungen sichtbar machen
Für den Bereich Wohnen, Bau und Immobilien steht das Unternehmen s REAL und Martina Hirsch als Geschäftsführerin : „Mit Mentoring bringen wir die Gleichberechtigung in der Immobilienbranche voran. Nachwuchstalente erhalten von ihren Mentor:innen nicht nur fachliches Wissen und praktische Erfahrung, sondern auch Zugang zu beruflichen Netzwerken. Insbesondere Frauen haben so die Chance, strukturelle Hürden zu überwinden und ihre Leistungen sichtbar zu machen“.
Hirsch weiter : „Eine Karriere in der Immobilienbranche ist sehr attraktiv und daher arbeite ich als Geschäftsführerin bei s REAL und als Vorständin im Salon Real daran, diese auch immer mehr Frauen möglich zu machen.“ s REAL unterstützt Menschen in allen Fragen rund um das Thema Immobilien. Als Vorständin des Frauennetzwerkes Salon Real setzt sich Martina Hirsch auch für die Nachwuchsförderung ein.
Wachstum durch engagierte, weibliche Mitarbeiterinnen
Eine langjährig bekannte Marke im Bereich Auto und KFZ-Handel ist das Unternehmen RAINER KFZ bzw. die RAINER-Gruppe. Stephanie Ernst verantwortet die Geschäftsführung : „Ich bin in der Automobilbranche aufgewachsen, die von vielen immer noch als männerdominierte Branche wahrgenommen wird. Bei der RAINER Gruppe ist dies schon seit Beginn an anders. Durch unsere familienfreundliche Unternehmensphilosophie liegt der Frauenanteil bei fast 50 Prozent. Unser stetiges Wachstum im KFZ-Bereich verdanken wir zu einem guten Teil unseren engagierten, weiblichen Mitarbeitern.
Ernst weiter : „Die Förderung und Weiterbildung von Mädchen und Frauen in technischen Berufen ist uns ein besonderes Anliegen. Jungen Frauen, die in unserer Branche durchstarten wollen, sind bei uns immer willkommen. Es gilt : Keine Scheu zeigen — einfach machen.“ Der Ursprung der RAINER Gruppe geht zurück ins Jahr 1959 als Inge und Burkhard Ernst das erste Autohaus in der Rainergasse im 4. Wiener Gemeindebezirk gründeten. Die heute von den Familien Ernst und Lemberger geführte Gruppe umfasst neben dem KFZ-Bereich mehrere Hotels, Immobilien , eine Hausverwaltung, Bauträger- und Projektentwicklungsbetriebe sowie eine Filmproduktion.
Talent, Leidenschaft und Führungsstärke kennen kein Geschlecht
Das Unternehmen J. Hornig Kaffeebar in Wien steht für die Produktion und den Handel von hochwertigem Kaffee. Barbara Bauer ist die Geschäftsführerin : „Die Kaffeebranche ist noch immer stark männlich geprägt – dabei braucht gutes Handwerk Vielfalt. Der Weltfrauentag erinnert daran, dass Talent, Leidenschaft und Führungsstärke kein Geschlecht kennen. Umso wichtiger sind Sichtbarkeit, gegenseitige Unterstützung und Netzwerke, die Frauen ermutigen, ihren Platz in der Branche einzunehmen und aktiv mitzugestalten.“
Barbara „Barbie“ Bauer ist seit 2017 Geschäftsführerin der J. Hornig Kaffeebar in Wien. Sie ist ausgebildete Kaffeerösterin und Barista und engagiert sich seit Jahren für mehr Gleichstellung in der Kaffeebranche. Mit der Gründung des Kollektivs „she brews collective“ für Frauen im Kaffeehandwerk schafft sie Räume für Austausch, Vernetzung und gegenseitige Unterstützung in einem nach wie vor männerdominierten Umfeld.
Gebildete Mädchen treffen bessere Entscheidungen
Cornelia Wallner-Frisee wiederum ist Präsidentin der Hilfsorganisation Africa Amini Alama : „Frauen sind die stillen Kräfte, die Gemeinschaften stärken. Ihre Stärke und ihr Wissen prägen die Zukunft. Wenn Mädchen Bildung, Selbstvertrauen und die Möglichkeit bekommen, neue Wege zu gehen, profitieren nicht nur sie selbst – sondern ganze Generationen. Gebildete Mädchen treffen bessere Entscheidungen für ihre Gesundheit, ihre Familie und ihre Gemeinschaft – so prägen sie das Leben ihrer Umgebung nachhaltig“.
Die Hilfsorganisation Africa Amini Alama umfasst eine Krankenstation, Bildungs‑, Sozial- und Gesundheitsprojekte, Schulen, ein Waisenhaus und vier Wasserprojekte in Tansania. Finanziert werden die Projekte durch Spenden, eigene finanzielle Mittel, viele Helfer:innen und das nachhaltige Tourismusprojekt Africa Amini Life.
Bildung als Schlüssel für Selbstbestimmung und Chancengleichheit
Beim Industrieunternehmen S. Spitz verantwortet Stefanie Rieder den Bereich Logistik:„Die Industrie braucht Frauen. Nicht als Quote, sondern als entscheidenden Erfolgsfaktor. In der Logistik ist kein Tag wie der andere : Schnelligkeit, Veränderung, Verantwortung und konsequente Führungsarbeit prägen meinen Alltag. Bei Spitz schätze ich das Vertrauen, Entscheidungen treffen zu dürfen, die Möglichkeit, mich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln und Rahmenbedingungen vorzufinden, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern“.
Rieder weiter : „Bildung ist für mich der Schlüssel für Selbstbestimmung und für Chancengleichheit. Nur in einem Wirtschaftsumfeld mit echter Chancengleichheit zählt Leistung anstatt klassischer Rollenbilder.“ Stefanie Rieder verantwortet als Head of Logistics die Bereiche Wareneingang, Warenausgang und Logistikoperations. Ihr Werdegang verdeutlicht, wie die Spitz Unternehmensgruppe Talente fördert und Frauen in technischen und operativen Schlüsselbereichen erfolgreich positioniert und Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schafft.
Sichtbarkeit für weibliche Perspektiven und Räume für Austausch
Karoline Klezl ist Geschäftsführerin der Restaurants und Kaffeehäuser der Familie Querfeld:„Als Mutter zweier Kinder und Geschäftsführerin ist es mir wichtig, dass wir kulturelles Erbe nicht bewahren, um es zu konservieren, sondern um es weiterzudenken und für kommende Generationen relevant zu halten. Wir entwickeln unsere Restaurants und Kaffeehäuser zu offenen Orten weiter, an denen Dialog und Vielfalt Platz haben“.
Klezl weiter : „Mit der Initiative Stadtfrau schaffen wir Sichtbarkeit für weibliche Perspektiven und eröffnen Räume für Austausch über Vereinbarkeit, Leadership und die Frage, wie wir die Gegenwart und Zukunft gemeinsam gestalten wollen.“ Die Familie Querfeld betreibt neben Café Landtmann, Café Mozart und Café Museum eine Reihe weiterer Gastronomiebetriebe in Wien : das Bootshaus an der Alten Donau, das Crossfield’s Australian Pub sowie Landtmann’s Original Café & Tortenshop in Alterlaa und das Gasthaus Napoleon in Kagran. (red/czaak)
Resilienzgesetz für kritische Infrastruktur

Nach Cybersicherheitsvorgaben im Rahmen der neuen NIS-2-Richtlinie nun auch Start des neuen Resilienz-Gesetzes für kritische Einrichtungen. Regularien betreffen elf zentrale Sektoren. Fokus auf Absicherung gegen physische Bedrohungen und Betriebskontinuität in Krisenfällen.
Schon die geopolitischen Kriegsereignisse rund um die Ukraine schärfen das Bewusstsein für die Absicherung von kritischer Infrastruktur und ihre verantwortlichen Betreiber. Jetzt unterstreicht der Krieg im Nahen Osten die Thematik noch mehr. Strom, Trinkwasser, Krankenhäuser, Zahlungsverkehr oder digitale Netze – viele dieser systemkritischen Leistungen werden den Menschen erst dann bewusst, wenn sie ausfallen.
Umfassende Risikoanalyse des Innenministeriums
Mit dem neuen (und sogenannten) Resilienz kritischer Einrichtungen-Gesetz (RKEG) schafft Österreich nun einen klaren gesetzlichen Rahmen, um genau solche Ausfälle zu verhindern oder ihre Auswirkungen deutlich zu reduzieren. Das bereits gültige Gesetz (Anm. seit 1.März) setzt die entsprechende EU-Richtlinie in nationales Recht um. Betroffen sind elf zentrale Sektoren : Energie, Gesundheit, Ernährung, Banken, Finanzmärkte, Transport, Raumfahrt, Trinkwasser, Abwasser, digitale Infrastruktur und die Verwaltung. Ziel ist sicherzustellen, dass diese Dienste auch in Krisensituationen weiter funktionieren.
Die nationale Strategie in Österreich definiert einen klaren Rahmen, der auf einer umfassenden Risikoanalyse des Innenministeriums basiert und regelmäßig überprüft wird. Dieses Fundament dient als einheitliche Grundlage für Österreichs strategische Resilienzplanung, bietet kritischen Einrichtungen Orientierung für ihre eigenen Risikoanalysen (§ 14) und bildet die Basis für sektorübergreifende Maßnahmen.
Unterschied zu NIS‑2 Regeln und Strafhöhen bis 500.000 Euro
Dazu gehört etwa auch die Betrachtung von Versorgungsketten oder wechselseitigen Abhängigkeiten. Naturgefahren sind ebenso berücksichtigt wie technische Störungen, absichtliche Angriffe oder internationale Abhängigkeiten. Bei Verstößen gegen das RKEG drohen Geldstrafen von bis zu 50.000 Euro bei grundlegenden Verstößen, bis zu 100.000 Euro bei Wiederholung und bis zu 500.000 Euro in schwerwiegenden Fällen.
In der öffentlichen Diskussion steht derzeit vor allem die Umsetzung der NIS2-Richtlinie im Fokus. NIS2 regelt europaweit die Cybersicherheit von Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen und verpflichtet diese zu hohen IT-Sicherheitsstandards, klaren Meldepflichten und Governance-Vorgaben. Das Risikoverständnis des RKEG geht darüber jedoch deutlich hinaus. Während NIS2 primär auf digitale Risiken abzielt, betrachtet das Resilienzgesetz die Gesamtsicherheit kritischer Einrichtungen.
Enge Zusammenarbeit zwischen RKE-Behörde und Bundesamt für Cybersicherheit
Es umfasst neben Cyberbedrohungen auch physische Sicherheit, bauliche Schutzmaßnahmen, organisatorische Vorsorge, Krisenmanagement und vor allem auch die Wiederherstellungsfähigkeit. Auch die entsprechende Expertise des Personals der Einrichtungen und deren Sensibilisierung und Schulung wird thematisiert. Damit adressiert das Gesetz etwa auch Risiken durch Naturkatastrophen, Sabotage, Versorgungsengpässe oder personelle Schwachstellen.
In der Praxis müssen nun viele Unternehmen, die bereits unter NIS‑2 fallen, künftig zusätzlich die Anforderungen aus dem RKEG erfüllen. Die nationale Strategie sieht deshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen der RKE-Behörde im Innenministerium und dem Bundesamt für Cybersicherheit vor. Ziel ist die Vermeidung von Doppelstrukturen und Meldeprozesse so zu gestalten, dass Unternehmen Vorfälle koordiniert an beide Stellen melden können. Damit soll Bürokratie reduziert und die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht werden.
Innenministerium entscheidet per Bescheid
„Unternehmen sollten RKEG und NIS2 nicht getrennt betrachten“, sagt Gottfried Tonweber, Leiter Cybersecurity und Partner bei EY Österreich. „Beide Regelbereiche greifen ineinander. Wer Sicherheitsorganisation, Risikomanagement und Meldeprozesse integriert aufsetzt, schafft nicht nur Compliance, sondern echte Stabilität“, betont EY-Experte Tonweber.
Ob ein Unternehmen nun final als „kritische Einrichtung“ eingestuft wird, entscheidet das Innenministerium per Bescheid. Maßgeblich ist unter anderem, ob ein Ausfall erhebliche Auswirkungen auf die Versorgung oder auf andere wesentliche Dienste hätte. Betroffen sind Organisationen, die zumindest einen wesentlichen Dienst erbringen, und die im Inland tätig sind und ihre Leistungen im Inland erbringen.
Einstufungen bedeuten klare Verpflichtungen
Mit der Einstufung gehen dann klare Verpflichtungen einher. Unternehmen müssen systematisch analysieren, welchen Risiken sie ausgesetzt sind, und auf dieser Basis Resilienzpläne entwickeln. Diese Pläne sollen gewährleisten, dass im Ernstfall rasch reagiert und der Betrieb möglichst schnell wiederhergestellt werden kann. Sicherheitsvorfälle, die die Erbringung eines wesentlichen Dienstes erheblich stören oder stören könnten, sind unverzüglich zu melden, spätestens innerhalb von 24 Stunden.
Eine Folgemeldung muss spätestens einen Monat nach Erstmeldung erfolgen. Für die erstmalige Risikoanalyse bleiben nach Einstufung neun Monate Zeit, für die Umsetzung eines Resilienzplans und entsprechender Maßnahmen zehn Monate. Die Risikoanalyse ist anschließend regelmäßig, mindestens alle vier Jahre, zu aktualisieren. „Die Zeiten, in denen Sicherheit als reine IT-Frage behandelt wurde, sind vorbei“, ergänzt Birgit Eglseer, Senior Managerin bei EY Österreich. „Resilienz ist eine Führungsaufgabe. Sie betrifft Strategie, Organisation, Personal und Lieferketten gleichermaßen“, betont Eglseer.
Nachhaltige Resilienz als Antwort auf eine veränderte Risikolage
Hinter dem Gesetz steht die Erkenntnis, dass kritische Infrastruktur heute stärker vernetzt und komplexer ist als je zuvor. Energieversorgung, digitale Netze, Finanzsysteme und Gesundheitswesen sind eng miteinander verbunden. Ein Ausfall in einem dieser Bereiche kann daher rasch weitreichende Folgen haben. Die nationale Strategie setzt daher auf einen risikobasierten Ansatz, der kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt wird. Spätestens alle vier Jahre erfolgt eine Evaluierung, bei Bedarf auch früher, wenn sich die Risikolage wesentlich ändert.
Für Unternehmen bedeutet das einen strukturellen Wandel. Resilienz wird nicht mehr als punktuelle Maßnahme verstanden, sondern als dauerhafte Managementaufgabe. Gleichzeitig eröffnet das Gesetz die Chance, Sicherheits- und Krisenstrukturen neu zu denken und bestehende NIS2-Programme sinnvoll zu erweitern. „Resilienz schafft Vertrauen bei Kund:innen, Partner:innen und Investor:innen. In einer zunehmend unsicheren Welt wird genau das zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor“, resümiert Gottfried Tonweber. „Wer seine Abhängigkeiten kennt und klare Krisenstrukturen etabliert, stärkt auch die eigene Organisation“, ergänzt Birgit Eglseer, Senior Managerin bei EY Österreich. (red/czaak)
Etablierte Kunst und junge Positionen in kuratierter Qualität

