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Gewinn in Sekundenbruchteilen

Gewinn in Sekundenbruchteilen (Photos.com)Foto: Photos.com

Flash Trading ist der letzte Schrei im Aktienhandel, argwöhnisch beäugt von Aufsichtsbehörden.

Mit Geschwindigkeit kann man viele Arten von Geschäften machen. Eine Form davon ist das sogenannte Flash Trading, der letzte Schrei im computergestützten Aktienhandel.
Unter Verwendung hochleistungsfähiger Computer nutzen dabei clevere Aktienhändler die Sekundenbruchteile innerhalb eines Aktienhandelsprozesses aus, die zwischen der Platzierung der Order und ihrer Ausführung im jeweiligen Börsenhandelssystem vergehen.

Ungezählte Mini-Gewinne
Da die Orders in dem extrem kurzen Augenblick eingesehen werden können, bevor sie den Markt erreichen, erhalten die Flash Trader eine wertvolle Vorinformation darüber, wie sich der Markt verhalten wird. Und können in Sekundenbruchteilen ihre eigenen Orders nachschießen und auf diese Weise über ungezählte Kleingewinne in Summe einen großzügigen Gesamtgewinn machen.
Das Angenehme dabei: Die Maschinen arbeiten mehr oder weniger selbsttätig, wenn sie erst einmal mit den richtigen Algorithmen gefüttert worden sind. Berechnungen der Börsenanalysten der amerikanischen Tabb Group zufolge haben Flash Trader oder sogenannte „Hochfrequenzhändler“ im vergangenen Jahr Gewinne von mehr als 20 Mrd. Dollar (14,1 Mrd. Euro) eingefahren – aus Flash Trades und aus Gebühren von Kunden, die die Systeme nutzen.
Einer der schärfsten Kritiker des Flash Tradings ist der demokratische US-Senator Charles Schumer, der die Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) aufgefordert hat, diese „unfaire Praxis“ zu verbieten. „Wir hoffen, dass das dazu beiträgt, das Vertrauen in die Märkte wiederherzustellen.“
Das große Problem dabei ist, dass die Börsen selbst mit dem Hochfrequenzhandel gar nicht so unglücklich ist. Er verhilft den Aktienmärkten zu mehr Liquidität und damit zu höheren Gebührenumsätzen. Wenn man berücksichtigt, dass an manchen Tagen bis zu 70 Prozent des Volumens im Hochfrequenzhandel gemacht werden, kann man verstehen, dass die Börsenplätze um ihre Gebühreneinnahmen fürchten und demzufolge den Flash Tradern sogar gestatten, ihre Hochleistungsserver im börseneigenen Data Center aufzustellen.

Kurzes Kabel
Dabei spielt sogar der räumliche Abstand zum Börsen-Zentralrechner eine Rolle. Denn für das Geschäft mit den Sekundenbruchteilen ist sogar die Kürze des Verbindungskabels ausschlaggebend.
Ein Verbot des Flash Tradings würde viele Spezialmärkte wie zum Beispiel Rohstoffbörsen sogar „austrocknen“, befürchten Börsenkenner, die es wissen müssen.


Arno Maierbrugger, Economy Printausgabe 80-01-2010, 29.01.2010 Artikel mailen
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