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19. November 2018

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Massive Auswirkungen autonomer Mobilität

Massive Auswirkungen autonomer Mobilität© piqs.de/thomas anderson

Eine internationale Studie prognostiziert umfangreiche Folgen für öffentliche wie private Verkehrsinfrastrukturen und Lebensräume durch Zunahme selbstfahrender Autos. Die beginnende Mobilitätsrevolution erfordert rasche verkehrspolitische Rahmenbedingungen.

Dem Straßenverkehr stehen durch die steigende Anzahl autonomer Fahrzeuge massive Veränderungen bevor und die Folgewirkungen sind nicht nur positiv, so eine von der TU Wien initiierte Studie in Zusammenarbeit mit der Uni für Bodenkultur in Wien und der Uni Leeds (GB).
Rund um 2035 werden auf unseren Strassen mehr selbstfahrende Kraftfahrzeuge unterwegs sein als von Menschen gelenkt und die wahrscheinlichen Auswirkungen dieser Entwicklung werden aktuell noch unterschätzt, so die Zusammenfassung von Günter Emberger von der TU-Wien.
Die Studie zeige, dass autonome Autos unser Mobilitätsverhalten völlig verändern und die Anzahl der mit dem Auto zurückgelegten Kilometer pro Person steigen werde. Dies setzt wiederum den öffentlichen Verkehr unter Druck und fördert die Zersiedelung, so eine weitere Prognose. Die Ergebnisse wurden im September erstmals bei einem eigens dafür veranstalteten wissenschaftlichen Workshop präsentiert und stoßen nun international auf großes Interesse. Günter Emberger plant bereits weitere Kooperationen und Workshops in Asien.

Arbeit und Freizeit im autonomen Auto
„Selbstfahrende Autos haben zweifellos viele Vorteile“, so Günter Emberger vom Institut für Verkehrswissenschaften der TU Wien. „Sie könnten die Kapazität unserer Straßen erhöhen, die Gefahr von Staus senken und somit die Effizienz steigern.“ Umgekehrt wird Autofahren plötzlich für jeden zugänglich und selbst Kinder können sich im selbstfahrenden Auto zur Schule fahren lassen. Damit wird das Auto zum noch stärkeren Konkurrenten für den öffentlichen Verkehr.
Weiters kann die Fahrtzeit im autonomen Fahrzeug für Arbeit oder Freizeitaktivitäten genutzt werden und das könne zur besseren Akzeptanz längerer Pendelstrecken führen bis hin zu weit vom Arbeitsplatz befindlicher Wohnorte und das würde wiederum die problematische Zersiedelung des ländlichen Raums verstärken. Auch die selbständige Suche eines autonomen Fahrzeugs nach einem Parkplatz erfordert einen neuen Umgang mit öffentlichen wie privaten Parkflächen.

Selbstfahrende Kraftfahrzeuge verändern Umgang mit Mobilität
„Wir müssen uns bereits jetzt Gedanken darüber machen, welche Auswirkung diese bevorstehende Revolution in der Mobilität auf die verschiedenen Aspekte unseres Zusammenlebens hat. Zweifellos müssen wir politisch darauf reagieren und das nicht nur in der Verkehrsplanung, sondern auch in der Raumordnung, in der Parkraumbewirtschaftung und in Bezug auf nötige steuerliche Lenkungsmaßnahmen“, betont Verkehrsexperte Emberger.
Die betroffenen und entsprechend zusammenhängenden Bereiche wie Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel, Kosten privater Parkplätze oder Anschaffungskosten selbstfahrender Autos wurden nun in der internationalen Studie der drei Unis untersucht und von weiteren Experten wie Paul Pfaffenbichler von der Wiener Boku oder Anthony May und Simon Shepherd von der Uni Leeds begleitet. Am Beispiel der Stadt Leeds wurden die vielfältigen interdisziplinären Parameter mit den daraus entstehenden verschränkten Folgewirkungen in Computermodellen dargestellt und entsprechend realitätsnah untersucht.

Umfangreiche Änderungen in der Verkehrsnutzung
„Unsere Modelle sagen eine Zunahme der pro Person zurückgelegten Kilometer von bis zu 40 Prozent voraus“, erläutert Emberger. „Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegten Strecken gehen hingegen um bis zu 20 Prozent zurück.“ Die Daten wurden für Leeds errechnet, diese Tendenz lässt sich aber auch auf andere Städte übertragen und weitere Simulationen, etwa auch Wien betreffend sind in Arbeit.
Einen signifikanten Einfluss hat beispielsweise auch die Frage, ob in Zukunft Privatpersonen ihre eigenen autonomen Autos besitzen, oder ob die Fahrzeuge als gemeinschaftlich genutztes Mobilitätssystem allen zur Verfügung stehen, was hier dann weniger Folgewirkungen hätte. „Wir müssen jetzt nachdenken, wenn wir zukünftige Nachteile dieser Entwicklung bewältigen wollen“, resümiert Verkehrsexperte Emberger. Sein TU-Team wird nun weitere internationale Forschungen initiieren, inklusive weiterer wissenschaftlicher Workshops etwa in China und Indien.

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red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 23.10.2018