Kunstmesse WIKAM zeigt im Wiener Palais Ferstel vom 28. Februar bis 8. März zahlreiche Sonderausstellungen. Neben bekannten Namen wie Rainer, Jungwirth und Walde bei Galerie Freller oder Alfred Kornberger bei Galerie Czaak, präsentieren 26 nationale und internationale Galerien einen Schwerpunkt auf Zeitgenössische Malerei und moderne Kunst.
Die Kunstmesse WIKAM im Wiener Palais Ferstel ist seit vielen Jahren eine der führenden Kunstmessen in Österreich. Auch beim kommenden Durchgang vom 28. Februar bis zum 8. März 2026 wird ein vielseitiges Programm geboten. Basis dafür ist ein Messekonzept, das sowohl der modernen Kunst als auch Meisterwerken vergangener Jahrhunderte gewidmet ist und somit viele interessante Genres abdeckt.
26 renommierte Galerien und Kunsthändler aus Österreich, Deutschland und Spanien
26 renommierte Galerien und Kunsthändler aus Österreich, Deutschland und Spanien zeigen ausgesuchte Exponate ihres Portfolios. Das Programm erstreckt sich von Werken aus Japan, Tibet und China des 18. und 19. Jahrhunderts, antiken Teppichen, Mobiliar und exquisiten Silberobjekten namhafter Manufakturen sowie Schmuck und Kleinkunst des Jugendstils und Art Déco über Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts bis hin zu Zeitgenössischer Kunst in den Bereichen Malerei und Skulptur, auch diesmal wieder Schwerpunkt der Kunstmesse.
Sonderschauen mit Alfons Walde, Alfred Kornberger oder Drago Prelog und dazu Lassnig, Jungwirth oder Rainer
Ein Fixpunkt bei der WIKAM sind Sonderausstellungen, die auch diesmal von engagierten Galerien umgesetzt wird. Die Galerie Czaak zeigt eine Sonderschau „The Line“ mit Linienzeichnungen und ‑Malerei von Alfred Kornberger, Gerhard Leixl (Meisterschüler Maria Lassnig) und Ankalina Dahlem (Meisterschülerin Immendorff und Balkenhol). Kunsthandel Widder widmet sich den Aquarellen von Gottfried Salzmann, die Galerie Szaal dem Schaffen Drago Julius Prelog und Kunsthandel Freller präsentiert eine ausgewählte Retrospektive von Alfons Walde sowie Werke von Maria Lassnig, Martha Jungwirth oder Arnulf Rainer, darunter eines der berühmten Kreuz-Bilder .
Museale Qualität von Nitsch, Scheibl, Brandl über Leixl und Prachensky bis Rainer und Walde
Wie gewohnt bei Walter Freller beeindrucken die Arbeiten durch ihre museale Qualität mit einer unverwechselbaren künstlerischen Sprache, die gerade in der Gegenüberstellung eindrucksvoll zur Geltung kommt. Bei Alfons Walde gilt Freller als auch international anerkannter Experte. Die aktuelle Schau beinhaltet 15 Werke aus unterschiedlichsten Schaffensphasen, die einen facettenreichen Einblick in die Vielseitigkeit dieses bedeutenden Künstlers der österreichischen Moderne und Meisters des Tiroler Expressionismus geben.
Gewachsene Anzahl an ausstellenden Galerien mit etablierten Positionen und neuen künstlerischen Impulsen
Das diesjährige große Angebot an zeitgenössischer Kunst entstand durch die deutlich gewachsene Anzahl an ausstellenden Galerien und macht sowohl etablierte Positionen als auch neue künstlerische Impulse sichtbar. Weitere bedeutende Künstler sind etwa noch Hermann Nitsch, Hubert Scheibl, Herbert Brandl, Alfred Kornberger, Gerhard Leixl, Markus Prachensky oder Arnulf Rainer.
Interessante Einzelausstellungen von Adrian Szaal und Thitz
Ergänzend gibt es auch andere interessante Einzelausstellungen, heuer von und mit den Künstlern Adrian Szaal und Thitz. Erstmals auf der WIKAM sind dann noch Arbeiten des griechischen Skulpturenkünstlers Yanni Souvatzoglou sowie des deutschen Bildhauers Willi Siber ausgestellt, deren Kunst ebenso bereits in Museen vertreten ist. Die Galerie Lilly´s Art präsentiert von Yanni Souvatzoglou die 193 cm hohe Bronze „Looking in the Future“, bei Coloneum Antik wird das „Tafelobjekt Silber“ mit einem signierten Unikat von Willi Siber ausgestellt.
Programmvielfalt mit einer Laufzeit von neuen Tagen insbesondere auch für Besucher aus Bundesländern
„Die Kunstmesse WIKAM ist mit ihrem umfassenden Konzept ein besonderes Erlebnis. Eine epochenübergreifende Vielfalt und ein Mix an etablierten Künstler:innen mit Werken in musealer Qualität sowie junge aufstrebende Künstler:innen sind Programmschwerpunkte, die sowohl Sammler wie auch ein junges kunstinteressiertes Publikum ansprechen“, sagt Horst Szaal, Veranstalter der Kunstmesse WIKAM. „Wir möchten diese Programmvielfalt auch unseren Besuchern bestmöglich vermitteln und bieten eine Messe-Laufzeit von neun Tagen. Im Vergleich zu anderen Kurzmessen können so insbesondere auch Besucher aus den Bundesländern aus zwei Wochenenden wählen“, so Szaal.
Kunstmesse WIKAM
Kunstmesse WIKAM vom 28. Februar bis 8. März 2026 ; Palais Ferstel, Strauchgasse4 in 1010 Wien ; Öffnungszeiten täglich von 11.00 bis 19.00 Uhr, am Sonntag, den 8. März von 11.00 bis 18.00 Uhr. Tageskarten EUR 15,-, Senioren EUR 10,-, freier Eintritt für Schüler und Studierende (mit Ausweis, bis 27 Jahre) und Inhaber der NÖ-Card. Die Messe wird vom Verband der Österreichischen Antiquitäten- und Kunsthändler veranstaltet. (red/cc)
Maßnahmen gegen Abhängigkeiten von Social Media

Arbeiterkammer fordert Verbot von suchtfördernden Funktionen auf Social Media Plattformen nach aktuellen Studienergebnissen zu Addictive Design bei TikTok und Instagram. Weitere Forderung betrifft Überprüfung Altersfeststellung und Sammeln von sensiblen Daten.
Eine neue Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) hat kürzlich Apps der Social Media Plattformen TikTok und Instagram mit einem wissenschaftlich fundierten Ampel-System untersucht und bewertet (economy berichtete). Im Ergebnis zeigt sich, dass Funktionen wie „Infinite Scroll” (Anm. Endloses Scrollen), “Auto-Play“, „Streaks“ („Nutzungszwang“), „Pull-to-Refresh“, „Push-Notifications“ oder „Likes“ Bestandteile von gezielt eingesetzten manipulativen Strategien sind. Bei den jugendlichen Nutzer:innen wird damit ein Kontrollverlust mit suchtgleichen Abhängigkeiten ausgelöst.
Systematisch auf Kontrollverlust abzielende Praktiken
Experten fassen das unter dem Begriff „Addictive Design“ zusammen. „Das sind gezielt eingesetzte manipulative Strategien, die suchtähnliches Verhalten zur Folge haben“, sagte Louise Beltzung von der Abteilung Konsumentenpolitik der AK. „Erklärtes Ziel ist, die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen mit psychologischen Tricks möglichst lange an die Plattform zu binden. Diese App-Elemente sind kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell“, unterstrich Beltzung von der AK bei der Präsentation der Studie.
„Was auf sozialen Medien zu beobachten ist, durchzieht die gesamte digitale Ökonomie, von Dating-Apps über Fitness-Tracker bis zu Online-Shops“, ergänzt Laura Wiesböck, Studienautorin vom Institut für Höhere Studien (IHS). „Wo es um die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen als Geschäftsmodell geht, gibt es Praktiken, die systematisch auf Kontrollverlust abzielen“, betont Laura Wiesböck vom IHS (economy brachte die Zitate von Louise Beltzung und Laura Wiesböck bereits im Bericht zur Studie).
Nutzung von ID-Austria bedeutet Klarnamenpflicht und würde staatliche Überwachung ermöglichen
Alle Bemühungen, zumindest Kinder unter einem bestimmten Alter vor Addictive Design zu schützen, indem man ihnen den Zugang zu bestimmten Plattformen verweigert, scheitern ohne funktionierende Altersfeststellung. Eine weitere neue AK-Studie des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beschäftigt sich mit dem Thema Altersfeststellung. Parallel sind auf EU-Ebene Methoden in Entwicklung, die nicht die völlige Aufgabe der Privatsphäre erfordern.
„Damit wäre es möglich, nur zu teilen, dass ein:e Nutzer:in über 14 ist – mehr Information ist nicht nötig”, erklärt Fabian Fischer, Autor der Studie. Wenn es hier aber rasch gehen soll, stellt sich ebenso rasch die Frage der technischen Umsetzung. „Hier geht es nicht zuletzt auch darum, inwieweit wir uns einer Überwachung durch den Staat preisgeben. Die Nutzung etwa von ID-Austria würde eine Klarnamenpflicht einfordern und staatliche Überwachung ermöglichen“, so Fischer vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA).
Jugendschutz darf nicht zum Datenschutzdebakel werden
Eine Möglichkeit wäre den Plattformen die Altersfeststellung zu überlassen. Damit könnten Jugendliche aber neuen Risiken ausgesetzt sein. Bereits jetzt werden Methoden der Altersfeststellung eingesetzt, wo Plattformen ein überschießendes Maß an hochsensiblen Daten sammeln. Das reicht von biometrischen Gesichtsanalysen über Ausweiskontrollen bis zu KI-Analysen des Online-Verhaltens.
„Jugendschutz darf nicht zum Datenschutzdebakel werden. Solange es keine datenschutzkonforme Lösung gibt, muss sichergestellt werden, dass Plattformen hier nicht auf Kosten der Privatsphäre von Kindern und jungen Menschen mit eigenen Lösungen experimentieren“, warnt Louise Beltzung von der AK eindringlich vor dem Sammeln und der Verarbeitung dieser hochsensiblen Daten von Jugendlichen.
Digital Fairness Act der EU muss klare Bestimmungen enthalten
Adressiert an die Politik fordert die Arbeiterkammer strengere Regeln für digitale Plattformen und ein Verbot aller Funktionen in Richtung Addictive Design. Auch in dem für Ende 2026 avisierten Digital Fairness Act der EU müssen entsprechend klare Bestimmungen enthalten sein. Die Experten der AK haben diese Forderungen auf der wissenschaftlichen Basis von beiden Studien zusammengefasst.
An erster Stelle steht das Verbot von Infinite Scroll, Autoplay & Co.. Bestimmte Designpraktiken müssen verboten werden. Infinite Scroll darf nicht die einzige Option sein, Feeds brauchen natürliche Stopppunkte. Like- und Follower-Zahlen müssen bei Minderjährigen versteckt werden. Pull-to-Refresh und Countdown-Timer sind zumindest für Minderjährige zu verbieten. Autoplay muss standardmäßig ausgeschaltet sein.
Die Algorithmen müssen transparenter werden
Nächste Forderung ist den Nutzer:innen die Zeithoheit zurückzugeben. Niemand sollte sich gezwungen fühlen, täglich eine App zu öffnen, nur um einen virtuellen „Streak“ nicht zu verlieren. „Das ist Manipulation, keine Motivation“, so die AK-Experten. Pausen von Social Media dürfen keine Strafen durch die Apps nach sich ziehen. Entsprechend sollen Streaks nur mit Pause-Funktion erlaubt werden. Weiters keine Benachrichtigungen, die Druck ausüben etwas zu verpassen. „Nutzer:innen müssen auf ihre Zeitnutzung aufmerksam gemacht werden und nach einer gewissen Zeit aktiv gewarnt oder etwaig automatisch unterbrochen werden“.
Eine weitere Forderung der AK betrifft die Algorithmen selbst. Diese müssten transparent werden. „Nutzer:innen müssen selbst und bewusst entscheiden können, welche Inhalte sie sehen wollen und welche nicht“. Das umfasst die Option, Themen dauerhaft zu blockieren, einen verpflichtenden ‘Warum sehe ich das?’-Button für Transparenz. Ergänzt werden soll das um die Möglichkeit, jegliche Personalisierung abzuschalten mit der ständigen Verfügbarkeit von chronologischen Feeds.
Jugendliche sind besonders empfänglich für Addictive Design und benötigen gesonderten Schutz
Ein gesonderter Appell betrifft den besonderen Schutz von Minderjährigen. Junge Menschen sind besonders empfänglich für Addictive Design, doch ohne verlässliche Altersfeststellung bleibt Schutz von Minderjährigen eine Illusion. Die aktuellen Methoden seien wirkungslos oder datenschutzrechtlich hochproblematisch. „Solange es keine datenschutzkonforme europäische Lösung gibt, müssen die riskantesten Praktiken für alle Nutzer:innen verboten werden“, unterstreichen die Expert:innen der Arbeiterkammer (AK).
Ein abschließender Punkt im Forderungskatalog der AK adressiert dann noch die Themen Haftung und wirksame Kontrollen. „Konsument:innen müssen Schadensersatz einfordern können. Plattformen müssen für entstehende Schäden durch Addictive Design etwa in den Bereichen Gesundheit oder Geld finanziell verantwortlich gemacht werden“, so die Arbeiterkammer (AK). (red/czaak)
Junge Süchtige als Geschäftsmodell

