Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

02. Juli 2022

Search form

Search form

Irritierende Offenheit

Irritierende Offenheitpiqs.de/florian furtner

Mit Open Science wird der wissenschaftliche Workflow frei zugänglich, auch die Pioniere müssen sich an diese Offenheit erst gewöhnen.

Mit Open Access sollen wissenschaftliche Publikationen frei zugänglich gemacht werden. Es geht aber noch weiter: Open Science bezeichnet den Trend, den gesamten wissenschaftlichen Arbeitsablauf, von der ersten Idee über Anträge und Gutachten bis zu den Forschungsdaten, zu veröffentlichen. Ein in Wien tätiger Physiker hat nun den Anfang gemacht.

Veränderung der Wissenschaftskommunikation als Zielsetzung
Der aus Finnland stammende Physiker Toma Susi von der Universität Wien hat beim Wissenschaftsfonds FWF ein Forschungsprojekt beantragt, das positiv begutachtet wurde und gefördert wird. Nun hat er im Fachjournal „Research Ideas and Outcomes“ (RIO) als erster Wissenschafter nicht nur seinen Antrag, sondern auch die Gutachten dazu veröffentlicht, teilte der Verlag Pensoft Publishers mit.
Ziel des Fachblatts sei es, „die Wissenschaftskommunikation durch die Veröffentlichung von Ideen, Anträgen und Ergebnissen zu verändern, um Transparenz, Vertrauen und Effizienz des gesamten Ökosystems der Forschung zu erhöhen.“
„Ich muss ehrlich sein: Es war beängstigend, einen Antrag zu veröffentlichen, auch wenn ich bereits eine Förderzusage hatte“, wird Susi in einer Aussendung zitiert. Doch er sei zum Schluss gekommen, „dass die Ängste unbegründet sind und die Wissenschaft als Ganzes zweifellos profitieren würde, wenn dies gängige Praxis wird.“

Frei zugänglich
Den Antrag zu publizieren sei kein Problem, das sei Susis geistiges Eigentum, erklärte Falk Reckling vom FWF. Bei den Gutachtern sei dies nicht so einfach, noch dazu werde diesen Anonymität zugesichert. Deshalb habe man bei diesen nachgefragt. Beide hätten einer Veröffentlichung zugestimmt.
In eine ähnliche Richtung zielt auch das neue FWF-Pilotprogramm „Offene Forschungsdaten“. Mit bis zu 250.000 Euro werden Projekte gefördert, die die Analyse, Pflege oder Aktualisierung von Forschungsdaten zum Ziel haben. Die Forschungsdaten müssen dabei frei zugänglich, reproduzierbar, maschinenlesbar, zitierfähig und unter Verwendung möglichst offener Lizenzen zur uneingeschränkten Weiterverwendung publiziert werden.
Auch andere Förderorganisationen und die EU würden langsam in dieser Richtung gehen, etwa indem Datenmanagement-Pläne eingefordert werden. Für Reckling ist es nicht nur ein ökonomisches Problem, dass jede Menge an Daten erhoben werden, die dann nicht mehr zu verwerten sind. „Es geht auch darum, dass man Daten auch reproduzieren können muss, sonst hält die Wissenschaft ihr eigenes Versprechen nicht.“

Links

APA-Science/red/stem/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 22.01.2016