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29. Juli 2021

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„Extreme Belastung für Lernentwicklung und soziale Situation“

„Extreme Belastung für Lernentwicklung und soziale Situation“ © Pexels.com/Julia M Cameron

Während der Corona-Lockdowns verbringen Deutsche Kinder pro Tag über drei Stunden weniger mit schulischen Tätigkeiten. Bei einem Viertel sind es nicht mehr als zwei Stunden pro Tag, so eine neue ifo-Studie.

(red/mich) Die deutschen Schulkinder haben im Corona-Lockdown Anfang 2021 im Schnitt nur knapp über 4 Stunden (4,3) am Tag mit schulischen Tätigkeiten verbracht. Das ist zwar rund eine Dreiviertelstunde mehr als während der ersten Schulschließungen im Frühjahr 2020 - aber immer noch 3 Stunden weniger als an einem üblichen Schultag vor Corona. Das geht aus einer repräsentativen Befragung des Münchner ifo Instituts unter 2122 Eltern hervor.

Zwei Stunden Lerntätigkeit versus fast fünf Stunden am Handy
„Besonders bedenklich ist, dass 23 Prozent der Kinder sich nicht mehr als zwei Stunden am Tag mit der Schule beschäftigt haben“, sagt Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik. „Die Coronakrise ist eine extreme Belastung für die Lernentwicklung und die soziale Situation vieler Kinder“, betont Wößmann. Die ifo-Studie besagt, dass die Schulkinder täglich mehr Zeit mit Fernsehen, Computerspielen und Handy (4,6 Stunden) verbracht haben als mit dem Lernen für die Schule.

21 Prozent mit Förderunterricht
26 Prozent der SchülerInnen hatten täglich gemeinsamen Unterricht für die ganze Klasse, etwa über Video. Aber 39 Prozent hatten dies nur maximal einmal pro Woche. 56 Prozent der Eltern denken, dass ihr Kind zu Hause weniger lernt als im regulären Schul-Unterricht. 22 Prozent sind wiederum vom Gegenteil überzeugt. 21 Prozent der Schüler nahmen seit den ersten Schließungen an Maßnahmen wie Förder- oder Nachhilfeunterricht oder Ferienkursen teil.

Für 38 Prozent große psychische Belastung
Leistungsschwächere Schüler und Kinder von Nicht-Akademikern haben zu Hause deutlich weniger effektiv und konzentriert gelernt, so ein weiteres Ergebnis der ifo-Studie. Die große Mehrzahl der Schulkinder hat zu Hause Zugang zu Computer und Internet. Für die Hälfte der Kinder aber war die Situation während der Schulschließungen eine große psychische Belastung – deutlich mehr als während der ersten Schließungen (38 Prozent).

76 Prozent der Kinder vermissen soziale Kontakte mit Freunden
Ein knappes Drittel (31 Prozent) der Eltern berichten, ihr Kind habe während der Corona-Pandemie an Körpergewicht zugenommen. Für 76 Prozent der Kinder war es eine große Belastung, nicht wie gewohnt Freunde treffen zu können. „Die Mehrheit der Eltern gibt an, dass ihr Kind durch die Schulschließungen gelernt hat, sich eigenständig Unterrichtsstoff zu erarbeiten (56 Prozent) und mit digitalen Techniken besser umzugehen (66 Prozent)“, erläutert ifo-Experte Ludger Wößmann auch positive Aspekte.

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red/mich, Economy Ausgabe Webartikel, 14.05.2021