Gefangen zwischen Klicksucht und Kontrollverlust. Gezielte psychologische Tricks von Social Media Plattformen erzeugen digitale Abhängigkeiten und machen sie zum Geschäftsmodell. Neue Studie von Arbeiterkammer und IHS belegt Manipulationen und Gefahren insbesondere für junge Menschen. Rascher Handlungsbedarf für Politik.
Scrollen, wischen, liken. Scrollen, wischen, liken. Scrollen, wischen, liken. Scrollen, wischen, liken. Scrollen, wischen, stöhn… Als Vater zweier Teenis, als engagierter Begleiter von Jugendlichen in Schule und Sportvereinen und final als aufmerksamer Beobachter jung-menschlicher Verhaltensformen im öffentlichen Leben ist der Kampf gegen die Vereinnahmung der Jugendlichen durch sogenannte soziale Medien zu einem wesentlichen Bestandteil in der ohnehin intensiven Auseinandersetzung des täglichen Mit- oder manchmal auch Nebeneinanders geworden.
Smart-Phones mit den darüber genutzten Angeboten von TikTok, Instagram, ChatGPT, You Tube, Netflix & Co. sind Mama, Papa, Oma, Opa, Freund:in, Berater und immer öfter auch emotional aufgeladener Lebenspartner oder gar Geliebte/r von jungen Menschen geworden ; siehe auch aktuelle KI-Studie von Saferinternet (economy berichtete). Das alles in vergleichsweise relativ kurzer Zeit, und in einer machtvollen Intensität. Im täglichen Kampf um Aufmerksamkeit oder zumindest kurze Ablenkung mit wortreich argumentierten Empfehlungen zu analogen oder gar physischen Tätigkeiten gewinnen zwischen mehrheitlich und nahezu immer die Smart Phones mit ihren „sozialen“ Diensten.
Warum können sie nicht aufhören?!
Waren es bisher „nur“ die Sozialen Medien, schwappt nun mit KI und insbesondere ChatGPT bereits die nächste Welle über die ohnehin schon mit pubertären Begleiterscheinungen, Schulstress, elterlichen Vorgaben oder generell sozialem (Eigen)Druck kämpfenden Jugendlichen hinweg. Als langjährig erfahrener Familien-Psychologe und Experte in Suchtfragen drängt die Frage nach dem Grund für diese ja gleich mehrfachen Intensitäten – und insbesondere : Warum können sie nicht aufhören?! Mehrere Studien und eigene Befragungen zeigen, dass es den Jugendlichen selbst zu viel ist und sie gerne weniger scrollen, wischen und liken wollen – und anstatt lieber wieder persönliche Gespräche, Kinobesuche oder (gar) Sport.
Eine Antwort auf diese Frage gibt eine neue Studie im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) zu sogenannten „Addictive Designs“ (Anm. abhängig machendes Design), die vom Institut für Höhere Studien (IHS) durchgeführt wurde. Applikationen (Apps) der Social Media Plattformen TikTok und Instagram wurden hier erstmals mit einem wissenschaftlich fundierten Ampel-System untersucht und bewertet und anlässlich des internationalen Saferinternet-Tags veröffentlicht. Parallel präsentierte die AK eine zweite Studie zu Technologien für die Altersfeststellung, die von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erstellt wurde. Beide Studien untermauern einen raschen politischen Handlungsbedarf im Kontext mit ebenso raschen Schutzmaßnahmen.
Addictive Designs“ mit „Likes“, „Push-Notifications“, „Streaks“, “Infinite Scroll” oder “Auto-Play”
Besonders alarmierend ist das Ergebnis zur Studie Addictive Designs“: Funktionen wie „Likes“, „Push-Notifications“ oder „Streaks“ gelten als besonders riskant. Bei insgesamt 55 Kriterien erhielt TikTok 44 (!) rote Bewertungen, Instagram 40 (!). „Die gesundheitlichen Folgen dieses zwanghaften Verhaltens sind Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, psychische Belastungen. Besonders gefährdet sind Jugendliche, deren Gehirn sich noch in der Entwicklung befindet“, sagt Gabriele Zgubic, Leiterin der AK Abteilung Konsumentenpolitik. „Wer Gesundheitsschutz ernst nimmt, muss eingreifen : Addictive Design gehört verboten, Jugendliche müssen geschützt werden – ohne den Jugendschutz zum Datenschutzrisiko zu machen“, betont Gabriele Zgubic von der AK.
„Endloses Scrollen (Anm. Infinite Scroll), Auto-Play, Push-Notifications sind Bestandteile eines Addictive Designs und erzeugen den Zwang zur Nutzung. Das sind gezielt eingesetzte manipulative Strategien, die suchtähnliches Verhalten zur Folge haben“, bestätigt auch Louise Beltzung von der Abteilung Konsumentenpolitik der AK. „Erklärtes Ziel ist, die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen mit psychologischen Tricks möglichst lange an die Plattform zu binden. Diese App-Elemente sind kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell“, unterstreicht Beltzung von der AK.
„Was auf sozialen Medien zu beobachten ist, durchzieht die gesamte digitale Ökonomie“
„Was auf sozialen Medien zu beobachten ist, durchzieht die gesamte digitale Ökonomie, von Dating-Apps über Fitness-Tracker bis zu Online-Shops“, ergänzt Laura Wiesböck, IHS-Studienautorin. „Wo es um die Aufmerksamkeit von Nutzer:innen als Geschäftsmodell geht, gibt es Praktiken, die systematisch auf Kontrollverlust abzielen“, so Wiesböck vom IHS. AK und IHS haben die Parameter für die Studie wissenschaftlich aufgesetzt und gemeinsam mit den Studienergebnissen eine Übersicht zu den abhängig machenden Mechanismen übermittelt.
An erster Stelle das sogenannte Infinite Scroll, wo Endlosschleifen das Seitenende ersetzen. Nutzer:innen verlieren dadurch jegliches Zeitgefühl. Es gibt kein Seitenende, keine Pause und kein Signal zum Aufhören. Als nächstes „Pull-to-Refresh“, das Herunterziehen zum Aktualisieren der App, wie eine Art Hebel am Spielautomaten. Der/die Nutzer:in weiß nie, was als nächstes kommt, das weckt das Interesse. Diese Ungewissheit, kombiniert mit gelegentlichen Belohnungen in Form interessanter Inhalte, stärkt die Abhängigkeit nach demselben Prinzip, das auch Menschen stundenlang vor Slot Machines hält.
Subtiler sozialer Druck und enorme psychische Belastung
Weiters Push-Nachrichten, Likes & Co., die künstlichen, zeitlichen und sozialen Druck ausüben. Die Angst, etwas zu verpassen (engl. „Fear of Missing Out”/FOMO ) wird nicht zufällig ausgelöst, sondern systematisch ausgenutzt. Noch wirksamer wird dieses Prinzip dort, wo Plattformen soziale Beziehungen in Zahlen verwandeln. Like- und Follower-Counts sind bei Jugendlichen standardmäßig sichtbar und können psychisch belasten.
Ein „besonderes Feature“ sind dann die sogenannten Streaks, sie treiben den sozialen Druck auf die Spitze, indem sie täglichen Nutzungszwang erzeugen, ohne Pause-Funktion. Nutzer:innen berichten von Stress, selbst im Urlaub oder bei Krankheit, aus Angst, monatelange Streaks zu verlieren. Freundschaft wird zur Pflicht, jede Unterbrechung zur Strafe. Hinzu kommt subtiler sozialer Druck, etwa durch „Gesehen“-Markierungen, die sofortige Reaktionen erwarten lassen.
Funktionsweise der Algorithmen ist und bleibt intransparent
Jugendliche sind in einem Alter, in dem Selbstdarstellung entwicklungspsychologisch ohnehin eine zentrale Rolle spielt. Und hier verstärken Plattformen den Druck zur permanenten Performance. Final folgen dann noch die Algorithmen an sich. Diese optimieren die Nutzungsdauer, nicht etwa Wohlbefinden. Algorithmen entscheiden, welche Inhalte Nutzer:innen sehen – optimiert auf maximale Verweildauer statt auf Interesse oder eben Wohlbefinden. Den Nutzer:innen fehlt die Kontrolle : Sie können keine Themen ausschließen, etwa Diät-Content oder radikalisierende Inhalte.
Die Funktionsweise der Algorithmen bleibt intransparent und wird von den Plattform-Betreibern trotz oftmaliger Aufforderung auch von unterschiedlichen internationalen Behörden nicht offengelegt. Auch ein „Warum sehe ich das?“-Button existiert nicht. Stattdessen werden emotionalisierende Inhalte verstärkt – unabhängig von möglichen Folgen. So entstehen sogenannte „Rabbit Holes“, in denen Nutzer:innen in problematische Themen wie Essstörungen, Selbstverletzung oder Verschwörungsnarrative abrutschen.
Handlungsaufforderungen an Politik und Eltern sowie juristische Grundlagen
Die Experten der AK fordern nun die Politik zum sofortigen Handeln auf und sie nennen mehre Beispiele für Regularien. Die angeführten Praktiken Infinite Scroll, Autoplay & Co. müssen verboten werden. Die ebenso angeführten Streaks sollen nur mit Pause-Funktion erlaubt werden und generell keine Benachrichtigungen, die Druck erzeugen. Nutzer:innen müssen auf ihre Zeitnutzung aufmerksam gemacht werden. Algorithmen müssen transparent werden und es braucht eine Möglichkeit, jegliche Personalisierung abzuschalten. Weiters Schutz von Minderjährigen und bis es eine datenschutzkonforme europäische Lösung gibt, müssen die riskantesten Praktiken für alle Nutzer:innen verboten sein.
Als letzten Punkt dann noch Haftungs-Kriterien und wirksame Kontrollen damit Konsument:innen Schadensersatz einfordern können. Die AK-Experten geben auch Empfehlungen an Eltern und begleitende Erwachsene und das erstreckt sich von Bildschirmzeit begrenzen und altersgerechte Einstellungen vornehmen über Risiken und Regeln mit Kindern besprechen bis Benachrichtigungen stoppen sowie Apps reduzieren und generell die Nutzungszeiten prüfen und eine Vorbildfunktion einnehmen. Eine abschließende juristisch-rechtliche Forderung gibt es auch : „Die Plattformen müssen für Schäden durch Addictive Design etwa in den Bereichen Gesundheit oder Geld finanziell verantwortlich gemacht werden“, so die Experten der Arbeiterkammer (AK). (red/czaak)
Ein neuer enger Begleiter

94 Prozent der Jugendlichen nutzen KI-Chatbots. Sie dienen als Werkzeug, als Ratgeber und zunehmend auch als persönliche Bezugsperson. Auch hier begrüßen Jugendliche Altersgrenzen, so eine Studie von Saferinternet anlässlich des 23. Safer Internet Day.
Anlässlich des 23. internationalen Safer Internet Day am 10. Februar 2026 präsentiert Saferinternet die aktuelle Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“. Die zentrale Erkenntnis : Künstliche Intelligenz (KI) ist für Jugendliche inzwischen ein selbstverständlicher Begleiter. 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen nutzen KI-Chatbots vor allem für schulische und zunehmend auch für persönliche Themen.
ChatGPT klare Nummer eins bei Jugendlichen
Die Jugendlichen unterschätzen aber auch die Risiken, wünschen sich mehr Bildung zu KI und befürworten auch hier Altersgrenzen. Für die Studie wurden 500 österreichische Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren befragt. Zusätzlich wurden zwei vertiefende Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen durchgeführt.
Bei den Anwendungen ist ChatGPT die mit Abstand beliebteste Anwendung. 90 Prozent der Befragten nutzen sie. Vergleichbare Chatbots wie Gemini von Google (23 Prozent) oder CoPilot von Microsoft (11) sind deutlich weniger beliebt. Knapp ein Viertel der Befragten nutzt ChatGPT täglich, die älteren Befragten (30) mehr als die jüngeren (18 Prozent). Über 40 Prozent geben an, ChatGPT zumindest mehrmals pro Woche zu nutzen.
Werkzeug für die Schule und Textformulierung
Inhaltlich sehen Jugendliche KI vor allem als wichtiges Werkzeug für die Schule : Fast drei Viertel verwenden KI-Tools für schulische Zwecke und Hausaufgaben. Weiters werden KI-Tools unter anderem für das Suchen und Zusammenfassen von Informationen (47 Prozent), für Erklärungen (34), zur Formulierung von Texten (27) und zum Lösen von Rechenaufgaben (20 Prozent) verwendet.
Zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen (11 bis 14 Jahre und 15 bis 17 Jahre) zeigen sich dabei deutliche Unterschiede : Weibliche und ältere Jugendliche nutzen KI in allen Anwendungsbereichen häufiger. Im schulischen Bereich liegen weibliche Jugendliche (78 Prozent) um 10 Prozentpunkte vor den männlichen (68 Prozent).
Jugendliche fragen KI regelmäßig um Information und Rat
Nicht nur in der Schule, sondern im gesamten Alltag sind KI-Tools mittlerweile eine gefragte Anlaufstelle. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen nutzt KI regelmässig, um sich Informationen und Ratschläge für verschiedene Lebensbereiche zu holen, etwa zu Freizeitgestaltung, Hobbys, Gesundheit oder Beziehungen. Ein knappes Drittel verwendet KI-Tools, um Sorgen oder Probleme zu besprechen. Einem Viertel dienen sie zum Stressabbau oder um Ärger loszuwerden.
Vier von zehn Befragten empfinden es oft als hilfreicher, eine KI zu fragen als einen Menschen. Die sofortige Verfügbarkeit von KI-Chatbots ist für Jugendliche der wichtigste Grund (59 Prozent) für deren Verwendung. Darüber hinaus schätzen sie die Zeitersparnis (43) und die unkomplizierte Nutzung (39 Prozent).
Chatbots werden zu persönlichen Bezugspersonen
Auffällig ist die zunehmende Bedeutung von KI im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich. Fast ein Viertel der Befragten nutzt KI zumindest manchmal, um freundschaftliche Unterhaltungen zu führen, knapp ein Fünftel sogar für romantische Gespräche. Etwa drei von zehn Befragten sind der Meinung, dass KI eine Art Freundin oder Freund sein kann und Trost zu spenden vermag.
Und über ein Viertel glaubt, dass sich Jugendliche tatsächlich in einen Chatbot verlieben könnten. Das zeigt, wie attraktiv Chatbots für junge Menschen sind und welche Bedeutung sie im Alltag der Jugendlichen haben. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die bestätigende und gefällige Kommunikationsweise von KI-Chatbots. Dadurch wirken Chatbots oft empathisch und vermitteln scheinbares Verständnis.
Bewusstsein über Risiken
Mittlerweile gibt ein Viertel der Jugendlichen (25 %) an, dass es ihnen leichter fällt, mit Chatbots über persönliche Themen zu sprechen als mit Menschen. Gleichzeitig sind ihnen die möglichen Schattenseiten der KI durchaus bewusst. „Wenn man sich schon von klein auf mit Problemen an die KI wendet, könnte es einem dann schwerer fallen, mit einer echten erwachsenen Person zu kommunizieren“, so eine Teilnehmerin aus den Fokusgruppen.
KI-Tools können aber auch helfen, Gespräche mit anderen Menschen vorzubereiten und zu üben. Bereits 23 Prozent der Befragten machen davon zumindest manchmal Gebrauch. In den Fokusgruppen schildern die Jugendlichen, dass sie mithilfe von KI vor allem heikle oder konfliktbeladene Gespräche vorbereiten – etwa, um mit Lehrkräften über als unfair empfundene Bewertungen zu sprechen, mit Eltern über schlechte Noten oder mit Freundinnen und Freunden bzw. in Beziehungen über Konflikte.
Die Studie und erste Erkenntnisse
Die Studie wurde vom Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung im Auftrag des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der ISPA – Internet Service Providers Austria im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet durchgeführt. Im Spätherbst 2025 nahmen 500 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren, repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bildungshintergrund, teil. Zusätzlich gab es zwei Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen mit insgesamt 14 Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren.
„KI-Tools sind bei Fragen oft die erste Anlaufstelle für Jugendliche. Gleichzeitig gibt es aber große Wissenslücken, wenig Bewusstsein für Risiken und den Wunsch nach einem besseren Verständnis von KI“, so Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet. „KI ist für Jugendliche zum digitalen Begleiter geworden. Gerade deshalb dürfen wir sie mit den Risiken nicht alleinlassen. Wir brauchen mehr Bildung über KI, in der Schule sowie mithilfe der Digitalen Kompetenzoffensive, klare Regeln und ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein“, ergänzt Alexander Pröll, Staatssekretär für Digitalisierung.(red/laucz, red/cc)
Abstürze bei Social Media Nutzung

Aktueller Jugend-Internet-Monitor zeigt deutlichen Rückgang der Social-Media-Nutzung. WhatsApp vor YouTube vor Snapchat vor TikTok vor Instagram vor Pinterest. Interessante Ergebnisse auch bei Spiele-Pattformen und Streamingdiensten. KI-Nutzung steigt.
Das Pendel schlägt (endlich) in die andere Richtung aus. Welche sozialen Netzwerke nutzen Jugendliche in Österreich und gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs ? Der Jugend-Internet-Monitor der EU-Initiative Saferinternet untersucht seit elf Jahren die Nutzung von sozialen Netzwerken. Die Top 6 der beliebtesten Plattformen sind gleichgeblieben, auch in der Reihenfolge gibt es kaum Veränderungen.
Allerdings verlieren alle Plattformen an Nutzerinnen und Nutzern, während die Beliebtheit von KI-Chatbots wie ChatGPT massiv zunimmt. Die aktuelle Datenerhebung wurde mit Unterstützung der EU und der Österreichischen-Forschungsförderungs-Gesellschaft (FFG) umgesetzt und vom Institut für Jugendkulturforschung durchgeführt. 500 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren aus ganz Österreich wurden Angaben zufolge befragt.
Teils starke Verluste für alle Plattformen
Nummer eins unter den Internetplattformen österreichischer Jugendlicher bleibt auch 2026 WhatsApp, trotz generell rückläufiger Nutzung. Mit 82 Prozent Nutzung (davon 84 Prozent täglich) führt der Messenger-Dienst im Ranking, gefolgt von YouTube mit 76 Prozent (50 Prozent täglich). WhatsApp verliert im Vergleich zum Vorjahr fünf Prozentpunkte, YouTube vier.
Die Messenger-App Snapchat liegt mit 65 Prozent Nutzung (davon 85 Prozent täglich) auf dem dritten Platz. Damit landet sie nur knapp vor TikTok (64 Prozent, davon 83 Prozent täglich) und Instagram (64 Prozent, davon 77 Prozent täglich). Alle Plattformen verzeichnen deutliche Rückgänge. Snapchat und Instagram verlieren je neun Prozentpunkte, TikTok acht. Auch Microsoft Teams (31 Prozent ergeben Platz sechs) verliert vier Prozent.
Signal und Reddit bleiben gleich und Foto-App BeReal stürzt massiv ab
Abseits der großen Netzwerke ist die App-Landschaft der Jugendlichen vielfältig. 31 Prozent der Jugendlichen nutzen die digitale Pinnwand Pinterest. Die Spieleplattform Roblox nutzt knapp ein Viertel (23 Prozent) und die Kommunikationsplattform Discord knapp ein Fünftel (18 Prozent. Die Streamingplattform Twitch kommt auf 14 Prozent. Auch diese Plattformen verzeichnen Rückgänge gegenüber dem Vorjahr.
Keine Verluste hinnehmen müssen lediglich der Messenger-Dienst Signal sowie das Internetforum Reddit (jeweils 9 Prozent). Der größte Verlierer des Jahres ist BeReal : Die Instant-Foto-App, die 2024 noch von knapp einem Drittel der Befragten genutzt wurde, verliert seither kontinuierlich an Bedeutung und wird 2026 nur noch von sieben Prozent der Jugendlichen verwendet.
Nur mehr geringfügige Unterschiede zwischen den Geschlechtern
Bei den beliebtesten sozialen Netzwerken fallen die geschlechtsspezifischen Unterschiede insgesamt gering aus. YouTube (Jungs : 79 Prozent, Mädchen : 73) und TikTok (Jungs : 67, Mädchen : 61 Prozent) werden zwar weiterhin etwas häufiger von Jungs genutzt.
Bei WhatsApp, Snapchat und Instagram zeigen sich 2026 hingegen keine Unterschiede mehr. Das ist ein deutlicher Wandel im Vergleich zu 2025, als Snapchat vor allem bei Mädchen klar dominierte. Microsoft Teams wird wie im Vorjahr häufiger von Mädchen (35 Prozent) als von Jungs (27) genutzt.
Die Unterschiede bei Streaming‑, Gaming- und Kommunikations-Plattformen
Deutlicher werden die Unterschiede bei Video-Streaming- bzw. Gaming-Plattformen : Discord (Jungs : 28 Prozent, Mädchen : 8 Prozent) und Twitch (Jungs : 23, Mädchen : 5) bleiben klar männlich dominiert. Die Spieleplattform Roblox nutzt ein Viertel der Jungs (25) rund ein Fünftel der Mädchen (21).
Große Unterschiede gibt es bei der Nutzung der digitalen Pinnwand Pinterest, die über die Hälfte der Mädchen (55) anspricht, aber nur acht Prozent der Jungs. Weitere deutliche Unterschiede bei Reddit (Jungs : 14, Mädchen : 3) und X (Jungs : 12 Prozent, Mädchen : 4 Prozent).
Algorithmus statt Austausch oder Kurzvideos dominieren Plattformen
Der Schwerpunkt sozialer Netzwerke hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben. Sich direkt mit Freundinnen und Freunden auszutauschen, über das eigene Umfeld informiert zu bleiben oder bestimmten Personen gezielt zu folgen, verlieren zunehmend an Bedeutung. Stattdessen rückt das endlose Durchscrollen von Kurzvideos in den Vordergrund. Dieses Prinzip, das vor allem TikTok geprägt hat, bestimmt inzwischen die Funktionsweise fast aller großen Social-Media-Plattformen.
Jugendliche konsumieren deren Content überwiegend passiv und lassen sich von Inhalten, die der Algorithmus vorschlägt, berieseln. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass viele von ihnen kaum mehr benennen können, welchen Content-Creatoren sie tatsächlich folgen. Der algorithmische Konsum ersetzt zunehmend das bewusste Abonnieren und Verfolgen einzelner Persönlichkeiten.
ChatGPT & Co. als die neuen Stars im digitalen Alltag Jugendlicher
Im Kontext mit der generell steigenden Nutzung von Künstlicher Intelligenz hat Saferinternet diesem Thema eine zusätzliche Erhebung gewidmet. KI-Chatbots sind im Alltag von 11- bis 17-Jährigen bereits fest verankert. Bereits 94 Prozent der Jugendlichen nutzen Chatbots, was den beobachteten Rückgang der Social-Media-Nutzung zum Teil erklären dürfte. Hinzu kommt die enorme Vielfalt digitaler Angebote, da neben sozialen Netzwerken auch Streaming-Dienste wie Spotify, Netflix oder Disney+ genutzt werden.
Bei der Nutzung all dieser Anwendungen zeigt sich unter den Jugendlichen ein zunehmendes Sättigungsgefühl. Obwohl soziale Netzwerke weiterhin ein wichtiger Bestandteil ihres Alltags sind, äußern viele junge Menschen zunehmende Kritik. Als störend empfunden wird die steigende Werbung, die ähnlichen Inhalte auf den verschiedenen Plattformen, weiters belastende Inhalte und Hasskommentare. (red/laucz, red/cc)
Neue Therapie bei Nierenversagen

