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23. October 2018

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"Wir haben Artentod und Höfesterben satt!"

© piqs.de/fina2013

Die bisherigen EU-Handelsabkommen setzen die kleinbäuerliche Landwirtschaft unter Druck. Attac fordert nun eine Deckelung der Direktzahlungen an Großbetriebe und eine weitaus stärkere Förderung kleinbäuerlicher wie ökologischer Landwirtschaft.

Anlässlich des aktuellen Treffens der EU-Agrarminister kritisiert Attac Österreich gemeinsam mit der Plattform „Wir haben es satt!“ die „desaströsen Auswirkungen“ der europäischen Agrarpolitik (GAP). „Eine Agrarpolitik für rein globale Wettbewerbsfähigkeit, schwächt die europäischen Bauern in ihrem Existenzkampf gegen die Agrarmultis und gegen die exportorientierte Lebensmittelindustrie. Die direkte Folge davon sind Höfe- und Artensterben, immer größere Agrarfabriken, schlechte Arbeitsbedingungen, ungesunde Lebensmittel und eine Verschärfung der Klimakrise“, kritisiert Carla Weinzierl von Attac Österreich.

Merscosur-Abkommen als Musterbeispiel für Dumping bei Preisen und Lebensmittelstandards
Zahlreiche der rund 30 geplanten Handelsabkommen der EU setzen die kleinbäuerliche Landwirtschaft EU- und weltweit unter Druck. Musterbeispiel für das Dumping bei Preisen und Lebensmittelstandards ist das Abkommen zwischen der EU und den sogenannten Mercosur-Staaten (Anm. alle Staaten Südamerikas). Laut Attac wird es die hohe Abhängigkeit der EU von agrarindustriellen und genmanipulierten Sojaimporten verschärfen und dabei dem Agrarchemieriesen Monsanto in die Hände spielen. In Argentinien entfallen nahezu 100 Prozent der Sojaanbaufläche auf genmanipulierte Sorten, in Brasilien rund 96 Prozent.
Die Mercosur-Länder sind schon jetzt für rund 60 Prozent der EU-Sojabohnenimporte und 90 Prozent der EU-Sojaschrotimporte verantwortlich. Brasilien ist gerade dabei die umwelt-, gesundheits- und arbeitsrechtlichen Standards für Pestizide zu verwässern. 30 der in Brasilien im Kaffeeanbau zugelassenen Pestizide sind in der EU verboten. Attac fordert die Agrarminister auf, sich klar gegen Mercosur und ähnliche Abkommen mit Drittstaaten zu stellen, die „vorrangig die Profitinteressen der exportorientieren Agrarindustrie bedienen.“

Direktzahlungen deckeln und kleinbäuerliche wie ökologische Landwirtschaft fördern
Die Minister müssten zudem endlich erkennen, dass die Direktzahlungen pro Fläche vorwiegend niedrige Erzeugerpreise für die Agrarindustrie ermöglichen anstatt kleinbäuerliche Betriebe zu erhalten, kritisiert Attac. Bei den Konsumenten kommt dieses Steuergeld oft nicht an. Eine konsequente Deckelung dieser Direktzahlungen oder eine völlige Umgestaltung dieses Fördersystems würde verhindern, dass bei ökologischen Programmen und in der ländlichen Entwicklung gekürzt werden muss.
„Eine demokratische Lebensmittelpolitik muss auf die Bauern, Landarbeiter, Umwelt, Gesundheit, Menschenrechte und unsere Lebensgrundlagen wie Land, Wasser und Saatgut ausgerichtet sein“, so Attac in einer Aussendung. All diese Bereiche seien direkt von der Art betroffen, wie unsere Lebensmittel produziert, verteilt und konsumiert werden. Deshalb gehe es um die Demokratische Gestaltung unseres Lebensmittelsystems. „Wirkliche Lösungen für die Herausforderungen und gesellschaftlich wünschenswerte Ziele können nur mit einer radikalen sozial-ökologischen Wende erreicht werden“. (red/cc)

(Anm. der Redaktion: Die Mitglieder der Plattform "Wir haben es satt!" sind: Attac, ÖBV-Via Campesina Austria, IG-Milch, FIAN Österreich, Südwind, Welthaus Graz-Seckau, GLOBAL 2000, Greenpeace sowie Grüne Bauern und Bäuerinnen).

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red/cc, Economy Ausgabe Webartikel, 28.09.2018