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19. November 2017

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Wettbewerb mit Fehlzündung

Wettbewerb mit Fehlzündung© piqs.de/lisa spreckelmeyer

Trotz der Liberalisierung im Energiesektor bleiben Österreichs Haushaltskunden wechselunwillig.

Die heimischen Haushaltskunden haben von der Liberalisierung der Energiemärkte 2001 bisher kaum profitiert, Anders schaut es bei Industrie und Gewerbe aus, beide haben ihre Strombezugskosten um bis zu 50 Prozent reduzieren können. Bei den Privatkunden blieben die Verbilligungen minimal, auch weil die Regierung die energiebezogenen Steuern parallel zur Marktöffnung deutlich angehoben hat. Dessen ungeachtet kann man beim Wechsel des Stromanbieters saftig Geld sparen. Ein Wiener Durchschnittshaushalt (3.500 Kilowattstunden) kann sich laut Strompreiskalkulator bis zu 150 Euro ersparen: Für die gleiche Menge Strom zahlt man beim Verbund rund 500 Euro im Jahr, bei der Ökostrom AG sind es 650 Euro. Wer noch mehr verbraucht, kann sogar noch höhere Einsparungen lukrieren. Trotz dieser offensichtlichen Preisvorteile fällt die Bilanz der Marktöffnung sehr nüchtern aus: Erst drei Prozent der Gaskunden und sechs Prozent der Stromkunden haben in Österreich ihren Anbieter gewechselt. Wo die einen beim Gedanken an jede Menge Formulare bei der Ummeldung abwinken, hemmt andere die subjektive Unsicherheit, ob mit dem neuen Versorger nicht doch das Licht ausgeht. Auch die Devise „Ein Wechsel bringt unterm Strich nicht viel“, gehört zur vorherrschenden Meinung.

Steigende Preise
„Das Interesse für einen Wechsel des Stromlieferanten oder Gasversorgers ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen“, beschreibt Walter Boltz, der Chef der Regulierungsbehörde E-Control die jüngste Entwicklung. Bei der Telefon-Hotline habe man im Vorjahr einen Anstieg der Anrufe um über 170 Prozent im Vergleich zu 2004 registriert. Der Online-Tarifkalkulator der E-Control verzeichnet an Spitzentagen sogar bis zu 15.000 Abfragen. Eine deutsche Studie zeigt, dass mit den Kosten der Unwillen des Verbraucher steigt. Laut einer Untersuchung der Markenstrategie-Experten Brand Trust wäre eine Ersparnis von bis zu zehn Prozent ein Grund für den Wechsel des Energieversorgers. 65 Prozent würden wechseln, wenn eine Ersparnis von zehn Prozent erzielt werden könnte. Keine schlechten Perspektiven also für intensivierten Wettbewerb bei Privatpersonen sowie Gewerbebetrieben. „Steigende Preise erhöhen die Sensibilität und helfen, die eigene Trägheit bei der Suche nach Alternativen zu überwinden“, meint Brand Trust-Chef Klaus-Dieter Koch. „Die Anbieter müssten aber noch mehr in Marketing und Markenpfl ege investieren, weil die Verbraucher viel zu wenig über die Materie wissen.” „Bei Privatkunden kann das Vertrauen zur Marke Preisunterschiede von zehn bis 15 Prozent kompensieren“, analysiert Bernhard Haider vom Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers (PWC). „Ich glaube aber ohnehin nicht an großartige Strategien für Wechselbewegungen. Man konzentriert sich lieber darauf, Kunden bei der Stange zu halten und Argumente zu fi nden, warum man Preise leider wieder erhöhen muss.“

Ausgewählter Artikel aus Printausgabe 03/2006

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Christian Prenger, Economy Ausgabe 03-02-2006, 21.02.2017