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19. November 2018

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Der machbare Weg in die Top 10 der Standorte

Der machbare Weg in die Top 10 der Standorte© Bilderbox.com

Das World Economic Forum (WEF) belegt Österreich beim aktuellen Ranking mit Platz 22 in der Kategorie Wettbewerbsfähigkeit. Unter 140 untersuchten Ländern verliert Österreich trotz guter Konjunktur einen Platz zum Vorjahr. Die Agenda-Austria sieht eigentlich Potential für einen Platz unter den besten zehn Nationen und publiziert einen entsprechenden Maßnahmenkatalog (siehe Link).

„Österreich hat eigentlich beste Voraussetzungen für einen Platz unter den Top 10. Dieses Ziel sollte sich die Regierung setzen“, kommentiert Hanno Lorenz, Ökonom der Agenda Austria. 
In den zehn besten Standorte finden sich vergleichbare Länder wie die Schweiz (Platz 4), die Niederlande (6), Schweden (9) und Dänemark (10). Österreichs Nachbarn wie Tschechien (Platz 29), Slowenien (35), Polen (37) oder Ungarn (48) entwickeln sich positiv. 
Das World Economic Forum publiziert in seinem sogenannten Competitiveness Report (2018) auch eine Rangliste, die Bürokratie als Hemmschuh für Unternehmen ausweist. Österreich schafft es hier mit Platz 63 nur ins Mittelfeld der 140 untersuchten Staaten. Vergleichbare Länder der europäischen Referenzgruppe wie Deutschland (7), die Schweiz (8) oder Finnland (11) schneiden da deutlich besser ab.

21 Tage für Behördenwege bei Unternehmensgründung
In Österreich dauert es 21 Tage, bis alle Behördenwege zur Gründung eines Unternehmens erledigt sind. Das bedeutet Platz 103 im WEF-Ranking. Dass es auch wesentlich unkomplizierter und kostensparender geht, zeigen kleine Staaten wie Estland (3,5 Tage) oder Dänemark (3,5 Tage). In diesen Ländern wird die Unternehmensgründung im Schnitt in weniger als vier Tagen abgewickelt. 
„Wie Estland zeigt, kann die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung nicht nur die Anmeldezeit deutlich reduzieren. Über ein Unternehmensportal kann auch die Steuererklärung und die Buchhaltung online erledigt werden. Der Staat hat sich als Dienstleister für junge Unternehmen positioniert“, sagt Lorenz. 
 
Reformbedarf bei Arbeitsmarkt und Ausbildung
Noch vor wenigen Jahren nahm Österreich den Spitzenplatz mit der niedrigsten Arbeitslosenquote innerhalb der EU ein. Trotz Hochkonjunktur belegt Österreich in dieser Kategorie nun lediglich Platz 10 unter den 28 EU-Ländern. Im breiteren WEF-Ranking ergibt das Rang 26, damit ist Österreich besser als 81 Prozent der Vergleichsländer.

Der Grund für das verhältnismäßig schwache Abschneiden liegt vor allem in der sogenannten strukturellen Arbeitslosigkeit. Das ist dann gegeben, wenn von Unternehmen angebotene Stellen nicht zu Qualifikation und Fähigkeit des Arbeitssuchenden passen. Viele Stellen bleiben daher unbesetzt und die Jobsuchenden zudem weiter arbeitslos. Schaut man sich regionale Faktoren an, so liegt Österreich bei der regionalen Mobilität denn auch nur auf Platz 126.

Um diese strukturelle Arbeitslosigkeit zu reduzieren, muss entsprechend die Ausbildung verbessert werden. „Gerade weniger gut qualifizierte Menschen haben Probleme am Arbeitsmarkt. Daher muss frühzeitig in die Ausbildung junger Menschen investiert werden“, unterstreicht auch Wolfgang Nagl, ebenso Ökonom der Agenda Austria. Diese sollte beispielsweise schon durch eine gute Kinderbetreuung im frühkindlichen Alter begonnen werden, so die Empfehlung der Agenda-Austria-Experten.

Links

red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 23.10.2018