Unabhängiges Magazin für Wirtschaft und Bildung

20. November 2017

Search form

Search form

Instandhaltung 4.0 oder die Optimierung der maschinellen Produktion

Instandhaltung 4.0 oder die Optimierung der maschinellen Produktion© Bilderbox.com

Ein angewandtes Forschungsprojekt von TU-Wien und Opel Wien setzt bei Planbarkeit und Reduktion von Stillstandzeiten in der industriellen Produktion an.

Produzierende Unternehmen leben nicht nur von der Qualität ihrer Produkte. Ressourcenschonung durch optimale Verfügbarkeit der Produktionsanlagen und geringe Stillstandzeiten sind ebenfalls wichtige Einflussfaktoren. Da Ausfallszeitpunkte durch ungeplante Stillstände nur schwer mit dem Produktionsprogramm vereinbar sind, wurde nun ein Leitstand für eine antizipative Instandhaltungsstrategie entwickelt.

Intelligente Datenanalyse
Für eine verbesserte und vorausschauende Instandhaltungsstrategie bedarf es kombinierter Echtzeit-Daten, die etwa Aufschluss über Verschleiß, Ausfall, Lastkollektive, Produktqualität und Auslastung geben. Der Projektpartner Opel Wien stellte für das Projekt die realen Daten zur Verfügung. Um die Belastungen an bestimmten Maschinenkomponenten vorhersagen zu können, wurden physische Produktionsprozesse an Hand eines „Digitalen Zwillings“ der Werkzeugmaschine (CHECKitB4) umfangreich simuliert. Die Daten wurden anschließend analysiert und dienten als Basis für die Entwicklung des Instandhaltungsmodells, des entsprechenden dynamischen Regelwerks und zur Umsetzung eines Piloten.
Als Ergänzung zum stationären „Instandhaltungsleitstand“ ist damit jetzt eine Echtzeitüberwachung von Maschinen- und Anlagedaten möglich, inklusive Informationen zum Abnutzungsvorrat. Der „mobile Leitstand“ ermöglicht zudem die Darstellung relevanter Kennzahlen und deren zeitlichen Verlauf. Im Ergebnis konnte eine Reduktion der Stillstandzeiten um bis zu 25 Prozent erreicht werden und das Verhältnis von ungeplanten zu geplanten Stillständen wurde um bis zu 13 Prozent verbessert.

Einsparungspotenzial durch bessere Planung

„Durch die Zusammenarbeit zwischen Projektpartnern aus Forschung und Industrie konnten wir ein System entwickeln, das technische Erfordernisse, die Verwertung großer Datenmengen und die Bedürfnisse realer Szenarien in der Industrie in Einklang bringt“, erläutert Wilfried Sihn, Leiter des Instituts für Managementwissenschaften der TU-Wien. „Mit dem Projekt Instandhaltung 4.0 haben wir eine wichtige Grundlage für weitere Forschungen in diesem Bereich geschaffen und tragen damit zentralen Fragestellungen aus der Industrie Rechnung“, ergänzt Thomas Edtmayr von Fraunhofer Austria.
Das von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützte Projekt wurde von den TU-Wien Instituten Managementwissenschaften sowie Fertigungstechnik und Hochleistungslasertechnik gemeinsam mit der Montanuniversität Leoben (Wirtschafts- und Betriebswissenschaften) sowie Opel Austria umgesetzt. Fraunhofer Austria verantwortete dabei Schnittstellenentwicklung und Implementierung einer mobilen Leitstandlösung, das Unternehmen Pimpel die physischen Simulationen.

Links

red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 08.09.2017