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19. Juni 2018

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Der Kampf gegen Brustkrebs

Der Kampf gegen Brustkrebs© piqs.de/ilagam

An der Medizinischen Universität Graz wurde im Rahmen eines FWF-Projektes ein Biomarker für Brustkrebs mit schlechten Heilungschancen gefunden und zwei praktikable Nachweismethoden für Gewebeproben entwickelt.

Brustkrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei Frauen weltweit. In Österreich erkranken rund 5.500 Frauen jährlich an dieser Krebsart und 1.500 sterben trotz Früherkennung daran. Wenn ein Knoten in der Brust aufgespürt wird, ist eine Biopsie der nächste Schritt in der klinischen Praxis. Gegen die bangen Stunden bei den betroffenen Frauen gibt es kein Rezept. Die Gewebeprobe gibt weitere Hinweise für Diagnose und Behandlung.

Höhere Rückfallhäufigkeit und Sterblichkeit
Ist der Brusttumor bösartig, wird gleich der Subtyp mitbestimmt. Je nach Subtyp kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden infrage. "Mit der Patientin wird nach der Analyse im interdisziplinären Tumor-Board besprochen, welche Therapien zur Verfügung stehen und, wenn gewünscht, die Chance auf Heilung diskutiert", erklärt Krebsmediziner Thomas Bauernhofer von der Universitätsklinik Graz.
Parallel dazu hat der Onkologe mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF an der MedUni Graz einen Biomarker untersucht, der auf schlechtere Heilungschancen von Brustkrebs-Patientinnen hinweist. In fünfjähriger Forschungsarbeit in enger Abstimmung mit den Instituten für Biophysik und Pathologie gelang der Nachweis, dass ein höherer Gehalt eines bestimmten Proteins in den Genen eine höhere Rückfallhäufigkeit und Sterblichkeit von Patientinnen mit dem hormonabhängigen Tumor-Subtyp (ER+) bedingt. Bei zirka 60 Prozent aller Patientinnen mit Brustkrebs wird ein ER+-Tumorsubtyp festgestellt.

Bausteine der Gene
Im Rahmen des FWF-Projekts wurden zwei Methoden entwickelt, um die übersteigerte Produktion dieses Proteins in Gewebeschnitten nachzuweisen. Das Team forschte nach einer geeigneten Färbemethode mittels Immunhistochemie und von der nun erfolgreich etablierten Methode profitieren auch Forscherinnen und Forscher, die sich mit dem sogenannten GIRK-Ionenkanal in anderen Kontexten beschäftigen. In einer Gencluster-Untersuchung wies das Grazer Team zudem nach, dass auch weitere Gene im Tumor sehr aktiv werden.
"Zwei Gene sind mit einem Östrogenrezeptor assoziiert, ein weiteres mit dem Angiotensin II Rezeptor,“ so Thomas Bauernhofer. Die höhere Sterblichkeit der Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem Tumor und hoher GIRK1-Expression könnte mit einer schlechteren Wirkung der Hormontherapie oder einer höheren Metastasierungsfähigkeit zu tun haben, so die Forscher. GIRK1 könnte aber auch ein neues Behandlungstarget werden. "Es ist noch zu früh, den Biomarker bei jeder Biopsie mitzubestimmen. Unsere Ergebnisse haben noch keine therapeutischen Konsequenzen, aber um den Zusammenhang von GIRK1 mit der schlechten Überlebensrate müssen wir uns kümmern,“ ergänzt Bauernhofer.

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red, Economy Ausgabe Webartikel, 24.11.2017