Akutes Nierenversagen verhindert lebenswichtige Entgiftung des Körpers. Ärzte der Med-Uni Innsbruck entwickeln für Nierenersatztherapie neues extrakorporales Blutreinigungsverfahren gegen gefährliche Übersäuerung.
Die Niere ist ein lebenswichtiges Organ, das für die Entgiftung von Stoffwechselprodukten und die Aufrechterhaltung des Säure-Basen Haushaltes verantwortlich ist. Bei einem akuten Nierenversagen passiert (auch) eine schädliche Übersäuerung des Körpers. Die Behandlung erfolgt dann mittels einer kontinuierlichen Nierenersatztherapie (Anm. Hämofiltration), ein extrakorporales Blutreinigungsverfahren, das diese Funktion bei Intensivpatienten rund um die Uhr übernimmt.
Nur 60 von 100 Intensivpatienten mit Nierenersatztherapie überleben
Allein auf der Intensivstation der Uniklinik in Innsbruck sind jährlich rund 100 kritisch kranke Patient:innen auf eine derartige kontinuierliche Nierenersatztherapie angewiesen. Mediziner um Michael Joannidis (Anm. Leiter der Gemeinsamen Einrichtung für Internistische Intensiv-und Notfallmedizin) und Fabian Perschinka, haben nun Infusionen mit geänderter Zusammensetzung getestet und sie konnten damit den wichtigen Säure-Basen-Haushalt der Patient:innen besser stabilisieren.
„Wenn die Nieren versagen, würde man innerhalb kurzer Zeit sterben. Die Nierenersatztherapie auf der Intensivstation verhindert das“, sagt Joannidis von der von Herbert Tilg geleiteten Univ.-Klinik für Innere Medizin I. Die Sterblichkeit bleibt aber trotzdem hoch. Nur etwa 60 von 100 Intensivpatienten, die mit einer Nierenersatztherapie behandelt werden müssen, überleben laut Angaben.
Bei jedem extrakorporalen Verfahren muss Blutgerinnung gehemmt werden
Vor diesem Hintergrund setzten Joannidis und Perschinka beim Projekt (und Studie) bei der Gerinnungshemmung an, die gleichzeitig den Säure-Basen Haushalt kontrolliert. Bei jedem extrakorporalen Verfahren muss die Blutgerinnung gehemmt werden, andernfalls würde bei der Nierenersatztherapie der Filter verkleben.
Vor rund 20 Jahren wurde bei dieser Nierenersatztherapie erstmals statt einer systemischen Blutverdünnung mit Heparin die sogenannte regionale Gerinnungshemmung (Anm. Antikoagulation) mit Citrat eingeführt. Seit etwa zehn Jahren wird sie im deutschsprachigen Raum großflächig eingesetzt.
Weniger basische Lösung keine Gefahr für die Patient:innen
Wichtig ist noch, dass Patient:innen keinen Basenüberschuss (Anm. Alkalose) entwickeln, was zu einer erhöhten Sterblichkeit führen kann, weil sich der Sauerstofftransport und die Aktivität der körpereigenen Proteine verändern. Besser wäre also eine weniger basische Substitutionslösung.
„Wir führen mit der neuen Methode etwas weniger Basen zu, um hier gegenzusteuern“, bestätigt Michael Joannidis von der Med Uni Innsbruck. Final konnten die Mediziner zeigen, dass die weniger basische Lösung keine Gefahr für die Patient:innen darstellt und sich der pH-Wert genauso schnell normalisiert wie mit der bisherigen Methode. Insgesamt wird nun eine bessere metabolische Kontrolle und Stabilität ermöglicht.
Hinweise auf besseres Überleben
Zusätzlich zeichnet sich ein möglicher Trend zu einer reduzierten Sterblichkeit bei jenen Proband:innen ab, die zuerst die Substitutionslösung mit weniger Bicarbonat erhielten (23 Prozent gegenüber 39 Prozent). Nun ist eine multizentrische Studie geplant, in der die Wissenschaftler überprüfen wollen, ob die bessere metabolische Kontrolle auch zu einem besseren Langzeitüberleben führt.
In der Zwischenzeit kommen die Studienergebnisse den Innsbrucker Patient:innen bereits zugute. An der internistischen Intensivstation wird für die kontinuierliche Nierenersatztherapie nun bereits die offenbar besser geeignete Infusionslösung in Kombination mit der Citrat-Antikoagulation verwendet. „Das ist jetzt unsere Hauptstrategie“, sagt Michael Joannidis (Anm. Leiter der Gemeinsamen Einrichtung für Internistische Intensiv-und Notfallmedizin). (red/rucz)
Einsparungen können auch tödlich sein

Ein 16-jähriges Mädchen stirbt in einem Hotelzimmer an einer Überdosis. Die Jugendliche war in Betreuung der Wiener Kinder- und Jugendhilfe. Suchtkrankheiten und Drogenmissbrauch betreffen immer mehr jüngere Menschen. Parallel gibt es von der Stadt Wien massive Einsparungen bei Einrichtungen zur Suchthilfe. Eine kommentierende Erörterung mit Anstoß zu einer Debatte über medizinische Zwangsmaßnahmen von Christian Czaak.
Wenn suchtkranke Menschen zu Beginn der 1980 er Jahre in Wien ärztliche Hilfe suchten, gab es zwei Möglichkeiten. Die erste war eine stationäre Aufnahme im sogenannten Einsa-Pavillion am Steinhof auf der Baumgartner Höhe, in der Wiener Vorstadt auch „Guglhupf“ oder „Irrenhaus“ genannt. Für den bis zu acht Tagen dauernden körperlichen Entzug wurde der oder die PatientIn mit dicken Lederriemen auf eine Holzpritsche niedergeschnallt und einzig mit schweren Neuroleptika „behandelt“.
Zweite Möglichkeit war eine ambulante Behandlung mit zumindest theoretisch wirklich guten Ratschlägen in der damals einzigen Sucht- und Drogenberatungsstelle der Stadt Wien in der Borschkegasse nahe dem AKH. Bei beiden Varianten waren die Erfolgschancen gleich null. Breitere wie fundierte und vor allem niederschwellige Behandlungsangebote für die schon damals immer jünger werdenden Sucht- und Drogenkranken starteten dann ab 1985 unter Helmut Zilk (SPÖ) als Bürgermeister.
Zahlreiche vielschichtige und niederschwellige städtische Einrichtungen im Bereich der Suchthilfe
Ein gewisser Peter Hacker, aktuell Gesundheits- und Sozialstadtrat der SPÖ in Wien, wird von Zilk mit der Leitung des neuen Wiener Bürgerdienstes betraut und dazu gehörten auch Maßnahmen gegen die zu diesem Zeitpunkt offene Drogenszene am Wiener Karlsplatz. Für gutbürgerlich-katholisch geprägte Wiener Verhältnisse galt diese Drogenszene als „ausufernd“ und als untragbarer Skandal. Im Vergleich zum damaligen Züricher Platzspitz oder italienischen Großstädten war die Wiener Szene eher der umgangssprachliche Jungmädchenorden des Ursulinen-Klosters – aber natürlich trotzdem behandlungswichtig.
Vierzig Jahre später existieren nun vergleichsweise zahlreiche wie vielschichtige und vor allem auch niederschwellige städtische Einrichtungen im Bereich der Suchthilfe, die von Prävention über Behandlung bis Reintegration ehemals schwerkranker Menschen setzt. Projekte wie Ganslwirt, Jedermayr oder „Let’s End Hepatitis C In Vienna“ (@ Hans Haltmayer und Michael Gschwantler) waren dabei Meilensteine und wurden als internationale Best Practice Projekte ausgezeichnet.
Breite Proteste nach Budgeteinsparungen von bis zu 25 Prozent
Aktuell gibt es allein über die Suchthilfe Wien Hilfsprojekte bei Aufklärung, Kontrolle der Substanzen und medizinischer Hilfe oder auch mobile Sozialarbeiter, Tagesräume sowie Schlafstellen und auch die Themen Arbeitsplatz und Reintegration werden behandelt. Die Suchthilfe Wien (SHW) ist dabei eine Tochter der Sucht- und Drogenkoordination Wien (SDW) und nur für Teile des Wiener Sucht- und Drogenkonzepts zuständig. Zu diesem gehören auch Einrichtungen wie Dialog, Grüner Kreis, Anton Proksch Institut, Change, Contact, checkIt oder garbarage sowie weitere ambulante Hilfestellungen.
Viele dieser Einrichtungen sind nun mit teilweise massiven finanziellen Einsparungen seitens der Stadt Wien konfrontiert. Die Rede ist von Budgeteinsparungen für einzelne Organisationen von bis zu 25 (!) Prozent. Zahlreiche Betriebsräte und Mitarbeitende von Wiener Suchthilfeeinrichtungen wie etwa Anton Proksch Institut oder aus dem Netzwerk der Suchthilfe Wien haben an die verantwortlichen Peter Hacker als direkt zuständigen Stadtrat und an Michael Ludwig als Wiener Bürgermeister (ebenfalls SPÖ) offene Briefe geschrieben und Protestmaßnahmen organisiert, um auf die möglichen Folgen hinzuweisen.
Einsparungen im Suchthilfebereich verursachen langfristig höhere Kosten
„Wien war immer stolz auf seine soziale Verantwortung, doch was jetzt passiert, ist kein Sparprogramm – es ist ein sozialer Kahlschlag!“, so der Betriebsrat einer Suchthilfeeinrichtung. Von den Einsparungen bedroht sind auch Arbeitsmarkt- und Sozialintegrations-Programme für suchtkranke oder ehemals abhängige Menschen, die durch Kürzungen bei Förderungen und AMS-Kooperationen reduziert werden. Bei den Betreuungskapazitäten reduziert ein Personalabbau direkt die therapeutischen und sozialarbeiterischen Kapazitäten. Und final drohen langjährig aufgebaute Strukturen,Netzwerke und viele niedrigschwelligen Suchthilfeangebote verloren zu gehen, so die weitere Kritik der betroffenen Stellen.
Die Mitarbeitenden warnen zudem vor dem Verlust von Expertise. Viele Angebote basieren auf einem langjährig aufgebauten Vertrauensverhältnis. Ein Abbau oder gar eine Einstellung lässt sich nicht kurzfristig rückgängig machen. Für Betroffene und Angehörige kann das eine (zu) späte Hilfe bedeuten oder das Patient:innen gar nicht mehr erreicht werden. Experten verweisen auch darauf, dass Einsparungen im Suchthilfebereich langfristig höhere Kosten verursachen, etwa durch steigende Gesundheitsausgaben oder mehr Polizeieinsätze.
Anerkanntes System zur Sucht- und Drogenhilfe wird bewusst in Gefahr gebracht
„Wien verfügt seit Jahrzehnten über ein differenziertes und auch international anerkanntes System zur Sucht- und Drogenhilfe. Prävention, niederschwellige Beratung, medizinische Betreuung, Arbeitsmarktintegration und langfristige psychosoziale Begleitung greifen gut abgestimmt ineinander“, sagt die medizinische Leitung einer der angeführten Hilfseinrichtungen zu economy. „Das alles wird jetzt bewusst in Gefahr gebracht und ohnehin besonders hilfsbedürftige und oft mehrfach belastete Menschen werden im Stich gelassen“.
Die Stadt Wien betont, dass die Sparmaßnahmen für den Budgethaushalt nötig seien und parallel wird versichert, dass zentrale soziale Leistungen weiterhin aufrecht bleiben. Die Einrichtungen wissen aber nicht, wo genau diese Grenze verlaufen soll. Auch die politische Opposition und übergeordnete Sozialorganisationen fordern mehr Transparenz und vor allem eine Priorisierung nach sozialer wie medizinischer Wirkung. „Es stellt sich die Frage, ob es finanzpolitisch sinnvoll ist, bei präventiven, heilenden oder stabilisierenden Angeboten zu sparen und dann zahlt die Stadt später einen noch höheren Preis?“, so der kaufmännische Leiter einer weiteren Wiener Therapieeinrichtung.
Zahl der betroffenen jungen Menschen steigt seit vielen Jahren
Das überaus tragische Ableben des 16-jährigen Mädchen und die sieben anderen Minderjährigen, die 2025 während der Betreuung durch behördliche Einrichtungen auch ums Leben kamen, zeigen wie der aktuelle Konflikt um die Wiener Suchthilfe, wie schwierig soziale Betreuung und angemessene Budgetpolitik ist. Es geht hier nicht nur um Zahlen, sondern um Menschen und ihre Unterstützung, die fast immer über Stabilität oder Absturz entscheidet. „In letzter Konsequenz kann das Ende einer Betreuung oder längere Wartezeiten auf einen Therapieplatz tödliche Folgen haben“, so ein Psychotherapeut und Sozialarbeiter zu economy.
Im Kontext mit Suchtkrankheiten und Drogenmissbrauch steigt die Zahl der betroffenen jungen Menschen seit vielen Jahren kontinuierlich an. Ebenso zunehmend ist die sogenannte Polytoxikomanie bei Jugendlichen, also die parallele Konsumation von mehreren Drogen mit der latenten Gefahr eines Atemstillstandes. Auch das Einstiegs- und generelle Konsumationsalter sinkt laufend. Suchtmediziner berichten von vielen unter 14-jährigen, die regelmäßig Alkohol trinken, Cannabis rauchen oder sogar Opiate wie Heroin nehmen. Der generelle Kokainkonsum hat sich seit 2015 verdoppelt. Junge Mädchen kommen beim Konsum oft in Hochrisikosituationen mit sodann verbundenen sexuellen Übergriffen durch ältere Männer.
Eine Debatte über medizinisch-therapeutische Zwangsmaßnahmen
Im Kontext mit all diesen Entwicklungen sollte irgendwann dann auch (zumindest) eine Debatte über medizinisch-therapeutische Zwangsmaßnahmen beginnen. Diese Debatte kann dann auch andere psychische Ausnahmesituationen adressieren. Etwa die weit und vergleichsweise mehrheitlich bei Frauen (weltweit rund 75:25 Prozent im klinischen Umfeld) verbreitete Borderline-Erkrankung. Hier kann es ebenso bedrohliche Auswirkungen geben, etwa in einem Familienverbund. In extremen Fällen passieren hier neben psychisch-traumatischen auch physische Verletzungen der eigenen, erkrankten Person und bei anderen im direkten familiären Umfeld befindlichen Personen.
Wenn kranke Menschen hier behandlungs- oder gar diagnose-uneinsichtig sind, dann bedeutet das langwierig extremste Belastungen für Kinder und (Ehe)PartnerIn. Betroffene empfinden das oft als eine Art auswegloses Gefängnis, eben weil die kranke Person keine Behandlung zulässt. Eine derartige Situation kommt auch bei Sucht- und Drogenkranken vor und auch hier gibt es oftmals direkte Betroffenheit im familiären Verbund, psychisch, physisch und final ebenso existentiell. Medizinische Zwangsmaßnahmen könnten hier Abhilfe schaffen und dafür braucht es einmal eine breite wie fundierte Erörterung.
Pro Monat zwei Mal eine Stunde Gesprächszeit für 500 Schüler:innen
Zurück „nur“ zum Thema Sucht- und Drogenkrankheit, wo auch die vorliegenden Zahlen bei Rettungseinsätzen eine deutliche Sprache vermitteln : eine für Wien verfügbare Statistik zeigt, dass die Einsätze bei unter 18-jährigen wegen Medikamenten- und Drogenmissbrauch zwischen 2018 und 2023 von 75 auf 231 gestiegen sind. Das ist eine Steigerung von über 300 Prozent in fünf Jahren. Die Drogentoten sind von 191 im Jahr 2019 auf 248 für 2023 gestiegen, macht plus 30 Prozent. Von diesen an Drogenmissbrauch verstorbenen Menschen waren 2019 noch 18 Prozent unter 25 Jahren. 2023 waren es schon 25 Prozent, macht plus 40 Prozent (jüngere Zahlen liegen noch nicht vor).
Wenn die Stadt Wien nun vor diesem Hintergrund derart umfangreiche Sparmaßnahmen setzt, dann sind Stimmen verständlich, die hier in letzter Konsequenz eine fahrlässige Gefährdung von Menschenleben sehen. Als Vater zweier Spät-Teenies und als langjähriges Mitglied im Elternverein einer Schule erlebe ich den stark steigenden Bedarf und die nicht einmal ansatzweise vorhandenen Ressourcen für die Betreuung der psychischen Probleme von Jugendlichen hautnah mit. Mit größter Mühe auf Grund des auch hier herrschenden Sparzwanges und der parallel fehlenden therapeutischen Ressourcen, gibt es heuer an der Schule statt bisher 1x 1 Stunde nun 2x 1 Stunde Gesprächszeit — pro Monat, für rund 500 Schüler:innen…
Zwei nachdenklich machende Kommentare zu einem Bericht von Der Standard
Die Sparmaßnahmen der Stadt Wien und das überaus traurig machende Ableben des jungen Mädchens wurde auch von anderen Medien behandelt. Im derStandard.at erschien dazu kürzlich ebenso ein Bericht und dazu gab es im Standard-Forum zwei sehr nachdenklich machende Leser-Kommentare. Unter dem Pseudonym „DielinkeVernunft“ schreibt ein/e LeserIn :
„Der Artikel pathologisiert jugendliche Überdosen als individuelles Scheitern, statt endlich zu benennen, dass ein kapitalistisches System Jugendliche systematisch in Prekarität, Leistungsdruck und Zukunftsangst treibt, bis Rausch vernünftiger wirkt als der nächste Tag im Hamsterrad.“
Der Kapitalismus wirft Jugendliche weg wie Ausschussware
Und weiter : „Während bürgerliche Moralpanik über Drogen inszeniert wird, bleiben Armut, Wohnungsnot, kaputte Schulen und fehlende psychosoziale Angebote unangetastet, weil sie den Profit stören würden. Die eigentliche Überdosis ist der Sozialabbau. Der Kapitalismus wirft Jugendliche weg wie Ausschussware, aber alle tun überrascht, wenn sie an Überdosen sterben.“
Und schließlich : „In Wahrheit hat schon die Boomer-Generation im Wohlstandsprojekt der Kreisky-Zeit gezeigt, dass sozialer Aufstieg, Sicherheit und echte Perspektiven möglich sind. Heute wird diese Erfahrung verraten, indem man Märkte entfesselt und Kinder im Wettbewerb verbrennen lässt, statt Schutz, Bildung und Stabilität wie in den 70 er und 80 er Jahren zu garantieren.“ (Zitat-Ende)
Ein politisches Versagen und die notwendige Erörterung von Zwangsmaßnahmen
Ein zweiter Posting-Kommentar zum Standard-Bericht von einem „hansglueck10“ wird auch sehr deutlich : „Einsparungen in Suchthilfeeinrichtungen und fehlende Therapieplätze sind keine abstrakte Budgetfrage, sondern unterlassene Hilfeleistung und sie kosten Leben. Wenn Jugendliche wie das verstorbene Mädchen bekannt vulnerabel sind, in staatlicher Obhut stehen und dennoch keine rasche Therapie, Krisenintervention und Schutz bekommen, dann ist das politisches Versagen. Wer bei Suchthilfe kürzt, nimmt Überdosierungen, Ausbeutung und Tod billigend in Kauf. (Zitat-Ende)
Als familienexistenzerhaltender Vater und kleinunternehmerischer „Mit-Radler“ in diesem „Hamsterrad“ sowie als langjähriger Kenner von psychischen Krankheiten und ihren oft verheerenden Auswirkungen auf das jeweilige (familiäre) Umfeld : beide Standard-Kommentare sind angebrachte Befunde und ebenso angebracht ist eine sachlich fundierte Erörterung medizinisch-therapeutischer Zwangsmaßnahmen in solchen Fällen. Stimmig ist auch die abschließende Forderung der Betriebsräte von Wiener Hilfseinrichtungen in ihrem Protestschreiben an die SPÖ-Stadtregierung von Wien : „Nehmen Sie die geplanten Kürzungen zurück, erhalten Sie die bewährten Strukturen und sichern Sie die Finanzierung der Suchthilfe in ausreichendem Maße!“ Andernfalls drohen uns vielleicht die Zeiten mit den Lederriemen und den Holzpritschen aus den alten Steinhof-Zeiten in den 1980 er-Jahren möchte man ergänzen. (Christian Czaak/red)
Kreislaufwirtschaft vereint Ökonomie und Nachhaltigkeit

