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29. September 2022

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Eine differenzierte Zeitreise mit Klimt

Eine differenzierte Zeitreise mit Klimt© George Heidegger

In der Arbeit des Künstlers Günther George Heidegger geht es vorwiegend um das Beschwören intakter Mythen. In seinem aktuellen Buch „Klimt, geht …“ spannt er nun einen gemeinsamen intimfiktiven Bogen von 1900 bis zur Gegenwart.

(red/czaak) Günther George Heidegger wurde 1960 in Bregenz geboren und ist nach seinem Studium der Kunstgeschichte an der Uni Innsbruck als Maler und Schriftsteller tätig. In seinen Bildern nimmt er primär Bezug auf alte und moderne Mythen, die auf bewusste oder auch unbewusste Art und Weise sein und unser Leben bestimmen. Gleiche und ähnliche Themen behandelt er in seinen bereits zahlreich erschienenen Büchern, darunter „Im Auge des Wolfes“ (Löcker Verlag), „Fickschwein“, „Englischer Sommer“, „Schelm“ oder „Taps der Kater“ (alle im Eigenverlag).

Ängste vor Leere, Einsamkeit und Inhaltslosigkeit
Im gesonderten Fokus stehen die Themen Inhalt und Zuflucht bzw. die Überwindung von Ängsten vor Leere, Einsamkeit und Inhaltslosigkeit sowie die daraus resultierenden und nötigen Aufbrüche in neue Räume und Welten. In den Malarbeiten entstehen dann objekthaft skizzierte Szenen, die sich einer exakten Deutung entziehen (möchten) und damit eine intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Werk auslösen. Ähnliches gilt für sein literarisches Werk und hier fügt sich nun auch sein neues Buch „Klimt, geht …“ ein.

Heideggers Geschichte von Klimt spielt sich im Sommer ab. Es ist ein ungewöhnlicher Sommer, lang, heiß und schwül. Dieser ungewöhnliche Sommer lässt den „Klimt der Vergangenheit“ auferstehen - und dann gibt es auch den anderen, den „Klimt der Gegenwart. Beide sind eine Person, die Grenzen sind fließend, und beide sind nicht wirklich freie Künstler. „Sie unterwerfen sich, der Klimt von damals seiner Zeit, der Schönheit, dem Oberflächlichen - und der moderne Klimt von heute dem Geschäft, dem Business“, so Heidegger zu seinem neuen Buch.

Wer war Klimt wirklich, und welche Kunst würde er heute machen als zentrale Fragen
Auf einer anderen Ebene ist das neue Buch aber auch eine Liebesgeschichte. Klimt wird geliebt von Monique, aber er nimmt diese Liebe einfach nicht wahr und benützt sie nur, als Modell und Partnerin. Das Auge des Erzählers bewegt sich beispielsweise durch eine Straße, schwenkt nach oben und erblickt offene Fenster, die von fächelnden, leichten Rollos verdeckt werden. Ein Atelier, auch hier eine Hitze, sie wird von einem Ventilator, der sich träge an der Decke dreht, umgerührt.

Das Atelier hat weiße, hohe Wände an denen Bilder hängen, Stühle, einen Tisch, die Staffelei - und ein großes Bett. „Dort liegt Klimt, nackt, im Dämmerschlaf mit geschlossenen Augen. Er atmet hörbar, seine Haut glänzt, ein feiner Schweißfilm bedeckt seinen muskulösen Körper“, so ein Auszug aus dem Buch. Wer ist, wer war Klimt wirklich? Welche Art von Kunst würde er in diesen Zeiten machen? Diese Fragen aufspüren und nachspüren, auch davon handelt diese Geschichte. „Klimt, geht …“ ist im Verlag Bibliothek der Provinz erschienen (ISBN: 978-3-99126-033-2; Euro 15,-) und im Buchhandel erhältlich.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 19.09.2022