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25. August 2016

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Meldezahlen kinderpornographischer und nationalsozialistischer Web-Inhalte stiegen auch 2014.

Bereits das zweite Jahr in Folge verzeichnete Stopline einen deutlichen Anstieg der Meldungen von vermeintlich kinderpornografischen oder nationalsozialistischen Inhalten im Internet.
Waren es 2013 bereits gut 6.000 Hinweise, die bei der Meldestelle gegen Kinderpornografie und Nationalsozialismus im Internet eingingen, so stieg diese Zahl 2014 auf beinahe 8.800. Der Anteil des tatsächlich illegalen Materials ging hingegen von durchschnittlich 20% in den letzten 15 Jahren auf unter 12% zurück.

Deutliche Sensibilisierung
„Wir sehen in letzter Zeit auch durch die konstante Berichterstattung der Medien eine deutliche Sensibilisierung beim Thema sexueller Missbrauch von Kindern. Das führt dazu, dass die User immer häufiger auch Bilder melden, die zwar Minderjährige nackt abbilden, aber nicht unter Kinderpornografie fallen“, erklärt Barbara Schloßbauer, Leiterin der Stopline den scheinbaren Widerspruch zwischen steigenden Meldezahlen und sinkender Anteil gesetzeswidriger Inhalte.
Sie sieht eine Beurteilung, welches Material wirklich illegal ist, selbst für Fachleute manchmal herausfordernd und für einen Laien damit oft unmöglich. „Deswegen ist es immens wichtig, dass die Menschen jeden Verdacht melden und die Klassifizierung sowie das Setzen der erforderlichen Schritte wie beispielsweise das Informieren des betroffenen Hosting-Providers, die Kontaktaufnahme zu den Behörden oder die Weitergabe der Informationen an INHOPE Partner-Hotlines überlassen,“ ergänzt Schloßbauer.

Zahlen im Detail
98% der Inhalte betreffen Kinderpornografie, die USA sind dabei häufigster Hosting-Standort. Während die Gesamtzahl der Meldungen im Vergleich zu 2013 um beinahe 45% auf exakt 8.792 stieg, ging die absolute Zahl der tatsächlich illegalen Inhalte auf 1.019 (2013: 1.552) zurück. Dabei handelte es sich zu 98 Prozent um kinderpornografische Darstellungen, nur 2 Prozent waren dem Nationalsozialismus zuzuordnen.
Auch 2014 wurden diese Inhalte vorrangig – nämlich zu 54% – in den USA gehostet, gefolgt von den Niederlanden und Kanada. Fünf Mal war Österreich das Herkunftsland. „Die Zusammenarbeit mit den österreichischen Providern funktioniert auch in dieser Hinsicht wirklich hervorragend, das Material wurde in allen Fällen umgehend aus dem Netz entfernt“, zeigt sich Maximilian Schubert, Generalsekretär der ISPA, zufrieden.

Internationale Zusammenarbeit
Da beinahe alle illegalen Inhalte im Ausland gehostet werden, ist die internationale Zusammenarbeit von größter Bedeutung. Diese geschieht bereits seit 15 Jahren im Rahmen von INHOPE, einem weltweiten Netzwerk von 51 Meldestellen in 45 Ländern. INHOPE organisiert unter anderem laufend Schulungen für die Hotline-Mitarbeiter, unterstützt Meldestellen im Aufbau, bietet eine breite Plattform für Austausch und arbeitet mit anderen internationalen Organisationen zusammen.
„Der Vorteil ist, dass diese Meldestellen in ihrem Land bestens mit den Behörden wie auch den Providern vernetzt sind und daher vor Ort genauso schnell, unbürokratisch und effizient handeln können wie Stopline in Österreich“, erklärt Barbara Schloßbauer. „Alleine 2014 haben wir in 933 Fällen eine dieser internationalen Partner-Hotlines kontaktiert.“

Finanzierung der Meldestellen als Herausforderung

Viele Hotlines des INHOPE-Netzwerks werden durch Mittel aus dem Safer Internet Programm der Europäischen Union gefördert. Mit 2015 hat die EU sowohl die Mittel als auch die Förderquote reduziert, 2017 soll diese Förderung komplett wegfallen.
„Die Finanzierung der Meldestellen könnte damit zur echten Herausforderung werden“, zeigt sich Schubert besorgt. „Schon die Reduktion der Förderquote auf 50% ist für manche Hotline äußerst schwer zu verkraften. Die erfolgreiche Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet kann nur bei internationaler Zusammenarbeit und einem flächendeckenden Netzwerk funktionieren, daher wäre jeder Wegfall einer dieser lokal so gut vernetzten Meldestellen eine Tragödie,“ betont Schloßbauer.
„Die Internetindustrie leistet schon jetzt einen beachtlichen Beitrag bei der Finanzierung der Hotlines und wird dies auch weiterhin tun, sie kann aber keinesfalls die ganze Last alleine tragen. Wir hoffen daher, dass diese Meldestellen auch auf EU-Ebene jene Unterstützung erhalten, die ihnen gebührt, schließlich ist Kinderpornografie nicht ein Problem des Internets, sondern eines der gesamten Gesellschaft,“ resümiert die Leiterin von Stopline.

Links

red/cc, Economy Ausgabe 999999, 17.04.2015