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Wenn es im Klingelbeutel scheppert

Wenn es im Klingelbeutel scheppert (Bilderbox.com)Foto: Bilderbox.com

Die Verzahnung von Religion und Wirtschaft ist komplex. Von der Kirchensteuer bis zur Einforderung eines religiös fundierten Wirtschaftsethos spannt sich der Bogen der Religionsökonomie.

Der Kirchenbeitrag, eine leidige Geschichte. Das sogenannte Kirchenbeitragsgesetz, nach wie vor die Haupteinnahmequelle der katholischen und evangelischen Kirche, geht in Österreich auf einen Beschluss der Nationalsozialisten für die „Ostmark“ aus dem Jahre 1939 zurück, der nach 1945 einfach in die österreichische Rechtsordnung überging. Hitlers Erbe also.
Allein für die Erzdiözese Wien betrugen die Einnahmen aus dem Kirchenbeitrag laut „Rechenschaftsbericht“ 2008 rund 93 Mio. Euro, dazu kamen neun Mio. Euro an „Staatsleistungen“ und sieben Mio. an sonstigen Einnahmen. Der reine Gehaltsaufwand für Personal (Priester, Pastoralassistenten und Pfarrpersonal) betrug mehr als ein Drittel davon. Weitere rund zehn Mio. Euro verschlangen Pensionsleistungen, Abfertigungsrückstellungen und Krankenkassenzahlungen. Zum Vergleich: Der Sachaufwand für die Caritas betrug 1,4 Mio. Euro. Steuerleistung der Diözese: null Euro.
Die Finanzierung von Religion ist ein so altes Feld wie die Religion an sich. Zugrunde liegt die Annahme, dass religiöse Handlungen als Dienstleistungen verrechnet werden können, worin sich die Religionsökonomie begründet. Man kann dies nun verwundert zur Kenntnis nehmen oder auch lapidar erkennen, dass es nichts umsonst gibt, nicht einmal das Seelenheil.
Religionsökonomie trieb bekanntlich zu früheren Zeiten ihre Blüten: Mit den sogenannten Ablasszahlungen konnten sich Gläubige von ihren Sünden freikaufen, und eine gierige und korrupte Kirche in der Renaissancezeit trieb dieses System mit dem Handel von Ablasszertifikaten auf die Spitze.
Heute beschreibt Religionsökonomie ein anderes und weitaus interessantes Feld, es handelt sich nämlich um die Verschränkung von Glaubenslehre und Wirtschaftswissenschaft. Der Bogen spannt sich von Grundprinzipien einer protestantischen Arbeitsethik bis hin zu religiös angehauchter Management-Literatur.
Protestantische Arbeits­ethik, das ist der Schweiß der Fleißigen. Die protestantische Arbeitsethik ist gekennzeichnet von der Vorstellung von Arbeit als Pflicht, die man nicht infrage stellen darf. Die Arbeit bildet den Mittelpunkt des Lebens, um den herum Freizeit gestaltet wird – eine Einstellung, die heute als Common Sense angesehen wird. Den Boden für die Auffassung der Arbeit als Selbstzweck führt der Nationalökonom Max Weber auf die Entstehung des Kapitalismus im 16. Jahrhundert zurück, die zeitlich mit dem Aufkommen des Protestantismus zusammenfällt.

Management und Religion
Lebensweisen und Verhaltensdispositionen haben die Mentalität und auf diesem Wege das Wirtschaftsverhalten in einem bestehenden Kulturkontext beeinflusst. Wie stark religiöse Ethik noch immer in Wirtschaftstheorien verankert ist, zeigen etwa bestimmte Ausformungen und Charakteristiken der Management-Lehre. In der Religions­ökonomie werden beispielsweise Definitionen von Managern als „Heilsbringer“, „Weltenordner“ und „Unternehmensretter“ untersucht – und damit ihre sinnstiftende Funktion für eine soziologische Entität, in diesem Fall ein Unternehmen und seine Angestellten.
Eine interessante Untersuchung dazu stammt vom britischen Autor Stephen Pattison, der meint, Manager seien die kulturellen Helden unserer Zeit geworden, die Übermittler von Werten und Ordnung. Er untersucht die Ethik dieser Manager, ihre Anforderungen, ihre Richtlinien und ihre Maßnahmen. Managertum von heute, so Pattison, habe die Formen eines religiösen Glaubenssystems angenommen, das sich in Sprache, Handeln und Führungsstil niederschlägt.
„Religion kann kognitive Orientierungen und emotionale Einstellungen zur Verfügung stellen, die es erlauben, angesichts des Unverfügbaren, des nicht Kontrollierbaren und nicht Steuerbaren doch so etwas wie Sinn und Ordnung in der Welt wahrzunehmen und auf spezifische Weise zu codieren“, versucht der Schweizer Theologe Markus Huppenbauer, den Zusammenhang zwischen Management-Theorie und Religion darzustellen.
Die Wirtschaftskrise hat die Theologen und Religionsvertreter aber nachdenklich gemacht. Eines der Resultate war die –nicht sonderlich folgenreiche –
„Erklärung zu einem globalen Wirtschaftsethos“ auf Betreiben des Theologen Hans Küng.
„Die Erklärung nimmt die Gesetzlichkeiten von Markt und Wettbewerb ernst, will sie aber zum Wohl aller auf eine ethische Grundlage stellen“, so Küng. Sie wurde am 6. Oktober bei einem Symposium im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York vorgestellt.

Eigene Verantwortung
„Globalisierung führt nur dann zu Wohlstand, wenn sich alle Menschen grundsätzlich aufeinander verlassen könnten“, ist eine der Thesen dieser Erklärung. Die Verantwortung für die Umsetzung des Wirtschaftsethos liege allerdings bei jedem Unternehmer, Investor, Kreditgeber, Mitarbeiter und Konsumenten selbst.
Kritiker meinen, dass Küng dabei allerdings im kirchlichen Arbeitsethos stecken bleibe und die Verantwortung, die er von den Wirtschaftsakteuren einfordere, dem immanenten Streben nach Gewinn, Vorteil und Mehrwert widerspreche und daher im Ansatz seines moralisch abstrakten Anspruchs stecken bleibe. Zwar gebe es wohl die Unternehmer mit sozialer Verantwortung alter Schule, dies jedoch von der globalisierten Wirtschaftswelt in all ihrer Komplexität und ihren abstrakten Finanzdienstleistungen einzufordern, bleibe Träumerei. Geist und Moral des Kapitalismus bleibe schlicht und einfach der Gewinn, nichts weiter. Sinn und Verantwortung einzufordern, bleibe vergebens.


Arno Maierbrugger, Economy Printausgabe 79-12-2009, 18.12.2009 Artikel mailen
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die kirche selbst zieht sich zurück

aus dem wirtschaftlichen Leben. Warum verläßt die Kirche ihre wirtschaftliche Basis (und zugleich viel Potential in der tatkräftigen Nähe zum Nächsten). Warum werden (fast) alle Schulen verkauft, Krankenhäuser übergeben, Winzerbetriebe verpachtet? Ist es nur mangelnde Nachwuchs oder die fehlende staatliche Unterstützung? Es ist jedenfalls sehr schade, weil damit auch die Atraktivität und Variantenvielfalt für den Nachwuchs leidet und die Nähe zu der Bevölkerung verloren geht.

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