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29. November 2020

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Digitale Innovation für Information und Unterhaltung

Digitale Innovation für Information und Unterhaltung© Pexels.com/Skitterphoto

Medien gelten als wichtiges Segment systemkritischer Versorgungsbranchen. Die Digitalisierung ermöglicht nun auch hier einen Entwicklungsschub.

(Christian Czaak) Mit ihrem flächendeckenden Versorgungsauftrag betreffend Information und Unterhaltung sind Medien kritische Systemerhalter. Neben seriösen Tageszeitungen und Onlinemedien kommt dem öffentlich-rechtlichen ORF hier eine besondere Rolle zu. Das erstreckt sich von Informationsformaten im TV- und Radiobereich über Spartenkanäle wie ORF III bis hin zu den Online-Channels der „TVthek“ oder den Plattformen „Flimmit“ und „Fidelio“ mit ihren Produktionen aus dem ORF-Archiv.

Flaschenhals Datenspeicherung
Dieses ORF-Archiv spielt nun im Kontext mit digitaler Innovation für redaktionelle Recherchetätigkeiten wie auch bei Nutzungsvarianten für die Konsumenten eine zentrale Rolle. Bereits 2013 erfolgte die Umstellung der gesamten Produktions- und Archivierungsprozesse von klassischer Videotechnik auf einen sogenannten filebasierten Betrieb in digitaler Form. Ab dem Jahr 2016 startete dann die Überspielung von eingelagerten Videokassetten auf digitale Speichermedien, in Summe rund 600.000 Stück mit 300.000 Stunden (rund 34 Jahre) Material.

Ein Flaschenhals war dabei die Speicherung dieser Datenmengen, die zwar digital, letztlich aber doch wieder auf „Kassetten“ erfolgte. Mit dem Wechsel zu Kapsch BusinessCom als IT-Provider des ORF im Jahr 2017 sollte das gesamte Fernseh-Archiv auf eine neue technische Plattform transformiert werden. „Für die Datenmengen des ORF gab es international keine vergleichbaren Installationen“, sagt Jochen Borenich, Mitglied des Vorstands von Kapsch BusinessCom.

Die ORF Hauptabteilung Archive und die Technische Direktion setzten schließlich auf das Konzept des IT-Dienstleisters, wo die Daten auf ein sogenanntes „Network Attached Storage“ der Firma Netapp migriert werden. „Durch den Umstieg auf das neue System erreicht man eine Steigerung der Performance um den Faktor 25 auf bis zu 10.000 MB pro Sekunde und eine massive Erhöhung von Servicequalität und Stabilität“, so Borenich.

Flexibilität und Qualität
Aufgrund des hohen Speichervolumens hat die Migration rund ein Jahr gedauert. Das System ist mittlerweile auf 14 Petabyte (Anm. rd. 14 Mio. GB) pro Standort gewachsen. Die Gesamtlösung umfasst derzeit 25 Racks aufgeteilt auf drei Rechenzentrumstandorte. Aktuell liegen allein über zwei Millionen Videofiles auf dem Archivsystem. „Die Umsetzung der Anforderungen von Redaktionen und Archiv stehen für die ORF Technik an oberster Stelle, da unsere SeherInnen direkt davon profitieren“, sagt Michael Götzhaber, Technischer Direktor des ORF.

Diese Innovationen im Archivbereich ermöglichten dem ORF auch die problemlose Bewältigung der schlagartigen Umstellungen im Zuge der Corona-Krise. Das inkludiert Home Office, generell weniger physische Prozesse, kurzfristige Zugriffe auf Archivmaterial für aktuelle Berichte und rasche Umsetzung von Programmänderungen. „Unser neues System ist europaweit einzigartig. Für die Archiverfassung und Bereitstellung für Redaktionen und Sendungen ist daraus ein wesentlicher Gewinn an Flexibilität und Nutzungstiefe hervorgegangen, der auch im Zuge der Corona-Herausforderungen deutlich spürbar ist“, ergänzt Herbert Hayduck, Leiter Hauptabteilung Archive im ORF.

Links

red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 17.11.2020