Das Kontext-Institut analysierte die Auswirkungen von Kreislaufwirtschaft auf eine nachhaltige Modernisierung der Industrie. Richtige Transformation entscheidet über Ressourcenschonung und neue Wertschöpfung.
Teile von Österreichs Industrie stehen schon länger unter wirtschaftlichem Druck. In diesem Kontext hat sich nun das Kontext-Institut zur Untersuchung und Behandlung von Klimafragen das Thema Kreislaufwirtschaft genauer angeschaut und am Beispiel energieintensiver Branchen wie Bau und Metall umwelt- und klimapolitische Fragen mit wirtschaftlich unternehmerischen Anforderungen verknüpft. Österreichs ressourcenintensive und überwiegend lineare Wirtschaftsweise lässt große Potenziale ungenützt, so ein zentraler Befund der aktuellen Analyse.
Großes Potential für mehr Resilienz und Zukunftsfähigkeit der Industrie
Eine praxiskonforme Modellierung, die das Kontext-Institut beim Umweltbundesamt (UBA) und dem Center of Economic Analysis and Research (CESAR) in Auftrag gegeben hat, zeigt am Beispiel von energieintensiven Sektoren wie Bau und Metall, dass Kreislaufwirtschaft maßgeblich zur Modernisierung der Industrie beitragen kann. Durch die richtigen Maßnahmen werden Rohstoffe, Energie und Emissionen gespart und gleichzeitig Arbeitsplätze und Wohlstand gesichert.
Kreislaufwirtschaft schone nicht nur Klima und Umwelt, sondern ermögliche auch günstigere heimische Produktion, was wiederum Resilienz und Zukunftsfähigkeit der Industrie stärkt. „Die Potenziale sind enorm. Die Umsetzung bleibt jedoch, trotz politischer Bekenntnisse, deutlich hinter den Ambitionen zurück”, sagt Katharina Rogenhofer, Vorstand vom Kontext-Institut. “Damit Kreislaufwirtschaft tatsächlich ihren vollen Mehrwert entfalten kann, muss sie eine zentrale Säule der kommenden Industriestrategie sein“, so Rogenhofer in Richtung der Bundesregierung.
8 Millionen Tonnen oder 20 Prozent weniger CO₂-Emissionen
Das modellierte Szenario zeigt, dass zirkuläre Maßnahmen im Wohnbau- und Metallsektor bis 2040 im Vergleich zu einem Weiter-wie-bisher-Szenario der Industrie erheblichen Mehrwert bringen würde. In Zahlen ausgedrückt etwa 29 Prozent geringerer Materialeinsatz im Wohnbau, 7,8 Millionen Tonnen oder 20 Prozent weniger CO₂-Emissionen und 21 TWh geringerer Einsatz fossiler Energieträger.
„Bau- und Metallsektor verantworten zusammen zwei Drittel des gesamten Ressourcenverbrauchs und damit maßgeblich den ökologischen Fußabdruck des Landes. Ihre Transformation entscheidet daher über den Erfolg einer zirkulären Wirtschaftsweise und über die Fähigkeit, industrielle Wertschöpfung mit Ressourcenschonung und Emissionsreduktion zu verbinden”, sagt Anna Pixer, Analystin und Studienautorin beim Kontext-Institut.
Priorisierung von Sanierung, Nachverdichtung und Leerstandsnutzung
Damit die modellierten Potenziale realisiert werden können, leitet die Studie konkrete politische Maßnahmen als notwendige Rahmenbedingungen ab. Im Bausektor sind die Priorisierung von Sanierung, Nachverdichtung und Leerstandsnutzung notwendig. Zudem braucht es Mindestquoten für Recyclingbaustoffe, die Gleichstellung wiederverwendbarer Bauteile und Materialien (Anm. Sekundärrohstoffe) mit Primärrohstoffen sowie klare Vorgaben für Demontierbarkeit und Materialtransparenz.
Im Metallsektor muss neben einem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien und der Planungssicherheit durch den Emissionshandel die Verfügbarkeit hochwertigen Schrotts entlang der gesamten Wertschöpfungskette erhöht werden. Über Leitmärkte für emissionsarmen und recycelten Stahl kann die öffentliche Beschaffung gezielt Nachfrage schaffen. Ein Beispiel dafür ist etwa das EU-Projekt RecAL mit starkem Österreich-Bezug.Innovation für ressourcenschonende Industrieproduktion aus Österreich
Das vom LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen des Austrian Institute of Technology (AIT) geleitete Forschungsprojekt Recycling Technologies For Circular Aluminium (RecAL) entwickelt neue Wege, um Aluminium effizient zu recyceln. Das von HORIZON EUROPE geförderte Projekt vereint über eine digitale Plattform europaweit 19 Partnerorganisationen, von Forschungseinrichtungen über Technologieanbieter bis zur Industrie. Ziel ist eine signifikante Erhöhung von Sekundäraluminium zur nachhaltigen Verbesserung der CO₂-Bilanz. Der IT-Dienstleister CANCOM Austria ist hier Technologie-Partner und verantwortet etwa das Datenmanagement (economy berichtete).
“Wenn Österreich bei der Kreislaufwirtschaft die von der Regierung versprochene Vorreiterrolle einnehmen soll, müssen diese Maßnahmen rasch umgesetzt werden. Das beginnt mit einer grundlegenden Reform des Abfallwirtschaftsgesetzes”, sagt Rogenhofer. “Auch auf EU-Ebene, wo in den kommenden Jahren wichtige Maßnahmen, wie der Circular Economy Act, anstehen, kann Österreich mit einer aktiven Rolle dazu beitragen, dass der heimische Wirtschaftsstandort gestärkt wird“, betont Katharina Rogenhofer, Vorstand vom Kontext-Institut. (red/czaak)Neuerungen in der Österreichischen Verkehrswirtschaft

Der ÖAMTC hat die ab nun gültigen Änderungen in den Bereichen Straßenverkehr und Kfz-Betrieb zusammengestellt. Neue Kosten und Abgaben gibt es bei Steuern, Öffentlicher Verkehr oder der Normverbrauchsabgabe.
2026 kommen auf die Verkehrsteilnehmerinnen und ‑teilnehmer in Österreich mehrere Neuerungen zu. Der Österreichische Automobil‑, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC) hat die wichtigsten Änderungen zusammengefasst und gibt einen Überblick, was schon jetzt bekannt oder absehbar ist. Erhöhungen gibt es etwa bei der motorbezogenen Versicherungssteuer, bei NoVA, Vignette und den Tickets im Öffentlichen Personenverkehr. Geben tut es aber auch Entlastung, etwa durch Erhöhung von Verkehrsabsetzbetrag und Pendlereuro.
Inflationsangleichung bei Vignette, Preiserhöhungen bei Öffis
Im heurigen Jahr 2026 wird es zum letzten Mal eine Klebevignette in Österreich geben. Der Preis steigt gemäß der Inflationsrate : Die Jahresvignette kostet dann für einen Pkw 106,80 Euro (drei Euro mehr als 2025) und für ein Motorrad 42,70 Euro (plus 1,20 Euro). Auch die unterjährigen Varianten (2‑Monats‑, 10-Tages- und Tagesvignette) werden entsprechend valorisiert.
Teurer werden auch die Öffis : Nach der Erhöhung letzten August steigt der Preis für das österreichweite Klimaticket mit Jahreswechsel ein weiteres Mal binnen weniger Monate, und zwar von 1.300 auf 1.400 Euro. Auch die regionalen Klimatickets werden mit Jahreswechsel zum Teil teurer. Besonders drastisch ist der Preisanstieg für die Jahreskarte der Wiener Linien : Diese wird um 102 Euro und damit 28 Prozent teurer und kostet per Jahreswechsel 467 Euro (digital : 461 Euro) pro Jahr.
Motorbezogene Versicherungssteuer mit Erhöhungen für Neuzulassungen
Für bereits zugelassene Fahrzeuge ändert sich bei der motorbezogenen Versicherungssteuer nichts. Bei neuzugelassenen Pkw kann es hingegen abhängig vom Antrieb zu einer höheren Belastung kommen. Bei neuen PKWs mit Verbrennungsmotor, die nicht extern aufgeladen werden können, steigt die Steuer meist um rund 35 Euro pro Jahr gegenüber einer Erstzulassung im Jahr 2025. Nur bei sehr effizienten bzw. leistungsschwachen Pkw kommt es zu einer geringeren Steuererhöhung.
Bei der Ermittlung der CO2-Emissionen für die Papiere von neuen Plugin-Hybriden wird mit der strengeren Abgasnorm “Euro-6E-bis” angenommen, dass diese im Realbetrieb weniger elektrisch gefahren werden. Hat der Hersteller nicht ausreichend gegengesteuert, etwa mit einer größeren Batterie, fallen durch die verpflichtende Abgasnorm auch die CO2-Emissionen in den Papieren höher aus. Obwohl diese Steigerung bei der motorbezogenen Versicherungssteuer im kommenden Jahr berücksichtigt wurde, sollten sich insbesondere Käufer von Plugin-Hybriden vorab über die Höhe der laufend zu zahlenden Steuer informieren.
Bei reinen E‑Autos gibt es keine Änderung der seit April 2025 gütigen motorbezogenen Versicherungssteuer. Wie bei allen Antrieben gilt es auch hier, die laufende Belastung vorab zu berechnen, um keine böse Überraschung zu erleben. Wer sich also ein neues Fahrzeug anschafft, sollte vorab klären, wie hoch die regelmäßig zu zahlende Steuer ausfallen wird. Der ÖAMTC bietet hier online einen eigenen Rechner an (siehe Link)
Normverbrauchsabgabe (NoVA)) mit Aus für Rückerstattung und jährliche Erhöhung
Die einmalig zu zahlende NoVA steigt mit Jahreswechsel für viele Neufahrzeuge, bei etlichen ändert sich nichts. Entscheidend ist das einzelne Gramm CO2, das in den Fahrzeugpapieren eingetragen ist. Für vereinzelte Hybrid-Modelle, das Gros an Plug-In-Hybriden und alle Elektroautos zahlt man aufgrund der geringen oder gänzlich fehlenden CO2-Emissionen auf der Straße weiterhin keine NoVA.
Auch für 2026 gilt eine Übergangsregelung : Wer für ein NoVA-pflichtiges Neufahrzeug einen unwiderruflichen schriftlichen Kaufvertrag bis 1. Dezember 2025 abgeschlossen hat, zahlt noch die niedrigere NoVA gemäß den Werten von 2025. Hier muss das Fahrzeug aber bis längstens zum 1. April 2026 geliefert werden.
Neu ist das Aus für die Rückerstattung bei älteren Fahrzeugen. Ab Mitte 2026 kann man sich die anteilige NoVA beim Verkauf oder der Verbringung ins Ausland nicht mehr zurückholen, außer es handelt sich um ein Fahrzeug dessen Erstzulassung maximal vier Jahre her ist. Neu ist auch : Least man ein neues Auto bei einem Leasingunternehmen in einem anderen EU-Mitgliedsstaat (bzw. EWR) über maximal 4 Jahre und geht das Fahrzeug anschließend wieder gesichert ins Ausland, muss man vorab nur die anteilige NoVA für den Nutzungszeitraum zahlen.
CO2-Bepreisung unverändert und Entlastung durch Erhöhung
Die nationale CO2-Bepreisung, die u. a. beim Tanken fällig wird, bleibt im kommenden Jahr bei 55 Euro je Tonne. Mit dem Entfall des Klimabonus wirkt sie weiterhin wie eine Mineralölsteuer-Erhöhung. Damit gehen an der Zapfsäule inklusive Umsatzsteuer 16,5 Cent je Liter Diesel und 15 Cent je Liter Benzin auf die CO2-Bepreisung zurück.
Der Verkehrsabsetzbetrag wiederum, der automatisch jährlich von der Lohnsteuer abgezogen wird und durch den die Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte pauschal abgegolten werden, steigt 2026 auf 496 Euro. Auch für jene, die wenig oder gar keine Einkommensteuer bezahlen, steigt hier die Entlastung.
Verdreifachung des Pendlereuros und Laden des E‑Firmenautos zu Hause
Durch eine Verdreifachung des Pendlereuros kommt es zudem für Pendler:innen zu einer Teilkompensation des gestrichenen Klimabonus. 2026 werden so für jeden Kilometer Entfernung zwischen Arbeitsstätte und Wohnort sechs Euro von der jährlich zu zahlenden Lohnsteuer abgezogen.
Diese Erhöhung unterstützt alle Bezieher:innen der Pendlerpauschale, egal ob sie mit Pkw, Rad oder Öffis in die Arbeit fahren. Und für das Laden des E‑Firmenautos zu Hause können im Jahr 2026 von Arbeitgeber:innen 32,806 Cent je Kilowattstunde steuerfrei ersetzt werden. (red/czaak)
Ich will diese EU nicht mehr

