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25. August 2016

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No risc, no fun?

No risc, no fun?piqs.de/tina67

Paradox: Gerade die so auf Sicherheit bedachte Öffentliche Hand ist Österreichs bedeutendster Risikokapitalgeber.

Wenn junge Unternehmen mit neuen Ideen starten, ist der Erfolg nicht immer sicher. Und die Finanzierung auch nicht. Überraschenderweise kommt das benötigte Risikokapital immer öfter vom Staat. Waren es im Vorkrisenjahr 2007 laut IHS lediglich 14 Prozent, so stellten 2013 öffentliche Quellen bereits rund 40 Prozent. Der Staat springt vor allem in der Gründungsphase ein. Der wichtigste Akteur ist die aws als Förderbank des Bundes. In den vergangenen Jahren unterstützte sie etwa zehn Prozent der heimischen Start-ups bezeihungsweise jungen Unternehmen und förderte mehr als 2.500 Vorhaben.
Oliver Holle, Chef des Risikokapitalgebers Speedinvest sieht inzwischen aber eine Umkehr der Dynamik: „Das tatsächlich in Österreich stattgefundene Fundraising war ja bisher eigentlich der aws-Gründerfonds. Sonst war nichts. Das erklärt den staatlichen Überhang beim institutionellen Frühphasenkapital. Beim letzten Speedinvest-Fonds, der aktuell bei 58 Mio. Euro hält, kommen nur mehr sieben Mio. vom aws.“
Auf europäischer Ebene waren 2013 Pensionsfonds (33,5 Prozent), Fonds in Fonds-Investitionen (10,6 Prozent) und Versicherungen (9,6 Prozent) die bedeutendsten Investorengruppen. In Österreich liegen diese Werte dagegen praktisch bei null. Hervorgestrichen wird in einem Bericht des BMWFW auch, dass „Österreich trotz seines äußerst hohen Wohlstandsniveaus, renommierten Forschungseinrichtungen und breit diversifizierten, industriellen Mittelstands eines der Schlusslichter beim Thema Risikokapitalinvestitionen in Europa ist.“

Zartes Pflänzchen
Großen Zulauf hat derzeit die Szene der Schwarm-Finanzierer. Laut einer Studie der Cambridge-Universität ist Europas Crowdfunding-Markt 2014 um 144 Prozent auf knapp 3 Mrd. Euro gewachsen. In Österreich ist dieser Bereich aber noch ein mehr als zartes Pflänzchen. Laut WKO wurden 2014 mitttels Crowdfunding-Plattformen mit einem Volumen von gerade einmal etwas mehr als einer Mio. Euro rund 120 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert. Die aktuelle Dynamik lässt jedoch massive Zuwächse erwarten.
Auch bei Unis und Fachhochschulen besteht Nachholbedarf. „Da existieren noch viel zu wenige Anknüpfungspunkte mit der Start-Up-Welt.“, kritisierte Holle. Die Unis würden hierzulande viel eher mit den großen Unternehmen kooperieren, statt mit den schnell agierenden, kleinen.

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APA-Science/red/stem, Economy Ausgabe Webartikel, 18.09.2015