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17. Januar 2018

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„Dabei sein muss ein Jeder.“

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(Video/Text; german/english) T-Systems Österreich hat seit Mai mit Franz Grohs einen neuen Chef der seit vielen Jahren in internationalen IT-Managementfunktionen tätig ist. Economy sprach mit dem erfahrenen Experten für Unternehmens-IT über aktuelle Trends, über sterbende Maschinen, über die Gefahren für Front-Runner und über den Fruchtgenuss von Early-Adapters.

Economy: Welche Entwicklung hat die unternehmensrelevante IT in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht erfahren?
Franz Grohs: In meiner Generation gab es noch Viertel-Telefone, heute reden wir von IP (Internet Protocol) und das Internet ist beherrschend bei der Digitalisierung auf allen Ebenen. Das hat natürlich unterschiedliche Auswirkungen bei großen und kleineren Unternehmen. Dabei sein muss allerdings ein Jeder.

Gibt es bei den Anwendungen einen Unterschied zwischen größeren und kleineren Betrieben?
Großunternehmen mit eigenen IT-Abteilungen gehen hier teilweise immer noch einen eigenen Weg, auch wenn sie Standardisierung und Vereinheitlichung wollen.
Kleine und mittlere Unternehmen, die sich keine große IT-Bereiche leisten können, setzen stärker auf Systemhäuser um so die Vorteile neuer Technologien nutzen zu können.

Wenn Problemstellung oder Bedarf vorliegt, wie läuft dann gewöhnlich der Prozess der Umsetzung?
Die eigentlichen Entscheidungen fallen mittlerweile eher auf Fachbereichsebene, diese haben heutzutage auch weitaus mehr Budget als früher. Bei KMU ist diese Aufsplittung der Rollen nicht gegeben, hier entscheidet zumeist der Eigentümer selbst.

Welche Herausforderungen sind bei der Umsetzung erwähnenswert, Stichwort Schnittstellen?
Sehr individuell. Wenn Sie an Applikationen wie Big-Data denken, eher langfristig. Hier benötigt es ja auch erst eine Ansammlung von Daten, die dann entsprechend analysiert und ausgewertet werden müssen.
Bei standardisierten Lösungen wiederum, etwa im Bereich der Analyse von Bewegungsdaten von Telefonteilnehmern, können auch KMU über die Standardisierung profitieren. Hier geht es dann um Laufzeiten zwischen drei und sechs Monaten.

Um welchen Kostenrahmen geht es bei kleineren und bei größeren IT-Projekten?
Das ist schwer eingrenzbar, bei kleineren Projekten zwischen 200 und 300.000 Euro beginnend. Nach oben hin ist nahezu keine Grenze vorhanden. Das Kostenbewusstsein ist allerdings auf allen Ebenen ein sehr hohes geworden.

Gibt es etwaig branchenspezifische Problemstellungen und Erfahrungswerte?
Ja, je nach Branche signifikant unterschiedlich. „One fits for all“ gilt hier nicht mehr.
Wenn Sie sich das normale Spitalswesen anschauen gemeinsam mit SAP mit ISH (InformationSystemHealth) oder ISH-Med, im Vergleich hat etwa der Reha-Bereich komplett andere Anforderungen. Man muss hier sehr spezifisch selbst innerhalb einer Branche vorgehen.

Ein wesentliches Thema ist Business Intelligence (BI) und Artificial Intelligence (AI). T-Systems betreibt hier mit der Deutschen Bahn eine Art Modellprojekt, wo erstmals die Wertschöpfungskette vom maschinellen Lernen bis hin zu Produkt und Kunden geht.
Kunden überlegen immer stärker, was sie aus Big Data ablesen können. Bewegungsdaten wie bei der Deutschen Bahn können aber auch bei österreichischen Autofahrern dazu genützt werden um etwa frühzeitig Umleitungen anzubieten, abhängig von der Verkehrsfrequenz oder bei Staus. Oder, mit eingebauten Sensoren in den Parkplätzen ist auch eine automatisierte Führung zu freien Plätzen möglich.
Einerseits können hier Fahrplanoptimierungen durchgeführt werden wenn man weiß welcher Zug hat wann und wo und warum Verspätung. Das geht dynamisch und betrifft etwa auch Anschlussverbindungen im Busverkehr. Alles im laufenden Betrieb, was früher undenkbar gewesen wäre.
Durch Preventive Maintenance kann man zudem bereits im Vorfeld wissen, welche Lokomotive hat wo welche Probleme. Solche Maschinen sterben ja nicht plötzlich, das sind Prozesse die hier ablaufen und auch diese werden in unseren Systemen berücksichtigt.

T-Systems hat hier in der Entwicklung auch auf historische Fahrpläne zurückgegriffen.
Ohne historische Fahrpläne wäre das überhaupt nicht denkbar, sie müssen ja den Erfahrungswert heraus arbeiten.