Friedenspolitisches Versagen, Wirtschaftspolitisches Versagen, Demokratiepolitisches Versagen, Rechtsstaatliches Versagen. Die EU verkommt zum existenzgefährdenden Armutszeugnis. Eine Abrechnung zu aktuellen Entwicklungen am alten Kontinent von Christian Czaak.
Einmal vorweg : Ich bin kein „Rechter“. Ich bin kein „Linker“. Der folgende Text hat keine ideologischen oder parteipolitischen Hinter- oder Beweggründe, er spiegelt rein meine Sichtweise als existenziell verantwortlicher Familienvater und Kleinunternehmer im EU-Land Österreich.
Vor rund fünf Jahren noch begeisterter Europäer, hat sich meine Wertschätzung für das Projekt Europäische Union (EU) mittlerweile massiv eingetrübt und zuletzt ist nur mehr Verachtung übergeblieben. Als alleinerhaltender Vater zweier noch in Ausbildung befindlicher Teenis und als Kleinunternehmer ist Beziehung und Sichtweisen zu europäischen wie national-österreichischen Rahmenbedingungen entsprechend mehrschichtig.
Ukraine-Krieg noch in Verantwortung von US-Präsident Joe Biden
Final zeigen sich jetzt aber schön langsam existentielle Gefährdungen und die dafür verantwortlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen haben primär einmal mit der EU zu tun. Als erster Punkt das friedenspolitische Versagen im Kontext mit dem Ukraine-Krieg. Dieser Krieg ist noch der US-Administration unter bzw. eigentlich direkt dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden zu „verdanken“.
Hintergrund waren schon länger überlegte Pläne die Ukraine in die NATO (North Atlantic Treaty Organisation) aufzunehmen, im Wissen, dass Wladimir Putins Russland das strikt ablehnt. Enge Berater von Joe Biden hatten diesen mehrfach vor einer NATO-Aufnahme der Ukraine gewarnt und im Falle doch eine militärische Intervention von Putin bzw. Russland vorausgesagt.
EU verbietet vergleichsweise günstige wie rückblickend auch verlässliche Energielieferungen aus Russland
Zentrale Themen bei den US-Überlegungen waren aber auch wirtschaftliche bzw. energiepolitische Fragen. Mit den vorhandenen US-Fracking-Kapazitäten gäbe es ja bitte schön eine sichere Alternative zu Europas Abhängigkeit vom russischen Gas und das fördere dann doch wirklich auch Europas geopolitische Unabhängigkeit – weil die US-Administration ist zudem ja auch noch ein wirklich verlässlicher Partner mit Handschlagqualität.
Europa sanktioniert und verbietet also die vergleichsweise günstigen und verlässlichen russischen Energielieferungen als Reaktion auf den Ukraine-Angriff, schafft aber keinen adäquaten Ersatz dafür. Die daraus resultierende Kosten-Explosion bei Energie für Unternehmen wie Privathaushalte wird dann auch zum zentralen Faktor von mehrschichtigen Kostenerhöhungen und einer entsprechend steigenden Inflation, die Unternehmen wie Private noch zusätzlich neben den immer noch spürbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie belastet.
Europa finanziert den Ukraine-Krieg und die USA sichern sich die Bodenschätze
Auch Österreich „nascht“ an dieser Energie-Kostenexplosion als (Mit)Eigentümer von Energie-Konzernen oder über die Konsumsteuern gerne mit und refinanziert sich so zumindest teilweise die Ausgabenbelastungen durch die Corona-Pandemie. Unvergessen hier auch die Eigengenehmigung von einzelnen Bundesländern der einen oder anderen Sonderdividende über hunderte Millionen Euro während Bürger und Unternehmen nicht mehr wissen, wie sie ihre Energiekosten bezahlen sollen.
Seit Februar 2022, seit also nunmehr vier Jahren läuft der Ukraine-Krieg. In dieser gesamten Zeit gab es seitens der EU nicht einmal den ernsthaften Versuch einer Friedensbemühung mit Wladimir Putin. Anstatt wurde die Ukraine in einer Art US-Stellvertreter-Krieg bis dato mit fast 190 Milliarden Euro unterstützt. Davon betreffen neben Wirtschaftshilfen (rund 100) und Flüchtlingsunterstützung (17) rund 70 Milliarden Euro militärische Unterstützung und die wird primär von den USA eingekauft. Wirtschaftlich wichtige Bodenschätzte sichern sich aber die USA, die gleichzeitig ihre finanziellen und militärischen Ukraine-Hilfen massiv zurückfahren.
In Ukraine über 1.300 sogenannte „High-Level-Korruptionsverfahren“ anhängig
Jetzt folgen von der EU nochmal 90, neunzig Milliarden Euro. 90 Milliarden Euro in Zeiten, wo nahezu jeder europäische Staat budgetär und wirtschaftlich am sprichwörtlichen Boden liegt. Geht’s noch, werte EU?! GEHT‘S NOCH??!! Was mit diesen Geldern neben Waffen oder humanitärer Unterstützungen passiert oder was genau unter Wirtschaftshilfen zu verstehen ist, erfährt der vielseitig mitfinanzierende Steuerzahler nicht. Außer, wenn hie und da der nächste Korruptionsskandal in der Ukraine nach außen dringt. Korruptionsjäger wie SAPO, ANTAC oder NABU berichten dann von Fällen zwischen „ein paar Millionen“ und 100 Millionen Euro (Energoatom/“Mindichgate“).
In Summe sind in der Ukraine über 1.300 (!) sogenannte „High-Level-Korruptionsverfahren“ anhängig. Der letzte große Fall poppte direkt im Umfeld des Ukraine-Präsidenten auf, der zuvor die Korruptionsbehörden (und das Verfassungsgericht) einschränken wollte. In Umfragen von großen deutschen Medien wie etwa Der Spiegel oder Focus fordern mittlerweile fast siebzig Prozent (!) der Deutschen einen Stopp der EU-Hilfen oder strengere, unabhängige Kontrollen was mit den EU-Geldern passiert.
Ein gefährlicher und so vielseitig belastender US-Stellvertreter-Krieg
Ob die Lenker:innen der vielen seit Kriegsbeginn täglich durch die Wiener City fahrenden — neuen — Luxus-Autos mit Ukraine-Kennzeichen wie vorzugsweise Porsche Cayenne (Neupreis : 190.000 Euro), Mercedes AMG 63s (260.000), Bentley Bentayaga (330.000) oder der ebenso selbst gesehene Maybach Landaulet (750.000 Euro ) einen Teil der EU-Gelder bei uns anlegen oder einfach nur außer Landes in Sicherheit bringen, muss eine Mutmaßung bleiben.
Ich wollte und will diesen gefährlichen und so vielseitig belastenden US-Stellvertreter-Krieg nicht ! Aus meiner Sicht hatte die EU auch nie die Legitimation diesen Krieg zu führen oder zu unterstützen. „Die EU zieht Europa ohne Zustimmung in den Krieg“, meinte kürzlich auch der Slowakische Premierminister Robert Fico, ein Sozialdemokrat übrigens. Fico weiter : „In der EU darf man keine andere Meinung haben, wenn man sagt kein Geld für Waffen, dann wird man sofort als schlecht abgestempelt“.
„Die gesamte Handhabung des Ukraine-Krieges hat nichts mehr mit Demokratie zu tun“
Der Sozialdemokrat Fico stellte auch das EU-Verbot für russische Gas-Importe in Frage und kritisierte offen die Doppelmoral der EU-Politik in Sachen Energie : „Die Slowakei darf kein russisches Gas kaufen, während Russland weiterhin einer der größten Gas-Lieferanten für Länder wie Frankreich ist“. Sein finales Urteil : „Die gesamte Handhabung des Ukraine-Krieges hat nichts mehr mit Demokratie zu tun, abweichende Meinungen werden unterdrückt und alternative Ansichten als Verrat behandelt.“ Das politische System der EU sei „zutiefst dysfunktional“.
Dieses friedenspolitische und teilweise auch demokratiepolitische Versagen beeinflusst über die Themen Energie und Stimmung bzw. Unsicherheit in Unternehmen und Bevölkerung dann direkt die wirtschaftliche Entwicklung von EU und Österreich. Die massive Verteuerung von Energie mit den damit verbundenen Kostenbelastungen der Unternehmen löst quer durch alle Branchen teilweise massive Preiserhöhungen aus und treibt entsprechend auch die Inflation. Und das treibt wiederum die Lohnerhöhungen und verbundene Steuern als weitere betriebliche Kostenbelastung – und mündet dann spiraldynamisch in weitere Preis- und Inflationserhöhungen.
Europaweite Zunahme der Unternehmens-Insolvenzen in Verbindung mit Energiekosten
Die hier in den Jahren 2023 und 2024 beim Thema Lohnerhöhungen von den Gewerkschaften argumentierte Förderung von Kaufkraft und Inlandskonsum ist übrigens nicht eingetreten. Der Ukraine-Krieg drückt auf die Stimmung der Österreicher:innen und diese benötigen die Lohnerhöhungen selbst für die hohen Kosten insbesondere von Energie und Lebensmittel oder sie sparen das Geld lieber. Siehe dazu aktuelle Erhebungen etwa von der Österreichischen Nationalbank (economy berichtete).
Weiters sind die Energiekosten auch ein wirtschaftspolitischer Faktor für die hohe Steigerung der Unternehmens-Insolvenzen und damit zumindest teilweise verbunden auch für die Steigerung der Arbeitslosenzahlen. Aktuelle Studien belegen, dass 40 Prozent der österreichischen Betriebe die Energiekosten als existenzielle Bedrohung sehen. Auch in Deutschland, Frankreich, Griechenland, Holland oder Irland gibt es historische Rekordwerte bei den Unternehmens-Insolvenzen und auch hier spielen die Energiekosten eine dominante Rolle.
Wo sind vergleichbare Milliarden-Beträge für europäische Wirtschaftsprogramme ?!
Warum es vor diesem Hintergrund keine vergleichbaren Milliarden-Beträge für Wirtschaftsprogramme europäischer Unternehmen oder zum Aufbau einer eigenen Energie-Infrastruktur gibt und dafür dutzende Euro-Milliarden weiter in die Ukraine fließen ist mit Ausnahme von Unterstützungen für die direkt im Kriegsgebiet befindliche Ukrainische Bevölkerung völlig unverständlich und inakzeptabel. An die Österreichische Bundesregierung mit der Bitte um Weiterleitung : Ich will das nicht mehr !
Nächster Punkt in der eingangs angeführten Versagens-Liste der EU im wirtschaftspolitischen Bereich ist die technologische Abhängigkeit von einer Handvoll US-Konzernen. Wie hier vor ein paar Tagen im Text „Europa hängt an der US-Nadel“ umfassend erläutert, gibt es ein US-Monopol auf nahezu die komplette technische Infrastruktur und Kommunikation von Unternehmen sowie parallel das gleiche US-Monopol auf die private technische Infrastruktur und Kommunikation sämtlicher EU-Bürger und damit auch der Österreicher.
Die enorme US-Abhängigkeit bei technologischen Produkten
Als ob das nicht schon allein besorgniserregend genug ist, kann die US-Administration über bereits seit 2018 bestehende gesetzliche Regularien (US-Cloud-Act) über diese IT-Dienste und sämtliche damit verbundenen Daten bestimmen – und sie etwa auch einfach einsehen oder ganz abdrehen wie im Fall des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag/NL/Europa. Beim Thema KI droht nun die nächste europäische Abhängigkeit von den USA. Hier will, will die EU nun mehrere europäische KI-Factories schaffen. Aktuell können sich europäische Staaten mit Standorten dafür bewerben.
Lächerlich, weil bis der Zuschlag erfolgt und so eine Factory dann steht und voll in Funktion ist, vergehen von jetzt weg mindestens vier bis fünf Jahre. Und dann sind die US-KI-Companies schon wieder uneinholbar weit vorne. Auch dieses Beispiel zeigt, dass seitens der EU immer nur reagiert und nie proaktiv agiert wird. Gegen die technologische Abhängigkeit bei den betrieblichen IT-Diensten und Kommunikation gäbe es genug europäische Alternativen, die EU könnte leicht einen länderübergreifenden Schulterschluss unterstützen. Das Beispiel Airbus zeigt, das so etwas erfolgreich sein kann.
Die monopolartige Dominanz einer Handvoll US-Companies
Die Abhängigkeit bei den technologischen Produkten und Diensten hat mittlerweile aber auch enorme gesellschafts- und vor allem demokratiepolitische Auswirkungen. Die monopolartige Dominanz von US-Companies wie Google oder Meta (Facebook und Instagram) bzw. Apple und wieder Google bei den App-Stores hatte und hat eine massive Veränderung bei den werblichen Auftritten von Unternehmen sowie Institutionen und Behörden zur Folge.
Über die gesamte EU verteilt gehen von den Werbebudgets mittlerweile zwei Drittel in Digital-Werbeformate von US-Konzenen – und nur mehr ein Drittel in die klassische Werbung nationaler Medien. In Deutschland sollen es aktuell bereits 50 Prozent sein, die an Google, Meta & Co. gehen. Im Bereich der mobilen App-Werbung sind es aktuell fast 90 Prozent (!). Zusammen machen allein die digitalen US-Imperialisten Google und Meta rd. 140 Milliarden Euro Umsatz in Europa, für ALLE europäischen Medienhäuser werden 123 Milliarden Euro ausgewiesen (2024).
Telematische Maschinerien als Störelement gegen eigenständiges Denken und Lernen
Das bisherige Geschäftsmodell von klassischen Medien wie Zeitungen und Magazinen oder TV und Radio erodiert immer schneller. Diese klassischen Medien sind aber gemeinsam mit Büchern eine tragende Säule einer Demokratie. Unabhängige Information, Diskurs, Kontrolle und Bildung sind ihre zentralen Funktionen bzw. Aufgaben. Das adressiert Menschen jeden Alters und insbesondere die Jugend. Hier gibt es dann auch einen sozial- wie gesundheitspolitischen Aspekt. China-Apps wie TikTok haben hohes Suchtpotential und das könnte sogar beabsichtigt sein. Ebenso, dass es bei allen Social-Media Apps keine Einsicht in die zugrunde liegenden Algorithmen gibt.
Im Kontext mit dem Verbot von „Social Media“ in Australien für unter 16-jährige und dem „Smart-Phone-Verbot“ an Österreichs Schulen schreibt der renommierte Kulturwissenschafter Wolfgang Müller-Funk in einem klasse Kommentar im Standard : „Ganz offenkundig sind telematische Maschinerien auch ein Störelement, das eigenständiges Denken, Konzentration und Lernen behindert“. Und : „Es macht einen Unterschied, ob ich Passagen aus digitalen Apps kopiere oder ob ich imstande bin, durch intensive Lektüre Verständnis und Sprache für jene Welt zu entwickeln, in der ich lebe“. Vollinhaltliche Zustimmung auch als Vater zweier schulpflichtiger Teenis.
Final geht es um die Demokratie und die Bildung der nächsten Generationen
Final geht es also um die Demokratie und um die Bildung insbesondere der nächsten Generationen werte EU. So nebenbei geht es auch um rund acht Millionen Arbeitsplätze in der europäischen Medien- und Kreativwirtschaft, davon rund 900.000 Journalist:innen (rund 6.000 in Österreich). Die ersten Internet-Medien in Europa starteten 1995, etwa der von mir damals mitgegründete und kommerziell verantwortete derStandard.at. Google gibt es in Europa seit 2001, Facebook seit 2008.
Spätestens ab 2008 beginnen dann umfangreiche Umverteilungen (Rubrikgeschäft, Kleinanzeigen) in Richtung der US-Digitalmedien. Der Ordnung halber sei erwähnt, dass viele europäische und österreichische Medienhäuser nicht nur „geschlafen“ haben, sondern den US-Digitalisten bereitwillig eine Plattform in den eigenen Medien boten. Eine Ausnahme war und ist hier der Deutsche Axel Springer Verlag mit seinem Boss Matthias Döpfner, der früh und nachhaltig erfolgreich neue Internet-Geschäftsmodelle erschloss.
Keine unternehmerische Antwort und keine wirtschaftspolitische Antwort
Seit bald 20 Jahren also „schießen“ die digitalen US-Imperialisten Europas Medien sturmreif, um im aktuellen Kriegs-Jargon zu bleiben. Es gab und gibt aus Europa keine unternehmerische Antwort in Richtung einer adäquaten Suchmaschine oder einer adäquaten Social Media Plattform. Es gibt auch seitens der EU keine Initiative in diese Richtung, obwohl es schon seit Jahren dringenden wirtschafts- und gesellschafts- und demokratiepolitischen Handlungsbedarf gibt.
Was es gibt, sind gesetzliche Regularien Europas wie DSGVO oder Digital Service Act — und laufende Verstöße dagegen seitens der Amerikaner. Damit sind wir beim letzten Fehlverhalten der EU — und gemeinsam mit den weiteren 90 Milliarden an EU-Unterstützung für die Ukraine beim finalen Auslöser für diesen Kommentar : Rechtsstaatliches Versagen und die Causa Armin Wolf. Armin Wolf ist zwar ein bekannter Journalist und Anchor der Nachrichtensendung ZIB2 beim ORF, in diesem Fall aber Privatperson, ein normaler Bürger des Staates und EU-Mitgliedslandes Österreich.
Ein Bürger und eine rechtsstattliche Institution laufen gegen die Wand
Ein auf der Plattform X (ehem. Twitter) anonym auftretender Nutzer (Pseudonym Edwin Raithoffer) veröffentlichte mehrere Jahre (!) lang persönlich beleidigende, verleumderische und rufschädigende Beiträge gegen Armin Wolf. Wolf meldete diese Beiträge mehrmals an X, wo die Postings aber trotz wiederholter Beschwerden nicht gelöscht werden.
Auch die Identität des anonymen Nutzers wird nicht herausgegeben, um rechtliche Schritte gegen diesen einzuleiten. Das ändert sich auch nicht nach entsprechenden Anträgen des Straflandesgerichts Wien. Die mit der Europaniederlassung in Irland ansässige Plattform X verweist lediglich darauf, dass innerhalb der EU keine Nutzerdaten gespeichert werden — und auf bereits gescheiterte Rechtshilfeverfahren in Irland wie in den USA.
Strafrechtlich relevante Behinderung eines Straftäters und die geballte Macht der US-Konzerne
Da die Verfolgung des anonymen Trolls somit nicht möglich war, hat Armin Wolf nun mit seiner kundigen Anwältin Maria Windhager die Plattform X bei der Staatsanwaltschaft Wien wegen Verdacht auf „Begünstigung“ angezeigt. Der strafrechtliche Vorwurf (§ 299 StGB) ist, dass X durch sein Verhalten (Nicht-Löschung und ‑Datenherausgabe) die Strafverfolgung eines möglichen Straftäters behindert – und ihn damit indirekt schützt.
Im EU-Land Irland hat nicht nur X seinen Europasitz, sondern auch so gut wie alle anderen großen US-Digital- und IT-Konzerne : von Airbnb, Amazon/Amazon Web Services, Apple, Cisco und ebay über Google, IBM, LinkedIn, Meta, Microsoft und Netflix bis hin zu Oracle, PayPal, Salesforce und Zoom. Eine derartige Marktmacht bringt sicher gewisse Vorteile, etwa bei günstigeren Steuern (aktuell offiziell 12,5 Prozent Körperschaftssteuer, nach jahrelangen Vorwürfen von noch günstigeren Steuerdeals) – und allem Anschein nach auch Vorteile bei Rechtssachen.
Diese EU hat absolut dringenden Handlungsbedarf
Laut EU-Ombudsstelle hat Irland hat über seine Datenschutzbehörde DPC eine „special role“ bei grenzüberschreitenden DGSVO-Verfahren. Als praktische Folge laufen viele der großen DSGVO-Verfahren gegen US-Plattformen prozessual über Irlands DPC — mit Abstimmung im EU-Kreis der Behörden und ggf. Streitbeilegung auf Ebene des EDPB (European Data Protection Board). Final bleibt über, dass ein Bürger und eine rechtsstaatliche Institution eines EU-Mitgliedslandes gesetzlich verbrieftes nationales wie EU-Recht nicht durchsetzen kann – oder besser vielleicht, darf.
Von hinten nach vorne nun : Rechtsstaatliches Versagen, demokratiepolitisches Versagen, wirtschaftspolitisches Versagen – und als Spange insbesondere das friedenspolitische Versagen. Diese EU hat dringenden Handlungsbedarf und damit haben auch ihre Mitgliedsstaaten dringenden Handlungsbedarf. Und abschließend auch nochmal : das ist keine „rechte“, „linke“, parteipolitische oder sonstige ideologische Sichtweise, sondern die eines existenziell verantwortlichen Familienvaters und Kleinunternehmers im EU-Land Österreich. (Christian Czaak)
„Die Neutralität zählt dann nicht mehr“

