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22. November 2017

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Ohne Bildung keine Perspektiven

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Rund 100 Millionen Kinder wachsen weltweit ohne Schulbildung auf. Doch aus den bildungslosen Kindern werden bildungslose Erwachsene, was Gesellschaften in schwere Probleme stürzen kann.

Dass Bildung einer der wichtigsten Grundpfeiler für eine funktionierende und eine nachhaltig prosperierende Gesellschaft ist, braucht heute kaum mehr betont zu werden. Bildung sorgt vor allem für nachhaltige Entwicklung über mehrere Generationen.
Diese Erkenntnis mag trivial erscheinen, ihre Bedeutung ist es aber nicht. Sehen wir uns in den heutigen Krisengebieten um. In Afghanistan und dem nördlichen Pakistan zum Beispiel, den gegenwärtigen Konfliktherden par excellence, steht es um Bildungschancen eher schlecht. Junge Menschen ohne Perspektiven sind erheblich anfälliger für Radikalismen, in diesem Fall für islamistische. Mit Fanatismuslehren, die den Platz einer Bildungserziehung einnehmen, wird eine aggressive, intolerante Subkultur des religiösen Terrorismus genährt. Statt in staatliche Bildungseinrichtungen werden junge Leute in Madrasas (islamischen Schulen) gedrillt, wie Taliban-Aussteiger berichten. Und es gibt kaum Alternative dazu.

Strukturversagen
Dies ist nur ein Beispiel dafür, wozu das Versagen einer funktionierenden Bildungsstruktur führen kann. Die Unesco hat daher Recht, mit ihrer Initiative „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ besonders intensiv auf die Notwendigkeit von Bildung hinzuweisen.
„Nachhaltige Entwicklung versucht die Erfordernisse der Gegenwart zu erkennen, ohne zukünftige Generationen zu kompromittieren“, so die Unterorganisation der Vereinten Nationen.
„Wir müssen lernen, unseren Weg aus den vorherrschenden sozialen und umweltlichen Problemen zu finden. Die Initiative Bildung für nachhaltige Entwicklung zielt darauf ab, dass Menschen ihre Haltungen, ihre Fähigkeiten und ihr Wissen dazu einsetzen, um informierte Entscheidungen zu treffen – zu ihrem eigenem Nutzen und dem von anderen, und um jetzt und in der Zukunft auf der Basis dieser Informationen Entscheidungen zu treffen.“

Kooperationen
Was Entwicklungsländer betrifft, ist die Offensive naturgemäß besonders gefordert. Häufig arbeitet die Unesco hier auch mit Firmeninitiativen zusammen. Stefan Rennicke, Leiter des Fachbereichs Public Private Partnerships bei der deutschen Unesco-Kommission, weist auf einige erfolgreiche Ko­operationen in Afrika hin. Obwohl, so Rennicke, Firmenpartner für solche Kooperationen nicht leicht zu finden seien, gebe es dennoch gute Ansätze.
Ein jüngeres Beispiel für unternehmerisches Engagement in Afrika ist die Cisco Networking Academy in Kampala, der Hauptstadt von Uganda, wo mit Erfolg insbesondere junge Frauen zu Netzwerk-Administratorinnen ausbildet werden.
Laut Unesco-Zahlen wachsen mehr als 100 Mio. Kinder weltweit ohne Schulbildung auf. Weitere 150 Mio. brechen die Schule vorzeitig ab, ungefähr 800 Mio. Erwachsene sind Analphabeten.
Das Problem: Aus den Kindern ohne Bildung werden Erwachsene ohne Bildung. In den betroffenen Ländern fehlen gut ausgebildete Fachkräfte. Wer es sich als Mitglied der reicheren Schichten leisten kann, versucht einen Studienplatz im westlichen Ausland zu ergattern. Und das Bildungsniveau im eigenen Land sinkt weiter, weil viele Absolventen nicht in ihr Herkunftsland zurückkehren, um ihr Wissen dort weiterzugeben.

Schlüsselaufgabe
Mehr Menschen Zugang zu angemessen bezahlter Arbeit zu ermöglichen, ist eine der Schlüsselaufgaben im Kontext von Armutsbekämpfung. Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit sind Frauen und Jugendliche.
Auf dem Weltbildungsforum der UNO in Dakar im Jahr 2000 hat sich die internationale Gebergemeinschaft verpflichtet, Entwicklungsländer bei der Grundbildung zu unterstützen – jedoch nur dann, wenn die eigenen Mittel nicht ausreichen und bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Die Länder müssen eine freie Grundbildung für alle sowie die Gleichheit der Geschlechter im Bildungsbereich anstreben.
Österreich beteiligt sich jährlich mit einem Förderbeitrag am Unes­co-Programm. 2009 wurden 1,2 Mio. Euro für die Bildungsinitiative an die Unesco überwiesen.

Economy Ausgabe 86-08-2010, 27.08.2010