Thema Cloud, welche Entwicklungen sehen Sie hier in den letzten Monaten, etwa bei Datenmanagement und Verfügbarkeit sowie Datenschutz und Sicherheit?
Wir kennen sämtliche Auswirkungen und Variationen der Cloud. Die verschiedenen Ansätze zu Cloud-Lösungen verwirren in der Zwischenzeit. Wir sehen uns mittlerweile als Cloud-Integrator. Entscheidend bei allen Variationen ist erstens das Netzwerk und dann die Security.
Security einmal im Kontext zu unserem Rechenzentrum hier in Österreich und zudem betreiben wir ein eigenes Kompetenz-Center in Wien und das nicht nur national sondern für ganz Europa.

Welche Empfehlungen würden Sie einem Unternehmem bezüglich Nutzung neuer Technologien geben?
Wenn man als „Front-Runner“ unterwegs ist, kann man sich schnell verbrennen. Die Empfehlung geht eher in Richtung „Early Adapter“ um die Früchte der Front-Runner ebenfalls zu genießen.
Oder in Richtung „First-Mover. Man muss in jedem Fall von Anfang an dabei sein.

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“Everyone's got to be there.”

T-Systems Austria has a new managing director since may, who was in leading international management-positions for many years. Economy talked to the proficient expert in business-it about current trends, about dying machines, about the dangerous for front-runners and about the enjoyment for early-adaptors.

Economy: Which developments has business-related IT undergone in recent years?
Franz Grohs: My generation still used pay phones, today we speak of IP (Internet Protocol) and the Internet plays a dominant role in the digitisation process on all levels. Of course, there are different developments in Industry-Companies and Small & Medium Enterprises. But everyone's got to be there.

According to apply new technologies, is there a different between large and smaller companies?
Large companies with their own IT departments still mostly go their own way, even when they want standardisation and unification.
Small and medium-sized companies, which cannot afford large IT-departments, rely heavily on system houses to take advantage of new technologies. But Everyone's got to be there.

When the problem and demand exist, how does the process usually work, right up until the finished solution?
Decisions are now actually made more at a departmental level, where they also have larger budgets than before. In SMEs there are not so many different roles, and here the owner himself usually decides.

What challenges are there in general when implementing technology projects, Keyword: Interfaces?
The duration is very varied. In the case of applications like Big-Data, it can be rather long-term. Here, data needs to be collected Wwhich then has to be analysed and evaluated accordingly.
With regard to standardised solutions, as for instance in the area of the analysis of movement data of telephone subscribers, SMEs can also benefit from the standardisation. This would take from three to six months.

Which budget framework results in the event of smaller and larger IT projects.
This is difficult to define, in the case of smaller projects starting at between 200 and 300,000 Euro. At the top, there is almost no limit. However, cost awareness has become very important at all levels.

Are there any branch-specific problems and experience values possible, for example in industry?
Yes, significantly different, depending on the industry. “One size fits all” is no longer valid here.
When looking at a normal hospital system, together with SAP Patient Management, ISH (InformationSystemHealth) or ISH-MED, the rehabilitation area, for instance, has completely different requirements. One has to be very specific here, even within a particular sector.

An important topic is Business Intelligence and Artificial Intelligence. T-Systems and the Deutsche Bahn are working in an applied research project which provide a value-chain from learning machines directly to the customer.
Customers are increasingly wondering what they can learn from Big Data. Mobility data such as used by Deutsche Bahn can also be used for Austrian motorists, to inform them about possible diversions at an early stage, depending on the traffic volume or in the event of congestion. Alternatively, in-built sensors in parking areas can provide automatic guidance to free places.
For instance, timetable optimisation can be achieved when we know which train has been delayed when, why and where.This is a dynamic process and also applies to connections with buses. All this, while the operation is running, which would have been unthinkable before.
Through preventative maintenance, moreover, it is possible to know in advance which locomotive has which problems. Their engines don’t suddenly fail, processes occur and these are also taken into account in our system.

In this development T-Systems took advantage of historical timetables.
Without historical timetables this would be impossible, we need them to establish empirical data.

Next topic Cloud, which developments are relevant in the last months, especially in Data-Management and Availability as in Data-Protection and Security.
We know all the uses and variations of Cloud-technologies. In the mean time, all the different approaches to Cloud solutions can be confusing. For our part, we already think of ourselves as Cloud integrators. With all options, the deciding factors are, firstly, the network and then security.
Security comes first in the context of our data centre here in Austria, and also in our competence centre that we run in Vienna, for the country and for the whole of Europe.

Which recommendations would you give a company regarding the use of new technologies?
When you are a “front runner”, it is easy to get burnt. The recommendation is either to be an “early adapter” to enjoy the fruits of the front runner as well.
Or to be a “first mover”. You have to be present right at the start.

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translation by economy; red/czaak, Economy Ausgabe Webartikel, 29.11.2016