Eine Intensivierung der Kriegsberichterstattung, eine fehlende Friedensdiplomatie der EU, eine tendenziöse Meinungsmache für eine neue Wehrpflicht unserer Kinder und eine irritierende Werbeoffensive des Bundesheeres an Österreichs Schulen. Eine Widerrede von Gernot Benesch.
In Deutschland wurde soeben ein neues Wehrdienstgesetz beschlossen. Das Gesetz tritt mit 1. Jänner 2026 in Kraft, Zielsetzung ist, die Personalstärke der Deutschen Bundeswehr deutlich zu erhöhen. Es gibt keine automatische Einberufung, der Dienst an der Waffe bleibt freiwillig, kann aber im Verteidigungsfall sofort aktiviert werden. Dann wären wieder alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren betroffen. Junge Menschen demonstrieren deutschlandweit gegen das Gesetz.
Massive Zunahme der medialen Kriegsberichterstattung
Österreich hat sich schon öfter ein Beispiel an Deutschland genommen und, Zufall oder nicht, auch bei uns prüft eine sogenannte Wehrdienstkommission eine Reform der österreichischen Wehrpflicht. Bedingt durch den Ukraine-Krieg hat die mediale (Kriegs)Berichterstattung massiv zugenommen und damit rückt auch das Thema Verteidigungsfähigkeit wieder ins Zentrum.
Während man früher noch über die komplette Abschaffung des Wehrdienstes sprach und ein Berufsheer überlegte, wird nun über die Verlängerung von den derzeit sechs auf acht Monate und eine Ausweitung auf Frauen (in Form eines sog. Bürgerdienstes) diskutiert. Aktuelle Umfragen vom November zeigen angeblich, dass die Zustimmung zur Wehrpflicht gestiegen ist.
Kampfszenen als Inhalt einer Werbeoffensive und ein in Frage stellen der Neutralität
Die reichweitenstarke Kronen Zeitung etwa verlautbart hierzu eine Studie, die, richtig, das Bundesheer in Auftrag gegeben hat, unterlegt mit einem schnittigen Video von Soldaten in Kampfmontur mit dem Sturmgewehr im Anschlag, von Soldaten am Maschinengewehr und mit fahrenden Panzerverbünden, die von unserer medienaffinen Frau Heeresministerin beaufsichtigt werden. Kämpfen ist spannend, so die Botschaft. Sterben aber nicht.
Generell zeigt sich in den Medien im heurigen Jahr eine starke Zunahme der Berichterstattung zum Thema Wehrpflicht und ein in Frage stellen der Neutralität. Das inkludiert dann auch tendenziöse Meinungsmache, etwa, wenn in einer Landeszeitung unter einem Pro & Kontra“ Bericht nur Pro-Stimmen vorkommen, mit Argumenten wie „notwendige Investition in die Sicherheit“ und „das bringt mehr Qualität im Heer“.
Ohnehin verunsicherte Jugendliche werden irritiert und verängstigt
Eigentlicher Anlassfall für diesen Kommentar ist aber die neue Präsenz des österreichischen Bundesheeres an den Schulen, eine anmaßende und irritierende Präsenz. Ohnehin verunsicherten Jugendlichen wird im Rahmen von (uniformierten) Bundesheer-Präsentationen vermittelt, dass sich – Zitat : „der Ukraine-Krieg ausweiten und dann auch Österreich betroffen sein könnte“.
Dann „müssen natürlich alle Männer zwischen 18 und 60 einrücken“ und „das inkludiere auch die Zivildiener“. Auf Einwände von Schülern, dass Österreich ja doch neutral sei, kommt die Antwort : „Die Neutralität zählt dann nicht mehr“. Mehrere Schüler waren danach sehr irritiert und verängstigt, kamen nach Hause und sprachen ernsthaft vom Auswandern.
Nicht eine ernsthafte diplomatische Friedensmission seitens der EU
Die Ursache für Kriege sind in Wahrheit immer nur geopolitische Machtinteressen(ten), die dann über eine unfähige oder fehlgeleitete Politik Menschenopfer einfordern. Aktuell spitzt sich die Lage insoweit zu, da in vielen europäischen Ländern gerade untaugliche Regierungen an den Hebeln der Macht sitzen. Untauglich etwa in dem Kontext, als dass es im Ukraine-Russland-Konflikt seitens der EU nicht eine, eine ernsthafte diplomatische Friedensmission gegeben hat.
Europa ist hier aber nicht die EU ! Und aus diesem Kontext heraus müssen wir Menschen Lösungen finden. Mein Kriegswiderstand beginnt bereits beim Keilen der Bundesheeroffiziellen an den Schulen, die diese auch noch willfährig gedulden lassen müssen. Die Schulen verletzen damit aber ihre Fürsorgepflicht, weil es in Wahrheit um die Stärkung des Wehrdienstes auf Grunde des Ukrainekrieges geht.
EU-NATO Konglomerat und unsere Kinder als Kanonenfutter
Zuerst bildet man die Kinder aus, dass diese in diesem Gesellschaftssystem nach den Regeln der Herrschenden funktionieren — um ihnen dann die entsprechenden Frontbefehle geben zu können. Ein mieses Spiel, aber durchsichtig, wenn man es erkennen will. Abgesehen davon ist unser Heer gar nicht nicht in der Lage einen möglichen potentiellen Konfliktpartner aus dem Osten irgendwie anzuhalten.
Für mich scheint daher eindeutig eine Eingliederung in die NATO geplant, was in letzter Konsequenz dann Kanonenfutter für beliebige Kampflinien bedeuten kann. Wir müssen diese Signale hören und uns entschieden wehren gegen die Zuführung unserer Kinder in diese Vernichtungsdynamik. Wir können und müssen die Zeichen richtig deuten und sehen, was die Ambitionen des EU-NATO-Konglomerates für uns alle bedeuten.
Korrupte politische EU-Élite und Meinungsdiktatur
Ich sehe aktuell nicht nur eine korrupte politische EU-Élite, sondern auch die politische Machtausübung einer EU-Meinungsdiktatur, die sich gegen die Grundrechte der Menschen wendet – final eine inszenierte Illusion einer Demokratie. Eine EU, welche künstlich Krisen erzeugt oder am Leben erhält, um dann undemokratische Lösungen anzuwenden.
Eine EU, die einen starken europäischen Wirtschaftsraum inklusive einer Partnerschaft von Europa und Russland verhindert, massiv beeinflusst noch von amerikanischen (Energie)Interessen, die sich aber mittlerweile längst geändert haben. Meine Söhne und Kinder gebe ich dafür sicher nicht her !
(Gernot Bensch, 57, ist Unternehmer in Niederösterreich. Der gegenständliche Kommentar spiegelt primär die persönliche Sichtweise und Meinung als Vater von zwei Söhnen, die dann ihren Wehrdienst möglicherweise in einem EU-NATO-Konglomerat verrichten müssen).
Gekommen, um zu bleiben

Die neuen Arbeitszeiten sind flexibel und individuell. Nur mehr 31 Prozent der Betriebe arbeiten ausschließlich in Vollzeit. Diese Entwicklung braucht entsprechende Arbeitsumgebungen wie technologische Infrastruktur.
Seit der Corona-Pandemie haben Unternehmen im Durchschnitt zehn Prozent der Büroarbeitsplätze eingespart und mehrheitlich neue, hybride Arbeitsmodelle geschaffen. Die neuen Arbeitsrealitäten sind aber neben hybrid auch fokussiert und branchenspezifisch sehr unterschiedlich. Zu all diesen Themen hat der Telekomprovider Magenta nun eine von marketmind erstellte Studie mit einem repräsentativen Querschnitt über ganz Österreich veröffentlicht.
Die nötigen Arbeitsumgebungen und Technologien
Ein zentrales Ergebnis ist, dass nur mehr 31 Prozent der Unternehmen ausschließlich in Vollzeit arbeiten. In weiteren 30 Prozent stellen Vollzeitkräfte immerhin die Mehrheit. „Teilzeitarbeit wird verstärkt in Anspruch genommen und vor allem von größeren Unternehmen ermöglicht. Statt starrer Arbeitsstrukturen gibt es Spielraum für zeitliche und örtliche Flexibilität“, sagt Werner Kraus, CCO Business von Magenta.
Weitere Ergebnisse der Magenta-Studie zeigen, dass in 14 Prozent der Unternehmen die komplette Belegschaft oder zumindest der Großteil sogar ausschließlich in Teilzeit arbeitet. Spätestens hier kommen dann die dafür nötigen Arbeitsumgebungen und Technologien ins Spiel. „Die technischen Möglichkeiten für mobiles Arbeiten sind ein wesentlicher Treiber und bilden die Basis für die gelebte Flexibilität“, bestätigt Kraus.
Flexible Arbeitszeiten unterscheiden sich je nach BrancheFür 60 Prozent der heimischen Betriebe gelten 20 Wochenstunden als Mindestmaß für eine Teilzeitstelle. Eine Ausnahme ist Oberösterreich : Hier geben verhältnismäßig viele Unternehmen (34 Prozent) den Wert von 15 Stunden als Mindestmaß an. Im Rahmen dessen besteht aber immerhin etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) auf eine Kernarbeitszeit.
An erster Stelle beim Thema Kernarbeitszeit steht die Bauwirtschaft, wo die Stunden bei drei Viertel der Unternehmen gleichmäßig über die Wochentage verteilt sind. Ein Gegenpol sind hier die vergleichsweise flexible Information und Kommunikationsbranche und der Dienstleistungsbereich. Gleichzeitig ist das Montag-bis-Freitag-Modell häufiger bei Großunternehmen zu finden als in kleinen Betrieben.
Anwesenheitspflichten und freie TageDie Anwesenheitspflicht ist von Montag bis Donnerstag am höchsten, freitags deutlich geringer und am Wochenende fast nicht gegeben. Ausnahme sind Beherbergung und Gastronomie. Eher locker mit der Anwesenheitspflicht an bestimmten Wochentagen nehmen es Kleinstunternehmen.
Im Schnitt ermöglichen 12 Prozent der Unternehmen ihrer Belegschaft montags freizunehmen, freitags steigt der Anteil auf 20 Prozent. Als Ausgleich für die Wochenend-Arbeit erhalten insbesondere Beschäftigte in der Beherbergung und Gastronomie einen freien Montag.
Arbeitsumgebungen und Ausstattung
Mehr als die Hälfte der heimischen Unternehmen, allen voran Großunternehmen, arbeitet in Einzel- oder Mehrpersonenbüros, nur 16 Prozent in Großraumbüros. Im Rahmen dessen sind sogenannte Shared-Desk-Konzepte vor allem im Dienstleistungssektor, in der Beherbergung und dem Gesundheitswesen verbreitet.Für 78 Prozent der Unternehmen hat sich das Verhältnis von Arbeitsplätzen zu Mitarbeitenden seit Corona nicht verändert, bei zehn Prozent ist die Zahl der Arbeitsplätze allerdings gesunken. Das betrifft insbesondere in der Kommunikationsbranche, wo die Hälfte der Unternehmen seit der Pandemie Arbeitsplätze eingespart hat. (red/cc)
Die Verteilung von 937 Milliarden Euro

Finanzielles Vermögen der Öster-Reicher auf neuem Rekordstand. Im Rahmen der Finanzzahlen für 2024 hat die Österreichische Nationalbank genaue Aufteilungen wie Besitzstände erhoben und auch das Thema Schulden analysiert.
Wie kürzlich berichtet, hat die Österreichische Nationalbank (OeNB) die aktuellen Finanzzahlen der österreichischen Haushalte für 2024 veröffentlicht und dabei auch einzelne Kennziffern und Entwicklungen herausgearbeitet. „Noch nie zuvor hatte der österreichische Haushaltssektor so viel Geld übrig, um es anzulegen“, lautete eine der zentralen Aussagen bei der OeNB-Pressekonferenz.
Investments in Finanzprodukte als weiterer Höchstwert
Wie schauen nun bei den Österreicher:innen die einzelnen Schwerpunkte beim Thema Geld und Vermögen aus ? Grundsätzlich ist 2024 einmal das nettoverfügbare Einkommen des österreichischen Haushaltssektors um fast acht Prozent auf rund 290 Milliarden Euro gestiegen, das Gesamtvermögen eben auf rund 937 Milliarden Euro. Den größten Anteil davon machen (Spar)Einlagen aus (36 Prozent), gefolgt von Beteiligungen an GmbHs, Privatstiftungen u.ä. (24) und Wertpapieren (21 Prozent).
Knapp 30 Milliarden Euro wurden 2024 in Finanzprodukte investiert – ebenso ein historischer Höchstwert. Auch im ersten Halbjahr 2025 beträgt die Geldvermögensbildung bereits 14 Mrd. EUR. Laut OeNB soll sich dieser Trend fortsetzen. Während im Jahr 2024 noch der Aufbau von Einlagen die Geldvermögensbildung dominierte, überwiegen im 1. Halbjahr 2025 die Nettozukäufe von Wertpapieren.
Veränderung beim Verhältnis zwischen täglich fälligen (Spar)Einlagen und gebundenen Einlagen
Vom gesamten Einlagenbestand (Anm. 334 Mrd. EUR) entfallen mit Juni 2025 der Wert von 63 Prozent oder 209 Mrd. EUR auf täglich fällige Einlagen und 37 Prozent oder 125 Mrd. EUR auf gebundene Einlagen. In den Jahren 2022 und 2023 reagierten die Haushalte auf das steigende Zinsniveau, indem sie gebundene Einlagen in erheblichem Ausmaß aufbauten und gleichzeitig täglich fällige Einlagen reduzierten.
Seit dem Rückgang des Zinsniveaus zeigt sich ein gegenläufiger Trend : Im ersten Halbjahr 2025 ist bereits ein Abbau von gebundenen Einlagen zu beobachten. Zum Ende der Nullzinsphase Mitte 2022 entfielen 30 Prozent oder rund 91 Mrd. EUR des Einlagenbestandes auf gebundene Einlagen. Bis Ende 2024 stieg dieser Anteil auf 39 Prozent oder 128 Mrd. EUR bevor er im Juni 2025 wieder leicht auf 37 Prozent oder 125 Mrd. EUR zurückging, so die Erhebungen der OeNB.
Gesonderte Betrachtung der Entwicklung seit der Corona-Pandemie
Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 stiegen die Nettozukäufe von Wertpapieren deutlich, was zu einer strukturellen Veränderung des Investmentportfolios privater Investor:innen führte. Der Wertpapierbestand stieg seither um etwa 50 Prozent (!) und erreichte im Juni 2025 mit 197 Mrd. EUR einen neuen Höchststand. Investmentfonds machten im Juni 2025 mit 108 Mrd. EUR oder 55 Prozent den größten Anteil der Wertpapierbestände im Portefeuille der Haushalte aus. Es folgten börsennotierte Aktien in Höhe von exakt 50 Mrd. EUR (25 Prozent) und verzinsliche Wertpapiere mit 39 Mrd. EUR (20 Prozent).
Mit Beginn der Zinswende im Jahr 2022 setzte eine steigende Nachfrage privater Haushalte nach verzinslichen Wertpapieren ein. Auf Zukäufe in Höhe von 6,7 Mrd. EUR im Jahr 2023 folgte ein ähnlich starker Forderungsaufbau von 6,4 Mrd EUR im Jahr 2024. Zuvor waren Anleihen über nahezu ein Jahrzehnt hinweg per Saldo abgebaut worden. Im ersten Halbjahr 2025 dominierten wieder Investmentfondsanteile mit vier Mrd. EUR die Veranlagung privater Haushalte in Wertpapiere. Das Aktienvermögen der Haushalte wird überwiegend durch internationale Titel geprägt und machen 72 Prozent des Gesamtbestandes aus.
Die Besitzer der Vermögensstände
Ebenfalls genau erhoben von der OeNB wurde, wer nun Besitzer dieser Vermögen ist. Die Kernaussage hier : Ein großer Teil der Haushalte besitzt nur wenig, während das Vermögen im oberen Bereich der Verteilung konzentriert ist. Für rund ein Viertel der Haushalte liegt das Nettovermögen unter 20.000 Euro, für etwa 40 Prozent unter 50.000 Euro. Erst ab der Mitte steigen die Werte deutlich, und werden steiler. Der Median (Anm. die Mitte der Verteilung) liegt seit 2021 praktisch unverändert bei rund 125.000 Euro.
Der Durchschnitt liegt mit über 330.000 Euro allerdings viel höher, weil wenige Haushalte sehr große Vermögen besitzen. Absolut betrachtet blieb das Nettovermögen seit 2021 in der unteren Hälfte nahezu unverändert, während es im oberen Bereich deutlich stieg. „Die relative Ungleichheit bleibt dabei stabil, die absoluten Vermögensabstände wachsen weiter und das, da Vermögensgewinne im Wesentlichen bei Haushalten mit hohem Immobilien- oder Unternehmensvermögen ankommen“, so eine weitere Erkenntnis der Experten der Österreichischen Nationalbank (OeNB).
Analyse der Verschuldung von Österreichs Haushalten
Ebenfalls analysiert von der OeNB wurde das Thema Verschuldung. Von den Österreichischen Haushalten ist weniger als ein Drittel verschuldet. Die Hälfte davon entfallen auf unbesicherte Schulden (z.B. Konsumentenkredite), rund 40 Prozent auf besicherte Kredite (z.B. Hypothekarkredite im Kontext mit Wohn-Immobilien). Beide Kreditformen parallel nutzen nur wenige. Trotz der höheren Verbreitung unbesicherter Schulden entfällt der größte Teil des gesamten Schuldenvolumens (90 Prozent) auf besicherte Kredite, weil Immobilienfinanzierungen deutlich höhere Darlehensbeträge aufweisen.
Die besicherten Schulden liegen überwiegend bei einkommensstarken Haushalten : 2023 entfielen 45 Prozent der Hypothekarkreditnehmer auf die oberste Einkommensschicht. Diese Konzentration ist über die letzten zehn Jahre überaus stabil geblieben. In den einkommensärmeren Schichten ist (Teil-)Eigentum nahezu nicht vorhanden, hier überwiegt klar die Miete als Wohnform, während nur ein kleiner Teil der Haushalte unentgeltlich wohnt, etwa, wenn Haushalte in einer Wohnung von Angehörigen wohnen oder nach einer Schenkung weiterhin im eigenen Heim leben. Da das Hauptwohnsitz-Eigentum die wichtigste Vermögenskomponente österreichischer Haushalte darstellt, trägt dies zu Vermögensunterschieden bei.
Geringere Gesamtschulden als im Euro-Raum
Insgesamt sind die Finanzverpflichtungen der österreichischen Haushalte seit 2022 um zwei Prozent gesunken. Ausschlaggebend dafür waren ungünstigere Finanzierungsbedingungen wegen gestiegener Zinsen. Im Juni 2025 lag die Verschuldung bei 217 Mrd. EUR, ein geringer Wert im Vergleich zu anderen EU-Ländern. Sie beträgt in Österreich 23 Prozent des Finanzvermögens und im Euroraum 26 Prozent. Die Verschuldung des Haushaltssektors hängt auch von strukturellen Gegebenheiten eines Landes ab, etwa von der Ausprägung des Miet- oder Eigentumsmarktes bei Wohnimmobilien.
Nach geringerer Finanzierungsdynamik im Umfeld steigender Zinsen nahm nun aktuell die Kreditverschuldung erstmals seit Mitte des Jahres 2023 wieder zu und lag im 3. Quartal 2025 bei +0,5 Prozent. Während bis zum Jahr 2022 noch jährliche Wachstumsraten von bis zu sechs Prozent erzielt wurden, entwickelten sich insbesondere die volumenstarken Wohnbaukredite in den Jahren 2023 und 2024 rückläufig. „Bei Konsumkrediten hingegen ist seit Beginn des Jahres 2024 wieder ein leicht positives Wachstum zu beobachten“, so die diesbezügliche Analyse von den Experten der Österreichischen Nationalbank (OeNB). (red/czaak)
Österreicher vermögend wie nie zuvor

Nationalbank mit Finanzzahlen 2024. Nettoeinkommen auf 290 Mrd. und Gesamtvermögen auf 937 Mrd. Euro gestiegen. Starke Sparquote mit 30 Mrd. Euro als historischer Höchststand. Geringe Verschuldung der Haushalte und weniger Mittel für Investitionen.
Die Österreichische Nationalbank (OeNB) hat die aktuellen Finanzzahlen der österreichischen Haushalte für 2024 veröffentlicht und die einzelnen Parameter (wie gewohnt) detailliert und entsprechend interessant wie aussagekräftig herausgearbeitet. Vorweg zeigt sich nach Lesung der Ergebnisse der zusammenfassende Befund, dass die von den Gewerkschaften durchgedrückten Lohnerhöhungen der letzten Jahre auf Sparbüchern oder Wertpapierdepots der Österreicher:innen gelandet ist – und nicht in der mit den Lohnabschlusshöhen argumentierten Konsumförderung oder bei wirtschaftlichen Investitionen.
In Österreich 50 Prozent höhere Sparquote als Euroraum
Der Bericht der OeNB beginnt mit den wichtigsten Kennziffern und dazu gehört die Sparquote. Diese ist mit 12 (!) Prozent sogar stärker gestiegen als im Euroraum (8 Prozent). Nächster Punkt Konsumwachstum und das fiel den OeNB-Experten zufolge deutlich geringer aus als das Einkommenswachstum. Rund die Hälfte der österreichischen Haushalte lebt mittlerweile im Eigentum. Fast alle haben Sparbücher und Girokonto, immerhin 12 Prozent halten Fonds und 6 Prozent Aktien. Für die erstmals erhobenen Krypto-Werte werden 4 Prozent ausgewiesen.
Als stabil wird die Vermögensverteilung beschrieben. In der oberen Vermögenshälfte überwiegen Eigentümer:innen, in der unteren sind es die Mieter:innen. Frauen verfügen über weniger Vermögen als Männer. In Summe haben die Haushalte 2024 den Betrag von 29,5 Mrd. Euro veranlagt, nominell ein historischer Höchststand. Die größten Zuflüsse gab es bei gebundenen Einlagen und Wertpapieren. Insgesamt beläuft sich das Vermögen des österreichischen Haushaltssektors auf rund 937 Milliarden Euro. Bemerkenswert auch das Thema Verschuldung. Diese ist im Vergleich mit dem Euro-Raum gering, weniger als ein Drittel der Haushalte haben Schulden (15 Prozent besicherte und rund 18 Prozent unbesicherte Kredite).
„Noch nie zuvor hatten österreichische Haushalte so viel Geld übrig“
Beim nettoverfügbaren Einkommen des österreichischen Haushaltssektors ist im Jahr 2024 eine Steigerung um fast acht Prozent auf rund 290 Mrd EUR auszumachen. Davon wurden 88 Prozent für den Konsum aufgewandt und 12 Prozent gespart. Die verfügbaren Mittel, die aus gespartem Einkommen, erhaltenen Vermögenstransfers und der Kreditaufnahme entstehen, sind aufgrund der hohen Sparquote im Jahr 2024 deutlich gestiegen. Anders als im Jahr 2023 mit 50 Prozent wurde 2024 mit 21 Prozent weniger als Hälfte (!) der verfügbaren Mittel für realwirtschaftliche Investitionen ausgegeben.
Mit 79 Prozent der verfügbaren Mittel hat der österreichische Haushaltssektor Finanzinvestitionen getätigt. Das ist im Vergleich zu den vergangenen Jahren ein besonders hoher Anteil der Mittelverwendung für diesen Zweck. „Noch nie zuvor hatte der österreichische Haushaltssektor so viel Geld übrig, um es auf dem Finanzmarkt anzulegen“, unterstrich auch Martin Kocher, seit September neuer Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, bei der Verlautbarung der aktuellen Finanzzahlen für 2024.
Einkommenswachstum doppelt so hoch wie Konsumwachstum
Die hohe Sparquote resultiert daraus, dass das nominelle Einkommenswachstum von rund acht Prozent im Jahr 2024 das nominelle Konsumwachstum von knapp über vier Prozent deutlich übersteigt. Gründe für das vorsichtige Agieren der privaten Haushalte und ihre verstärkte Sparneigung sind unter anderem die geopolitische Lage und die schwache Konjunktur.
Der Durchschnitt (Anm. Median) der Haushalte in Österreich spart rund 300 Euro pro Monat. Dieser Durchschnitt liegt aber deutlich höher (rund 490 Euro), weil wohlhabendere Haushalte größere Beträge zurücklegen. Ein kleinerer Teil der Haushalte trägt also einen größeren Teil der gesamten Ersparnisse. Für die makroökonomische Sparquote hat das eine Konsequenz : Die gesamtwirtschaftliche Sparquote kann steigen, obwohl manche Haushalte weniger oder gar nicht sparen.
Schulden und Kredite
Beim Bereich Vermögen zeigt sich in Österreich, dass die meisten Haushalte Sachvermögen besitzen, vor allem Autos und – rund die Hälfte – den eigenen Hauptwohnsitz. Finanzvermögen ist nahezu bei allen Menschen vorhanden, meist in Form von Giro- und Sparkonten sowie Bausparverträgen. Wertpapiere spielen vergleichsweise nur für eine Minderheit eine Rolle.
Schulden haben weniger als ein Drittel der Haushalte – diese bestehen aus Hypothekarkrediten, die fast immer durch den Hauptwohnsitz besichert sind ; unbesicherte Kredite sind vom Volumen her deutlich geringer. Die Kernaussage lautet daher, das Nettovermögen ergibt sich aus der Summe aus Sach- und Finanzvermögen abzüglich der Schulden, und unterscheidet sich stark je nach Immobilieneigentum und Unternehmenseigentum.
Die Verteilung von Sachvermögen in den einzelnen Bevölkerungsschichten
Runtergebrochen auf die einzelnen Bevölkerungsschichten zeigt sich in der Frage der Vermögen, dass dieses in der unteren Hälfte (bis etwa Median) fast ausschließlich aus liquiden Finanzmitteln besteht. Das inkludiert Girokonten, Sparbücher und Bausparverträge. Sachvermögen spielt – bis auf das Auto – praktisch keine Rolle. Viele Haushalte haben kein nennenswertes Vermögen, weil weder Immobilien noch wertvolle Finanzanlagen vorhanden sind.
Im Segment der oberen Mitte dominiert klar das selbst genutzte Wohneigentum. Der Hauptwohnsitz ist die mit Abstand wichtigste Vermögensposition und bestimmt den Großteil des Nettovermögens. Weitere Immobilien oder riskantere Finanzanlagen sind in dieser Gruppe kaum vertreten. In der sogenannten Oberschicht (Anm. die oberen zehn Prozent oder das oberste Dezil) kommen stark konzentrierte Vermögensarten hinzu und das sind Immobilien, Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe und teilweise umfangreichere Wertpapierbestände.
Die Geschlechterrollen
Ergänzend haben sich die Experten der Österreichischen Nationalbank (OeNB) auch die Aufteilung nach Geschlechtern angeschaut. Frauen besitzen in Paarhaushalten (mit und ohne Kinder) entlang der gesamten Verteilung weniger Vermögen als Männer. Im Durchschnitt sind das rund 21 Prozent weniger. In der Mitte der Verteilung liegt das Nettovermögen von Frauen bei 107 Tsd. EUR, jenes von Männern bei 126 Tsd. EUR.
Am oberen Ende der Verteilung steigen die absoluten Unterschiede stark an, obwohl die prozentuale Lücke über die Verteilung hinweg relativ stabil bleibt. Betrachtet man das Nettovermögen von weiblichen und männlichen Single-Haushalten (mit und ohne Kinder), zeigt sich ebenfalls ein Unterschied : Frauen verfügen im Durchschnitt über neun Prozent weniger Vermögen als Männer. (red/czaak)
(Anm. der Redaktion : in einem folgenden Text behandelt economy die von der OeNB ebenso erhobenen Daten, wie die Vermögensbildung erfolgt und verteilt ist, und welche Einflussfaktoren hier relevant sind)